Handy Sucht - wie komm ich da raus?

Hallo,

ich habe eine extreme Handy sucht und verbringe viel viel viel zu viel Zeit mit dem Handy. Es ist echt schlimm. Leider brauche ich das Handy für so ziemlich alles: Kommunikation mit Freunden und Familie, Arbeit (und da fataler Weise auch Instagram), Kindergarten orga für meine Tochter, Mails - ich kann wirklich nicht ohne. Das Problem ist aber, dass ich oft nur mal kurz was gucken will oder mal eben lange Weile killen will… und dann wirklich sehr sehr viel Zeit dort verbringe. Das tut mir nicht gut. Kennt jemand dieses Problem? (← bestimmt!)

Hat jemand gute Strategien dagegen? Zeitbeschränkungen habe ich eingestellt - klicke ich dann weg. Es ist wie eine Sucht.

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Du wirst deine Wertigkeiten definieren müssen und für dich auch entscheiden müssen was dir wichtig ist, was du lieber tuen möchtest, wie du dich ablenken möchtest.

Auf deutsch
→ Automatismus durchbrechen/ bekämpfen

Alternativ dir ein kinderprofil einrichten mit Sperrzeiten, wo nur jemand anderes das Kennwort kennt, damit du dich damit nicht austricksen kannst.

Ich hab mir irgendwann mal recht hart angewöhnt alles Klingeln zu ignorieren, Gruppen alle auf lautlos zu stellen etc.

Ist es wichtig kommt eine persönliche WhatsApp oder SmS oder ein Anruf, sonst meinst du nur es sei wichtig.

Die Welt geht weder unter noch verpasst du was - das habe ich Mitte oder Ende 2020 gelernt, weil alles digital war und ich so geflutet und überlaufen wurde mit Nachrichten und total überreizt, überfordert damit war und es mich so krank machte. Da wußte ich noch nichts von meiner Adhs.

Zu Beginn ist das Wille und harte Disziplin → denn Reize bewußt überhören, bewußt sagen, das es nicht wichtig ist etc. das ist anstrengend, das ist unschön und hatte ja auch viel Zeit sich Stück für Stück in die Tiefen des Gehirns zu graben/ einzulaufen.

Nach 6 Monaten war es viel entspannter und heute kann mich ein klingelndes Handy oder so nicht mehr reizen - schon gar nicht, daß es wichtig sei. Manchmal vergesse ich bis nachmittags das Handy einzuschalten und wundere mich warum x oder y nicht angerufen haben oder ähnliches

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Hallo,

ich benutze Apps, die andere Apps sperren und die du nicht einfach wegklicken kannst. Ich empfehle solche wirklich, da ich ohne nicht in der Lage bin im Alltag zu funktionieren und Abitur, Studium, Arbeit und alles eigentlich sonst nicht auf die Reihe gekriegt hätte. Es hat wirklich mein Leben geändert und mir so viel Kontrolle über mein Leben wiedergegeben, als ich es in der Schulzeit entdeckt habe, und ich werde solche Apps/Software immer vom ganzen Herzen empfehlen!

Ich habe über die Jahre verschiedene Apps und Softwares ausprobiert, es kommt sehr auf deine Bedürfnisse an. Am Anfang nutzte ich Freedom, aktuell Lock Me Out und AppBlock fürs Handy, aber es gibt auch noch viele andere Apps. Einige davon kannst du auch erstmal kostenlos testen.

Bei AppBlock kannst du z.B. Instagram Shorts und Reels spezifisch blockieren oder z.B. ein Nutzungslimit einrichten (pro Tag oder pro Stunde), so dass du aber für deine Arbeit noch Zugriff auf Instagram hast. Ich weiß gerade nicht, wie das bei anderen Apps, die aktuell auf dem Markt sind ist, aber verschiedene Apps haben verschiedene Features.

