Gedanklich nur im Moment bleiben

Hallo zusammen,

mein Mann möchte sich demnächst auf AD(H)S testen lassen, da einige Verhaltensweisen, unter denen er/ich/die Beziehung leidet, dafür sprechen könnten.

Neben verschiedenen anderen evtl. ADS-typischen Verhaltensweisen, ist uns nach vielen Gesprächen ein Aspekt aufgefallen, den ich als nicht ADS-lerin gar nicht von mir kenne und bei dem wir denken, dass er im Endeffekt der Kern vieler seiner Probleme ist.

Ich wollte einfach mal in die Runde fragen, ob euch das bekannt vorkommt, bzw. ob das auch ein Hinweis auf ADS sein könnte.

Und zwar sagt mein Mann, dass er während der verschiedensten eigentlich simplen Tätigkeiten im Alltag, die für mich kein Nachdenken erfordern und ich somit in verschiedene Gedankengänge abschweife, er immer gedanklich komplett im Moment bleibt. Ob Spülmaschine ausräumen, Spazieren gehen, kochen, er denkt dann immer nur an die gerade zu erledigende Tätigkeit bzw. was er in diesem Moment gerade sieht. Wenn er Musik hört, hört er eben Musik und kann dabei nicht in andere Gedanken abdriften. Wenn er über irgendetwas „Tieferes“ nachdenken wollen würde, müsste er sich auf die Couch setzen und sich nur darauf konzentrieren – was natürlich so gut wie nie vorkommt.

Für mich war das total überraschend, da das für mich die Situationen sind, in denen ich über Gott und die Welt (Kindheit, vergangene Gespräche mit Freunden/Familie, Zukunftspläne, persönliche Probleme, aktuelle Geschehnisse in der Welt, etc.) nachdenken kann. Ich habe den Verdacht, dass viele Probleme in seinem/unserem Alltag aus der Tatsache resultieren, dass mein Mann eben so gut wie nie in die Situation kommt solche Gedanken zu haben. Er ist ja fast immer nur im aktuellen Moment. Nun habe ich mir hobbypsychologisch zusammengereimt, dass das der Grund sein könnte, dass:

  • Der Klassiker - er sich an Kleinigkeiten, wie Geburtstage, was er einkaufen wollte, etc. nicht erinnert.
  • Aber auch wichtige, für ihn eigentlich emotional bedeutende Sachen. Z.B. vergisst er, dass bei einem lieben Familienmitglied eine wichtige medizinische Diagnose ansteht. Mittlerweile stellt er sich bei sowas eine Handy-Erinnerung, was für mich so unverständlich ist. Ich denke mir, wenn man sich um etwas sorgt, kommt dieser Gedanke doch automatisch ab und zu hoch?
  • Für mich persönlich oft enttäuschend: ich schreibe ihm unterwegs, dass mir etwas aufregendes/tolles/schlimmes passiert ist. Er ist sehr interessiert und möchte es dann hören, sobald wir uns sehen. Wenn es dann aber soweit ist, wurde von ihm nie wieder daran gedacht. Rational weiß ich, dass es wohl daraus resultiert wie sein Gehirn funktioniert. Leider fasse ich das aber trotzdem immer wieder als Desinteresse an meiner Person auf und bin gekränkt. Überhaupt ist der Satz „Und es ward nie wieder daran gedacht“ allgegenwärtig bei uns…
  • Wenn ich nicht aktiv dran bleibe und es ständig selbst initiiere, führen wir nur oberflächlichen Smalltalk, der sich aus der Situation heraus ergibt und keine tiefgründigeren Gespräche. Z.B. beim Spazieren gehen kommen dann nur Themen auf, was ein vorbeifahrendes Auto, das Wetter, ein Gebäude betrifft.
    Wenn ich aber abstraktere, tiefgründigere Themen anspreche, ergeben sich auch wunderbare Gespräche. Also möglich wäre es theoretisch.
  • Seine Freunde sind ihm zwar sehr wichtig und sobald sie sich bei ihm melden, ist er Feuer und Flamme und nimmt Treffen sehr wichtig. Er kommt aber nie auf die Idee sich von sich aus zu melden bzw. vergisst sozusagen sogar seine Freunde wochen-und monatelang. Auch kann er sich beim nächsten Treffen kaum mehr daran erinnern, was beim letzten Mal Gesprächsthemen waren. Dass so dann irgendwann Freundschaften langsam einschlafen ist kein Wunder. Es kommt einfach auch wie Desinteresse rüber.
  • Er kann sich an so gut wie nichts aus seiner Kindheit erinnern. Ich denke, wenn bestimmte Ereignisse viele Jahre lang nie die Gedanken durchkreuzen, sind sie irgendwann weg. Das finde ich soo schade für ihn.

Seitdem wir festgestellt haben, wie unterschiedlich unser Gehirn funktioniert und, dass er eben eigentlich den kompletten Tag nie in eine Situation kommt, in der er über seine im Moment ausgeübte Tätigkeit hinaus nachdenkt, sind diese ganzen Punkte, die für ihn oder unsere Beziehung Probleme ergeben, meiner Meinung nach eigentlich nur eine logische Konsequenz.

