ich bin relativ spät mit ADHS diagnostiziert (mit 46).
Vor Kurzem ist mir etwas aufgefallen bzw. klar geworden was mich extrem triggert und nervt - und das schon seit ich denken kann:
Wenn eine Person meines näheren Umfeldes das kommentiert was ich gerade mache. Hier ein paar Beispiele:
Ich stehe gerade daheim und koche Essen und bin ohnehin schon genervt. Dann kommt mein Mann gut gelaunt von der Arbeit und sagt in einer gut gelaunten Stimme schon beim Reinkommen “hier riecht es aber lecker".
– ja Mann, ich würde auch lieber den ganzen Tag arbeiten gehen als nur halbtags und mich zusätzlich noch um den Haushalt zu kümmern.
Ich weiß dass er es lieb meint aber mich macht das mega aggressiv.
Ich habe für die Familie zu Essen gekocht. Meine Schwiegermutter sagt : " da hast du aber ganz schön aufgekocht “ oder " das hat es aber ganz schön in sich” (bezogen auf die Zutaten, wenn zum Beispiel Sahne drin ist)
– ja Mann, dein Essen ist noch fettiger !
Meine Schwiegermutter sagt zu meiner Tochter” Hast du schon wieder eine neue Hose?”
– ja Mann, Kinder wachsen nun mal!
Und so weiter. Besonders schlimm ist es bei meinen Eltern.
Ich weiß dass das alles nicht böse gemeint ist aber ich fühle ich da sofort genervt und getriggert und gebe im worst Case patzige Antworten und dann hängt der Haussegen schief.
Ich hab meinem Mann schon gesagt dass er einfach nix sagen soll wenn er heimkommt und habe versucht ihm zu erklären was da in mir vorgeht. Ich arbeite auch an mir, aber ich kann das kaum abschalten.
Kennt das der eine oder andere von euch? Oder bin ich einfach zu empfindlich?
Ich kenne das gut. Bei deinen Beispielen denke ich, dass es dein Mann wohl eher wirklich gut meint und es da eher an unerfüllten Wünschen auf deiner Seite liegen könnte.
Allerdings ist das kommentieren deines zubereiteten Essens mit Bezug auf den Fettgehalt schon eine Spitze, die definitiv, meiner Meinung nach auch so gemeint sein könnte und mich ebenfalls zu patzigen Antworten, wie: “stimmt für dich und deine Sorge um dein Gewicht, wäre es besser du äßest nur den Beilagesalat” verleiten würde.
Genauso der Hosenkommentar, der ist auch denke ich durchaus, als Spitze gemeint und weder nett noch hilfreich und auch hier, müsste ich besonders darauf achten contenauce zu bewahren, um mir eine Rückspitze verkneifen zu können.
Nur schlauer und wahrscheinlich mit weniger Stress für einen selbst, ist es wahrscheinlich besser, einmal tief einzuatmen und nett zu lächeln.
Was deine Eltern und Schwiegereltern angeht, musst du gucken wie gut sie dir tun und ob die spitzen Bemerkungen nicht etwas mehr Distanz als Konsequenz haben sollten.
Vermutlich müssen sie auf die harte Tour lernen, dass ihre Kinder und Schwiegerkinder erwachsen sind und selbst Chefs ihrer Kernfamilie - wie fetthaltig dort die Speisen sind und wie häufig die Enkel neue Hosen kriegen, ist eure Entscheidung und nicht ihre.
Seht die Bemerkungen als das was sie sind - keine netten Scherze, sondern Grenzüberschreitungen, die sich nicht gehören. Eine Machtdemonstration.
Wichtig ist, dass dein Mann und du zusammenhalten und ihr gemeinsam euren Eltern klar macht: Haltet euch raus, ansonsten sehen wir uns seltener.
Wieso meinst du das das ALLES nicht böse gemeint ist?
Ich geh ja auch mein lebenlang diesen Marathon und bin erst in 2024 diagnostiziert…
Deine Schwiegermutter wertet aber…
Da solltest du mal grundsätzlich genauer hinschauen, ob sie ber allen und jedem den sie kennt solch Kommentare hat oder nur dir gegenüber mit deftig/ hats in sich etc. bzw. die neue Hose…
Ich würde das ansprechen. Ich würde es sehr nett, freundlich und im lieben Ton aber deutlich ansprechen.