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  • Apps, die du auch am PC nutzen kannst ggf. vom Handy schmeissen.
  • Bei Apps die du blocken möchtest von jemand anders ein Passwort eintragen lassen.
  • Handysafe mit Zeitschalter, dann kannst du nur telefonieren.
  • Dir nicht alle Zeit übel nehmen , die du am Handy warst, sondern dir auch gewisse Zeit einfach „erlauben“
  • Ich habe irgendwo aufgeschnappt, wenn man seine Homescreens und Buttons am Smartphone auf grau oder schwarzweiss stellt, dann ist es weniger attraktiv, weil das bunte animierende fehlt.
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hol dir ein dumbphone. das ist das gegenteil von smartphone und entspricht in etwa dem was for 2007 verbreitet war. es gibt auch geräte mit whatsapp. falls nur sms/telefon wichtig ist, gibts billigere geräte für max 30€.

hier die geräte wo auch whatsapp möglich ist:

https://www.reddit.com/r/dumbphones/comments/1d84d7a/i_need_whatsappspotifyinsert_app_master_post/?

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Weißt du warum du das machst?

Manchmal kann es helfen den Grund zu kennen. Mir ist bei mir aufgefallen, dass ich zu ungesundem Verhalten neige, wenn etwas anderes nicht stimmt ooooder ich noch kein geeignetes Verhalten für die Situation (gelernt) habe.

Vielleicht würde ein Stimtoy als Ablenkung helfen in solchen Momenten?

Meine Selbstdisziplin geht gerade gegen null, deswegen versuch ich das für ne Weile zu umgehen mit Ersatz-/Belohnungsystemen.

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Ich würde schon mal damit anfangen, keine Social Media Apps auf dem Handy zu haben, nur kOmmunikation im engeren Sinne. Also WhatsApp, Signal, Telegram usw. wären ok, aber alles mit endlosem Scrollen und Kurzvideos muss weg. Instagram, muss das wirklich sein? Social Media ist addictive by design (Stichwort Dark Patterns). Dem immer wieder zu widerstehen kostet mörderisch viel Kraft, wofür das Gehirn dann erst recht wieder eine Belohnung will.

Ich besuche solche Plattformen nur am Computer, weil man da stärker eingreifen kann, z.B. mit uBlock Origin bei YouTube die Kommentare, weitere Empfehlungen zu einem Video und den Endscreen verstecken. Für mich gibt’s nur verstümmeltes YouTube. Der Impuls muss dann viel stärker von mir selbst ausgehen, nach mehr zu suchen. Andere Plattformen lassen sich auf ähnliche Weise „entstören“, braucht aber etwas technische Findigkeit.

Als ich das Problem auch phasenweise stärker hatte, hat mir in solchen Momenten der Schwäche z.B. geholfen, mich zu fragen, wofür die Ablenkung ein Ersatz sein soll. Was würde ich mir gerade tatsächlich wünschen? Was würde mir gerade wirklich gut tun?

Ein anderer Ansatz war, mich durch meine rebellische Seite selbst auszutricksen. Ich kann es nicht leiden, manipuliert zu werden. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, wie Social Media einen zu catchen versucht und Aufmerksamkeit ausbeutet, desto mehr Widerstand hat sich in mir dagegen geregt. Das können z.B. Sachen sein wie inszenierter Beef Content oder dieses Hin und Her in Meinungsreactions, reine Aufmerksamkeitsökonomie. Oder eben leere Kalorien in Form von Kurzvideos. Meine Aufmerksamkeit ist begrenzt, die will ich nicht jedem Dödel schenken, der mich zu triggern versucht.

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Hallo @Shrimp :grinning_face:
@tiefblau ist mir zuvor gekommen, wegen dem Vorschlag sich ein 2. Phone, oder besser gesagt heutzutage als „Dumpphone“ bezeichnetes Mobile Phone zum Ausweichen zu zutun.

Wie auch immer, ich selbst überlege mir derzeit tatsächlich selbst ob ich mir so ein 2. Phone anschaffen will.

Denn hätte ich so ein Handy zum Hauptgebrauch, dann bin ich jederzeit für Menschen die mir wichtig sind sowohl telefonisch als auch über SMS oder WhatsApp erreichbar, und das andere Telefon wäre dann praktisch nur noch geschäftlich da.

Ausserdem hätte das den Vorteil das ich eine 2. Nummer hätte, welche dann nur sehr wichtige Menschen in meinem Leben hätten, und mich deshalb auch nur diese Menschen anrufen oder mir Text Nachrichten schreiben könnten.

Wobei ich dabei sogar ganz ehrlich gesagt auch darüber nachdenke, ob ich auf so einem Handy wirklich WhatsApp will, weil dann habe ich ja auch dort wieder die selbe KI welche aufgeschaltet wird.

