Hallo zusammen,
ich bin Knotenlöserin, eine Frau im späteren Erwachsenenalter, analytisch veranlagt und sehr an Erfahrungsaustausch rund um Eindosierungen, Selbstbeobachtung und Verlaufsmuster interessiert.
Ich weiß seit vielen Jahren, dass ich AD(H)S habe (Mischtyp). In der Zeit der familiären Abklärung hatte ich vor langer Zeit einmal einen sehr kurzen MPH‑Erfahrungswert – wenige Tage, in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein für mich ungünstiger Rebound. Deshalb bin ich damals ohne Medikation weitergegangen und habe lange versucht, mich organisatorisch durchzumanövrieren.
Mit Beginn der Wechseljahre wurde es deutlich schwieriger: mehr Hirnnebel, stärkere Reizbarkeit, massive Schlafprobleme und v. a. ständiges Katastrophisieren/Angstspiralen. Eine hormonelle Kombination aus Östrogen-Gel und Progesteron brachte schon spürbare Verbesserungen in Fokus, Klarheit und Reizfilter – aber nicht beim Schlaf und auch nicht bei den Ängsten.
Da mehrere Familienmitglieder mit Elvanse gute Erfahrungen machen und ich selbst eine Diagnose habe, wollte ich es sehr behutsam probieren. Ich reagiere sensibel auf alles, habe Kreislaufthemen und wollte daher mit minimaler Dosis und engem Selbstmonitoring starten.
Hier mein Verlauf der ersten drei Tage (Einnahme immer um 7.30h mit einer kleinen eiweißhaltigen Mahlzeit, kein Koffein und Alkohol an diesen Tagen):
Tag 1 – 15 mg
Zunächst keine eindeutige Wirkung.
Ab ca. 10 Uhr starke Kopfschmerzen, Erschöpfung, zunehmende Arbeitsunfähigkeit, trotz Schmerzmittel.
Erst gegen Abend (als die gefühlte Wirkung nachgelassen hatte) war ich klarer, konzentrierter und strukturierter.
Appetit erhöht.
Tag 2 – 15 mg
Wieder anfangs wenig spürbar.
Nach ca. 2 Stunden ausgeprägte Mundtrockenheit, dann ab 12:30 Uhr Kreislaufprobleme, Schwindel – ungünstigerweise mitten in einem Meeting.
Schwierigkeiten beim Formulieren klarer Sätze, später wieder Wattegefühl / „Elbdampfer“.
Sprache weiter beeinträchtigt bis zum späten Nachmittag.
Erst gegen Abend mehr Fokus.
Ich vermute, dass die zeitlich spätere Hormonapplikation an dem Tag den Verlauf beeinflusst hat.
Tag 3 – 20 mg
Bis ca. 8:45 Uhr stabil, dann früherer Einbruch als an Tag 2:
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Kreislaufprobleme
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Wattegefühl
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verwaschene Artikulation / schwere Zunge
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wechselnd heiß–kalt
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starker Heißhunger gegen 10:30 Uhr
Nach Essen kurz stabiler, aber weiterhin hoher Puls bei niedrigem Blutdruck.
Dazu kamen:
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ausgeprägte Sedierung,
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motorische Verlangsamung,
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Paraphasien (z. B. falsche Wortformen),
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zeitweise eingefrorene Kiefer-/Zungenmotorik, Konsonanten schwer zu bilden,
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lautes Lesen kaum möglich,
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leichte visuelle Unschärfen,
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zunehmend kognitive „Verdreher“ in Kausalketten.
Beim Einkaufen (ich bin nicht selbst gefahren) musste ich kurz überlegen, wo Fahrer- und Beifahrerseite sind. Am Abend dann Schüttelfrost, Verwirrtheit beim Sprechen („Ich muss das Licht anmachen, mir ist so kalt“ – falsche Logik im Satz).
Das alles hat mich ziemlich erschreckt – diese sprachlichen und kognitiven Aussetzer kenne ich sonst nicht. Ich habe daher zunächst abgebrochen.
Was dennoch positiv war
Ein spürbarer Reizfilter, weniger Grundrauschen im Kopf, weniger Gedankenkarussell – also Antworten in der Richtung, die man eigentlich erwartet.
Meine Fragen an euch
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Kennt jemand aus der Community ähnliche Eindosierungsverläufe mit starken Schwankungen, v. a. im Bereich Sprache, Kreislauf und Motorik?
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Gibt es hier andere „späte Frauen“ (Menopause/HET), die ein ähnliches „Drahtseilakt‑Gefühl“ hatten?
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Und gibt es Erfahrungsberichte, dass unter solchen Bedingungen MPH (trotz früherem Rebound) besser toleriert wurde?
Ich freue mich über Austausch, Musterbeschreibungen oder Hinweise, worauf ihr in den ersten Tagen besonders geachtet habt.
Liebe Grüße an die Runde,
Knotenlöserin