Escitalopram "antherapiert"?

Hallo zusammen,

bevor ich letzte Woche bei meiner Ärztin einen Test gemacht habe, hat sie mir beim Termin davor (als sie noch dachte, es könne ADHS sein…) gesagt, dass es gut sein könne, dass ich mich mit meinem Escitalopram quasi schon „antherapiert“ hätte.

Zum Hintergrund:
Ich nehme seit Jahren Escitalopram 10mg gegen eine Angststörung und seitdem ist auch meine Aggressivität und Launenhaftigkeit sehr viel besser.
Ich habe bei ADxS.org schon was darüber gelesen, dass eine kleine Menge Escitalopram hilfreich sein könnte, aber ich habe den Text ehrlicherweise nicht ganz verstanden.
Kann es sein, dass das Escitalopram 10mg schon ein wenig gegen ADHS hilft?

LG

Gegen ADHS Symptome hilft das nicht. Es kann helfen gegen Impulsivität und Angst. Die können durchaus mit ADHS ein hergehen, aber es ist einfach was anderes.

1 „Gefällt mir“

Ja, ich glaube das meinte sie. Ich setze Impulsivität jetzt mal mit meinen Aggressionen gleich. Dann ist es ja gar nicht so falsch. Natürlich hilft es nicht gegen ADHS, aber wenn ein Symptom die Impulsivität ist und es dagegen hilft, macht das „antherapiert“ dann nicht Sinn? :thinking:

Und ich seh gerade, dass ich geschrieben habe „gegen ADHS hilft“. Das war natürlich zu allgemein. Aber gegen ein paar Symptome?

Ja, so macht das Sinn.
Manche ADHS-Betroffene haben eine sehr ausgeprägte Impulsivität, Reizbarkeit und Aggressivität.
Wenn man dann ADHS-Medikamente so hoch dosiert, bis auch die im Griff sind, ist der Rest überdosiert.
Dann lieber etwas nehmen, das nur die runterbringt (da passt Escitalopram in niedriger Dosis ganz gut) und die ADHS-Medis dann geringer dosieren.

1 „Gefällt mir“

Dankeschön

Ich weiß die Hilfe hier im Forum sehr zu schätzen :heart:

1 „Gefällt mir“

Freut mich.

Und bitte immer alles mit dem Arzt absprechen. Alle Hinweise hier im Forum sind Erfahrungsaustausch und stellen keine ärztliche oder therapeutische Aussage dar.

1 „Gefällt mir“

Hallo,

das ist aber nicht zwingend so, finde ich (?) Weiß man doch erst, wenn man es ausprobiert. Vielleicht hilft auch das Stimulans gut gegen die Impulsivität, ohne in den übrigen Bereichen überdosiert zu sein.

Also eventuell ist MPH/Amfetamin allein richtig, vielleicht auch eine Kombi mit Escitalopram.

Aber Escitalopram allein ist sicher nicht zufriedenstellend genug auch gegen ADHS.

2 „Gefällt mir“

Gibt es denn hier jemanden bei dem das funktioniert? Hatte vor einiger Zeit dazu einen Beitrag erstellt und auf Erfahrungsberichte gehofft. Kam leider nicht viel dabei raus :frowning:

@bernard
Male hat es ja geholfen.

Edit: UlBre hat „es“ eingefügt zur Verständlichisierung. Hopefully richtig…

1 „Gefällt mir“

@grübeln Habe ich dann wohl falsch interpretiert oder nicht vernünftig gelesen :see_no_evil:

Ja, mir hat es sehr geholfen. Ich nehme es ja seit Jahren gegen eine Angststörung. Da hab ich noch gar nicht in Richtung ADHS gedacht.
Die Angststörung war auch relativ schnell verschwunden, ich nehme es aber trotzdem seit Jahren, weil meine kurze Zündschnur dadurch seeeehr viel länger wurde. Seitdem flippe ich nicht mehr aus und schreie meine Familie nicht mehr an.

