Hallo! Ich hoffe das landet in der richtigen Kategorie hier
Ich bin 25 und studiere aktuell. Seit 3 Jahren gehe ich zur Verhaltenstherapie, da ich eigentlich schon immer mit meinem Leben struggle und seit dem Studium ist es sehr extrem, die Klausurenphasen waren immer der blanke Horror. Jetzt mit der BA komme ich überhaupt nicht mehr klar. Ich sitze oft 6-10 stunden am Tag dran und bringe keinen Satz aufs Papier.
Zum ADHS, es wurde mal am Rande vermutet in meiner Kindheit, ich bin durch Anpassung und Strategien mit viel auf und ab und Schulwechseln bis zum Studium ganz gut durchgekommen. Meine Therapeutin hatte vor einer Weile eine Fortbildung zu ADHS (in der Ausbildung lernt man darüber leider kaum was) und hat sich danach quasi entschuldigt es übersehen zu haben und sofort mit mir die Diagnostik gestartet. Wir sind noch nicht mit allem durch, sieht aber stark danach (ADS) aus und sie meinte ich solle mir schonmal einen Psychiater suchen.
Nun schreibe ich aktuell (theoretisch) an meiner Bachelorarbeit (studiere passenderweise Psychologie) und habe total die Krise weil das ganze noch viel schlimmer ist als mit den kürzeren Klausurenphasen. Ich habe nur bei einer Psychiaterin weiter weg einen Termin bekommen, 1 Woche vor Abgabe. Mein Problem ist, dass das BA schreiben genau der Teil ist der mir beim lernen schwer fällt, es ist langweilig, es ist Literatur und ich kann kaum einen Text lesen und verstehen worum es geht. Das ist immer der schwierigste Teil beim lernen - bis mein Hirn es irgendwie greifbar hat und ich quasi damit arbeiten kann. Ist schwer zu erklären Psychisch bin ich aktuell sehr angeschlagen aufgrund der ganzen Thematik und sehr gestresst.
Jedenfalls habe ich nur noch 2 Monate und bin so ausgebrannt und überfordert das ich fürchte, dass nicht mal der nahende Zeitdruck mich arbeitsfähig macht. Ich habe schon überlegt als Selbstzahler einen Privaten Psychiater aufzusuchen, hat das schonmal jemand gemacht? Kann natürlich sein das die Medis nicht den gewünschten Effekt bringen, jedoch bin ich für alles offen was helfen könnte. Was Lernstrategien/Planung und Strukturierung bin ich recht gut aufgestellt, habe nur das Gefühl das was ich damit aus mir rausholen kann ist erschöpft.
Ich wäre sehr dankbar für:
Erfahrungen mit Psychiater Terminen / ggf. Möglichkeiten schnell an einen Termin zu kommen
Erfahrungen die meiner Situation ähneln (leidensgenossen :D)
spezifische Tipps für bessere Konzentration beim schreiben
ALLES was irgendwie meiner Konzentration helfen könnte… Koffein? Habe von Zeug wie L-Theanin gelesen. Vielleicht hattet ihr ja Dinge die euch gut geholfen haben?
Hast du damit Erfahrungen? Oder ne AHnung in welchem finanziellen Rahmen sich das bewegt? Ich habe etwas Angst ein paar hundert Euro zu investieren und dann an einen Psychiater zu kommen der mir nichts verschreibt (weiß nicht ob die angst begründet ist wenn ich mit fertiger Diagnostik und Empfehlung meiner Therapeutin reingehe). Und dann könnte es natürlich sein das der gewünschte EFfekt nicht wie erhofft eintritt, aber versuchen würde ich es schon sehr gerne.
Du weißt das du durch Krankschreibung die Bachelorarneit unterbrechen bzw. auch abbrechen kannst, daß dafür kein Versuch drauf geht?
Selbst mit Sembstzahlerleistung sind 8 Wochen extrem knapp und im Hinblick das Medikamente eindosiert werden müssen, mit Pech prokrastinieren fördern können und man ggf. mehrere Medikamente ausprobieren muß bis das richtige Medikament einen unterstützt solltest du einplanen.
Nicht jeder hat das Glück das das erste Medikament gleich für alles gut funktioniert.
Grundsätzlich sind Diagnostik und Medikamente ein guter Weg, aber keiner der die Wunderpille für übermorgen liefert, eher einen bei dem du mit etwas Zeit und Geduld und probieren mit dem Arzt einen dauerhaft guten Weg für dich findest
Ich würde die Psychotherapeutin bitten einen Brief für den Hausarzt zu schreiben mit Bitte um Überweisung zum Facharzt. Der Hausarzt kann dann eine Überweisung mit Dringlichkeit und einen Vermittlungscode ausstellen, damit erhält man über die 116117 einen zeitnahen Termin beim Kassen-Psychiater.