Habe ich aber einfach nur ein Handy wie in den frühen 90’ern, bliebe mir auch dies erspart, weil kein Internet.

Der Nachteil wäre dann halt das ich meine E-Mail oder WhatsApp Nachrichten möglicherweise total vergessen würde.

Andererseits habe ich persönlich eh schon sehr drastische Massnahmen gegen meine ehemalige Handysucht unternommen, wobei es für mich persönlich z.B. „extrem wichtig“ gewesen ist, dass ich sämtliche Apps wo man weiss Gott was alles im Internet bestellen kann, als allererstes von meinem Handy verbannt habe.

Weil ich persönlich auf solchen „Einkauf Apps“ tatsächlich soooooo viele Stunden verbracht habe, und dort dann natürlich auch soooviel Zeug bestellt hatte, welches ich weder wirklich „brauchte“, noch das ich z.B. all die Kleider und Schuhe ect., jemals alle angezogen hätte, sondern deshalb vor allem immer mehr und mehr meine Schränke und Regale und Kommoden mit Sachen „übergequollen“ sind, die dann letztendlich in der Altkleider Sammlung gelandet sind, und voll mit Sachen waren für die ich seeehhhrrr viel Geld ausgegeben hatte, und deshalb natürlich immer nur „auf Pump“ möglich war, heisst wenn möglich immer „per Ratenzahlung“.

Und auch wenn all diese Dinge welche dort „als Schnäppchen“ angeboten waren, mich am Ende eben „alle zusammen gerechnet“, viiieeelll viiieeelll mehr kosteten als ich mir leisten konnte.

Und naja, jedenfalls habe ich es dann wenigstens noch rechtzeitig erkannt, dass Online Shopping für mich persönlich definitiv nicht das richtige ist, und habe dieses Verhalten seit dort, und bis heute, ein für alle Mal gestoppt.

Heisst heute gehe ich nur noch genau gleich wie früher als ich noch jung gewesen bin, entweder zu Fuss, oder mit dem Velo, in die Läden die erstens in meiner unmittelbaren nächsten Umgebung sind, und ich diese deshalb zweitens, wie bereits gesagt, entweder zu Fuss oder mit dem Velo gut für mich zu erreichen sind.

Denn das hilft mir das ich nicht zuviel Geld ausgebe welches ich in Wahrheit garnicht habe, und ausserdem ist das Einkaufen dadurch auch „nicht bequem“, denn erstens muss ich das Zeug selber schleppen, und habe auch nur begrenzten Platz in meinen Trage, oder Velo Taschen.

Und solche grossen social Media Kanäle wo sowohl anscheinend bei Jung und Alt sehr populär zu sein scheinen, habe ich persönlich Gott sei Dank schon immer gemieden, und mich ehrlich gesagt auch noch nie dafür interessiert, und von daher kann ich in Bezug auf solche Kanäle natürlich auch nicht viel beisteuern um Empfehlungen abzugeben wie man sich davon am besten fernhält.

Ausser das ich über mich persönlich sagen kann, dass ich mich nicht schlecht fühle das ich in dieser Welt nicht präsent bin, und jedenfalls habe ich deshalb auch nicht das Gefühl das ich etwas essentiell wichtiges in meinem Leben „verpasst hätte“, wenn ich mich nicht auf solchen Kanälen herum tummle.

Wie auch immer, jedenfalls hilft es mir persönlich auch wenn ich mir z.B. auch nur eine bestimmte Zeit am Tag als „freie“ Handyzeit einräume, und mir dieses Verhalten je länger je mehr „antrainiere“, und meine „freie“ Handyzeit z.B. dann zu so einer Art Ritual für mich wird, welches ich mir selbst dann deswegen „nicht Übel nehmen muss“, weil meine Handyzeit dann okay für mich ist.
:heart:

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Danke für die vielen Tipps, da ist vieles dabei, was ich mal versuchen werde!

Instagram einfach nicht mehr nutzen geht leider nicht, weil das tatsächlich Teil meines Jobs ist. Aber selbst wenn ich nur beruflich dort bin, rutsche ich schnell ab in doomscrolling - was dann natürlich nichts mehr mit meinem Job zu tun hat :roll_eyes::face_with_peeking_eye:

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@tamaracha

Das Manipulierende und wie meine eigenen schlechten Eigenschaften dazu beitragen!

