Elvanse/Lisdexamfetamin emotional abgestumpft, leer und depressiv?

Hallo,

Ich habe zu Beginn meiner ADHS Medikation (Februar 2026) mit Lisdexamfetamin 20mg viel im Forum bezüglich Tipps und Erfahrungsberichte herumgestöbert und habe viel Hilfreiches mitnehmen können. Nun bin ich aber an einem Punkt angelangt, an dem ich aktiv über meine Erfahrung berichten möchte - in der Hoffnung auf etwaige gleiche Erfahrungswerte und möglichen Umgang damit.

Ich nehme LDX wie bereits erwähnt seit Februar 2026 (teils mit 1-2 Tagen Pause) und seit März ununterbrochen. Der Ablauf ist immer der gleiche: Nach ca. 1-1,5 Stunden habe ich ca. 2 Stunden lang ein „High“. Ich fühle mich motiviert, energetisch und habe eine leichte euphorische Stimmung. Nach den 2 Stunden bin ich ruhig, fokussiert, aber auch emotional abgestumpft, unnahbar. Ich bin sehr ernst, weniger witzig als sonst und finde auch nicht mehr so vieles lustig. Ich bin viel weniger kreativ und teilweise antriebslos. Ich mache Dinge, die notwendig sind und ziehe sie im Vergleich ohne Medikament auch konsequent durch. Ich habe einen roten Faden auf der Arbeit und im Alltag und bin mehr auf die essentiellen Dinge fokussiert als auf Nebensächlichkeiten. Ich schlafe besser und länger. Ich bin emotional zwar regulierter und habe nicht dieses wechselnden Hochs und Tiefs innerhalb eines Tages, aber diese Distanziertheit von allem, fühlt sich sehr einsam an. Ich hatte immer Probleme mit Menschen (vorsichtig, Vertrauensprobleme, unsicher), aber ich isoliere mich so stark von Menschen, weil ich ihnen gegenüber noch mehr misstrauisch und vorsichtig bin.

Zudem habe ich kein Interesse mehr an Intimität mit meinem Partner, selbst küssen oder Umarmungen „brauche“ ich nicht.

Ich mache nicht die Dinge, die mir guttun oder Spaß machen. Und wenn ich sie mache, dann fühle ich sie nicht richtig.

Ohne Medikament habe ich sehr intensiv gefühlt und mich bei gewissen Aktivitäten wie bspw. Fahrrad fahren ganz bei mir selbst gefühlt. Dieses Ganz-bei-mir-sein Gefühl habe ich seit der Medikation mit LDX nicht einmal gehabt. Ich fühle Musik nicht mehr so intensiv und ist auch keine Leidenschaft mehr von mir, was ohne Medikament der Fall war.

Seit ca. 2 Wochen bin ich emotional extrem fertig. Ich fühle mich wahnsinnig depressiv, ich habe keine Energie mehr, empfinde keine Lust mehr an irgendwas und fühle eine extrem starke Sinnlosigkeit des Lebens. Im Zuge dessen habe ich auch keinen Antrieb, etwas dagegen zu tun, denn mir fehlt das „Wofür“?

Ich habe depressive Phasen und PTBS, bin bereits (seit Jahren) in Therapie und kenne depressive Phasen. Dennoch habe ich ohne Medikament mehr Freude und Hoffnung empfunden, mehr für mich getan und auch dementsprechend Freude oder Entspannung gefühlt. Mit dem Medikament ist nichts davon der Fall.

Ich habe bereits in anderen Foren gelesen, dass einige vermuten, dass durch das Medikament genau solche Dinge eher ab die Oberfläche gelangen. Andere schreiben, dass es mit Methylphenidat anders/besser wäre.

Ich fühle mich in einem absoluten Zwiespalt zwischen mit Medikament fokussiert, aufs Wesentliche beschränkt, kein quälendes Gedankenkreisen und besserer Schlaf, aber emotionale Abgestumpftheit bis hin zu depressiv und ohne Medikament Lebendigkeit und emotionalem „Dasein“, aber ohne Fokus, Stimmungsschwankungen und quälenden Gedankenkreisen sowie stärkeren Schlafstörungen.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen, einen Umgang damit oder eine Erklärung? Ich weiß momentan nicht weiter.

