Hi,
folgender Text spiegelt nur meine eigenen Erfahrungen/Meinungen und keine fundierten Fachkenntnisse wieder:
Vor Elvanse brauchst du keinen zu großen Respekt haben, ich denke die meisten, geringer dosierten, Ersteinnahmen erwirken für die ersten 1-2 Tage immer eine Honeymoonphase in der du dich kaum wieder erkennen wirst, im positiven Sinn.
Danach geht es dann denke ich ans herausfinden der „richtigen“ Dosis, welche auch langfristig dir mehr Vor- als Nachteile bringt.
Bei mir war es z.B. so, bin um die 30 Jahre jung, männlich und ein relativ fitter Körperbau für meine Körpergröße (70-80kg) dass ich mit 30mg angefangen habe Ende 2024 auf anraten meines Psychiaters.
Natürlich erst nachdem ich einige Checkups durchführen lassen habe beim Kardiologen. Blutbild und EKG u.A.
Diese Dosis war anfangs umwerfend für mich, es kam eine Ruhe in meinen Kopf die ich noch nie in meinem Leben so empfunden habe. Hat sich aber schnell abgewechselt mit innerer Unruhe, körperlichem Unwohlsein sowie Verwirrung und kognitiven Leistungsabfällen im Laufe des Tages.
Bin dann nach 3 Wochen auf dieser Dosis am experimentieren gewesen mit einer höheren und habe erst nach ca. 3 Monaten herausgefunden dass alles unter 50mg bei mir mehr negative als positive Effekte hervorbringt.
Habe auch probiert, nicht wie vorgesehen und auch nur von einigen hier im Forum erfolgreich erprobt?!, die Einnahme über den Tag zu strecken mit 2-3x 20/30mg, was meistens aber in schlaflosen Nächten geendet hat.
Das oft nicht einschlafen können, weil der Körper/Geist noch nicht müde wird, ist eigentlich für mich die „größte“ Nebenwirkung, neben bei höher Dosis (bei mir ab 50mg), je nach Tagesform, körperliche Symptome wie erhöhter Ruhepuls bzw. allgemein Herausforderungen mit körperlicher Aktivität.
Dies lässt sich aber, wie von vielen hier im Forum immer wieder gepredigten, frühen Einnahme am Morgen/Tag halbwegs ausgleichen.
Vorteile sind bei mir:
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mehr Ruhe im Kopf und dadurch überhaupt erst wieder die Möglichkeit meinen Alltag zu strukturieren und Aufgaben nacheinander und nicht alle gleichzeitig abzuarbeiten. Ablenkungen empfinde ich immer noch, sogar intensiver als vorher. Aber durch ein insgesamt reflektiveres Empfinden von allem, gibt es auch dafür die Möglichkeit besser darauf einzugehen und dies mit Verhaltenstherapie in den Griff zu bekommen.
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in Zusammenarbeit mit der Verhaltenstherapie in der ich mich seit Anfang 2023 befinde, am Anfang ohne ADHS Diagnose(die kam erst Ende 24), die Möglichkeit mich mehr auf meine Gefühle und Bedürfnisse zu konzentrieren, die mein Leben lang immer von allem anderen Symptomen/Themen verdrängt wurden und somit andere Symptome wie z.B. die Sucht nach Kicks in jeglicher Form exponentiell verstärkt haben.
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auch nur in Zusammenhang mit der Therapie, die Möglichkeit an meiner Impulsivität zu arbeiten, welche vor allem und derzeit ausschließlich in meiner Beziehung zum Vorschein kommt. Dann aber wie eine Bombe und oft kaum vorauszusehen, geschweige denn abzuwenden. Dies hat sich im letzten halben Jahr aber enorm gebessert, da wie ich denke, das Elvanse mir hilft meine Emotionen besser wahrzunehmen bevor sie komplett aus dem Ruder laufen, und mir somit die Chance geben daran zu arbeiten. (ist aber ein enorm langer und sehr sehr aufwühlender Weg und wird denke ich auch noch sehr lange benötigen um auf ein für alle beteiligten Personen gesunden Weg zu kommen)
Es wird bestimmt noch mehr Punkte geben, die fallen mir aber spontan nicht ein ohne in meine Notizen zu schauen. Mache ich aber gerne, falls dies interessant ist für euch.
Vor allem auf deine Punkte der Reizwahrnehmung und sich meistens nicht unter Kontrolle haben bezogen:
In meinem „früheren“ Leben war ich quasi nur von äußeren Kicks getrieben, vor allem Anerkennung von anderen Menschen war gefühlt meine einzige Ernährung ± die von dir angesprochenen Themen welche Dopamin Schübe auslösen können.
Dies ist die letzten Jahre, durch einige sehr einschneidende persönliche Umstände schon sehr ins wanken gekommen, da dies „plötzlich“ nicht mehr da war und ich mir diese Kicks irgendwie anders holen wollte und jegliche alte Muster nicht mehr so funktioniert haben oder möglich waren wie vorher.
Vorher war ich genau so wie du quasi nur mit Flirten, sexuellem Austausch/Drang in Mengen die kaum ein Mensch als gesund ansehen würde, nicht sinnvollen/reflektierten Kaufräuschen, pauschal übermäßiger Alkoholkonsum über Phasen auch in exzessiver Menge, Gaffen in Bezug auf das weibliche Geschlecht (ohne belästigen, was es aber natürlich nicht besser macht) und vor allem auch ein übermäßiger Konsum von Pornographischen Inhalten beschäftigt und habe all diese Punkte in den jeweiligen Situationen als unterstützend/wohltuend wahrgenommen.
Dies hat sich erst durch meine derzeitige Partnerin konkret geändert, weil diese mir als eine der ersten Personen im Leben gewisse Regeln/Grenzen/Werte kommuniziert bzw. offenbart hat, die ich insgeheim bestimmt schon teilweise so wahrgenommen aber definitiv kaum/gar nicht gelebt habe.
Und genau dies ist, nach etlichen Ausschweifungen, mein Punkt:
Elvanse unterstützt mich in vielem enorm, ist aber garantiert kein Wundermittel und die meiste positive Veränderung kommt überwiegend von anpassen des eigenen Verhaltens und der Reflektion der eigenen Handlungen und Verantwortung in Zusammenhang mit diesen.
Vor allem mit Verhaltenstherapie und das Ernst nehmen dieser ist es möglich geworden über die letzten Jahre.
Falls einem diese Möglichkeit aber, zumindest vorübergehend, verwehrt bleibt kann man sich auch mit viel fachlicher Literatur zu diesen Themen, und vielen hilfsbereiten Menschen unter anderem in diesem Forum damit auseinander setzen.
Ich hoffe du/ihr könnt mit diesem Text etwas anfangen.