Ich nehme mal ein Bsp. zu meiner Exschwiegermutter:
Renate ich empfinde deine Kommentierungen zu meiner Küche sehr irritierend und verletzend und das du mit einem solch spitzen Ton alle Kleidungsstücke oder Spielwaren meiner Tochter kommentieren mußt verletzt mich genauso stark. Renate ich bitte dich das zukünftig zu unterlassen, damit unser gutes Verhältnis nicht für dahergesagte und verletzende Worte Risse bekommt - wir sind doch eine Familie.
Damit zeigst du aber deutlich was in dir passiert aber auch das du sie als Familie schätzt…
Und wahrscheinlich beim Mann klar sagen, das du typische Männersprüche nicht hören möchtest sondern lieber mehr arbeiten würdest und du ggf. könntest mal für dich überlegen ob du
a) mehr arbeiten/ voll arbeiten kannst, wenn du den Haushalt anders organisiert bekommst.
Selbst wenn du voll arbeitest und eine Haushaltshilfe nimmst und finanziell im Monat nicht mehr Geld hättest wärst du ggf. glücklicher und hättest später auch mehr Rente
Oder du guckst ob sich nicht auch mit Einspannen von deinem Mann in den Haushalt mehr Stunden herausholen lassen. Selbst 2 bis 3 std könnten dich zufriedener werden lassen oder?
Bei mir hats gestern mal wieder - dafür extrem deutlich mit meinem Vater geknallt. Meine Eltern haben ‚Die Krankheit‘ ja nicht - zeigen extremste Symptome und Demenzen sind auch ausgeschlossen und mein Vater baut immer mehr Kurzschlüsse wenn er seine „Panikattcken“ bekommt…
Mein letztes Jahr lief nicht gut wegen dem Versuch mit einem Medikament wo dann 2 Psychiater und ein Prof. Neurologie alles anders werteten bis der Knall dann da war und nicht mehr abzustreiten war, dazu wichtigstes Haustier gegangen und die neue Dame hier extrem escaliert weil der Züchter sich stark verschätzte und ihr viel Schmerz und Leid dadurch zugefügt worde weil sie so extrem sensibel und feinfühlig ist…
Da bin ich dann emotional total überfordert gewesen
Aber ich fürchte deine Phase kennen wir alle auf eine Art
Sorry @Zitronengelb , aber so wie Du die Kommentare hier von Deinen Angehörigen schilderst, erscheint es zumindest mir persönlich so, dass diese Kommentare eigentlich auch alles andere als „harmlos“ sind.
Und das, zumindest meinem persönlichen Empfinden nach, vor allem was die Kommentare Deiner Schwiegermutter Dir gegenüber betrifft.
Anderseits liegt das wahre Problem, jedenfalls nach meiner eigenen Lebenserfahrung, in Wahrheit sehr oft darin, dass man selbst in solchen Situationen leider über ein zu „schwaches Selbstwertgefühl“ verfügt, und sich deshalb zu schnell durch die Kommentare von anderen Menschen in seinem Leben „verunsichert“ fühlt.
Verwandtschaft ist schon ein Fluch und ein Segen, ja! Ich kann es gut nachvollziehen, ist alles aber nur von mir hereininterpretiert.
Dass die Kommentare des Ehemannes dich so triggern.. liegt es daran, dass die Care-Arbeit zuhause nicht so aufgeteilt ist, wie du es eigentlich möchtest (wie una schon treffend beschrieb)?
Vielleicht spielt auch Hunger eine Rolle? Wenn ich kochen muss, und eigentlich selber was essen sollte, wehe es kommt jemand mit „solchen Sprüchen“ um die Ecke! Da hilft mir naschen während des Kochens, da kann ich auch entspannter am Tisch sitzen.
Die Kommentare der Schwiegermutter nerven dich hauptsächlich, weil du eine Botschaft darin vermutest, oder? Ich würde, wenn meine Schwiegermutter sowas sagen würde, fragen wie sie diese Aussage meint.
Vielleicht will sie dich nur loben für das gut schmeckende Essen, vielleicht macht sie sich sorgen um ihr Gewicht, vielleicht sieht sie es als nobel, so teuer sahnehaltig zu kochen, vielleicht ist sie aus der Generation Sparfuchs und tut sich deshalb schwer damit. Vielleicht meinte sie auch das mit der Hose der Tochter ganz anders. Manche Leute reden nun mal auf andere Wellenlängen als die eigene. Da muss man manchmal erstmal die richtige Frequenz finden fürs Verständnis. Also: reden, reden, reden. Und vom Guten ausgehen.
Wie gesagt, alles nur geraten.. Vielleicht hilft es dir irgendwie.
ich kenne das nur zu gut. Sowohl diese ausgesprochene Empfindlichkeit gegenüber Kommentaren zu meinen Handlungen als auch das spezielle Schwiegermutter - Schwiegertocher - Konstrukt.