Ich hab TikTok in dem Moment gelöscht als mir klar wurde, dass es mich immer wieder in ein Wut-Loch zieht.

“Bei sowas muss man doch was sagen!” (Spoiler: Nee, das ist das absurde. Das generiert nur mehr Plattform.)

Und nebenbei musste ich dann nicht mehr über mich und meine Probleme nachdenken, sondern konnte nobel für andere kämpfen. Daaas war mein Problem…

@AbrissBirne

Ich bin seeehr froh, dass ich nie mit amazon angefangen habe bzw es nur seeeehr selten nutze. Das und sowas wie temu wären mein Untergang. Ich hab auch das ‘Glück’, dass ich inzwischen beim Einkaufen alles zerdenke.

@tiefblau

Ich finde die Idee von Arbeits-/Privathandy super! Dazu vielleicht noch Arbeitshandyzeit und dann aufs Privatehandy wechseln. Vielleicht langt ja der kurze Wechsel als Unterbrechung.

Das musst du mir hier nicht beantworten, aber weißt du was dir daran nicht gut tut?

Ich tappe oft in die ’das macht man nicht’-Falle und hab später festgestellt ‘Ja…doch… ich schon…’ Auf den ersten Blick wirken Dinge oft logisch und einleuchtend, sind sie aber nicht. ‘Gute Nacht’-Kaffee ist für viele Leute absurd. Für viele nicht. Wir sind alle Individuen.

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Irgendwie kam mir das Thema doch bekannt vor :adxs_gruebel:

Wurde also auch mit längerer Tagesabdeckung nicht besser, hm? Oder hat die Medikation das vielleicht sogar verstärkt?

Und wie schauts mit Pomodoro Timer aus, um zu überprüfen, ob du noch bei der Arbeit und nicht wieder abgedriftet bist? Oder andere Techniken aus der Therapiewelt ausprobiert?

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Hallo @CaHa , auch wenn ich persönlich nicht die Person bin wo das System des minimalistischen Lebensstil wirklich und zu jeder Zeit immer zuverlässig „beherrscht“, sondern leider trotz Verstand und gutem Willen, Gefahr läuft, immer wieder, und jederzeit, in alte Verhaltensmuster zurück fallen zu können.

Möchte ich Dir sehr gerne, nicht desto trotz, auch wenn ich selbst nicht perfekt bin, diesen Lebensstil des Minimalismus auf jeden Fall „trotzdem“ unbedingt empfehlen.

Denn wenn man es tatsächlich schafft, den Lebensstil des Minimalismus wirklich umzusetzen, dann ist das wirklich und wahrhaftig eine grosse und wirklich gute Sache, welchem einem als Adhsler’inn, im Leben wirklich sehr gut weiter helfen kann.

Und selbst wenn es mit dem minimalistischen Lebensstil vielleicht nicht immer zu 100% klappt, weil man als Adhsler’inn halt immer wieder an seine Grenzen des „Durchhaltevermögens“ stösst.

So kann einem dieses Modell TROTZDEM viel helfen, selbst wenn man „Rückfälle“ hat, nämlich ganz einfach deshalb weil man ETWAS braucht an das man „glauben kann“, und JEDERZEIT wieder an dieser Idee „anknüpfen kann“.

Und das selbst dann, wenn man vielleicht in gewisser Weise immer wieder von vorne anfangen muss. :heart:

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Ganz genau, das Wutloch, das Tempo, die Hilflosigkeit, wenn man nur daneben stehen und zusehen kann. Wie gesagt, das ist alles komplett auf Ausnutzung menschlicher Schwächen ausgelegt. Und wenn man irgendwann dauernd in der Wut drinsteckt, also gar nicht zwischendurch rausklettert und reingezogen wird …

Bei mir kam noch ein politischer Grabenkampf dazu, also dass sich Leute wegen diesem Mist zerstritten hatten, die ursprünglich mal etwas Ähnliches wollten. Das war für mich der Punkt, an dem ich gemerkt hatte, dass ich was ändern musste. Jede Form von meinungskundtuung, die nicht wirklich neue Erkenntnis bringt und nur eine Position wiederkäut — abgesägt. Jede Meinung über eine Person oder etwas, von dem ich bis dahin nichts wusste: abgesägt. Man muss nicht alles und jeden kennen. Verrückt war auch, dass einem diesen Grund niemand geglaubt hat, sondern einem immer politische Gründe unterstellt wurden. Dass man diesen Empörungskram nicht mehr verfolgt, muss doch einfach an irgendeiner Lagerzugehörigkeit liegen. Kann doch nicht sein, dass das einfach nur unlohnend wurde.

