Da ich ja schon wusste, wie der Hase ungefähr hoppelt, habe ich einen Trick angewandt, der nicht ohne Risiko war.
Ausgeganen bin ich von der Vermutung, dass die Dosen wenn überhaupt, dann nur im klinischen Bereich höher liegen, als im ambulanten.
Bevor ich also in die Klinik Bad Münder einmarschiert bin, habe ich nach meinem Bedarf dosiert. Und mir eine morgendliche Dosis von 2 x 50. Und eine nachmittägliche Dosis von 1 x 50 mg „verordnet“.
In der Klinik gab es dann Mord und Totschlag. Und Zeter und Mordio. Da ich aber vorbereitet war, blieb ich bei der Linie, tut mir leid, dass ist laut meines Arztes das mindeste Programm.
Dann wurde um jede einzelne Kapsel ein Krieg angefangen, na wohl eher eine Art Kuhhandel. Es ging schließlich zu, wie auf dem türkischen Basar. Dabei wurde schliesslich ein Kompromissfrieden geschlossen: ich verzichte auf die nachmittägliche Dosis. Und bekomme dafür die 2 x 50 Elvanse am Morgen.
Auch darauf war ich vorbereitet. Ich wusste von Anfang an, dass eine höhere Einmaldosis bei den Sittenwächtern zwar nur sehr schwer, aber viel einfachher durchzusetzen würde sein. Als eine zweimalige Dosis. Da Elvanse ja bekanntlich den ganzen Tag abdeckt (was nicht der Fall ist, 6 bis 8 h). Und am Nachmittag nicht eingenommen werden kann, da diese Dosis durch ihre extrem lange sowie durch die extrem antriebssteigernde Wirkung (was beides nicht der Fall ist) das Einschlafen stört, was besonders nicht in einem Hause toleriert werden kann, in dem um 21 Uhr Licht aus ist.
Ich erklärte dann, dass die zweite Dosis deshalb unverzichtbar sei (damit versuchte ich den erwarteten Angriff mit der nicht therapeutschen Wirkung zu entkräften, damit einem der Rebound nicht die Schuhe auszieht (vor Depression), habe also erst gar nicht erst behauptet, dass es um eine therapeutisch obligate Dosierung geht.
Doch mit dieser Argumentation habe ich mir in den eigenen Fuss geschossen. Denn die Ärztin argumentierte: damit würde der Rebound nur hinausgeschoben. Fazit: es blieb bei den 2 x 50 g am Morgen.
Zu Hause angekommen, lief nun das ganze Ritter-Turnier wieder in der entgegengesetzten Richtung ab. Wieder Mord und Totschlag. Wieder Zeter und Morio. Wieder wurde ein Krieg um jeden Krümel geführt. Meine Argumentationslinie war: Es tut mir leid, die Dosis von 2 x 50 mg sah die Klinik als das absolut gerade noch so vertretbare Mindestmass an. Die Sache stand kurz auf der Kippe. Aber ich ging davon aus, dass die von der Klinik eingestellte Dosis in der Regel im ambulanten Bereich übernommen wird. Während dies in der anderen Richtung überhaupt noch nicht der Fall gewesen ist. Das war der zweite Grund für meine eigenmächtige Hochdosierung: Der Wunsch nämlich, dass von der Elvanse Medikation in der Klinik überhaupt etwas übrigbleiben möge.
Leider ist es mir noch bei keinem Psychiater gelungen, diesem begreiflich zu machen, dass in einer Kapsel 5o mg Elvanse keine 5o mg Amphetamin drin sinnt, sondern 14,8 mg. Und das man mit dieser Tagesdosis gar nichts behandeln kann, keine ADHS, keine Narkolepsie und auch kein Hühnerauge. Ich gehe inzwischen davon aus, dass man dies nicht begreifen will. Denn es handelt sich ja nicht um eine Geheimwissenschaft, sondern es steht ja in jeder Packungsbeilage.
Fazit: Du vermutest richtig, um an eine halbwegs angemessene Dosis an Amphetamin zu kommen, ist in Deutschland inzwischen nur noch der halblegale Weg offen.
Deine Vermutung mit Adderall ist korrekt. Alles was L-Amphetamin enthält ist besser. Weil es wenigstens ein bisschen auf den Antrieb wirkt. Auf den man bei der Behandlung von ADHS verzichten kann, das ist mir schon klar. Deshalb wird ja darauf verzichtet. Bei der Behandlung einer Depression ist DL-Amphetamin alternativlos. Leider ist inzwischen auch klar, dass Elvanse in puncto Antrieb das beschissenste Amphetamin überhaupt ist. Also noch mieser als Attentin. Wir brauchen also wieder den DL-Amphetaminsaft oder die DL-Amphetamin-Kapseln. Nicht nur weil sie besser wirken übrigens, sondern weil damit auch die alberne Diskussion im höchsten Fall eine Kapsel Elvanse entfällt.
Auf meine Frage, wer sich diesen hahnebüchernen Schwachsinn hat einfallen lassen, wurde mir übrigens inzwischen mit einem hochoffiziellen Zitat geantwortet: „Ein zusätzlicher Nutzen über die Dosierung von 70 mg Elvanse hinaus ist nicht belegt.“
An dieser Stelle machte ich einen Fehler, in dem ich sagte: „Dass ein Nutzen in Studien nicht belegt wurde, heisst nicht, dass er nicht vorhanden ist. Es heisst lediglich, dass er nicht belegte wurde.“ (Natürlich ist der Nutzen von Amphetamin in jeglicher Dosierung studientechnisch belegt und zwar ungefähr seit 100 Jahren. Aber versuche dies mal einem Psychiater klar zu machen, völlig ausgeschlossen. Deswegen habe ich diese Argumentation von vorne herein weggelassen.)
Damit hatte ich bewusst gegen das 3. psychiatrische Gesetz verstossen.
§ 1. Der Psychiater hat immer recht.
§ 2. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Patient einmal recht haben könnte, wird automatisch nach § 1 weiter verfahren.
§ 3. Zweimaliges Widersprechen des Patienten in derselben Sache deutet auf eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung hin.
Et voila! Heisst meine Diagnose doch jetzt wieder offiziell „ADHS mit vermutetem Autismus, bei dem allerdings die Persönlichkeitsstörung im Vordergrund persistiert.“ 
Natürlich ist die Sache nicht zum Lachen, sondern zum Heulen. Aber ohne Humor kommst Du nicht durch die Psychiatrie, weder durch die ambulante, noch durch die stationäre, jedenfalls keine 30 Jahre - das ist nicht durchzuhalten, no way.
Natürlich wären die meisten unsere Probleme mit dem amerikanische Therapieangebot gelöst, bei mir einschliesslich der Depression, deren Zunahme seit vier Jahren so gut wie ausschliesslich auf Elvanse zurückzuführen ist. Aber leisten könnten wir uns auch diese Medikamente nicht - genauso wenig wie die meisten Amerikaner. Denn auch diejenigen, die versichert sind, müssen blechen. Also dies ist auch wieder mehr eine akademische Diskussion.