Der Kommentar meiner Ex-Schwiegermutter nach einer Einladung zum Essen war: der Hunger ist ein guter Koch. Ich habe sie nie mehr eingeladen. Das hat wirklich etwas mit Machtdemonstration zu tun. Das ist meiner Meinung nach der klägliche Versuch, in den Augen des Sohnes für immer und ewig die Frau Nr. 1 zu bleiben. Dafür wir die „Konkurrentin“ möglichst klein gemacht. Ich hoffe sehr, dass ich das ggf. bei meiner zukünftigen Schwiegertochter besser mache!
Aber auch gut gemeinte Kommentare z.B. von meinem Partner können mich wirklich auf die Palme bringen. Ich habe aber auch die Gabe, aus allem etwas Negatives herauszuhören. Wenn er z.B. sagt „Heute ist Dein Fleisch aber wirklich gut geworden“ höre ich heraus: „Die letzten Male hast Du das Fleisch völlig versaut“.
Das kenne ich aber nicht nur in Bezug auf Haushalt und Kochen. Ich glaube, das ist ein Teil von „rejection sensibility“, die bei ADHS häufig vorkommt. Und daran möchte ich arbeiten.
kurz und knapp:
Ja, das kenne ich auch.
Ich schaue mit einer deutlich empfindlicheren Brille auf das Gesagte als Normalos, und dichte damit manchmal meinem Gegenüber Absichten an, die er/sie nie hatte.
Durch Kommentare von anderen fühle ich mich schnell bevormundet. Was man wie tun soll begegnet jedem Menschen x-fach am Tag. Mitnehmen was mir gut tut und den Rest kommentarlos vorbeiziehen lassen - das kann ein ADHSler eben meist nicht gut.
Unbefriedigte eigene Bedürfnisse rechtzeitigzu erkennen, fällt mir schwer. Der Frust darüber bricht sich dann an anderer Stelle Bahn und schaukelt mich schnell hoch bei scheinbar harmlosen Dingen.
Hier in besser formuliert:
Rejection Sensitive Dysphoria (RSD)
Die Reaktionen passen klassisch zu RSD, auch wenn die Kommentare objektiv neutral oder positiv gemeint sind. Das ADHS-Gehirn interpretiert ungebetene Kommentare über das eigene Handeln als implizite Bewertung oder Kontrolle – selbst wenn das nicht die Absicht ist. Die emotionale Antwort in Form von Aggression und Getriggert-sein ist dabei intensiv und kommt schnell, bevor eine rationale Einordnung stattfinden kann. Dass du weißt, dass es nicht böse gemeint ist, ändert die emotionale Reaktion kaum – das ist typisch für RSD.
Autonomie & implizite Kontrolle
Kommentare über das, was man gerade tut, können unbewusst als Einschränkung der Autonomie erlebt werden – besonders bei ADHS-Betroffenen, die oft ein starkes Bedürfnis nach Selbstbestimmung haben (und ein Leben lang Korrekturen und Hinweise erhalten haben). Selbst lobende Kommentare („riecht lecker“) aktivieren denselben Mechanismus, weil sie das eigene Handeln zum Objekt fremder Bewertung machen.
Aufgestauter Frust als Verstärker
Deine Interpretation („ich würde auch lieber arbeiten gehen“) zeigt, dass der eigentliche Trigger tiefer liegt: die erlebte Ungleichheit der häuslichen Last. Der Kommentar deines Mannes zündet an einem Fass, das schon halb voll ist. Das ist keine ADHS-spezifische Reaktion, aber ADHS verstärkt die emotionale Dysregulation erheblich.
Das, was du beschreibst, ist kein Charakterfehler und keine Überempfindlichkeit im abwertenden Sinne – es ist ein Zusammenspiel aus emotionaler Dysregulation und Autonomiebedürfnis bei ADHS, dass viele ADHSler auch an sich beobachten.
Hier noch mal ein anderer Aspekt, vielleicht spielt sowas ja zusätzlich auch mit rein:
Tatsächlich freundlich gemeinte Kommentare oder harmlose Konversationsversuche kann ich manchmal trotzdem kaum ertragen. Das passiert immer wenn mein Energielevel sehr niedrig ist oder ich mich stark auf etwas konzentrieren muss.
Jede noch so freundliche Bemerkung empfinde ich dann als unzumutbare Störung, Smalltalk zu Unzeiten, Konversation um der Konversation Willen - obwohl ich doch grade so hart mit irgend was anderem kämpfe (z.B. Spaghetti, Salz und Wasser in der richtigen Reihenfolge in den Topf zu tun).