Die Plattformen sind dabei die sprichwörtlichen Dritten, die sich freuen. Denen geht es nur um „Engagement“ und „Interaction.“ Seitdem ich selbst einen kleinen Kanal für meine berufliche Präsenz betreibe, stößt mich das immer mehr ab, dieses „dem Algorithmus zu gefallen versuchen.“ Mein Video mit den „5 Tipps, die du kennen musst“ ist eins der meistgeklickten Videos. :rofl: Dass es so bescheuert ist, hilft mir wiederum beim sich Distanzieren.

Politik ist inzwischen ein bisschen ausgelutscht, KI ist der neue triggerpunkt. Sich über die eingedeutschten Videotitel lustig machen geht auch zwischendurch. :joy:

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Bei mir selber hat die Medikation geholfen. Bist du gut eingestellt?

Ich erkläre es mir so: sobald ich überreizt, über- oder unterfordert war, habe ich mir „Abhilfe“ gesucht. Das war in dem Moment das Smartphone. Für einen kurzen Moment scheint das ja auch zu funktionieren. Man bekommt eine Pause und vergisst kurzzeitig den Auslöser für das Fluchtverhalten.
Einmal im Social Media Spaßpark angekommen entdeckte ich natürlich ständig was Neues, bekam Ideen für „Ach, das schaust du gleich mal nach. Ach, das ist ja interessant, da lese ich gleich mal.“ Und so weiter. Am Ende war das natürlich auch wieder alles viel zu viel und ich fühlte mich schlecht.

Heute helfen mir die Medikamente, gar nicht erst so viel zum Smartphone zu greifen. Bin ich einmal am Smartphone, kann ich besser gegensteuern. Ich merke viel eher, dass ich gerade abrutsche. Ich habe auch gelernt mich zu beobachten und zu scannen, warum ich gerade Doomscrolle. Mit der Erkenntnis kommt dann auch meist die nötige Kraft, das Telefon wegzulegen.

Wenn du Instagram für die Arbeit brauchst, würde ich das am Rechner mit Arbeitsaccount machen. Nicht mit dem privaten Smartphone. Generell würde ich Geräte bzw. Orte voneinander trennen. Heißt, bestimmte Plätze und Geräte sind für bestimmte Handlungen vorgesehen oder eben tabu. Außerdem den Tagesablauf beobachten und schauen, wann du zum Smartphone greifst. Es gibt immer einen Auslöser. Diese bewusst wahrnehmen und herausfinden, was das eigentliche Problem ist. Sucht ist immer eine Ersatzhandlung für ein darunter liegendes Problem. Zumindest kann ich das für mich und meine zeitweise Smartphonesucht so definieren. Ich rede jetzt vor allem von den Momenten, wo ich das Smartphone in die Hand nehme und beinahe automatisch von App zu App gewechselt bin. Dass man einmal drin dann ADHS-typisch immer was neues findet ist nochmal ein anderer Grund für das Hängenbleiben. Aber auch hier konnte ich mit entsprechender Analyse meiner Gründe für das Scrollen und mit Unterstützung der Medikamente gut gegensteuern. Ich muss trotzdem achtsam bleiben. So ganz verschont werde ich nicht, aber es bewegt sich heute alles noch im für mich gesunden Rahmen.

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@AbrissBirne

Ich hab so die Theorie, dass es ‘Chaos-Elstern’ also Leute, die ihre eigene Ordnung haben mit mehr Kram und Shiny-Things, und ‘2-Tassen-2-Teller-Eulen’ also Leute, Minimalisten die klare Strukturen und vorallem wenige Dinge brauchen.

