Moin,
mir (M/19) wurde vor rund 2-3 Monaten ADHS diagnostiziert innerhalb von einer Stunde mit einem Fragebogen und ein paar generellen Fragen (In meiner Region einfache, schnelle Möglichkeit für Diagnose, Ziel war mehr Klarheit und Medikamente testen). Ich mache mir seitdem extrem oft Gedanken darüber, ob ich es wirklich habe oder nicht, weswegen ich einfach mal ein paar Impulse/Empfehlungen/Fragen hören wollte, was ihr denkt oder wie ich weiter vorgehen könnte (Ich weiß ich sollte ich mich nochmal richtig diagnostizieren lassen, aber ich möchte nicht Plätze wegnehmen, da ich doch relativ gut klar komme mit meinem aktuellen Leben). Vielleicht hat auch einfach jemand Bock mal eine etwas andere Lebensgeschichte zu hören, die vielleicht gar nichts mit ADHS zu tun hat aber ähnliche Auffälligkeiten zeigt.
Ich kann mich nur sehr wenig an die Vergangenheit erinnern, für mich ist meine Kindheit und auch die Mittel/Oberstufe nur sehr vereinzelt anhand von bestimmten Ereignissen in meiner Erinnerung, weswegen ich auch Schwierigkeiten damit habe, bspw. ADHS-Fragebögen auszufüllen (könnte auch daran liegen, dass ich mit etwa 15-16 angefangen habe zu kiffen, im Durchschnitt seitdem so 5 mal im Monat, mal mehr mal weniger, im Moment täglich). Ich habe einfach keine Ahnung, ob ich die Symptome schon früher hatte. Meine Mutter hat gesagt, sie hat in meiner Kindheit nie gesagt bekommen dass ich Schwierigkeiten damit habe, mich zu konzentrieren (anders als bei meiner Schwester), jedoch wurde ihr relativ regelmäßig über mein Sozialverhalten berichtet, im Kindergarten vor allem in Richtung Impulsivität, in der Grundschule dann weiterhin, vermehrt aber auch Schlechter Umgang mit Arbeitsmaterial, vergessene Hausaufgaben, ab und zu Sozialverhalten, viel Kippeln im Unterricht, usw., jedoch nie etwas zu meiner Konzentration. Das einzige was dahingehend (zumindest in meinen Zeugnissen) erwähnt wurde, war dass ich teilweise etwas flüchtig Aufgaben bearbeite und mir gerne Dinge „zwei mal“ erklären lassen. Zuhause war ich immer sehr aktiv, hatte extrem viele Hobbies, habe mich sehr sehr viel selbst beschäftigt stundenlang, Hausaufgaben haben mir oft spaß gemacht. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich sehr sehr viel Motivation hatte meine Aufgaben zu machen, weil ich es sehr gerne gemocht habe, Komplimente zu bekommen von Lehrern für meine (schnellen) Leistungen. Klassenarbeiten lagen immer zwischen 1 und 3, vor Klausuren habe ich meines Wissens nach nicht sehr viel gelernt, bzw. deutlich weniger als andere in meiner Klasse.
Das Muster hat sich eigentlich so die Jahre durchgezogen, bin eigentlich bis jetzt glücklicherweise immer durch die Schule „geschlendert“, habe 1-2 Tage vor den Klausuren gelernt und hatte meistens Erfolg. Organisatorisch zwar viel verplant, Hausaufgaben ab der 8. Klasse ungefähr gar nicht mehr gemacht, aber immer ganz gut durchgekommen würd ich sagen. Auch im Abitur habe ich höchstens ein paar Tage vorher für die Klausuren gelernt, unter sehr sehr viel Druck und bestanden. Generell hatte ich schon immer starke Probleme mit dem Prokrastinieren, vor allem beim Lernen von Klausuren, aber auch in Sachen Haushalt machen etc. Mein Vater hatte damals immer Druck gemacht und rumgemotzt und dann habe ich erst angefangen. Privat hat mir meine Mutter sehr vieles abgenommen, hat Jahrelang hinter mir hergeputzt, für mich organisiert und geplant usw., sodass ich einfach das Gefühl habe dass ich das gar nicht gelernt habe, für sich selbst zu sorgen, zu planen und zu organisieren.
Der Grund weswegen ich an der Diagnose zweifle, sind (abgesehen von der schlechten Diagnose) vor allem ein paar Vergangene Erfahrungen und Erlebnisse, darunter auch dass mir meine Eltern sehr sehr viel abgenommen haben (Meine Mutter im Haushalt, und mein Vater mit Stress & Druck von außen). Ich hatte in der Kindheit und auch jetzt noch, immer Probleme damit, nichts zu tun zu haben. Schon im frühen Alter, ging es bei mir los, dass ich Depressionssymptome in Phasen hatte, wo mich nichts begeistert hat. Ich begründe das ganze vor allem damit, dass ich in der Kindheit (vielleicht) viele Ängste/Muster entwickelt habe, vor allem aufgrund von meinen Eltern die EXTREM viel gestritten haben und meinem Vater, der extrem impulsiv war, wahrscheinlich auch Borderline hatte und stark Opioid Abhängig war (mit sehr regelmäßigen Krampfanfällen wegen einer versehentlich doppelten eingenommenen dosis / Kombination mit anderen Medikamenten, Benzos teilweise usw.). Ich habe mich meistens mit irgendwelchen Hobbies von dem Stress zuhause abgelenkt und habe einfach in den Tag hineingelebt. Evtl. habe ich es auch in der Kindheit gelernt, nur unter Druck mich konzentrieren zu können, weil mein Vater immer Stress gemacht hat und ich erst dann mit Zimmer aufräumen, lernen etc. angefangen habe.
