Fragen über Fragen - bin am Ende mit meinem Latein

Ok, jetzt muss ich dich auch noch mal fragen - warum ist DAS wichtig? Oder geht es dir darum, dass der/die TherapeutIn dich über deine Kunst verstehen müsste?

Das ist ja das tolle an Kunst, wenn man das Gefühl hat, genau zu wissen, was der Künstler fühlt/ meint und sich darüber so unglaublich verbunden fühlt.

Und andersrum, wenn es scheinbar keiner versteht, fühlt man sich, als hätte man sich komplett nackig gemacht und wird nur fragend, verwirrt angeschaut - das ist Folter.

Ich muss dabei an ein modernes klassisches Konzert denken, bei dem ich mal war und das Gefühl hatte, die Musiker würden bis zum Ende nur ihre Instrumente stimmen :face_with_peeking_eye:. Da hatte ich einfach keinen Zugang zu, das war mir zu hoch! Es wäre so furchtbar für diese Komponisten, wenn sie daran gescheitert wären - also an der Unterkomplexität (nett ausgedrückt :sweat_smile:) von Menschen wie mir.

Ich hatte irgendwo mal diesen Vergleich gehört: ein hochbegabter Mensch fühlt sich im Gespräch mit normalbegabten Menschen wie Normalbegabte im Gespräch mit Menschen mit einer geistigen Behinderung. Bei einer Höchstbegabung bleiben bestimmt nicht viele, die der Komplexität gewachsen sind - erst Recht, wenn das Interesse noch dazu sehr speziell ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich das ziemlich einsam anfühlen kann.

Hmmm, ich merke gerade selbst, dass ich Quatsch geschrieben habe - würde es darum gehen, hättest du es ja geschrieben :sweat_smile:

Können sich Therapeuten vielleicht nicht vorstellen, welchen Stellenwert Kunst für dich hat und geben Tipps, die einen normalen, gesungen Lebensstil begünstigen à la Schlaf, Bewegung, ausgewogene Ernährung? Dabei muss ich an den Film „Wie im Himmel“ über einen ausgebrannten Dirigenten denken :slightly_smiling_face:

Die Hoch- und Höchstbegabten, die ich bisher getroffen habe, waren teils verschroben. Konnten sich aber ganz normal unterhalten.
Teils waren sie sehr hilfsbereit und auch sozial.

An sich geht es da eher um gemeinsame Interessen. Dann kann man sich über die jeweiligen Themen schon gut unterhalten.

Ich persönlich brauche kein gegenseitiges Verständnis meiner Persönlichkeit oder gemeinsame Interessen mit meinem Arzt. Ich wüsste auch nicht, wozu das wichtig wäre?
Ich rede nicht mal über meinen Beruf mit meinem Psychiater/Nervenarzt - wozu auch?

In einer Psychotherapie kann das anders sein. Da hat es mich auch mal extrem genervt, als sich jemand bei einem für mich wichtigen Thema mit „Wie ich dazu stehe, ist nicht wichtig…“ aus der Affaire zog. Sorry, wenn ich so viel Geld hinblättere erwarte ich mir mindestens ein sehr professional geheucheltes Interesse oder eine ehrliche Meinung. Wischi-Waschi bekomme ich gratis auch an jeder Hausecke… :roll_eyes:

Genau, wissenschaftlich erwiesene Erfolgsgarantie. Und wenn Sie mir nicht glauben, ziehe ich hier in Excel noch eine Linie größer und zeige es Ihnen.

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Bei Psychotherapie ist die Therapeut-Patient-Beziehung sehr wichtig und ausschlaggebend für den Therapieerfolg. Für mich macht das einen großen Unterschied, ob da eine gewisse Resonanz besteht. Das wirkt sich auch darauf aus, ob ich wirklich frei und offen spreche, oder ob ich antizipiere, das das Gegenüber hören will und das Skript mitspiele. Es ist mir wichtig, dass das Gegenüber verstehen kann, was Leidenschaft und Gefühlsintensität sind, die einen ganz und gar erfassen können, und wie es ist, für etwas zu brennen und sich ganz und gar zu verschreiben. Ob es genau das gleiche Thema ist, ist dabei nicht so wichtig. Es gibt eben auch viele Menschen, die sind im Affekt ausgeglichener und damit auch flexibler, damit meine ich nicht kalt oder stumpf.

