@grübeln Danke Dir!!!
Sorry, ich hatte es falsch gelesen.
Hey Camille,
ich bin zwar noch nicht lange hier und auch die Diagnose haben meine Tochter (10, gerade frisch 5. Klasse Gymnasium, ADHS) und ich (47, ADS) beide jeweils erst kürzlich erhalten, aber ich kann dir sagen, dass sich gerade deine letzten beiden Abschnitte sehr wie meine Tochter aber auch ich selbst in der Kindheit anhören.
Meine Tochter hat einen IQ Test im Rahmen der Diagnostik machen müssen und ist bei Kommunikation und Schlussfolgerndem Denken über dem Schwellenwert für Hochbegabung, nur das Arbeitsgedächtnis liegt zwar noch deutlich über dem Schnitt, aber unter den 130.
Ich habe im Rahmen meines Studiums einen IQ Test machen müssen und bin auch eindeutig hochbegabt - was sich leider nie soweit wirklich in meinen Leistungen widerspiegelte🙈.
Insofern: lass es testen, es klingt plausibel, dass dein Sohn beides hat!
Viel Erfolg und Liebe Grüße, Caro
Liebe Camille,
dein Post ist schon etwas älter, aber ich fühle mich durch einige deiner Schilderungen sehr an unseren Sohn (inzwischen 12 Jahre) erinnert.
Besonders hellhörig bin ich geworden, als du von der großen Diskrepanz zwischen den “kognitiven IQ-Werten” (wie räumliches Vorstellungsvermögen, Arbeitsgedächnis etc.) und der “Verarbeitungsgeschwindigkeit” sprachst. So groß ist bei unserem Sohn die Diskrepanz nicht und ich würde auch nicht von einer Hochbegabung sprechen (seine Werte liegen zwischen 124 und 131 und nicht über 130). Sein Wert bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit lag bei 100. Es gibt also eine Diskrepanz von etwa 27. Leider sind die Ärzte auf diese Auffälligkeit bei der Diagnose nicht weiter eingegangen.
Eine weitere Unstimmigkeit gab es bei der Diagnose: Bei den Konzentrationstests hat er durchschnittlich abgeschnitten, die Beurteilungen der Lehrer und uns Eltern ließen aber sehr deutlich Rückschlüsse auf eine Konzentrationsschwäche zu und besonders Auffälligkeiten in der Impulskontrolle.
Allerdings glaube ich, dass er durch die recht hohen kognitiven Fähigkeiten die ADHS Symptome die ganze Zeit versucht zu kompensieren, bzw. auch oft schafft zu kompensieren. Er kommt in der Schule mit Minimalaufwand noch recht gut mit, fällt aber auf durch seine mangelnde Impulskontrolle und fehlende Frustrationstolleranz auf: Hausaufgaben fast nie möglich, Aufgaben fast nie bis zum Ende, ständig reinrufen, nicht warten können, Ablehnung gegen Aufgaben, die ihn nicht interessieren oder sich wiederholen und ihm nicht sinnvoll erscheinen, häufige Konflikte, Rangeleien, Provokationen mit Mitschülern. Jetzt weigert er sich inzwischen oft zur Schule zu gehen.
Was mich interessiert: hat sich der Frust gelegt, bzw. das Wohnbefinden verbessert seit euer Kind Medikamente für deine ADHS Symptome nimmt? Was nimmt er, wieviel und wie geht es ihm inzwischen?
Vielleicht siehts du meine Frage ja noch mit so viel Verzögerung und magst mir kurz antworten? Vielen Dank!!
Nur kurzer Einwurf von der Seite… mit Stimulanzien wäre er bestimmt über die 130 gekommen im Schnitt.
Ich habe schon so oft hier geschrieben - mein Sohn mit HB und ADS hat im Laufe der Jahre leider eine Angststörung entwickelt, weil der Arzt einfach kein ADS sehen wollte, weil mein Sohn so gut kompensiert hat - aber er hat schon mit 7 Jahren gemerkt, dass mit seinem Hirn was nicht stimmt.