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Hast du mal höhere Dosierungen probiert? Du nimmst ja grade erst die kleinste Einstiegsdosis. Unterdosierung kann unangenehmer sein als Überdosierung.

Das wäre jetzt so die einfachste Option auszuprobieren. Machst du eine Psychotherapie?

Du beschreibst zudem Gedanken, dass dein Leben kein Sinn macht. Das kann auch vorkommen bei der Behandlung von Stimulanzien soll aber definitiv nicht so sein. Hast du schon mit deinem Arzt darüber gesprochen?

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Danke für deine Antwort.

Ich habe kürzlich zusätzlich 30mg verschrieben bekommen, die ich bei Bedarf nehmen soll (um die Periode herum, da die 20mg LDX in diesem Zeitraum nicht zu wirken scheinen).

Von meiner Neurologin kommt da leider nicht so viel. Der große Einbruch ist letzte Woche erst gekommen und seitdem frage ich mich, ob es am Medikament liegen könnte. Deswegen habe ich es noch nicht bei meiner Neurologin angesprochen. Ich habe auch nicht wirklich das Gefühl, dass ich das gut mit ihr besprechen könnte…

Das ist natürlich ungünstig, dass du nich offen sprechen kannst mit deiner Neurologin. Aber leider hat man ja nicht eine große Auswahl aktuell.

Wäre wahrscheinlich schon wichtig, dass du noch jemand zum reden hast, grade in solchen Phasen, oder?

Und hast du die 30mg schon ausprobiert? Probier die doch mal eine Woche aus, unabhängig vom Zyklus

Ja, mit meinem Therapeuten kann ich einen Termin vereinbaren. Mir ist das Ausmaß erst richtig letzte Woche bewusst geworden, weswegen ich noch nicht weiter aktiv geworden bin.

Ich hatte jetzt drei Tage Pause vom LDX gemacht und fühle mich wieder lebendiger und mental besser. Ich werde heute nochmal mit 20mg starten und ab morgen dann 30mg ausprobieren. Vielleicht hilft dein Tipp ja. Danke!

Alles klar. Und wenn es nicht zu stark unangenehmen Nebenwirkungen kommt mind. 5 Tage beibehalten.

Kein Cafe, und am besten Tagebuch führen.

viel Erfolg :four_leaf_clover:

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Emotionale Abstumpfung kenne ich von Elvanse, ich hatte das Problem beim Rebound als ich mit 20mg gestartet bin. Nach ein paar Tagen ist das jedoch besser geworden, mit der Erhöhung der Dosis auf 40mg ist die extreme Abstumpfung dann komplett verschwunden. Ich kann mich hier @hypo nur anschließen, eine Erhöhung der Dosis scheint der nächste logische Schritt zu sein. Dass du nur eine Wirkdauer von 2 Stunden hast (wenn ich das richtig verstanden habe) spricht auch für eine Unterdosierung.

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Danke für deine Antwort!

Ich glaube nicht, dass ich nur eine Wirkdauer von 2 Stunden habe, aber vielleicht irre ich mich auch? Ich habe jedenfalls immer am Anfang ca. 2 Stunden dieses High mit Stimmungsaufhellung, Motivation und Tatendrang. Danach bin ich ruhig, emotional reguliert und fokussiert, aber auch wie gesagt abgestumpft und nahezu depressiv. Ich hätte diesen Zustand auch dem Medikament zugeordnet.

Oder ist dieser „High-Zustand“ eigentlich das Ergebnis, was längerfristig erzielt werden soll? :flushed_face:

Ein „High-Zustand“ ist eigentlich nicht das Ziel, Aber eine Antriebssteigernde Wirkung und eine Stimmungsaufhellung beschreibt schon die Wirkung die man haben will. Wie genau die Wirkung sich subjektiv anfühlt ist sehr unterschiedlich, bei manchen Leuten hat Elvanse eine sehr starke, deutliche Wirkung, bei anderen wirkt es eher subtil. Bei mir ist die Antriebssteigerung und die Stimmungsaufhellung auch stark ausgeprägt und erinnert manchmal an ein „High“, hält aber mit meiner aktuellen 50mg Dosierung nur 4 Stunden an. Beim Rebound nach 4 Stunden bin ich dann am Anfang sehr emotionslos geworden und hatte Probleme bei sozialen Interaktionen, also ähnlich wie du’s beschrieben hast. Dass du nach 2 Stunden noch fokussiert und ruhig bist spricht wohl dafür dass das Medikament doch eine längere Wirkdauer hat. Die emotionale Abstumpfung usw konnte ich deutlich auf den Rebound zurückführen, nach welcher Zeit spürst du den Rebound deutlich?

