Erfahrungen mit Guanfacin (Intuniv) bei ADHS / ASS/kptbs (Erwachsene)

Hallo zusammen,

ich habe von meinem Psychiater glücklicherweise ohne Probleme Guanfacin (Intuniv) verschrieben bekommen und bin gerade dabei, langsam damit zu starten (1 mg, wöchentliche Steigerung geplant).

Ich habe ADHS, bin im ASS-Spektrum und zusätzlich eine KPTBS, weshalb mein Nervensystem sehr sensibel auf Stress, Reizüberflutung und Impulsdurchbrüche reagiert.

Mich würde sehr interessieren, wie eure Erfahrungen mit Guanfacin sind , insbesondere bei Erwachsenen mit ADHS/ASS und/oder Traumahintergrund:

Wobei hat es euch geholfen? (z. B. Reizüberflutung, Impulsivität, emotionale Regulation, Aggression, innere Unruhe)

Gab es Veränderungen im Alltag, die ihr erst nach einiger Zeit bemerkt habt?

Wie lange hat es bei euch gedauert, bis ihr eine Wirkung wahrgenommen habt?

Welche Dosis war für euch stimmig?

Gab es Nebenwirkungen und wenn ja, eher am Anfang oder dauerhaft?

Mich interessieren vor allem subtile, alltagsnahe Veränderungen und keine Wunderberichte.

Vielen Dank fürs Teilen eurer Erfahrungen!

1 „Gefällt mir“

Hallo @Lapatricia

Ich habe eine ähnliche Diagnose (ADHS/KPTBS) und die Symptome, dass mein Arbeitsgedächtnis größtenteils nicht funktioniert, weil mein Nervensystem ständig am Anschlag ist und sehr sensibel (vertrage keine Stimulanzien, kein Atomoxetin, kein Koffein…).

Daher interessiert mich Guanfacin sehr, habe bisher nur noch keinen Arzt gefunden, der mir das verschreiben würde.

Wie sind denn deine Erfahrungen bisher?

Da ich gerade wenig Zeit habe und zu Autismus un kPTBS gar nichts sagen kann, nur kurz:
Ja wöchentlich steigern ist das was im Beipackzettel und Fachinfo steht. Auf Grund von HWZ und Spiegelmedikament hatte ich (mit einfach nur ADHS) mich entschieden 3 Wochen die Dosis zu halten, um besser einen Eindruck zur Wirkung zu bekommen. In Sachen Nebenwirkungen war das auch gut. Die konnten so wieder sich gelegt haben, bevor sie nach der nöchsten Dosissteigerung erstmal wieder kamen und sich dann gelegt haben.
3 Wochen kam dann auch daher, dass ich so einen Blister mit 7 Tabletten von jeder Dosis behalte, um - wenn ich absetzen will - runterzudosieren. Abruptes Absetzen wird ja nicht empfohlen, sondern in 1mg Schritten max alle 4 Tage runterdosieren.

Da ich hier im Forum schon öfter gelesen habe, dass bei Autismus oft kleine Medikationsdosierungen schon reichen bzw Erhöhungen eher langsam oder in kleinen Schritten als hilfreicher empfunden werden. Mangels eigener Erfahrung kann ich dazu nichts sagen. Aber falls es mit Guanfacin und bei dir auch so wäre, wäre ein langsameres Eindosieren ggf hilfreich. Und verlieren würdest du dabei vermutlich nichts

1 „Gefällt mir“

Meine 16jährige Tochter nimmt inzwischen 2g. Bei 3g kann sie nicht mehr gut durchschlafen. Es har ihr geholfen weniger bleierne Müdigkeit zu haben und vielleicht etwas weniger Ängste. Beim Antrieb und der Verschieberitis hat es nichts geändert, Konzentration auch wenig. Aber alles andere hat nur Nebenwirkungen gebracht, von dem her ist das schonmal besser als nichts. Beim Aufdosieren war sie übrigens immer sehr müde, aber das hat sich nach 2-3 Tagen gelegt.

Wirkung eher so nach einer Woche bis 10 Tagen aber auch noch subtil nach 3 Wochen.Impulsivität und Reizbarkeit zeitweise etwas besser aber leider auch noch Zyklusbedingt prämenstruell wieder schlechter. Hat da jemand eine Idee dazu? Intuniv kann man ja nicht kurzfristig umdosieren….viel Erfolg beim Eindosieren!

Hallo Lapatricia,

wie kam es dazu, dass dein Psychiater dir Guanfacin verschrieben hat?

Er hat es off-label verschrieben, oder?

Musst du es selbst bezahlen und/oder bist du privat versichert?