Ich habe jahrelang geredet… erst ein Arztwechsel brachte die Diagnose, und zwar allein auf Basis der vorangegangenen Tests, die waren doch aufschlussreich genug…
Mein Sohn hatte bei der Testung eine wirklich massive Diskrepanz. Er war quasi überall überdurchschnittlich bis sehr deutlich überdurchschnittlich und bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit war er dafür am unterem Limit zur Unterdurchschnittlichkeit. Das ist wirlich quasi eine Schere, die da aufgeht…
Arbeitsgedächtnis hat er ein sehr gutes.
Ich merke auch bei meinem Sohn schon immer, dass er echt auffällig gut Zusammenhänge erkennt. Manchmal dieses Erstaunen, das ihr sicher kennt, was er versteht. So kleiner Professor-mäßig. Dann wieder steht er momentan vor einer einfachen Aufgabe und hat quasi ein “Brett vor’m Kopf”.
Ich tue mir ehrlich sehr schwer, dieses ganze Begabtenzeug zu akzeptieren. Das ist doch auch so ein Klischee: Inkonseequente unfähige Mutter mit “angeblich hochbegabten Kind”, dass unerzogen ist und das nennt sich dann ADHS. Wisst ihr, was ich meine? So hört man es doch die ganze Zeit. Darum finde ich das so schwierig… Und auch diese Testergebnisse, was sagen die aus?
Naja, irgendwie muss ich damit halt meinen Weg erst finden. Denn ja, ich finde ihn ja auch sehr schlau ![]()
Und wenn es ein Klischee ist… lass es ein Klischee sein. Leute denken, was sie denken wollen.
Hochbegabung kann einige Defizite ausgleichen… in der Grundschule hieß es gleichzeitig “manche tun sich halt schwer” bezogen auf Unterrichtsinhalte und von der gleichen Lehrerin “sie redet auf einem Level, wo die meisten Klassenkameraden gar nicht mitkommen, was sagen will.” So, toll, und nu?
Hier meine Erfahrung: Testung ADHS mit 7, überdurchschnittlich intellligent, aber nicht hochbegabt. Keine Diagnose ADHS, u.a. weil hohe Intelligenz und sehr gutes AG (zusammen mit dem logischen Denken der beste Wert mit 120 oder so). Die Arbeitsgeschwindigkeit dagegen fiel klar von den übrigen Werten ab (mit 97). Der ADHS Verdacht blieb, die Diagnse folgte erst 5 oder 6 Jahre später. Erstaunlicherweise ist mein Sohn in Mathematik nicht besonders gut, obwohl er gemäss Testung (ohne Medis) dort überdurchschnittliche Werte hatte. Ich merke, dass er ein unglaublich kompliziertes Denken hat. Ich nenne es überlogisch. Im Känguru-Test dagegen schaffte er es in die obersten 6% und war der Beste in seiner Schule. Vermutlich würde er mit Medis etwas besser abschneiden im IQ-Test, aber in einer neuen Testung sehe ich keine wirklichen Vorteile. Nur dass er so Mühe hat in Mathe macht mir manchmal zu schaffen. Dagegen muss er Vokabeln nur 2x anschauen und sie sitzen.
Ich glaube, das sind die zwei Punkte, an denen ADHS in einem I-Test auffallen kann:
Relativ langsames Arbeitsgedächtnis und/oder Verarbeitungsgeschwindigkeit.
W#rr mal interessant, zu erforschen, wo sich die beiden Gruppen sonst noch so unterscheiden - die mit dem langsameren Verarbeitungsgeschwindigkeit und die mit dem schlechteren Arbeitsgedächtnis.
Ja, das finde ich auch. Bei uns wurde das bei der Testung einfach zur Kenntnis genommen, aber nicht weiter drauf eingegangen, weil die Werte insgesamt ja nicht aus dem Rahmen gefallen sind. Auffallend war ja bei uns, dass das Arbeitsgedächtnis hervorragend war - was dann mitunter auch der Grund für den Ausschluss von ADHS war. Aber wie ich jetzt sehe, ist bei einigen ADHSlern das AG eben gerade sehr gut (dafür dann die Arbeitsgeschwindigkeit weniger).