Hat bei mir so gut funktioniert (Termin für die Folgewoche), dass der Befund noch nicht fertig war und ich deshalb nochmal warten musste
Toll fand ich, dass die bei der 116117 anscheinend auch geschaut haben, wer ADHS macht. Mein so gewonnener neuer Psychiater hat tatsächlich Erfahrung in der Behandlung.
Davor hatte ich selbst 15 verschiedene Psychiater angerufen und ein Drittel meinte, sie würden ADHS nicht behandeln. Die anderen hatten keine freien Termine. Tja…
hey danke, dass hatte ich gar nicht im Kopf! Das werde ich probieren. Mal schauen ob das noch was wird mit Medis, innerhalb von 2 Monaten ist glaub ich schon eng. Hoffe das es wenn, nicht viel experimentieren braucht.. Das mit den Psychiatern hab ich hier auch so erlebt, abgesehen das von 10 Praxen 0 in diesem Jahr noch Termine vergeben hätten, haben bis auf zwei Praxen alle gemeint sie machen nichts mit ADHS oder haben ne Sprechstunde dafür die aber voll ist.. Toll
Ich habe meine Diagnose zwar erst frisch erhalten und seitdem keine Arbeit geschrieben, aber hatte auch immer ähnliche Probleme. Geholfen hat mir, noch undiagnostiziert und ohne Medikation (unsortierte Auflistung mit “Begründung” jeweils in Klammern):
Immenser Zeitdruck (wenn die Angst größer wird als die Hemmung anzufangen - Adrenalin)
Zuerst die Datei formal perfekt anlegen, also Deckblatt schon richtig setzen, alle Formatvorlagen erstellen, Inhaltsverzeichnis und Dummy-Überschriften richtig einrichten, dass es mit Knopfdruck automatisch aktualisiert werden kann, Seitenzahlen,etc. (man muss noch nicht “richtig anfangen”, aber hat das für später schon weg - wenn der Flow kommt, rutscht mir sowas sonst oft weg)
Sich zwingen eine vorläufige, möglichst kleinschrittige Gliederung zu erstellen (wenn ich mich dann später dran setze muss ich nicht erst jedes mal nachdenken, was zu tun ist, sondern kann die Kapitel direkt auswählen)
Abwechseln zwischen Kapiteln/Textteilen die mich gerade interessieren/leicht sind und solchen, die mich abschrecken - beginnen mit dem leichtesten, dann an etwas schwerem arbeiten, dann mit etwas leichtem belohnen (durch die vorhandene Gliederung kann ich das völlig unabhängig von der Reihenfolge heraussuchen, nutze das Flow Gefühl, wenn ich etwas mache, was mich gerade total interessiert, um dann damit aufgetankt die schwierigeren Parts anzugehen)
Sobald ich länger als eine Minute an einer Formulierung überlege, markiere ich sie mir gelb und lasse sie stehen, schreibe einfach weiter (sonst verfange ich mich darin und werde frustriert, meistens sind die Sätze drei Tage später auch einfach völlig okay, zur Not bessere ich das in der Endkorrektur aus)
Der Zorn meines Mannes wenn ich nicht weiter gearbeitet habe / E-Mail aufsetzen an Dozenten, dass man es gar nicht schafft und aufgibt, diese natürlich nicht abgeschickt, hat aber Druck erzeugt (Verpflichtungen von außen zu erfüllen führt für mich zu höherer Priorisierung und die Lähmung sinkt)
Während des Literatur Lesens sofort die relevanten Zitate und Erkenntnisse in die Arbeit aufnehmen, dabei zur Not auch kurz in andere Kapitel springen wenn erforderlich (so landet es nicht im Kopf für später und wenn ich eine Quelle durchgegangen bin, kann ich sie quasi für immer weglegen, weil alle Zitate bereits an den richtigen Stellen sind, außerdem: Abwechslung zwischen Lesen und Schreiben hilft mir Langeweile vorzubeugen)
Zitatbelege sofort mit aufnehmen beim Schreiben in Fußnoten, Klammern (Überforderung vermeiden, Fehler minimieren, man muss sich nichts mehr für später merken zu dieser Stelle)
Gliederung im Verlauf stets sofort anpassen, zum Beispiel alle nicht bearbeiteten Kapitel löschen, wenn die geforderte Seitenzahl erreicht ist (wenn möglich) - oder unterwegs neue Kapitel einfügen - wenn man Dopplungen/Redundanzen bemerkt, sofort entweder das entsprechende Kapitel raus kürzen oder Überschrift präzisieren/ Kapitel inhaltlich einschränken (erleichtert die Editierarbeit am Ende, außerdem: was ich an Unerledigtem nicht mehr sehe, stresst mich nicht mehr, aktueller Stand immer beim Öffnen der Datei sichtbar, muss mir nichts für später merken)