LG,

Ich habe Guanfacin problemlos von meinen Psychiater verschrieben bekommen. War selber überrascht. Zahlen musste ich nichts.

In welchem Land wohnst du?

Gesetzlich oder privat versichert?

Bist du erwachsen oder unter 18?

Ich bin 43, wohne in München und bin gesetzlich versichert.

Fragestunde beendet?

Keine Ahnung warum er es oft und problemlos verschreiben kann. Aber es ist so.:woman_shrugging:

1 „Gefällt mir“

Danke für die Antwort.

Magst du uns erzählen, welche Erfahrungen du damit gemacht hast. Du nimmst es doch schon seit Dezember oder?

Ich vertrage Stimulanzien bisher nicht gut, reagiere mit wahnsinniger Unruhe und Überdrehung darauf und suche etwas, was mir mit Unruhe und Konzentration hilft.

Leider musste ich es im Januar absetzen. Ich hatte darunter starke Schlafstörungen, konnte nur noch bis zu 4 Stunden schlafen. Das war dann irgendwann keine Option mehr. Ich trauere Guanfacin sehr nach. Das Absetzen war schlimm, mir ging es 1 Woche total schlecht, hatte massive Ängste. Aber die Wirkung war großartig. Und tagsüber hatte ich gar keine Nebenwirkungen. Ich war entspannter und tatsächlich auch etwas fokussierter. Wie gesagt, ich bin wirklich traurig es nicht mehr nehmen zu können.

Wir wollten dann clonidin ausprobieren, weil es unretardiert ist. Leider ist es derzeit nicht lieferbar.

Darf ich fragen, ob du es morgens oder abends eingenommen hast? Hast du ggf verschiedene Einnahmezeitpunkte probiert? Und wenn ja hatten die alle den selben Effekt auf den Schlaf?

Ja, ja und ja.

Hab ziemlich viel ausprobiert, hatte alles Auswirkungen auf den Schlaf. Leider.

Puh, ob ich meine Psychiaterin zu guanfacin überredet bekomme? Ich bin gespannt.

Mit Clonidin hatte ich leider keinen Effekt, wobei ich dummerweise nur bis 150 Mikrogramm gegangen bin, vielleicht hätte ich einfach so hoch gehen müssen, bis ich irgendwas merke oder eben der Blutdruck oder puls mir mitteilt, dass die Dosis hoch genug ist

Aber dass Clonidin nicht lieferbar ist, ist ja echt unglaublich. Mittlerweile ist ständig was nicht lieferbar, man fühlt sich wie in einer Bananenrepublik. Da kriegt man es echt mit der Angst zu tun.

Manche Medis sind für mich dezent wichtig, ich möchte ungern ohne da stehen.

1 „Gefällt mir“

Irgendwas, was gegen diese permanente Dauer Unruhe in mir helfen würde, wäre schon echt hilfreich.

Diese Unruhe macht einen wahnsinnig und verhindert jede sinnvolle Aktivität.

Leider wird’s mit Stimulanzien eher noch schlimmer.

Hast Du es schon mit Antidepressiva versucht? Meine 16-jährige Tochter nimmt Intuniv und hat auch diese innere Unruhe, aber dafür hilft es ihr auch nicht wirklich.

1 „Gefällt mir“

Ich hatte mich nach diesem Video orientiert. Ich finde diesen Arzt ausgezeichnet.

Er empfiehlt da SSRIs gegen Ängste, Clonidin, Prazosin und Guanfacin gegen Übererregung und gegen Agitation dann eher Neuroleptika wie Risperidon. Aber Neuroleptika würde ich sehr ungerne nehmen wegen der vielen Nebenwirkungen und ob sie langfristig mehr Nutzen als Schaden verursachen?!?

Escitalopram nehme ich, das hilft schon etwas, aber benötige eine sehr hohe Dosierung, damit es ruhiger macht und dann bin ich eher lethargisch und kann mich zu nix motivieren.

Was hilft deiner Tochter denn?

Grundsätzlich gilt Clonidin als stärker sedierend und beruhigend als Guanfacin.

Und hat deine Tochter auch Autismus ?

1 „Gefällt mir“

Das klingt ja sehr doof… tut mir leid für Dich!

Wie schnell oder langsam hat Du denn abgesetzt?

Damit es andere nicht total vergrault, möchte ich sagen, dass mein Sohn (AuDHS), damals 16, es unkompliziert ausschleichen konnte.

Er hat jede niedrigere Dosis etwas mehr als 1 Woche, evtl 2 Wochen lang, genommen und hatte null Nebenwirkungen.

Also muss nicht unbedingt so schlimm sein.