Danke, dass du das nachfragst, Una - ehrlich gemeint! Das ist nämlich eine komplizierte Geschichte.
Künstler sein hat für mich drei Voraussetzungen in der Persönlichkeitsstruktur (nicht wertend gemeint, beschreibend): Es muss jemand sein, der/die innerlich viel erlebt: Emotionen, Assoziationen, Gefühle, Reaktionen… So viel, dass es einen inneren Druck aufbaut, dass es nach draußen will, ja muss, in die Welt.
Das ist der kindlich-emotionale Anteil, letzlich die Kreativität, das Spielerische und ist als Bedürfnis vielleicht bei gar nicht wenigen Menschen zu finden. Künstler sind nun solche, denen es nicht genügt, darüber zu reden z.B., wir müssen es KREATIV ausdrücken: indem wir das Auszudrückende GESTALTEN, ihm eine Form geben.
Das ist aber nicht möglich ohne eine formale Gestaltung, welche Fähigkeit ein erwachsener Anteil ist, denn das sind Regeln die man über Jahre und Jahrzehnte lernen und üben muss, auch wenn man sie später vielleicht (dann aber im Besitz ihrer Beherrschung) wieder fallenlässt. Und sowenig reiner Ausdruck schon Kunst ist, sowenig ist reine Gestaltung ohne den kindlichen kreativ-Anteil Kunst: erst aus BEIDEM wird aus einer Idee ein Kunstwerk.
Ein Künstler ist nun mMn ein Mensch, dem diese Prozesse eine BERUFUNG sind: Du kommst dem nicht aus. Nicht du suchst dir die Kunst, die Kunst sucht sich dich. Und dieses Letztere, dass dem Künstler seine Kunst alternbativlos ist, essentiell, existentiell, Lebenssinn stiftend, unabdingbar, nicht verhandlbar, konnter ich noch keinem Therapeuten klarmachen. Dass Kunst in meinem Leben genau so wichtigist wie Schlaf, Essen, Nähe - nicht mehr und nicht weniger. Und zwar Kunst selber MACHEN - nicht nur sie passiv genießen.
Zur Vervollständigung jetzt noch der zweite Teil: Der Künstler (also zumindest ich für meine Person) möchte, nein muss das Ergebnis dieser Prozesse mit anderen Menschen teilen. Ich möchte andere mit meiner Freude an der Musik, meiner Beglückung, meiner Überwältigung anstecken. Kunst ist Kommunikation für mich - immer. Damit gehört die Aufführung, das Konzert vor anderen Menschen unabdingbar dazu. Weshalb ein “für sich selbst machen” eben nicht wirklich funktioniert.
Sorry für diese ausufernden Überlegungen, aber für mich persönlich ist das sehr wichtig. Ich bin nämlich (leider?
), was das Kunst machen anbelangt, sehr old school, bin klassischer Musiker. Nicht, weil ich den Leistungsdruck in dem Segment so toll finde, sondern weil ich die Musik so überwältigend schön und herrlich finde, schlicht überirdisch (natürlich nicht alles, hab auch meine Vorlieben).
So ungefähr. Ich sagte doch, das hier ist ein bisschen schräg und exotisch ![]()
Grüße! A