Find ich interessant, bei mir war genau das Gegenteil der Fall. Vor meinen Medikamenten hatte ich überhaupt keinen Spaß mehr an Musik, generell hat mein Belohnungssystem nicht mehr wirklich funktioniert. Ich denke das lag vor allem an der Kombination von ADHS und meiner Hochbegabung, die Kombination kann sich sehr negativ auf das Belohnungssystem und den Cortisolspiegel auswirken. Seit ich Elvanse nehme habe ich durch Musik endlich wieder eine Dopaminausschüttung, ich habe sogar wieder angefangen selbst Musik zu machen. Dass Elvanse bei dir entgegengesetzt wirkt kann ich mir nicht erklären. Vielleicht wird sich das Problem durch eine Dosiserhöhung lösen, wenn nicht gibt’s ja auch noch andere Medikamente und Wirkstoffe die man probieren könnte. Ich würde auf jeden Fall eine höhere Dosis probieren und diese Konstant nehmen bis der Steady-State erreicht ist. (Ohne Koffein!)

Rebound nach 4h kann nicht sein. Da dann gerade mal der Peak erreicht ist, handelt es sich dann meistens um eine Überdosierung.

Hab mal eine Grafik zum Wirkverlauf von Elvanse angehängt.

Wieso kann das deiner Meinung nach nicht sein? Nicht jeder Mensch verstoffwechselt LDX gleich, die Grafik ist in Einzelfällen nur begrenzt aussagekräftig. Die Metabolisierung von LDX ist von CYP2D6-Gen-Varianten abhängig und kann von Person zu Person stark variieren. Eine Überdosierung konnte ich in meinem Fall ausschließen.

Ich habe irgendwie Angst, dass durch das „Hemmen“ der ADHS-Symptome die Depression und die PTBS mehr zum Vorschein kommen, kann das sein?

Ist schwierig sowas allgemein zu beantworten, aber ich würde sagen eher nein. In der Regel ist das ADHS die Ursache dieser Komorbiditäten, seit ich mein ADHS einigermaßen im Griff habe sind meine chronischen Depressionen quasi verschwunden. Ich konnte meine Komorbiditäten aber auch ganz eindeutig dem ADHS und den durch die späte Diagnose entstandenen Lebensumständen zuordnen. Das heißt natürlich nicht dass es bei dir auch so sein muss.

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Weil ein Rebound das Ende der Wirkung bedeuten würde, und dass nicht sein kann bei Elvanse nach nur 4h nach Einmahme.

Das wird meistens mit erreichen des Peaks verwechselt, und der anschließende Abfall des Wirkspiegels.

Natürlich kann es sein, dass dies unangenehm ist, und bedeutet in der Regel das die aktuelle Dosis nicht optimal ist.

Wie hast du für die herausgefunden es keine Überdosierung ist?

Hallo szczeph,

ich hatte das auch unter Elvanse. Bei mir liegt auch eine Depression vor (zur Zeit keine akute Phase).
Gute Wirkung auf ADHS Symptome aber nach 2,5 Wochen anschwellend depressive Symptome.
War in 2 Testläufen so, in allen Dosierungen bis 60mg.

Nach Absetzen des LDX vollständige Rückbildung der Symptomatik, spürbar schon nach wenigen Tagen.

Ob das Elvanse bereits vorliegenden psychische Schwierigkeiten an die Oberfläche gebracht hat oder es der Wirkstoff selbst ist, der die Depressivität auslöst - konnte mir keiner sicher beantworten. Der eine sagt so, der andere anders.