Von einem Psychiater würde ich das nicht in diesem Ausmaß erwarten, zumindest aber das normale Maß an Zugewandtheit und Entgegenkommen, das ich von Ärzten erwarte.

Witzig, gestern bei deinem letzten Post habe ich noch gedacht, dass ich ja gar nicht weiß, was du beruflich so machst und dass da nur Andeutungsfetzen herumschwirren. Und später habe ich weiter oben gesehen, dass du genau das bemerkt hast. :laughing:

Genau tamaracha, in einer Therapie ist das wichtig. Daher war dann die Therapie auch bald zu Ende… War auch ok so, da ich sowieso schon weiter war.

Da ließe sich schon machen, ich könnte mir aber vorstellen, dass es gegen die Forums-Richtlinien ist.

Aber wenn du mal etwas aus meiner Musik-Welt hören willst, dann schau doch mal nach Brahms 4. Sinfonie oder Beethoven 7. Sinfonie, beide dirigiert von Carlos Kleiber (das ist wichtig, ganz großer Dirigent!). Müsste/könnte es auf YouTube geben.

Gruß, A

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Beides, Sukuwomo. Bei mir (und einigen anderen Künstlern die ich kenne) sind die Person und die Sache untrennbar miteinander verbunden, wies diese Bäumchen in den Garten Centern, die so umeinander verwachsen sind. Es geht darum, DIESEN Fakt zu verstehen und zu akzeptieren, und eben auch: Wenn jemand mit deiner Kunst absolut nichts anfangen kann, kapiert er halt dich auch nicht. Das ist bei normalen Freundschaften ein Hintergrund-Thema, aber in der Therapie irgendwie essentiell. Das ist dann, um bei deinem Erlebnis zu bleiben, als ob du die Zeitung Kritik schreiben solltest von dem Konzert :zany_face:

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Da hast du völlig recht! Es muss aber trotzdem irgendwie in einem Gebiet bleiben, um sich zu verstehen. Ich interessiere mich zum Beispiel leidenschaftlich für Literatur, auch historische, für Geschichte, Philosophie, Soziologie, Linguistik. Das sind alles Geisteswissenschaften. In der Mensa treffe ich viele Leute, die garantiert schlauer sind als ich, deren Leidenschaft aber zb eine Sportart ist, oder escape rooms: da kommen wir einfach nicht zusammen, auch wenn wir uns sympathisch sind und einen wunderbaren Abend miteinander verbringen können: Es trägt einfach nicht über längere Strecken. Und in der Therapie bestehe ich einfach drauf, dass der andere mich fühlen und erfassen muss, sonst kann er ja meine Probleme (teilweise) gar nicht verstehen.

DER NEID!!!

Nö. Ich denke, eines der großen Probleme ist, dass die Therapeuten in der Regel keine Ahnung von Medikamenten haben und die Psychiater keine von Psychologie. Dabei wirkt sich das eine auf das andere aus:

Depressionen zb werden laut Leitlinie zuerst mal mit SSRI/SNRI behandelt. Blöd, wenn die Depression dopaminerg und eben nicht serotonerg verursacht ist (bei mir: 28 Jahre falsches Medikament). Man KÖNNTE das genauer unterscheiden, aber dazu müsste man sich in den Feinheiten der Psyche auskennen.

Umgekehrt: Therapeuten rechnen meistens gar nicht ein, wie Medikamente wirken und dabei die Befindlichkeit verändern (und wissen es auch gar nicht): Es gibt zb mindestens 4 verschiedene Angst-Kreisläufe, die man Medikatio pharmakologisch unterschiedlich adressieren muss).