Ich bin gespannt, ob das jemandem bekannt vorkommt?

Liebe Grüße
Lavendel

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@Lavendel Empfindet dein Mann denn sein So-sein selbst als Problem?

Mich erinnert das sehr an meinen Mann. Allerdings hat mich das noch nie sonderlich an ihm gestört (lediglich hin und wieder, aber dann merke ich, dass es eigentlich mein Problem ist, mich immer zuständig zu fühlen :smiley: ). Ihn selbst stört es auch nicht. Im Gegenteil: Ich merke, dass es ihm nicht gut geht, wenn er nicht so „im Moment ist“. Es ist ein Zeichen von Stress, wenn er viel „woanders“ ist. Ich gebe zu, dass ich ihn oft für dieses „im Moment sein“ beneide. Ich war früher auch so, aber meine in Kindheit und Jugend antrainierte Angst, (für andere) Wichtiges zu vergessen und dann unangenehme Konsequenzen zu erleben (Schimpfe, Liebesentzug, Schläge) haben dieses als sehr angenehm empfundene Sein leider empfindlich und leider auch sehr nachhaltig gestört. Ich arbeite daran, mehr zu diesem Zustand zurück zu kommen. Und den Handywecker zu stellen, um rechtzeitig an etwas zu denken, und eben nicht seinen sorgenvollen Gedanken dauernd ausgeliefert zu sein, mache ich inzwischen auch, und verbuche es als Fortschritt in meiner Entwicklung, nicht als Makel :thinking: Es bedeutet doch absolut nicht, dass mir die Person nicht sehr wichtig wäre. Aber wenn ich gerade nichts Sinnvolles für denjenigen tun kann, muss ich doch nicht mental wiederkäuen, um (wem??) zu beweisen, dass er mir wichtig ist? Und dass mein Partner bis zum Treffen was mir Wichtiges aus dem unmittelbaren Blick verloren hat, finde ich weder schlimm noch unnormal: Er hat doch ein eigenes Leben mit Erlebnissen. Wenn ich über etwas reden will, tue ich es einfach. Ebenso, wenn ich über etwas anderes, was mich beschäftigt/interessiert, reden will (Stichwort tiefgründige Gespräche). Ich führe keine Strichliste, wer die wie oft initiiert. Dein Beitrag hat mich das erste Mal darüber nachdenken lassen. Könnte sein, dass die öfter von mir ausgehen. Aber das einzige, was für mich da wichtig ist, ist, DASS ich mit meinem Mann solche Gespräche habe, und das auch häufig.

Vielleicht ist es also weniger sein Problem des So-seins, sondern mehr deines der Erwartungshaltung? :thinking:

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Etliches kommt mir äusserst bekannt vor,
ich habe eine ADS-Diagnose und nachweislich eine Störung im Arbeitsgedächtnis.
Vermute bei Deinem Mann ist das eine ähnliche Art Coping, heißt das er es schafft sich selbst einen Hyperfokus auf sein aktuelles handeln zu setzen.
Hat bei mir auch Jahrzehnte lang funktioniert.
Spannend wird es erst wenn das Kartenhaus zusammenbricht und man plötzlich das unkontrollierte Chaos im Kopf hat.
Wie alt ist dein Mann denn?

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Hi Lavendel

das kenne ich auch sehr gut… Leider. Aber gut so ist es halt. Einige habe ich zum Glück die da mir noch die Treue halten und das schon sehr lange.

Das kenne ich auch. Bis zum gewissen Punkt geht das alles.

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Vielleicht gibt es da nicht nur das eine Symptom, sondern jeder Mensch ist da verschieden.
Aber für mich ist es eigentlich gerade das Gegenteil eben ein Aufmerksamkeitsdefizit in dem Sinne, dass ich viel zu viele Gedanken immer habe und nicht bei der Tätigkeit der Sache bleiben kann ohne Medikation. Hm…

Aber vielleicht ist für eure Beziehung ja auch nicht die Diagnose oder das Medikament wichtig, sondern das Gespräch wichtig, wie ihr zusammen kommen könnt, obwohl ihr eventuell andersartig denkt. Ich bin immer so der Meinung, Medikamente nehmen oder eine Diagnose da muss man auch selbst die Notwendigkeit sehen, dass es einem schlecht geht und man Besserung möchte. Aber vielleicht tut er das ja auch. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg für eure Gespräche und hoffe, dass ihr immer wieder zueinander findet. :slight_smile:

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Ja, so ist es bei uns auch. Sein - so-sein ist mein Problem :slight_smile: weil es mich oft in meiner Erwartungshaltung enttäuscht. Als da wären Dinge im Blick behalten, nachfragen, Interesse zeigen, …
Ich führe auch keine Strichliste, aber mit der rejection-sensitivity ist es schon manchmal schwierig, wenn gefühlt nur eine Partnerin initiiert.