Stecke ich bei einem Kapitel im Gedanken fest, markiere ich die Stelle, dass ich später sofort sehe, hier fehlt noch was, ggf Stichpunkte, was noch angedacht war, und wechsle zu einem anderen Kapitel (Frustration und Perfektionismus vermeiden - oft fehlt dann bei späterem Lesen eh nichts und man hing nur fest)
Unmengen Literatur besorgen, selbst wenn man sie vielleicht nicht braucht - zur Not mal ein paar Stunden in der Bibliothek abfotografieren - das kann man ggf sogar delegieren an Freunde und Familie (schrecklich, wenn man wirklich einen guten Gedanken verfolgt und muss dann auf das Buch warten, wenn ich im Flow bin, kann ich ihn so wirklich nutzen, weil ich fast alles da habe)
Parkplatz für Gedankenblitze und Ideen für später (so bleibe ich erstmal am Schreiben beim aktuellen Teil, vergesse den Gedanken aber nicht und muss ihm aber auch nicht sofort nachgehen)
Geeignete Person gnadenlos zu quatschen mit dem Stoff mal für ein zwei Stunden (hilft die Gedanken vorzusortieren, es gibt Feedback, es steigert meine Begeisterung und Interesse für den Stoff)
Das klingt möglicherweise etwas unstrukturiert und chaotisch, aber so komme zumindest ich durch die Arbeiten durch, auch wenn es natürlich trotzdem wahnsinnig anstrengend bleibt.
Viel Glück bei deiner BA und der Suche nach dem Psychiater!
Lass dich für die BA krankschreiben und kümmere dich zunächst um eine Medikation und weitere Strategien und Hilfen. Damit baust du dir eine neue Basis auf damit du dann mit einer Absicherung neu in die BA starten kannst.
Mir hatte mein Psychiater Ergotherapie als Unterstützung für die BA verschrieben, jedoch hatte ich nicht mehr passend einen Ergotherapeuten gefunden .
Dann schau ob die Uni Coaching, Nachteilsausgleich oder sonstige Unterstützung anbietet .
Bodydoubling kann auch helfen.
Und setzt dich grundlegend mit ADHS auseinander um die Schwierigkeiten besser zu verstehen ,
Bravourös, toll formuliert. Alles, was ich auch empfohlen hätte, ich hab auch so gekämpft im Studium und mit der BA-Arbeit.
Ich würde noch ergänzen: Ich habe mich damals jeden Tag auf den Weg in die Unibib gemacht zum Schreiben. Hat sich für mich “offizieller” angefühlt, die Atmosphäre konstruktiver, weniger zur Ablenkung verführend. Ich hab immer noch oft genug ne Runde Skyrim o.ä. gezockt statt zu arbeiten, aber ausschließlich zu Hause hätte ich es nicht gebacken bekommen. Am Tag der Abgabe bis 4 Uhr morgens den Feinschliff gemacht, drei Wecker gestellt, um nach 2 Stunden Schlaf bloß hochzukommen, auf dem Weg zur Uni in den Copyshop und drei Exemplare binden lassen, dann zur Abgabe.
Ich würds tatsächlich nicht so auf die Medikamente drauf ankommen lassen. Bin grad in der 3 Woche der Eindosierung und hab auch gehofft es würde mir bei meinen zwei Hausarbeiten helfen, aber hab noch keine positive Wirkung und gehe jetzt genauso vor wie ohne Medikamente. Also kann es auch sein, wenn du in einem Monat ein Termin bekommen solltest es dir nicht wirklich viel bringt. Und die Suche nach einem Termin und co. erfordert ja auch viel Kraft, die dir dann vielleicht bei der BA fehlt.
Ich weiss es ist etwas kontrovers, aber ich benutze viel Künstliche Intelligenz zur Hilfe bei der Literatur, aber auch bei der Strukturierung von meinen Hausarbeiten. Ich kriege es auch nicht hin, wissenschaftliche Literatur zu lesen und zu verstehen, geschweige denn etwas für meine Hausarbeit davon zu nutzen. NotebookLM kriegt es gut hin, wichtige Sachen zusammenzufassen und auch auf Fragen bzgl der ausgewählten Quelle einzugehen. Er verweist auch darauf, wo im Text das steht, sodass man das überprüfen kann. Das hilft mir enorm. So konnte ich auch ziemlich gute Noten in meinen Hausarbeiten erzielen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich Politik, also was sozialwissenschaftliches studiere, weiss nicht genau, ob und wie das bei dir funktionieren könnte. Aber auch empirische Literatur hat er bei mir immer gut hinbekommen.