Erst zusammen wird ein Schuh draus - jedenfalls bei Leuten die beides, Medis und Therapie brauchen.

Du sprichst große Fragen gelassen aus, tamaracha. Ja, Sinn muss man selber herstellen (siehe Frankl und Co). Leider haben Hochbegabte sozusagen die Tendenz eingebaut, immer einen Sinn, eine Bedeutung finden zu müssen. (Hängt vermutlich mit dem multperspektivischen Denken zusammen und ist oft nur durch Wein oder Dope abzuschalten. ANSTRENGEND!)

Was aber, wenn das (zb wegen Depressionen) nicht gelingen will? Bzw: das die Frage ja nicht wirklich zu lösen ist, erzeugt sie ihrerseits gern eine Depression…. Und schon wieder eine schwanzbeißende Katze! Und ja: Du hast völlig recht: wenn es einem gut geht, stellt man die Fragen gerade nicht… Ich schätze, das Grübeln ist ein Versuch des Gehirns, aus dem sich schlecht fühlen rauszufinden.

Tja, und dass die statistisch größte Gruppe von locker über 90% der Menschen es vorzieht, nicht zu sagen, was sie eigentlich denkt oder will…. Ich verzweifle auch regelmäßig daran. Ich kann vor 1000 Leuten einen Rede halten ohne Skript - aber smalltalk: so schnell hast du mich nie rennen sehen! Was mich persönlich tatsächlich manchmal irgendwie tröstet: Es gab schon immer solche wie uns, und/aber es waren immer die wenigeren. Ich lese wahnsinnig gerne Seneca, Cicero oder Montaigne: weil da haargenau dieselben Sachen schon drinstehen, die dich und mich noch heute aufregen. :hugs:

Ich höre jetzt besser auf, ich merke, dass ich mäandere wie ein altes Flussdelta . Aber um halb vier nachts ist das ja nicht wirklich überraschend​:face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth:

Ich wünsche einen schönen guten Morgen!

Ich bin einigermaßen schlau und Nihilistin. :smiling_face_with_sunglasses:

Insoferne - Ich stehe woanders, wenn es um „den Sinn“ geht. Für mich ist das eine Hülse, mit der sich der Mensch Bedeutung geben will.

Ich selber lebe einfach und sehe mich als einen Zufall in jeglicher Hinsicht. Leid vermeiden ist mir wichtiger als ein „Sinn“
Ich gehe sogar weiter und denke mir, wenn all dieses Leid und Böse auf der Welt einen Sinn hätte - uff, das wäre für mich wirklich schlimm. ich kann das sicher nicht nahebringen, wie ich das fühle. Die meisten Menschen sehen es dem Anschein nach auch genau anders und wollen gerade deswegen anscheinend einen Sinn und in Folge eine Religion…

Gut, ich bin vielleicht nicht hochbegabt (sicher nicht höchstbegabt - mit dem Begriff habe ich sowieso Probleme, aber so schlau bin auch ich nicht), aber viele sehr intelligente Menschen denken und dachten schon ähnlich. :wink:

Was intelligente Menschen eher eint, dass sie Mechanismen verstehen wollen und ungern ihre Zeit verschwenden. Das ist für mich eher Effizienz. Also vielleicht stört dich Ineffizienz. Sprich man möchte etwas machen, das bedeutsam ist. Oder ist es wirklich Sinn?

Sinn, Bedeutung, Beachtung, Grund… viele Dimensionen können einen Menschen beschäftigen. Und diese Wörter haben doch alle ein bisschen andere Färbungen, oder?
Sinn ist für mich eher so was in Richtung Glaubensfragen…

Aber „philosophieren“ erlaube ich mir nicht zu viel, weil es zu wenig führt, in allen Bereichen, wo man keine Fakten hat - man kann nur mal das Hirn auslüften dabei. Aber Hirnlüften geht schneller, wenn ich mir das Universum (oder man kann auch in’s subatomare gehen, aber ich hab’s lieber im großen Bereich :grin: ) vorstellen versuche - bumm in einer Sekunde ist mein Gehirn überwältigt. :grin:

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Moin zusammen,

ich weiß, dass das hier ein Selbsthilfeforum ist und dass sich daher wohl eher eine Art “Bubble” ausbildet im Nichtverstandenwerden in dieser doch sehr gewaltvollen Welt, was ich auch durchaus nachvollziehen kann.