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So ähnlich ist es bei uns auch :slight_smile: ich denke ständig über irgendwas nach. Bei meinem Mann heißt es immer „muss ich überlegen“, wozu es so gut wie nie kommt. Besonders schwierig ist es, wenn wir was planen. Ich mache mir nebenbei Gedanken und er braucht sozusagen einen Termin zum überlegen.
Da frage ich mich manchmal wer von uns ADHS hat :blush: (Sohn auf jeden Fall, wir wurden nie getestet)

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@annamaria-in-de @grübeln

Wechselt mal die Perspektive.
Eure Partner haben scheinbar ein, mir nicht unbekanntes. Verhaltensmuster. Immer schon. Wahrscheinlich ist die Ausprägung in den letzten Jahren (in euren Augen) schlimmer geworden.
Könnte es sein das eure Erwartungshaltungen an den Partner einen Zugzwang bei ihm ausgelöst hat?
Einen an ADxS-leidenden Menschen zu bedrängen ist, mit Verlaub, eine blöde Idee.
Wir versteinern und werden handlungsunfähig. (Gedankenkarussel, das Ausmalen der schlimmsten Auswirkungen unserer Taten, tausende von Lösungsansätzen, Prokastrination dieses Themas…)
Mir hat man auch jahrelang Chancen gegeben, die ich, wegen des Zugzwangs, nicht nutzen konnte…

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Vielen Dank euch für den Input und die Erfahrungen aus beiden Sichten!

Ich denke lange Zeit hat mein Mann das alles nicht als Problem wahrgenommen bzw. es war auch nicht so ausgeprägt. Ich bin sehr organisiert und mache mir eher zu viele Gedanken und gerade zu Studienzeiten haben wir uns wunderbar ergänzt. Ich habe ihn immer wieder an Sachen erinnert und er hat durch seine fröhliche, optimistische Art Leichtigkeit mitgebracht. Klar, ab und zu hat es mich genervt, als es Überhand genommen hat, aber wo ist es schon perfekt?

Jetzt im festen Job und gerade seit unser Baby auf der Welt ist (@Dokma er ist 29) gerät aber alles mehr und mehr aus der Balance. Er ist wirklich sehr engagiert und setzt sich bestimmt sehr unter Druck alles richtig zu machen. Gleichzeitig werden die im Ausgangspost erwähnten Probleme aber immer ausgeprägter. Die Vergesslichkeit und Unkonzentriertheit belasten ihn definitiv. Er meinte schon verzweifelt, irgendwann wird er noch vergessen zu atmen.

Manches wäre ihm aber wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, wenn wir nicht darüber reden würden. Für ihn war es normal, sich an so gut wie nichts aus der Kindheit zu erinnern.
Und wenn man so gut wie nie in die Situation kommt, an seine Familie und Freunde zu denken, merkt man auch gar nicht, wie sich vieles langsam auseinanderlebt und erkaltet ist. Ich versuche es zusammenzuhalten und ihn ab und zu daran zu erinnern, sich mal bei der Oma oder einem guten Freund zu melden, nachdem wieder Monate vergangen sind. Oder bei xy mal nachzufragen, wie eine wichtige Prüfung gelaufen ist, etc. Ich könnte sagen, es ist nicht meine Verantwortung, aber ich möchte einfach das gute Verhältnis zu seiner Familie bewahren und auch nicht, dass er bald komplett ohne Freunde da steht.

So langsam komme ich aber an mein Limit mich um den kompletten Mental Load von 3 Personen zu kümmern, gerade mit Schlafmangel mit Baby.

Tatsächlich ist wohl meine Erwartungshaltung an ihn oft zu hoch, so zu sein wie er nun mal nicht ist. Da muss ich sicherlich weiter am „sein lassen“ arbeiten. Aber ich merke, manche Aspekte brauche ich auch einfach um in einer Beziehung glücklich zu sein. Und für mich macht es einen riesen Unterschied, ob jemand interessiert ist, wenn man von sich aus etwas erzählt (und danach ist es auch sofort wieder vergessen) oder jemand von sich aus nachfragt und auch später noch wissen will, wie es dann weiter ging, etc. Für mich gehört das zur Definition von ehrlichem Interesse, wenn ab und an der Gedanke im Kopf aufploppt und nicht nur ein „nice to know, wenn man zufällig davon hört“. Ich merke, wie ich immer öfter an den Punkt komme zu denken „ach, warum erzähle ich es ihm eigentlich, es ist doch eh sofort wieder weg“. Und auch mit den tiefgründigen Gesprächen. Mir geht es nicht um 50/50 Initiierung. Aber ab und zu ein bisschen Input von seiner Seite fehlt mir wirklich.

Ich möchte meinen Mann einfach besser verstehen können, ohne Groll akzeptieren können, wie er da funktioniert. Ich merke ja, dass er bemüht ist. Den Ansatz von @Dokma finde ich sehr interessant. Es könnte wirklich in die Richtung gehen, dass er sich so sehr versucht darauf zu fokussieren, seine aktuelle Tätigkeit gut und konzentriert zu erledigen, dass einfach keine Kapazität für zusätzliche Gedanken bleibt.
Beim Spazieren gehen ist es dann aber eher ein ständiges „guck mal hier, guck mal da“, das ihn davon abhält, sich mal über irgendetwas tiefgreifendere Gedanken zu machen.

@Lavendel Gut, dass du noch ein bisschen mehr geschrieben hast. So wird manches etwas klarer :slightly_smiling_face: Insbesondere euer Alter und die Familiensituation sind wertvolle Infos.