Ich bin absolut letzteres. Gegenstände leben in Zonen und sind (für mich) hübsch angeordnet. Das Zonen-Prinzip hilft bei relativ vielem. Wenn irgendwas nicht da ist wo es hingehört, wird es SEHR schwer für mich es zu finden. Ich liebe Aufräumen. Ich kann mich bewegen und puzzeln gleichzeitig! Woohoo! Und ich kriege einen abartigen Kick, wenn ich fertig bin und Dinge stimmen/passen. :slight_smile:

Ich musste leider feststellen, dass das essentiell ist für mich. (In der Vergangenheit waren meine Umgebungen oft mehr als suboptimal.)

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Also ganz ehrlich, ich bin gut eingestellt medikamentös, aber trotzdem greife ich ständig zum Smartphone.

Ich bekomme ständig irgendwelche Nachrichten von jemandem per Whatsapp.

Das ist nicht nur Social Media. Games hab ich keine.

Wir sind heutzutage ständig verbunden. Das war früher nicht so. Ich bekomme stündlich Nachrichten von Leuten und die bilden einen gewissen Druck. Antworte ich dann mal zwei Stunden nicht, kommt direkt eine Nachricht: Alles gut bei dir? Muss ich mir Sorgen machen?

Klar, ich habe meine psychischen Probleme und da kann ich verstehen, dass sich Leute Sorgen machen. Aber das ist mittlerweile echt übergriffig. Ich kommuniziere dann, dass ich nicht der Notruf bin und keine Not habe sofort zu antworten. Unverständnis bis Beschwichtigung: So schlimm ist das doch nicht eben mal kurz zu antworten.

Social Media, auch wenn ich es lösche kommt die nächste Falle: Internet

Irgendein Artikel und dann lese ich da. Oder ich bin hier im Forum unterwegs und lande im Rabbit Hole. Das ist alles so schwierig.

Wie haben von Menschen früher kommuniziert? Klar persönlich, dann per Brief, dann telefonisch. Damit war die ständige Verfügbarkeit auch nicht gegeben. Telegramme, Faxe mal außen vor.

Dann konnte man eine E-Mail schicken. Die hat man aber erst gelesen, wenn man zu Hause war und sich für eine Stunde am Tag an den PC gehockt hat und die E-Mails bewusst abgerufen hat, die man erhielt. Das war schon etwas extra. Das gab es früher auch nicht.

Ja, was kam nach den E-Mails? Diese Messenger wie MSN und ICQ, wo man abends gechattet hat. Das konnte man auch gut begrenzen, den PC-Tower konnte man schwer in der Hosentasche mit sich führen. Und ab 2007 ging es dann richtig los mit diesen schnellen Kurznachrichten, die dann so zack auf zack kommen: Das erste iPhone.

Heute sind wir auf vielerlei Sicht von Smartphones abhängig. Das war die technische Revolution. Die drei Plagen der Moderne: Kaffeevollautomaten, Drucker und Smartphones. Alles drei Dinge die uns versklaven weil sie immer etwas anzeigen was unserem Flow durcheinanderbringt.

Gerade ein ADHS-Gehirn sucht ständig Stimulation, sucht ständig nach dem Dopamin und Stimming. Ein Smartphone ist die perfekte Option dafür. Es bringt kurzfristig Dopamin, es lenkt von den Problemen ab, es macht uns noch zeitblinder, auch wenn es in einigen Bereichen richtig eingesetzt helfen kann. Aber für mich ist die Erkenntnis, dass ein Smartphone ein Teufelszeug ist, weil ich es kaum schaffe, das für mich Hilfreiche mehr zu nutzen als die Ablenkung. Da helfen auch keine Funktionen zum Beschränken von Funktionen (Bildschirmzeitreduktion). Das kann ich zu leicht umgehen. Ich hatte als Teenager Dumbphones und ab 2011 durchgehend Smartphones. Ich bin damit groß geworden, kenne aber noch die Zeit ohne Smartphone.

Wenn was wichtig ist, kann man mir eine SMS schicken, dann kann ich zurückrufen.
Wenn was wichtig ist, kann man mich auch anrufen. Genauso werde ich auch per SMS keine Romane antworten wenn jemand mit Smartphone meint mir einen Roman zu senden. Da kommt dann mit dem Dumbphone “ok” oder “zu lang”.

Wichtig ist nicht, dass man gerade beim Friseur wartet oder was man gerade isst, ein belangloses “Wie gehts dir?” oder dass der Verfasser der Whatsapp-Nachricht müde ist oder Kopfweh hat.