Dennoch möchte ich darauf hinweisen, wie wundervoll (sorry für die Pathetik :smiley: ) eine hohe Begabung auch sein kann. Man SIEHT die Welt ja tatsächlich (zugegeben Fluch und Segen zugleich), erkennt oftmals wie alles miteinander zusammenhängt und ist imstande, sich eine eigene kritische Meinung zu bilden und diese ggf. auch argumentativ zu verteidigen. Wie verloren demgegenüber “weniger begabte” Menschen in dieser komplexen Welt agieren müssen, die die Dinge nicht so leicht oder gar nicht durchschauen können und quasi verstandestechnisch anderen ausgeliefert sind. Das macht mich teilweise auch sehr betroffen, so dass ich schnell Mitgefühl für diese Personen entwickle.

Ich bin nun wahrlich nicht gläubig (strenge Atheistin :D), aber ich bin - desto mehr je älter und reifer ich werde - dankbar für meine Begabung, was nicht heißt, dass es keine Situationen mehr gibt, in denen ich an der Menschheit, an schwierigen unnötigen Situationen etc. verzweifeln könnte…

Mit dem Sinn sehe ich es genauso wie viele andere hier: (Lebens-)Sinn kann man sich nur selbst schaffen.

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Dieses systembedingte Problem wird derzeit pragmatisch dadurch gelöst, dass eine Behandlung gemeinsam gestaltet wird, also ärztliche und psychotherapeutische Behandler:innen miteinander in den Austausch gehen (jaja, die gute alte Kommunikation kanns richten). Das funktioniert umso besser, wenn beide der nicht-dummen Kategorie zugeordnet werden können. Das ist also nicht so leicht zu lösen, sondern eher ein mehrstufiger Prozess…. Finde eine:n guten Psychiaterin und eine:n undummen Psychotherapeuten… irgendwo muss oder kann man so jedenfalls anfangen.

Genauso sehe ich deine vielen Themen … HB, ADHS, kPTBS, depressive Symptomatik. … Auch da wird es keine “die eine” Lösung geben, die alle Belastungen gleichermaßen adressiert. Dafür braucht es derzeit noch (wer weiß was da noch alles möglich wird in Zukunft?), mangels anderer Lösungen, eine Behandlungsplanung… also wo steigen wir ein, welche Symptomatik ist derzeit am schwerwiegensten, was wirkt wie miteinander? Macht es Sinn zunächst ADHS und kPTBS zu behandeln? Ist ausreichend Stabilität im innen und außen vorhanden um eine Traumabearbeitung zu ermöglichen? Welchen Umgang braucht es mit der depressiven Symptomatik, was ist hilfreich…. Die Behandlungsplanung wird in den guten Therapien gemeinsam entwickelt und immer wieder überprüft und ggf. angepasst.

Ich denke Frauke Niehues könnte durchaus eine sehr gute Ansprechpartnerin sein und ggf. eine Empfehlung für jemanden in Deiner Nähe haben. … Also falls du das Problem inkrementell anzugehen bereit wärst.