Mir fallen dazu mehrere Punkte ein:

  • Gemeinsam Zuständigkeiten klar zuordnen. Dazu gehört auch, wer für „soziale Arbeit“ wie Gratulationen an welche Familienmitglieder/Freunde etc. zuständig ist. Wenn du das nicht übernehmen möchtest für seine Familie, dann kommuniziere das. Wenn es dir wichtig ist, dass der Kontakt besteht, dann halte du ihn aufrecht. Sonst nicht.

  • Wenn er Schwierigkeiten hat, die Dinge, die dann in seine Zuständigkeit fallen, zu erledigen: Selbstmanagementmethoden ausprobieren. Nach meiner Erfahrung muss man diverse ausprobieren, bis man jeweils passende Teilaspekte darin entdeckt hat, und die dann für sich individuell kombinieren - und auch damit leben, dass trotzdem zu manchen Zeiten das dann gefundene System besser funktioniert und zu manchen schlechter. Nicht verzagen, gibt bessere und schlechtere Zeiten.

  • All das wird nicht überflüssig, wenn man eine ADxS-Diagnose hat, und auch nicht, wenn man ggf. Medikamente nimmt. Im Gegenteil. Die Einstellung auf Medikamente ist oft langwierig und schwierig, kannst du hier zu Hauf nachlesen. Die Medikation hilft letztlich „lediglich“ dabei, dass die Nutzung der Selbstmanagementtechniken häufiger funktioniert.

  • Es ist eine der „normalen“ kritischen Phasen in einer auf Dauer angelegten Beziehung: Man ist jetzt nicht mehr nur zu zweit, und man muss den Übergang vom Studentenleben („Ich bin zwar so ein bisschen für mich verantwortlich, aber notfalls sind noch Eltern im Hintergrund.“) zum Erwerbs- und Familienleben („Ich bin vollumfänglich für mich selbst, meine Beziehung und mein Kind verantwortlich.“) vollziehen. Du scheinst auf diesem Weg schon ein Stück weiter zu sein als dein Partner (nicht ungewöhnlich, scheint mir). Du verhinderst aber seine Entwicklung, wenn du weiterhin seine Zuständigkeiten dir selbst zurechnest und sie für ihn „managest“. Du merkst gerade, dass dir das zu viel wird, und das ist auch gut so! Deshalb Punkt 1: Zusammensetzen und Zuständigkeiten verteilen.

Wichtig ist dabei, dass ihr es irgendwie schafft, immer auf Augenhöhe über diese Dinge zu kommunizieren. Du bist nicht seine Mutter und nicht seine Betreuerin, sondern seine Partnerin, mit eigenen Bedürfnissen, Problemen und Eigenarten.

  • Bringt mich zum nächsten Punkt: Du musst nach und nach für dich herausarbeiten, welche asymmetrischen „Verteilungen“ für dich akzeptabel sind, und wo es für dich nicht geht. Es ist m.E. normal, dass der eine Dinge besser kann / sie ihm leichter fallen, als der andere / dem anderen. Und es ist auch total natürlich, dass Menschen ihre Liebe und Bindung zum anderen auf unterschiedliche Weise zeigen (das hat mich extrem lange Zeit gekostet, ehe ich das begriffen habe, und mich früher zu sehr häufigen Zweifeln an meiner inzw. 20jährigen Beziehung gebracht!!). M.E. ist das sehr wichtig: Zum einen für sich selbst herauszufinden, wie man selbst seine Liebe und Aufmerksamkeit zeigt, dann, wie man sie gezeigt bekommen möchte, und dann aber anfangen zu schauen, welche Wege andere Menschen haben, Liebe zu zeigen, insbesondere auch, welche Wege der Partner hat. Und: auf welchem Wege er selbst wahrnimmt, dass man ihn liebt. Es kann da sehr große Unterschiede geben, ich spreche da aus Erfahrung :woman_facepalming: Und dann noch einmal genau hinschauen, wer wie fähig ist, die Sprache der Liebe des anderen zu lernen. Es kann sein, dass der eine besser darin ist, die ihm fremde Sprache des anderen zu verstehen, und der andere, die fremde Sprache zu sprechen. Nicht immer funktioniert es, dass beide die Sprache des anderen verstehen und sprechen lernen - muss es auch nicht zwingend.

Ihr macht also beide einen sehr normalen Entwicklungs- und Reifungsprozess (nicht den letzten…) durch, der möglicherweise durch ADxS erschwert wird. Eine Garantie, dass er euch dauerhaft beieinander hält, gibt es leider nicht. Aber unmöglich ist es definitiv nicht, weder ohne noch mit ADxS. Dass ihr offenbar miteinander darüber reden könnt, ist eine sehr gute Voraussetzung, meine ich :blush:

Alles Gute!

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Da kommt mir nahezu alles sehr bekannt vor.
Meine Partnerin hat mich deshalb ewig überredet mal zum Arzt zu gehen, was ich nicht wirklich ernst genommen habe, weil es für mich ja normal war und ich mich auch nicht anders kannte.
Bei uns hat es allerdings die Beziehung nie so extrem belastet. Vieles fand sie eher liebenswert aber manches auch besorgniserregend. Dabei hat aber sowohl sie, als auch der Hausarzt, der mir dann eine Überweisung zum Neurologen ausgestellt hat, eher so eine Art Gedächtnisstörung, die meine Verpeiltheit als Begleiterscheinung hat, vermutet.