Es
ist
meistens
nicht
wichtig.

Auch
aus
zwischenmenschlicher
Sicht
nicht.

Wenn jemand FOMO (fear of missing out) hat, dann macht er sich abhängig von anderen und gibt seine Selbstbestimmtheit auf.

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Da kann ich dir nur zustimmen!

Ich muss sagen, dass ich zum Glück keine Menschen um mich habe, die ständig schreiben und die auf sofortige Antworten bestehen. Das fände ich auch übergriffig und ich denke, da musst du klare Grenzen setzen. Ist natürlich leicht gesagt. Wie gut du das kannst hängt natürlich von einigen individuellen Faktoren ab.

Es gibt für alles irgendwelche Lösungsvorschläge, aber sie müssen auch passen und sic für dich richtig anfühlen. Um das WhatsApp Problem zu beheben würde ich tatsächlich einfach ein Dumbphone holen und sagen, dass dein Smartphone defekt ist. Fertig. Wer was will muss dann wohl Geld in die Hand nehmen und SMS schreiben. Kostet zumindest bei den meisten Verträgen Geld. Oder halt außerhalb deiner Arbeitszeit anrufen.

Was den Rest angeht, das ist leider Selbstkontrolle. Und da maße ich mir nicht an, wirklich helfen zu können. Ich habe das wie gesagt durch die Medikamente ganz gut im Griff.
Wenn ich viel im Forum unterwegs bin, dann weil ich es möchte und es. mir auch nicht schadet. Manchmal ist’s auch einmischen zu viel, aber im Großen und Ganzen passt es und es ist. einfach mein Ausgleich zu einem vollen Tag.

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Ich frage mich grade , wie es uns noch vor dem digitalem Zeitalter ergangen wäre.

Würden wir dann mit andern Dingen prokrastinieren und vom Leben abtauchen ?

Würden wir mehr in Hobbys Prokrastinieren ?
Ich glaube so manches Mal würde ich dann statt daddeln einfach nur pennen oder sonst was und genau so wenig von dem „eigentlichen müsste oder wollte oder sollte ich doch ….“ hinbekommen ???
Reflektiere ich in meine Jugend- und junge Erwachsenenzeit zurück habe ich auch nicht mehr hinbekommen als zu prokrastinieren.

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Hallo Liebe/r @CaHa
Das was Du geschrieben hast verstehe ich glaube ich, jedenfalls hoffe ich das ich Dich nicht missverstanden habe.

Jedenfalls bin ich selbst ehr der Typ Mensch wo Ordnung und Sauberkeit eigentlich liebt.

Und wie Du geschrieben hast, jedenfalls wenn ich Dich hoffentlich richtig verstanden habe, ziehst Du, genau wie ich, einen eigenen Haushalt vor, in dem Du Dich „sicher fühlst“?, weil Dir ein aufgeräumtes Zuhause ein Gefühl von Sicherheit gibt, welches Du eventuell in Deiner Kindheit/Jugend in Deinem Zuhause nicht gehabt hattest.

Bei mir persönlich spielt dieser Umstand, ganz ohne Frage, bis heute eine sehr wichtige Rolle für mich.
Aber bei mir persönlich geht es ehrlich gesagt viel weiter als nur der Umstand, dass ich selbst in einem „total chaotischen Zuhause“ aufgewachsen bin.

Denn in meinem speziellen Fall geht es eben auch darum, dass ich persönlich mich mit meiner ADHS Diagnose, in einem Umfeld welches „total chaotisch“ ist, nicht NUR emotional „verloren fühle“, sondern eben auch aufgrund meines Problems mit meiner nur „kurzen Aufmerksamkeitsspanne“, in einem Haushalt wo von mir z.B. eine „ständige Umstellung“ verlangt, heisst wo ich z.B. aufgrund dessen das alles „ständig wieder NEU umgeräumt wird“, und ich dann jedesmal wieder „meine Sachen“ suchen muss, bei mir persönlich dann sooo exxxtttrrreeem viele „negative Stresshormone“ ausgeschüttet werden, dass ich in solchen Momenten tatsächlich KÖRPERLICHE Symptome wie z.B. plötzlich extreme Schweissausbrüche, oder zittrige Hände bekomme, und mich körperlich, emotional und auch mental, dann jedesmal kurz vor einem Nervenzusammenbruch befinde".