Ich musste erst lernen, dass meine armen Mitmenschen ja nicht hinter meine Stirn gucken können. Inzwischen sage ich einfach nur knapp „geht grade nicht“ oder „ kann grade nicht zuhören“ und das wird auch anstandslos akzeptiert.
Ich kenne das so sehr, ich bin grantig (weil Hunger oder stress, meistens stress) und dann kommt mein Partner mit irgend nem netten/lustigen/neckischen Kommentar ums Eck, mein es absolut nicht böse, UND ICH RASTE AUS da spielt bei mir persönlich auch die mangelnde Impulskontrolle eine große Rolle… Dann werd ich absolut ungemütlich. Am Anfang, als wir den ersten Monat zusammengewohnt haben, war das echt extrem - so sehr, dass wir irgendwann mal ein ernstes Gespräch führen mussten, weil er gesagt hat, so lässt er nicht mit sich reden. Meine Wortwahl ist in so Situationen immer…hm unfreundlich Er hat mir dann auch erklärt, dass er nicht in meinen Kopf gucken kann, und ich ihm doch lieber sagen soll, wenn jetzt ein schlechter Zeitpunkt ist, anstatt in anzuschreien (man muss auch dazu sagen, ich hatte eine schwierige Kindheit mit gewalttätigen Eltern und bin es gewohnt, dass man nur schreiend miteinander kommuniziert…)
Also üben wir das seitdem. Ich verkneife mir jeden bösen Kommentar und halte einfach die Klappe, bzw gehe aus der Situation raus oder sage aktiv “Schlechter Zeitpunkt” und dann ist erstmal ruhe. Er lässt mich machen was immer ich gerade mache, und ich beruhige mich soweit, dass wir wieder normal miteinander reden können….
Ich finde die Bemerkungen an sich auch eher harmlos und normal, halt einfach Konversation. Selbst der Spruch mit dem gehaltvollen Essen ist nicht schlimm, zumindest wenn keiner in der Familie ein Gewichtsproblem hat und da keine versteckte Anspielung enthalten ist. Dann ist es ja völlig egal, was in dem Essen drin ist, Hauptsache es schmeckt. Sterneköche nehmen auch Sahne.
Ich glaube, wenn man sich seiner selbst sicher ist, dann reagiert man automatisch gelassener. Aber es könnte auch Stress sein, der es schwierig macht.
Von mir selbst kenne ich das in geringerem Maß auch, in Situationen, wo ich viel denken muss, und kochen gehört da auch dazu, da habe ich viel Stress, weil ich die Handlungsabläufe sortieren muss, permanent am Koordinieren und Chaos veranstalten bin, mich selber stresse und vielleicht innerlich kritisiere, und dann bin ich auch nicht mehr so gelassen.
Harmlos oder nicht… Möchte die Oma hören, wenn die Hosenbeine viel zu kurz sind und eben keine neue gekauft wurde…
Die Kommentare zum Kochen und Essen fallen tatsächlich noch in die Kategorie „Geht grad noch so“
Ich flippe aus, wenn jemand das offensichtliche kommentiert oder nachfragt… Wenn ich am Herd stehe und jemand fragt „Oh, kochst du was?“ oder ich betrete mit dem vollen Korb die Wohnung und jemand fragt „oh, warst du einkaufen?“ oder mit dem Wäschekorb an der Wäschespinne „oh, hast du gewaschen?“ Nein, nein und nein… Ich spiele Klavier, ich komme vom Sport und ich dekoriere den Garten…
Ich hatte halt gelesen, dass es eben auch zu einem Boreout kommen kann gerade bei Hausfrauen und Hausmännern. Die Frage hat sich mir gestellt, war auf jeden Fall kein Spaß, weil man das ernst nehmen sollte.
Meine Mutter und ich, wir reden so. Ist bei uns halt der „Versuch“ mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten. Klar sind es erlernte Standardfloskeln, die vielleicht nicht immer passen. Aber wir haben leider keinen intuitiven Zugang zum Smalltalk.
Das das jemanden nerven könnte, ist mir selbst noch nicht in den Sinn gekommen.
Mich kann so was aber auch wahnsinnig machen. Ich Frage mich dann halt immer, was will man mit so einer Frage erreichen, bzw. Welche Antwort erwartet man. Genauso dämlich wie so Fragen nach dem Wetter. Ich bin kein Meteorologe und gucke wenn auch nur den Wetterbericht oder merke welches Wetter gerade ist. Also vollkommen sinnlos darüber zu sprechen.