Das habe ich für mich aber kategorisch ausgeschlossen, weil ich mein Langzeitgedächtnis eigentlich 1A finde.
Ich könnte beispielsweise etliche Jahre nach dem Abi noch immer den Inhalt jedes Schulbuches von der ersten Klasse an in der thematischen Reihenfolge von vorne bis hinten zusammenfassen o.Ä.
Komischerweise immer erst Ewigkeiten später, denn während der Schulzeit war es in Klassenarbeiten für mich immer eine große Überraschung, was denn nun zuvor behandelt wurde.
Auch wusste ich immer nicht, wo ich 2 Minuten zuvor den Haustürschlüssel abgelegt habe, den man dann später etwa im Papierkorb wiedergefunden hat.

Ich wurde dann mit einem Verdacht zu einem Psychotherapeuten geschickt, der mir recht fix die ADHS Diagnose ausgestellt hat, was ich zwar auch für mich eher abgelehnt habe, aber als er dann meine Vorurteile von wegen Zappelphilipp, etc. aufgeklärt hatte, war das für mich ein absoluter Segen. Ich war nicht einfach so, so wie ich und mein Umfeld damit irgendwie klarkommen mussten, sondern es hat einen Grund und der kann behandelt werden.

Und seit der Behandlung, in meinem Falle mit Elvanse, fühlt sich (neben sehr viel mehr Veränderungen) einfach alles extrem klar und gegenwärtig an und ich habe das Gefühl, irgendwie aktiver meinen Alltag zu gestalten zu können, ohne, dass ich immer ständig an alles erinnert, oder zu etwas getrieben werden muss. So als war mein Kurzzeitgedächtnis aus und jetzt ist es eingeschaltet worden.
Wobei ich jetzt auch reflektieren kann, dass diese Vergesslichkeit o.Ä. in erster Linie daran lag, dass ich einfach in 20 verschiedenen Dimensionen gleichzeitig unterwegs war. Wenn ich Fernsehen geschaut habe und mich kurz darauf nicht an die Sendung erinnert habe, oder gar währenddessen gar nicht wusste, was ich eigentlich schaue, dann habe ich es nicht einfach vergessen, sondern ich habe in meinem Kopf einfach einen anderen Film geschaut.

Daher muss ich auch folgendem widersprechen:

Das war nie stressbedingt, sondern Normalzustand, aus dem ich nur herausgeholt werden konnte, wenn es um etwas ging, für das ich gebrannt habe, quasi so, als würde nur dann eine Botenstoff-Schwelle im Hirn überschritten werden, was erst dann die richtigen Zahnräder im Schädel in Gang setzt.
Ging es in Gesprächen etwa um Quantenphysik, Technik, oder Philosophie, war ich dabei, war es hingegen Smalltalk, oder ging es um alltägliches, hat mein Hirn das Gespräch nie aufgezeichnet und abgespeichert, sondern eher den bemerkenswerten Körnungsgrad der Raufasertapete im Hintergrund.

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@snickepie

Was du da von mir zitierst, bezieht sich auch nicht auf einen Menschen mit ADHS-Diagnose! So, wie auch der Partner der Threaderstellerin bislang keine Diagnose hat.
Was ich meine: Es kann zum einen durchaus sein, dass es gar kein „pathologischer“ Zustand ist, sondern einfach nur eine Eigenart, Stichwort „Spektrum“, zum anderen kann es sein, dass es Symptom einer Gedächtnisstörung ist, oder dass es eine Begleiterscheinung eines ADxS ist, oder ganz was anderes… Ich würde nicht immer von vorneherein davon ausgehen, dass alles, was uns an uns selbst oder einem anderen irgendwie stört, ADxS ist oder irgendwas anderes Pathologisches.

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Ich danke dir meine liebe @Quitte das hat mir gerade für eine wichtige Sache in meiner Beziehung die Augen geöffnet. Nämlich wenn es mir nicht gut geht und mein freund eben mal nicht fragt wie es mir geht weil er 1. Fertig von der Arbeit ist und 2. dieser Zustand bei mir schon mehrere wochen gleich ist, bedeutet es nicht, dass es ihm egal ist. Er kann ja nichts tun dass es besser wird außer zum Beispiel die schweren Einkäufe selbst tragen und das tut er ja…
Sowas vergesse ich leicht…

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@Lavendel ich habe mich in deinem Eingangspost in so vielem wiedererkannt… ich kann nachher gern ausführlicher schreiben muss noch etwas erledigen vorher. (Sollte ich es vergessen, bitte erinnere mich nochmal daran, okay? Aktuell ist meine Konzentration/Merkfähigkeit nicht bei 100%)

@Lavendel irgendwie erinnert mich das an eine Ex Beziehung von mir, ich war damals noch jung (+/- um die 30 Jahre alt), hatte noch keine Adhs Diagnose.
Ich war sehr Hyperaktiv in dieser Zeit, habe mich von einem Projekt ins nächste gestürzt, war kaum zu bremsen, habe 100 Sachen angefangen aber kaum etwas davon wirklich zu Ende gebracht, war emotional irgendwie immer „aufgeladen“, als stände ich ständig unter Strom.
Mein Ex war das komplette Gegenteil von mir, während ich hitzköpfig, quirlig und über die Massen emotional überempfindlich war, war er immer sehr ruhig, kurz gefasst, unterkühl, berechnent und irgendwie generell emotional sozusagen auf Sparflamme.