Der Vorschlag, ein AD zu nehmen, um die unter Elvanse auftretenden depressiven Symptome zu dämpfen, habe ich abgelehnt.

Ich bin auf MPH zurück, mit einer Kombination aus Kinecteen und Medikinet adult. Die Wirkung auf ADHS Symptome ist „anders“ und nicht so stark und ein rebound am Abend bleibt spürbar (hatte ich unter Elvanse nicht). Das ist mir aber lieber als Depressivität.

Viel Erfolg beim Suchen deiner Lösung :four_leaf_clover:

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Danke für deine Antwort!

Also hast du diese depressiven Symptome bei den Methylphenidat Präparaten nicht? Welche Dosis nimmst du da?

Wie gesagt es kann sein, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich hab mit Rebound aber auch den Zeitpunkt gemeint ab dem die Wirkung spürbar nachlässt, während der Eindosierung ging’s halt schnell von 100 auf 0. Mittlerweile ist der Rebound deutlich langsamer und angenehmer, ich spüre ab 4 Stunden einen Rückgang der Wirkung. Der Peak kommt bei mir gefühlt 2-3 Stunden nach der Einnahme, einen Zeitpunkt festzulegen ab dem ich gar keine Wirkung mehr spüre ist schwierig.

Ich hab mehrere Male 70mg ausprobiert und dabei meinen Puls gemessen, ohne Auffälligkeiten trotz körperlicher Arbeit und Sport. Zudem sind die Symptome verschwunden die ich mit einer möglichen Unterdosierung in Verbindung gebracht habe. Außerdem hat sich der Zeitpunkt an dem die Wirkung nachlässt um 1-2 Stunden nach hinten verschoben. Das ist jedoch schwierig zu bewerten da ich ja keinen Steady-State für die 70mg erreicht habe, mir ging’s vor allem darum zu schauen wie sich eine höhere Dosis auf meinen Kreislauf auswirkt.

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3,8 bis 4,7 Std ist die Angabe zum Peak mein ich, letzteres wenn man was fettiges isst. Bei 70 scheint es ja danach direkt wieder ordentlich abwärts zu gehen, es sei denn ich versteh die angaben falsch. Jetzt könnte man ja meinen, dass das auch vielleicht daran liegt das es ein Optimalen ng/ml Wert gibt und wenn der erreicht ist alles super und sobald minimale Schwankungen nach unten kommen, wallah krise.

Ich fand den Gedanken von Moya schon gut nachvollziehbar.

Vielleicht gibt es auch Menschen, die stärker auf eine minimale Unterdosierung reagieren statt auf eine Überdosierung. :thinking:

Vielleicht die, die von Haus aus viel Impulsiver sind sobald Dopamin winkt, kann man ja nie genug von haben… :thinking: :thinking:

Edit: Alles Spekulazius bin kein Schneurologe.

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Nein, keine depressiven Symptome unter MPH (egal welches Präparat), nur bei Elvanse.
36mg Kinecteen morgens, spätvormittags 10mg Medikinet adult und am Nachmittag nochmal 10mg Medikinet adult.

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Es gibt eine Kasuistik einer traumatisierten Frau. Diese ging eigentlich wegen ihrer ADHS in Behandlung, sie wurde mit 50mg Elvanse eingestellt, sie konnte dadurch besser Schlafen und ihren Alltag meistern. Interessanterweise wussten die Behandler erst nichts von dem Trauma, das teilte sie Später erst mit und ich mein sie ging dann auch später in Therapie, hat die Dosis aber beibehalten.

Es gibt auch weitere Berichte, das Stimulanz allgemein mehr Stabilität im Alltag gibt und die, ich nenne es mal Traumasymptomatik besser kontrollierbar macht und bei manchen auch sogenannte Ich Zustandswechsel Stabilisiert.

Forschung dahingehend wird jedenfalls angeraten. Was aber jetzt die Optimale Dosis ist und wann es dann kippt, Invertet U problem?, weiß ich natürlich nicht.

Ich bin weder Psychologe noch Neurologe, daher diese meine obige Aussagen mit Vorsicht behandeln. Viel hilft nicht immer viel, sollte klar sein, etwas mehr wäre aber möglich und ist wie immer Individuell.

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