Vielleicht kurz zu mir, weil vielleicht die Frage entsteht aus welcher Perspektive ich das hier schreibe: ich bin Psychologin und Psychotherapeutin in Ausbildung in systemischer Fachkunde, 50J., habe ADHS, eine zwischenzeitlich gut behandelte kPTBS und hatte mehrere depressive Episoden in meinem Leben und ich bin ausreichend intelligent (ich komme jedenfalls zurecht) und fühle mich auch damit oft nicht verstanden :laughing:

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Zu dem speziellen Thema bin ich nochmal in mich gegangen und muss dir zustimmen. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, das weder gebildet, noch überdurchschnittlich intelligent, noch sonderlich musikalisch war. Die Liebe zur klassischen Musik hat mich immer zum sonderling gemacht, in der Schule sogar zum Mobbingopfer. Diese Demütigung, die du beschreibst, wenn man sich selbst und sein intimes Innenleben offenbart und absolutes Unverständnis zurückkommt, war damals Normalität. Das gilt für die Musik, aber auch für komplexere Gedankengänge. Das Ergebnis ist ein Bindungstrauma, wobei diese Sache hier nicht die einzige Ursache dafür ist. Wahrscheinlich bin ich aber deswegen schon dankbar, wenn sich jemand zumindest im Ansatz auf mich einlässt.

Bewusst aufgefallen ist mir das z.B. beim Thema Interpretationen. Normalerweise kann ich recht gut begründen, warum mir die eine Interpretation besser gefällt als die andere. Gerade im Klassikbereich können das aber nur so wenige außerhalb der „Szene.“ Klassik klingt für die wie Klassik. Ganz plattes Beispiel: Bei Streichquartetten von Haydn mag ich bei den Streichern lieber einen schlanken Ton, also dass sich die Interpreten eher etwas hinter der Komposition zurücknehmen. Es darf ruhig temperamentvoll sein, aber ich will die sTimmen klar verfolgen können, und ich will nicht, dass der erste Geiger sich in den Vordergrund drängt; Augenhöhe sozusagen. Cuarteto Casals finde ich gut, Hagen-Quartett, Jerusalem Quartet, die fallen mir spontan ein. Als Jugendliche habe ich Aufnahmen mit dem Amadeus Quartet geschenkt bekommen, und das geht diametral gegen meinen Geschmack. Das schallplattig-mumpfige Geknister im Hintergrund (ok, dafür können die weniger), die Unausgewogenheit, das breite Vibrato, dieser irgendwie larmoyante Ton …

Bitte nicht falsch verstehen, nicht jeder muss unbedingt meinen Geschmack teilen. Es geht eher darum, überhaupt an diesen Punkt zu kommen, dass diese Art von Diskussion überhaupt geführt werden kann. Trotzdem kann man sich sehr einsam fühlen, wenn im eigenen Umfeld niemand nachvollziehen kann, wie sehr einen die eine Aufnahme berührt und die andere weniger.

Ihn kenne ich meine ich “ Wiener Philharmoniker”?

Dazu hätte ich mal eine Frage abseits vom Beitragsthema, sie ist aber etwas heikel. Darauf gebracht hat mich Georg Kreisler mit „Ich fühl’ mich nicht zu Hause.“ Ich gehe mal bis auf Weiteres davon aus, dass du nicht hautnah dabei bist/warst.

Wenn man 5.000 Jahre Diaspora hinter sich hat, stelle ich mir das kulturell gar nicht so einfach vor, wenn man plötzlich ein eigener Staat ist, der sich auch nach außen hin repräsentiert, auch als Staat handelt. Ist das ein breiteres Bewältigungsthema oder ist die Kohäsion durch die Schrift stark genug, dass es gefühlt keinen Unterschied macht? Falls ja, hätte das ja auch Implikationen dafür, wie wir mit dem Thema Diaspora umgehen.