Wirklich grosse Gefühlsregungen zeigte er nie, war immer sehr beherrscht, weder sah ich ihn jemals aus tiefstem Herzen lachen, also so das man sich vor lachen den Bauch hält, noch sah ich ihn jemals eine einzige Träne vergiessen, nicht mal dann als wir uns scheiden liessen, irgendwie blieb er für mich immer ein Rätsel, während er anscheinend von mir fasziniert war, wie es unsere Paartherapeutin mal formuliert hatte, obwohl ich nie was von seiner Faszination für mich bemerkt hatte.

Rückblickend habe ich diese Beziehung mit meinem Ex wie einen ständigen Kampf erlebt, denn wenn ich ja sagte sagte er nein, sagte ich nein sagte er ja, wollte ich etwas wollte er es nicht, wollte er etwas wollte ich es nicht, wir waren praktisch wie in einer permanenten Kampf oder Flucht Situation gefangen, fast täglich purer Dauer Stress, was dann bei mir mit der Zeit dazu geführt hatte das ich in eine wirklich sehr schwere Depression gefallen bin aus der ich es alleine irgendwann nicht mehr raus schaffen konnte und mir psychologische Hilfe suchen musste.

Paradoxerweise gab es trotzdem diese Momente in unserer Beziehung in denen wir uns irgendwie doch wieder recht gut zu verstehen schienen, wo wir uns wieder näher kamen und eine Zeit lang Frieden einkehrte, sowas wie eine kurzzeitige Harmonie einkehren zu schien, aber halt nie auf Dauer. Wahrscheinlich war es aber nur so das wir beide zwischenzeitlich versuchten die Ausweglosigkeit unserer Beziehung zu verdrängen, versuchten die Wahrheit das wir schlicht und einfach nie wirklich zusammen gepasst hatten auszublenden.
Jedenfalls stellten wir beide gegenseitig hohe Anforderungen an uns, er konnte im Grunde meine Erwartungen nie richtig erfüllen und ich seine nicht. Da er sich im Grunde ja wünschte ich sollte so wie er sein, während ich mir wünschte er sollte so wie ich sein, was ja totaler Humbug ist.
In Wahrheit haben wir uns beide gegenseitig nicht akzeptiert, den anderen so zu nehmen wie er ist, ist uns beiden jedenfalls nicht gelungen.

Heute habe ich diesen alten Spruch „gut prüfe wer sich ewig bindet“ endlich richtig kapiert, erst nach der Scheidung hatte ich zum ersten mal richtig begriffen wie extrem wichtig es ist, dass man mit einem Lebenspartner soviele Gemeinsamkeiten wie nur irgend möglich haben sollte.
Guter Sex und verliebt zu sein, dass allein reicht nicht aus um dauerhaft mit einem Partner glücklich zu bleiben, denn die Verliebtheit weicht dem Alltag, Sex mutiert schnell zu Routine, und wenn dann nichts weiter da ist, was hat man sich dann noch zu sagen, nicht viel, oder?.
Bei meinem Ex und mir war es genau so, als wir uns kennen lernten war der Haupt Grund warum wir überhaupt zusammen kamen der Sex, der an den Wochenenden an denen wir uns trafen meistens sehr berauschend war, viel geredet hatten wir damals wenn wir uns trafen jedenfalls nicht wirklich.

Aber das schlimmste ist das, dass wir uns beide in diesem kritischen Alter befanden, Ende 20 Anfang 30, in dem die Leute plötzlich meinen „es wäre langsam an der Zeit zu heiraten und eine Familie zu gründen“, wozu mich mein Ex dann auch „überredet“ hatte, denn er wollte unbedingt schon nach knapp einem Jahr heiraten und eine Familie gründen, während ich mich total überrumpelt fühlte und damit eigentlich noch warten wollte, da ich dem heiraten und Kinder kriegen gegenüber sowieso kritisch gegenüber stand da ich ein Scheidungskind bin und in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen bin.
Aber als er mir dann einen Antrag gemacht hatte fühlte ich mich dann doch irgendwie geschmeichelt und sagte „naja, mehr als schief gehen kann es ja nicht“, was dann einige Jahre später leider auch so eingetroffen ist.
Ok bin total vom eigentlichen Thema oder auch von dem was ich eigentlich noch schreiben wollte abgedriftet, deshalb hat das ganze wahrscheinlich nichts mehr mit Deinem eigentlichen Thema zu tun, aber vielleicht kannst Du ja trotzdem was damit anfangen. :wink:

P.s. jedenfalls ist mir rückblickend klar geworden das mein Ex und ich uns eigentlich nur beim Sex wirklich nahe waren, ansonsten lebte er in seiner eigenen Welt in die ich kaum vordringen konnte.
Ich musste ihm wortwörtlich bei allem die Würmer aus der Nase ziehen, Initiative für Egal um was es ging musste immer von mir aus kommen, aber wenn ich dann verlangte das er dies oder das machen sollte reagierte er äusserst sauer oder war tödlich beleidigt, er strafte mich dann sehr oft mit Schweigen und ignorieren, etwas was für mich unerträglich ist.
Diese Ex Beziehung war wirklich sehr schwierig und anstrengend und hat mich völlig aufgezehrt , obwohl wir inzwischen seit ein paar Jahren geschieden sind habe ich mich immer noch nicht vollständig davon erholt.