Jetzt, wo ich mehr auf mich allein gestellt bin (im Studium, kein Druck mehr vom Vater, da vor 2 Jahren verstorben), kommen die Symptome etwas stärker hervor, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass die Symptome aufgrund von dem Erlebten & Mustern gekommen sind und nicht durch eine grundlegende, angeborene veränderter Hirnstruktur (Wie bei ADHS), da die Symptome dann doch nicht so „nervig“ sind. Hier die präsentesten (ADHS-) Symptome der letzten Jahre und was ich glaube woher sie kommen.
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Hyperfous: Tritt bei mir am auffälligsten beim Programmieren auf, aber auch weil ich das schon Jahrelang mache und damals schon extrem lange an Projekten gesessen habe, schon mit 10 bis in die Morgnestunden rein teilweise - Kann genauso bei Neurotypischen auftreten
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Organisationsprobleme: Ich habe oft Dinge, die in der Zukunft liegen, nicht vor Augen, d.h. ich lebe stark im Moment. Bis heute basiert meine Organisation daraus, dass ich wenn es mir zufällig einfällt, auf meinen Kalender gucke (und direkt Sachen eintrage, wenn ich sie gesagt bekomme) und das klappt bis jetzt auch ganz okay. Auf der Arbeit hatte ich ab und zu Probleme damit, dass ich Dinge verlegt oder verloren habe, verschlafen habe, Dinge nicht rechtzeitig abgegeben habe usw. - Einfach in der Vergangenheit nie gelernt sich selbst zu organisieren, da viel abgenommen wurde, hohe Vergesslichkeit auf Grund vom Kiffen, kein Bock-Einstellung
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Konzentrationsprobleme: Ich habe eigentlich relativ selten Konzentrationsprobleme, mir macht auch das meiste was ich mache Spaß. Da wo ich es heute merke sind teilweise Vorlesungen und halt alles worauf ich keine Lust habe. Mit Elvanse, was ich verschrieben bekomme geht es schon deutlich besser, aber Ampehtamine haben ja generell eine Konzentrationssteigernde Wirkung - Extrem viel Medienkonsum (Netflix, Reels, Pornos, Youtube) seitdem ich etwa 9 Jahre alt bin, seitdem ich 16 bin ziemlich viel Vapen, teilweise kiffen, jahrelang nur das gemacht, was mir spaß macht → antrainiert mich nur auf das zu konzentrieren, bzw. nur das zu machen, was mir spaß macht.
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Prokrastination: Ich prokrastiniere fast alles, Pflichten, Haushalt, Hobbies die mir Spaß machen, Toilettengänge, Vapen, Essen&Trinken, Hygiene, ALLES. - Jahrelang antrainiert, da kurzzeitige Befriedigung.
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Impulsivität: Nicht mehr so häufig, ab und zu wütend, kann mich aber mittlerweile gut zusammenreißen, beim Zocken teilweise immer noch starke Ausraster - Mit der Zeit gelernt zu handeln, früher Verhalten abgeguckt von meinem Vater.
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Hyperaktivität: Bein Wackeln, krumme Positionen auf dem Stuhl, stuhlkippeln, häufige Sitzungswechsel, extrem Starkes Fingernägelkauen seitdem ich 5 bin - Generell angewöhnt um mit Stresssituationen besser umzugehen, Stresssituationen = Ich muss x machen, aber habe kein Bock; ich freue mich auf X, habe aber kein Bock; ich warte auf X, kann die Zeit aber nicht beschleunigen; Ich habe Angst vor X; Evtl. Angststörung
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Weitere nicht so nennenswerte Symptome: Limerenz, Starke Müdigkeit, depressionen diagnostiziert in Psychotherapie, Mehrfaches Wiederholen von Sätzen im Kopf, damit ich sie nicht vergesse beim Reden mit jemanden, leichte Schwierigkeiten nicht jemanden zu unterbrechen, Probleme morgens aus dem Bett kommen, aber in Vergangenheit nur selten Probleme mit dem Einschlafen (Da am Abend immer sehr tot und kaputt, im Grundschulalter soweit ich weiß stärkere Einschlafprobleme)
Mich regt das einfach Todes auf, dass ich mir nicht im klaren darüber bin, ob ich bis jetzt einfach nur „Glück“ hatte dass ich trotz ADHS noch ganz gut durchs Leben gekommen bin oder ob ich gar kein ADHS habe und mir jedes der einzelnen Symptome einfach nur angewöhnt habe über die Jahre. Beides erfordert dann natürlich auch unterschiedliche Behandlung. Wie schon gesagt, ich möchte einfach nur eure Meinung oder Impulse hören. Ich erwarte keine Fundierte Antwort ob ich ADHS habe oder nicht.