Eröffne ein Tagebuch. Ich würd’s lesen. :heart:

Nun ja ist ja erstmal ein Forum für Menschen mit ADHS, HB haben hier nur manche noch zusätzlich und ich denke zum Beispiel nicht unbedingt, dass Sinn suche und HB in Verbindung miteinander stehen. Habe mich aber auch noch nicht damit beschäftigt. Ich zum Beispiel habe keine speziellen oder außergewöhnlichen kognitiven Begabungen und würde sagen, dass ich mit meinen Fähigkeiten zum Durschnitt zähle. Habe dennoch schon als kleines Kind Überlegungen angestellt, was der Sinn unserer Existenz eigentlich ist. Die schwammige Antwort hat sich immer mal geändert und ich gebe dir Recht eventuell machen wir uns unseren eigenen Sinn, doch dieses Sinn empfinden wird ja durchaus auch von außen mit beeinflusst und veränderbar. Da bleibt dann am Schluss ja wieder die Frage: Gibt es einen objektivierbaren Sinn oder ist Sinn immer nur mit den eigenen Wahrnehmungen verknüpft?

Oh den Titel von ihm mag ich sehr.

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Und noch etwas zusätzliches: Ich denke auch weniger gute kognitive Begabung führt nicht unbedingt dazu, schlechter in der Welt klar zukommen. Eine gute kognitive Begabung gibt einem ja auch nicht unbedingt eine Garantie für ein gutes erfülltes Leben. Ich habe viel mit Menschen gearbeitet die gern als “weniger oder minderbegabt” von unserer Gesellschaft betitelt werden. Ich kann nur sagen, von diesen Menschen habe ich oft so viel kluges gehört. Auch in dieser Gruppe gibt es Menschen, die gut oder weniger gut schaffen einen Platz für sich in unserer Welt zu finden. Ich denke es liegt weniger an der Komplexität unserer Welt, sondern viel mehr darin, in wie weit eine Gesellschaft bereit ist Plätze für jeden bereitzustellen. Denn das unglücklich sein oder nicht zurechtkommen, fängt denke ich da an, wenn man sich nicht als zugehörig empfindet, weil einem, ob in der Wahrnehmung oder tatsächlich so, kein Platz bereitgestellt wird und keine Hand gereicht wird, ihn finden zu können.

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Ich persönlich denke nicht, dass es einen objektivierbaren Sinn gibt, aber Religionen denken das sicher schon; natürlich jede einzelne für sich, sprich: Der Islam gibt eine etwas andere Sinnrichtung vor als das Christentum, aber letztlich beanspruchen alle Religionen natürlich einen (egoistisch motivierten) Sinn, dessen einzelne Glaubensaspekte und -praktiken alle auf ein Leben nach dem Tod ausgerichtet sind. Als Atheistin bin ich da natürlich raus und halte dementsprechend in diesem Bereich wenig von Objektivierung.

Objektivierung ist m.E. anderswo sinnnvoller eingesetzt, z.B. bei Verhaltensregeln, Gesetzen etc.

Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass mich die Sinnfrage gar nicht (mehr) so sehr umtreibt. Und auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen (zumeist männlichen) Philosophen hat mich jetzt nicht unbedingt weiter gebracht. Eher die Beschäftigung mit Soziologie und Soziapsychologie (warum ist unsere Gesellschaft eigentlich so wie sie aktuell ist, konstruiert worden, welche Mechanismen wirken dort (Ungleichheit, Status, Gruppendynamiken, Arbeitsmarkt, Armut etc.) und wie gehe ich damit um (Psychologie), welche Rolle spiele ich in diesem Gefüge, was kann ich zum Positiven hin verändern?

Zukunftsutopien, mögliche neue/digitale Gesellschaftsformen, eine Version der besten aller möglichen Welten entwerfen etc. sind auch schöne Gedankenspiele, die nicht destruktiv enden müssen.

Nun habe ich natürlich keine Depressionen, aber "immerhin” einen durchaus “sinnlosen” Blick auf die Welt: Wir werden geboren, lernen mehr oder minder erfolgreich das Leben zu bestreiten - und sobald wir es dann einigermaßen “draufhaben”, ist das Leben auch schon wieder vorbei. Und auf dem Weg sterben Menschen, die wir lieben. Schon ziemlich düster alles bei Lichte betrachtet. Daran versuche ich so wenig als möglich zu denken und mich auf die positiven Aspekte meines doch sehr privilegierten Lebens zu fokussieren.

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