Und aber andere Menschen das je nach dem überhaupt nicht verstehen können, weil sie es „normal finden“, dass man ständig sein Zuhause „ummodeln“ möchte, und ich „mit meinem Bedürfnis nach Sicherheit“ total aus dem Rahmen fallen zu scheinen, jedenfalls weil es heutzutage anscheinend für „normal“ gehalten wird, nämlich das man z.B. ständig auf der Jagd nach den „neusten Wohntrends“ ist, und man dann bei solchen „Hippen Leuten“ sehr schnell als „langweilig“ gilt.

Jedenfalls, Ach was weiss ich?, jedenfalls LIEBE ich eigentlich sowohl Ordnung als auch Sauberkeit in meiner Wohnung.

Und trotzdem bin ich aber nicht auf Dauer dazu fähig um ein einmal gewähltes System dauerhaft aufrecht erhalten zu können, und spüre dann z.B. sehr oft eine innere Unruhe in mir, wo mich dann auch z.B. sehr schnell wieder antreibt dazu, dass ich dann das Bedürfnis verspüre, dass es wieder Zeit für mich wäre mir eine neue Wohnung und Umgebung zu suchen.

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Meine Liebe und hochgeschätzte @Nelumba_Nucifera :heart:

Also ich persönlich kann mich tatsächlich noch sehr gut an die Zeiten „VOR dem Internet für JEDEN Haushalt erinnern“, ganz zu schweigen „VOR jedem Haushalt mit einem Smartphone“.

Und zumindest in meinem persönlichen Fall, war es für mich persönlich überhaupt nicht so, von wegen das ich den ganzen Tag nur geschlafen hätte, oder das ich nicht gewusst hätte wie ich mir meine Zeit „ohne all die Technologie von heute“ meine Zeit hätte vertreiben sollen.

Sondern sogar ganz im GEGENTEIL, z.B. habe ich in diesen Zeiten noch sehr gerne und oft Bücher gelesen, oder habe mich dort mit Freunden/innen oder Bekannten getroffen, und das sogar sehr oft auch total spontan, denn man hatte ja dort nur das Festnetz Telefon, heisst hatte einen jemand angerufen und gefragt ob man Lust hat z.B. mit ins Kino zu kommen, dann musste man sich in diesem Moment entscheiden und entweder zu oder absagen.

Und der „Spassfaktor“ jemanden dann spontan zu treffen, war auf jeden Fall um ein Vielfaches höher, als sich das die meisten heute vorstellen können.

Ausserdem habe ich viel mehr Zeit zum Malen, Basteln, was auch immer gehabt, und in diesen vergangenen Zeiten wirklich sehr viel Zeit in solche Dinge „um mich selbst beschäftigen zu können“ in meinen täglichen Alltag investiert, was heutzutage ja leider kaum noch möglich ist.

Ausserdem war es in diesen Zeiten viel wichtiger, dass man kulturelle Veranstaltungen besuchte, wie
z.B Theaterbesuche, Live Musik in Studenten Beizen, oder in der Aula einer Universität, oder in einer Stadthalle, oder in einem ehemaligen und inzwischen leerstehenden Fabrikgebäude welches von dort an für kulturelle Anlässe genutzt wurde, oder man an öffentliche Vorlesungen in Universitäten gehen konnte wenn man interessiert gewesen ist, oder man irgendwelche Workshops besuchen konnte, oder man an Dia Vorträge von privaten Leuten gehen konnte welche z.B. ihre Reise nach Südamerika öffentlich zeigen wollten, oder man noch Museen und Kunstausstellungen besuchte.

Wie auch immer, jedenfalls ist es mir persönlich damals nie langweilig gewesen, weil ich mich dort noch selbständig beschäftigen musste, und die Möglichkeit des „stumpfen Konsumieren“, so wie heute, überhaupt nicht möglich gewesen ist, ausser vielleicht das TV glotzen, obwohl das damals natürlich auch sehr „begrenzt gewesen ist“, nur schon was die Anzahl der Sender und des jeweiligen Programmes der wenigen Sender anging.

Und unglaublich aber wahr, z.B. um Mitternacht Sendeschluss war, was ohne Zweifel etwas ist was heutzutage „unvorstellbar“ für die Menschen wäre.

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