1 „Gefällt mir“

Interessant. Als ich die (Fehl) Diagnose Depression/Dysthymie 2015 bekam ging’s direkt mit Sertralin los. Da hatte ich keinen solchen Erfolg/Effekt. Ausflippen, alles negativ sehen und interpretieren blieb gleich. Bei Dosiserhöhung (50 auf 100 tgl) wurde es sogar schlechter. Aber ist SSRI gleich SSRI? :thinking:

Ritalin Adult/Medikinet Adult hilft jedenfalls besser dagegen. Aber sobald weniger oder keine Wirkung da ist, kommt’s gerne wieder raus. Daher mein Wunsch nach etwas zusätzlicher Stabilität. Natürlich ist mehr/zusätzlich MPH eine Idee, konnte ich bisher nicht umsetzen. Beide Ärzte gehen nach dem Weg „weniger ist mehr“… Letztens kam die Anmerkung, dass man bzgl. Impulsivität ja eigentlich was anderes gibt. Habe aber besser nicht gefragt da ich Angst hatte wieder auf AD anstatt Stimulanz oder sowas wie Atomoxetin umgestellt zu werden :see_no_evil:

Nope.
Noradrenalinwiederaufnahmehemmer ist ja auch nicht Noradrenalinwiederaufnahmehemmer. Die wirken schon recht unterschiedlich, Manche sind besser bei ADHS (Atomoxetin), manche weniger (Nortryptilin).
Und jetzt vergleich mal, wie unterschiedlich ADHS-Betroffene sogar auf Präparate mit ein und demselben Wirkstoff reagieren (MPH), hier wohl wegen der unterschiedlichen Anflutungs- und Abbaugeschwindigkeiten…

Ja, bei mir.

Nein. Ich hatte Escitalopram und Sertralin. Es sind zwei andere Welten.

Sertralin hat mich irgendwie gebremst, faul und müde gemacht, obwohl ich viel geschlafen habe. Ich zweifle unter Sertralin auch mehr und neige zur Aufschieberitis. Außerdem fühlte ich mich wie benebelt im Kopf ein paar Stunden nach der Einnahme.

Ich habe jetzt viel Stress im Studium und werde wieder nach Escitalopram fragen. Escitalopram hat bei mir Angst beseitigt, die Impulsivität gebessert und sorgte für eine antidepressive Wirkung. Aber ich konnte unter Escitalopram nicht gut schlafen und die Hyperaktivität wurde stärker (was mir aber im Moment nichts ausmacht, da ich andere Prioritäten habe). Aber als ich Escitalopram mit MPH eingenommen habe, konnte ich irgendwie normal und sehr schnell einschlafen :thinking:

2 „Gefällt mir“

@überfordert Sertralin (50mg) hatte ich vor meiner Diagnose eine Zeit lang - hatte aber nur Nebenwirkungen (Durchfall, Knirschen, Schwitzen) und keine positive Wirkung. Daher stehe ich SSRI skeptisch gegenüber. Aber ich werde vielleicht mal einen Versuch mit 5 mg (Es) Citalopram starten bzw. mal die Ärztin deswegen befragen. Bei einigen klappt das ja ganz gut :slight_smile:

Imipramin ist wohl zu unbekannt. Venlafaxin hat hier auch keinen so guten Ruf (taucht aber als Kombi oft bei Krause auf). Antipsychotika/atypische Neuroleptika und Angstlöser sind etwas zu übertrieben.

Imipramin ist ein altes Trizykliches AD wurde häufig verschrieben, als es die moderneren selektiven ADs noch nicht gab, die besser wirken.

Vielleicht klappt es bei dir mit Escitalopram. Ich drücke dir die Daumen!

@überfordert Beim letzten Termin leider keinen Erfolg gehabt. Habe mich noch etwas eingelesen (nicht nur im Netz sonder auch in der Literatur z.B. „Krause“) - meine Ärztin anscheinend nicht.

Habe es angesprochen (da auch von ihr auch schon mal der merkwürdige Hinweis kam, dass man gegen Impulsivität eigentlich etwas anderes nimmt. Das hat Sie allerdings vergessen…). Ich konnte SSRI/SNRI entlocken - jedoch gabs dafür keine Empfehlung wegen Verdacht auf verstärkte NW und Verstärkung der ADHS Symptome… Fazit: Ich suche mir dann mal weiter einen neuen Arzt :smiley:

@bernard

Och man, das tut mir Leid.

Ich drücke dir die Daumen!