Bei meinem Sohn war die Verarbeitungsgeschwindigkeit ein deutlicher Ausreißer nach unten und das Arbeitsgedächtnis Noten blieb auch deutlich unter den anderen Werten.
Das finde ich gerade interessant, denn irgendwie hatte die Psychologin damals den Wert für das Arbeitsgedächtnis wegen der deutlichen Abweichung hervorgehoben, aber nicht, dass das Arbeitsgedächtnis eigentlich auch schwächer war als der Rest.
Das habe ich erst eben gerade festgestellt, weil ich mir auf einmal nicht mehr sicher war, von welchem der beiden Werte damals die Rede war.
Wenn ich mir das jetzt so ansehe, fast 10 Jahre später und um viel ADHS-Know-How reicher als damals, dann kann ich es um so weniger nachvollziehen, dass der damalige Arzt da nicht drauf angesprungen ist. Denn ich hatte ihn aus diesem Grund gefragt, ob er diesen Sohn bitte auch mal testen könne, weil er in einer Krise war. Er fand die Tests immer unauffällig.
Aber er hat irgendwie die dahingehend schon auffällige HB-Testung einfach nicht mit „einberechnet“.
Der Kollege stellte Jahre später und nach mehreren weiteren Krisen nur aufgrund der sogar zweimal durchgeführten ADHS Testungen die Diagnose, ohne meinen Sohn überhaupt gesehen zu haben und meinte, es sei doch auffällig genug…
Hallo. Denke trotzdem eine leichte Adhs möglich. Wahrscheinlich eher verträumt. Vorwissen ist sehr wichtig um durch die Schule zu kommen wichtiger als IQ. Daher empfehle ich Überblicke über Themen zu geben durch multisensorische Reise, also Filme, Dokus auf Youtube, Wissenschaftskanäle.
Er hat wahrscheinlich dennoch, trotz hoher Intelligenz Probleme beim ausführen mit Aufgaben.
Er muss lernen sich an Strukturen und Vorgaben zu halten, und vor allem muss er diese aktiv Üben und gezeigt bekommen. Was ist wichtig beim wissenschaftlichesn Arbeiten, wie geht das… etc.
Ich sag immer es gilt die WER, WAS, WIE, WARUM Regel. Er muss also begreifen:
Wer macht das, der Lehrer oder ich, wenn ich in der Gruppe arbeite, wer übernimmt das, wer hält sich an welche regeln?
Was ist zu tun, Was ist Gegenstand der Stunde, Was wurde gesagt, Was sind die Regeln.
Wie ist es zu tun, wie sind einzelne Schritte, Wie sind die Schlüsselwörter einer Aufgabe, wie sind die konsequenzen bei nicht einhalten der Regeln.
Warum ist das im Unterricht wichtig. Warum ist es für mich evtl. wichtig (evtl erhöhter egozentrismus bei adhs, daher verlangen nach eigener sinnhaftigkeit). Warum wird das so gemacht. Warum ist es falsch es anders zu, etc.
Wenn er das immer wieder versteht und aktiv herausfindet wird er sich gut schlagen. Lehrkräfte sollen das auch proaktiv vorher vermitteln, damit ihm das bewusst ist und er interesse hat und nicht überfordert ist.
Er soll diese wer wie was warum Dinge vom Lehrer verlangen dürfen und du kannst ihn dabei unterstützen. Wenn sich etwas für ihn sinnlos anfühlt versuche etwas zu zeigen, was ihm den sinn vermittelt. Du kannst ihn auch von dieser strategie erzählen.
Auch wichtig diese Arbeitsschritte: 1. Vorwissen anhäufen und Themen spaßig über Lieblingsmedium vorarbeiten. 2. Aufgaben grob vorbereiten. 3. Aufgaben detailliert durchführen. 4. Aufgaben kontrollieren. 5. sich bewusst machen was positiv geleistet wurde!