Sonst ist meine Strategie leider immer wirklich bis auf den letzten Drücker zu warten, da ich unter Stress besser arbeiten kann. Führt dann nur leider zu schlechteren Ergebnissen.
Vielleicht kannst du ja herausfinden, zu welcher Tageszeit du am besten arbeiten kannst. Bei mir klappts am besten Abends und Nachts und dementsprechend bringt es mir auch wenig, mich morgens oder mittags zu zwingen daran zu arbeiten. Kann aber auch daran liegen, dass ich Abends dann natürlich mehr Druck habe, da ich das Ziel des Tages schaffen will.
Mehr Tipps habe ich leider auch nicht Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg, du schaffst das!!!
Ich würde KI-Nutzung in diesem Ausmaß nicht nur “etwas” kontrovers nennen, aber ich kann dich auch gut verstehen. In der BA ist es aber vor allem auch gefährlich. Ich meine, gelesen zu haben, dass es Programme gibt, die sowas erkennen können und die bei Abschlussarbeiten dann entsprechend zur Prüfung genutzt werden.
ich meine ja auch nicht die arbeit mit KI schreiben, sondern die KI nutzen um die Literatur zu verstehen. Hilft einfach um sich einen Überblick über die ellenlange und kompliziert geschriebene Literatur zu verschaffen. Das kann nicht erkannt werden.
Die Profs wissen selber, dass fast jeder KI nutzt und einige fordern, mit KI geschriebene Abschnitte zu kennzeichnen. Aber wie man sich seine Informationen beschafft ist quasi egal.
Klar ist das mit Vorsicht zu genießen, aber genau deshalb kann man das ganze ja nochmal direkt in der Literatur überprüfen, ob was die KI zusammenfasst stimmt
Ist sehr hilfreich, auch wenn ich bei vielen Punkten das Gefühl habe das ich da gar nicht hinkommen kann weil ich z.B nicht mal wirklich schaffe die Literatur durchzulesen bzw so zu lesen das etwas hängen bleibt. In den Klausurenphasen konnte ich anfangs auch am ende unter druck endlich arbeiten, die letzten Monate blieb das irgendwie aus und es kam kein Antrieb und kein flow mehr. Ich hoffe das wird jetzt besser
Ja das stimmt mit dem Termin und den Medis! Ich hab auch im Umfeld schon ganz unterschiedliches mitbekommen, von konnte sofort VIEL besser arbeiten, zu kaum was gemerkt oder eine die ganz starken Rebound hatte und 2 Wochen ne richtige Krise hatte.. Ich denke falls ich einen Termin bekomme lasse ich mich da nochmal beraten und hoffe auf eine Einschätzung. Aber eingestellt bin ich irgendwie darauf das ich es jetzt erst mal ohne schaffen muss.
NotebookML hab ich auch gerade entdeckt, ist wirklich richtig gut! Ich verlier mich irgenwie trotzdem in dem ganzen Chaos aktuell aber das und ChatGPT helfen echt ganz fleißig.
jaa man muss aufpassen, alles gegenchecken und nichts copypasten. Am besten alles selbst schreiben, lasse mir oft aber stichpunkte formulieren und formuliere es dann aus. Fühl mich damit wie der größte Imposter, aber anders bekomme ich gerade nichts hin
Noch ein kleiner Tipp: Wenn du Paypal hast, hast du grade kostenlosen Zugriff auf Perplexity Plus für ein Jahr. Finde ich sogar besser als Chatgpt und es gibt kein Limit. Einfach auf die Paypal App gehen, dann sollte das da direkt irgendwo stehen
Ich bin gerade übrigens auch wieder in einer Studiensituation und könnte mir vorstellen, das mal auszuprobieren.
Also, falls du oder auch gerne jemand anderes aktuell das auch ausprobieren möchte, ich würde mitmachen. Hab in der Regel morgens, vormittags bis frühen Nachmittag oder später Abend Zeit (wegen der Kids).
Ich hatte große Probleme mit meiner ersten Bachelorarbeit, ich musste damals zum Hausarzt gehen und mich einige Wochen krankschreiben lassen (allerdings hatte ich in der Phase auch Probleme mit Angst/Depression, kein reines ADHS). In meiner Gegend gibt es zudem einen privaten Psychiater, der Menschen für 100€ mit ADHS diagnostiziert und Medikamente verschreibt. Dieser wird auch von unserer Studienberatung empfohlen. Frag vielleicht mal in der Studienberatung deiner Universität, ob es sowas bei euch gibt?