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@Lavendel ich muss jetzt zum Ausgleich aber auch noch was schönes erzählen.
Nachdem ich geschieden war musste ich mich erst mal erholen, wieder auf die Beine kommen, mein Leben ordnen, mich mit meinem Adhs und meiner Depression befassen bevor ich mich auf eine neue Partnerschaft einlassen konnte und auch wollte.
Jedenfalls habe ich dann meinen jetzigen Partner, wir sind beide 50+ über eine Dating Plattform kennen und lieben gelernt.
Mein jetziger Partner und ich sind uns in vielem ähnlich, aber nicht gleich, so das wir wirklich viele Gemeinsamkeiten haben, aber trotzdem individuell verschieden sind, es trotzdem immer wieder auch noch neues zu entdecken gibt.
Das schöne dabei ist, dass wir das neue gemeinsam erkunden, beide daran interessiert sind und Spass daran haben, dass gemeinsame Leben zu einem gemeinsamen „Abenteuer“ wird über das wir uns gerne und sehr offen austauschen können.
Höchstwahrscheinlich liegt das nicht nur daran das wir beide keine einfache Kindheit hatten und beide keine jungen blauäugigen Hüpfer mehr sind, sondern auch daran, dass auch er, nach ausgiebiger Auseinandersetzung mit seiner Lebensgeschichte, den Rückschluss zulässt, dass auch mein inzwischen grau mellierter Schatz Adhs hat.
Irgendwie logisch, dass niemand anderes als ein Adhs’ler einen anderen Adhs’ler so gut verstehen kann als sonst irgend jemand auf diesem Planeten, auf dem man sich mit Adhs allzuoft wie ein Alien vorkommt.
Aber das wirklich ultimativ extrem schöne an unserer Beziehung ist ausserdem, dass wir so viele Interessen für alle möglichen Themen teilen sowie in fast allem sogar den fast identischen Geschmack teilen, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.
Mein persönliches Fazit: für die Liebe ist es nie zu spät. :heart:

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Herzlich willkommen im Forum @Lavendel

Hm also das kenne ich jetzt von mir selber nicht direkt, nur so, dass ich halt Sachen vergesse einzuräumen oder so, wenn ich mit den Gedanken abschweife und dann versuche ich, im Moment zu bleiben - klappt aber äußerst selten.

Hm. Ich glaube, darüber nachdenken ginge durchaus, allerdings wäre ich dann in meiner aktuellen Tätigkeit stark abgelenkt und unter Umständen würde die dann schief gehen… Aber darüber noch eine Unterhaltung zu führen ginge für mich wohl nur bei einem Spaziergang oder beim Essen (ohne Musik oder Fernseher) oder eben auf dem Sofa (darf aber auch nicht zu gemütlich sein sonst würde ich einschlafen :wink: ).

Und selbst dann schweife ich gelegentlich mit den Gedanken ab. Wichtig für mich (und eventuell hilft ihm das ja auch, jeder ist anders) ist bei Erzählungen/Erklärungen, dass die Sätze nicht so verschachtelt sind und die erklärung keine 10 oder 15 minütiger Monolog des Gegenüber wird. Da kann die Erklärung dann noch so interessant sein (über Astronomie zum Beispiel, ein sehr interessantes Thema) ich kann dem einfach nicht folgen egal was ich versuche.

Ich vermute da schon so etwas wie @Dokma sagt. Dass es seine Coping-Strategie ist, damit umzugehen. Also dass er vielleicht irgendwann gemerkt hat, dass die Dinge (Spülmaschine einräumen und so weiter) für ihn eben nur dann fehlerfrei funktionieren, wenn er nichts anderes dabei denkt. Nur diese eine Sache. Falls das so ist, dann finde ich das wirklich beeindruckend. Weil wie @Maria_2021 schön sagte, ich kenne es auch so, ohne Medikation von einem Thema zum nächsten zu springen, hunderte Gedanken im Kopf zu haben und keinen richtig zuende zu denken…

Ups… okay, vielleicht doofe Frage, aber: ist das nicht normal? Geht mir ganz genauso…

Das folgende was ich schreibe ist aus Sicht eines ADxS`ler geschrieben, was nicht bedeutet, dass es bei ihm zutreffen muss, aber es könnte sein. Und falls das so sein sollte, würde ich folgendes sagen:

