
Vielleicht ist das sogar der Punkt: Ich selbst habe sozusagen auch nicht das Bedürfnis (im Gegenteil), aber “es” holt sich meine Aufmerksamkeit, ständig, immer wieder, ob ich will oder nicht….
Aber ja: die Menschheitsgeschichte ist randvoll mit solchen Sachen (Armenier, Gaza, Ursprungsbewohner sämtlicher Kontinente (die allerdings unter sich auch) , die Glaubenskriege zwischen England und Frankreich (nachzulesen bei Montaigne), die Vorkommnisse in der Bibel etc etc). Die meisten von ihnen sind undokumentiert und leben “nur” in Form von transgenerationaler Übertragung weiter (wobei es ziemlich egal ist, ob genetisch, epigenetisch oder kulturell geprägt: auf alles drei haben wir selbst ab dem Zeitpunkt der Zeugung bis in die höheren 10er Jahre gar keinen Einfluss).
Ich schätze, das ist System-Theorie: jedes System “will” sich selbst erhalten bzw. in die Zukunft verlängern Es ist halt so, dass die Evolution beim Ethikunterricht gefehlt hat, und jetzt haben wir den Salat: Der Inhalt ist egal, es kommt nur darauf an was IST, dh was sich unter bestimmten Bedingungen durchsetzt. Das ist halt für empfindliche Seelen und uns aufklärerisch angehauchte Menschlein nicht immer sehr schön und erzeugt dann eine Menge Leiden - was aber natürlich evolutionär gesehen auch wurscht ist. Wer damit nicht umgehen kann, ist halt raus…. Gehen Sie über LOS und ziehen Sie nicht 4.000 Euro ein (oder was die heutigen Monopoly-Preise sind. 
Die besonders starke Fokussierung des Jüdischen liegt vielleicht an drei Dingen: die Juden definieren sich seit jeher über ihre Traditionen, die sie als “Volk der Schrift” mit als erste verschriftlichten und damit “objektiv tradierbar” machten. Dann: der Holocaust geschah zu einer Zeit, als die aufkommenden Massenmedien zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die Verbreitung von Nachrichten (und Propaganda) in einem Quantensprung vervielfachten - sowohl was Menge/Dichte als auch was Reichweite anbelangt. Vergleichbar eigentlich nur der Veränderung, die das Internet mit sich betrachte. Und natürlich an der Diaspora: da es die Juden seit 2000 Jahren überall hin in der Welt verschlagen hat, und der Zusammenhang durch den starken Bezug zur Tradition gegeben war, gab es ein sehr starkes informatives “Netz” schon lange vor dem Internet.
Insofern könnte man sagen: der Holocaust ist vielleicht der erste sehr gut (von Tätern wie von Opfern) DOKUMENTIERTE Genozid (Krieg/Zerstörung/Gewalt…) in der Geschichte; und diese Rezeption (und auch die MÖGLICHKEITEN dazu, wie die unmittelbare Anschauung: Es gibt keine Filme von den Kreuzzügen oder den Eroberungen der antiken Perser) macht sie unter dem Furchtbaren vielleicht zu etwas ““ Besonderem””
Sorry, das ist jetzt ausgeufert, war gar nicht geplant! Ich sitze bei schönstem Frühlingswetter auf einer Bank…. Quod erst demonstrandum: Genau das ist der Fluch von HB
!
Liebe Grüsse!
PS: Um zum Anfang des threads zurückzukehren: Es ist die Kombination verschiedener Sachen, die schon einzeln anstrengend sind, die in der Summe dann auch zu einer Art Vereinzelung führen - wenn ein Arzt ADHS gar nicht als Diagnose anerkennt (soll ja vorkommen
), wird’s halt schwierig. Und das gilt für die anderen Bereiche auch. (Ich hatte mal einen Psych, der hatte noch nie im Leben eine Depression gehabt (jedenfalls hat er das behauptet). Mir wäre beinah rausgerutscht: Dann wissen Sie ja überhaupt nicht, wovon ich rede 
Nochmal liebe Grüße!