Aber genau das ist ja das Problem beim ADxS. Es ist nicht so, dass wir uns die Dinge nicht merken wollen oder dass kein Interesse besteht. Wir können uns diese Dinge einfach nicht merken. Egal was wir versuchen. Falls du ein Beispiel möchtest: ich bin mit meinem Partner seit über 12 Jahren zusammen, seit ca. 10 Jahren wohnen wir zusammen. Meine Diagnose habe ich seit 2017 und jetzt - im Jahr 2022 - kann ich mich beim Einkaufen endlich daran erinnern, was sein Lieblingsjoghurt ist…
was ich damit sagen will: es kann (zumindest ohne Medikation war es bei mir extrem) tatsächlich sein, dass es ihn interessiert was du erzählst und er auch wissen will, wie es weiter geht etc. nur unter Umständen meint der falsch eingestellte Reizfilter im Hirn (ohne sein zutun), dass diese Information nicht wichtig ist und - zack - ist es einen Tag später vergessen. Leider.

Najaaa, genau das ist mir auch passiert. Meine Oma hatte einen Termin im KH, sie sollte operiert werden. So weit so gut. Termin abgespeichert, da ich an dem Tag bei meinem Opa sein sollte. Dieser Termin fand nicht statt und wurde verschoben. Aber denkst du, ich konnte mich an diesen Termin noch erinnern … ? Meine Oma ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben und trotzdem habe ich nicht daran gedacht… Mittlerweile klappt es besser, weil ich drei (!) Kalender habe. Einen Taschenkalender den ich immer dabei habe, einen Monatskalender in der Küche in den immer alles übertragen wird und einen Jahreskalender im Schlafzimmer. Überall stehen sämtliche Termine drin. Von jeder im Haushalt lebenden Person. Und wenn ich da nicht regelmäßig rein schaue, dann vergesse ich trotzdem Termine. Oder Geburtstage. Das passiert mir derzeit leider auch viel zu oft. Dabei will ich das gar nicht… meine Mama ist schon dazu übergegangen mir eine SMS zu schreiben, dass ich an den Geburtstag meiner Großeltern denke… meist denke ich einen Tag vorher dran und am nächsten Tag ist es vergessen…

das ist wieder das, was ich oben meinte. Der Reizfilter funktioniert nicht wie er sollte bzw. ist nicht vorhanden. Wenn ihm jetzt direkt nach der gelesenen und beantworteten Nachricht ein Gedanke durch den Kopf schießt oder er etwas anderes sieht das seine Aufmerksamkeit erregt, kann es durchaus passieren, dass die Nachricht von dir als „unwichtig“ abgespeichert wird und das andere als „wichtig“ oder als „gleichbedeutend“. Das hat dann aber nichts mit dir als Person zu tun - ich gehe aber davon aus dass du das weißt - sondern eben mit dem ADxS (wenn er es denn tatsächlich hat). Aber ich kann natürlich verstehen, dass dich das kränkt. Geht mir ja nicht anders, wenn mein Freund so reagiert. Kommt zwar selten vor, aber kommt vor. Und er hat kein ADxS.

Das ist etwas, das hat mich auch sehr sehr lang beschäftigt. Als ich noch keine Diagnose hatte habe ich so oft, dass ich es nicht mehr zählen kann, gesagt bekommen „ach das hast du schon drei Mal erzählt“ und „das weiß ich doch schon“ und so weiter. Ich konnte mir einfach nicht merken, was ich schon erzählt hatte und was nicht…

Hm, ich bin mir gerade irgendwie nicht sicher, ob das überhaupt sinnvoll ist was ich geschrieben habe…? Aber du wolltest ja wissen, ob das jemandem bekannt vorkommt. Und dazu kann ich sagen: Ja, definitiv kommt mir einiges davon bekannt vor.
Würde mich freuen zu lesen, wie es weiter geht wenn du magst.

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Komisch @Daydreamer das Du schreibst das Du Dich kaum an Deine Kindheit erinnern kannst. :thinking:
Also ich, wo laut meiner Psychologin ein stark ausgeprägtes Adhs habe, kann mich an Dinge aus meiner Kindheit erinnern, als sei es gestern gewesen.
Wahrscheinlich weil diese Erinnerungen sich extrem stark im emotionalen Bereich befinden, sich deshalb regelrecht in meiner Erinnerung eingebrannt haben.
Währenddessen ich extreme Mühe damit habe mich an „faktische“ Dinge, also Jahreszahlen und dergleichen zu erinnern, hingegen Dinge die „Emotionen“ in mir ausgelöst haben, ein Leben lang „hängen bleiben“, für solche Sachen habe ich ein Elefanten Gedächtnis. :elephant:

najaa, so als Scheidungskind und Mobbingopfer in der Schule kann ich nicht gerade behaupten, dass sich diese Zeit „nicht stark im emotionalen Bereich“ befindet… ist aber nicht Thema hier :wink:

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@Daydreamer okay das stimmt natürlich das das wieder ein anderes Thema ist, obwohl es natürlich nach meinem Empfinden wie immer nicht sonderlich einfach ist klare Grenzen zu finden, was jetzt in ein Thema passt, oder nicht.
Sorry ich reagiere halt immer wieder so extrem Adhs typisch das ich es einfach nicht merke wenn ich den Rahmen wieder einmal sprenge.
:wink::exploding_head::joy: