Er scheint doch eine Therapie zu machen, wenn ein Psychologe jetzt einen ADHS-Verdacht geäußert hat? Eine Therapie hilft nicht von heute auf morgen. Das dauert.
Wie lange ist er denn schon zu Hause?
Geht er regelmäßig zur Therapie?
Kannst Du hier mal etwas konkreter werden?
Angehörigen wird eigentlich immer geraten, einen depressiven Menschen nicht zu drängen oder Vorschläge zu machen. Das kann den Kranken noch tiefer in die Depression ziehen - weil er sich dann noch schlechter fühlt, wenn er nichts davon annehmen kann. Und glaube mir, Dein Mann merkt, dass Du total überlastet und am Limit bist. Das wird ihn zusätzlich belasten - auch wenn er es nicht äußern und (im Moment) nichts dagegen machen kann.
Es ist leider nicht so, dass man morgens aufsteht und sich denkt: „Ach, der Aleks gehts auch mies, also reiße ich mich mal zusammen und greife ihr unter die Arme“. So funktioniert das nicht.
Schon morgens Aufstehen kann ein Kraftakt sein, der oft nicht gelingt. Selbst alltägliche Sachen wie Zähne putzen, duschen, den Schlafanzug an- oder auszuziehen, die Post aus dem Briefkasten holen, sich was zu essen machen - können unüberwindbare Hürden und nicht zu schaffen sein. Wenn dann noch jemand dazu kommt, der etwas fordert (und sei es noch so eine Kleinigkeit - wie den Müll rausbringen), dann ist der Depressive überfordert.
Aus der Sicht von jemandem, der das selbst noch nicht durchgemacht hat, ist das schwer zu verstehen. Aber man kann sich nicht dazu zwingen oder sich zusammenreißen und Dinge „einfach machen“. Es geht nicht. Ich habe das auch erst wirklich begriffen, als es mir selbst so ging.
Die Diskussionen kannst Du Euch beiden ersparen, indem Du auch die Kleinigkeiten nicht forderst.
Vielleicht kannst Du eine Liste anfertigen, auf der steht, was zu erledigen ist und Dein Mann kann sich davon aussuchen, was er sich zutraut und machen will? Und wenn er gerade nichts davon machen kann, dann ist das leider so.
Dann machst Du nur das, was unbedingt notwendig ist und der Rest wird auch mal nicht gemacht.
Sorry, aber das klingt schon ein bisschen überheblich.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass du gerade mal die Spitze des Eisbergs gesichtet hast. Die Wirklichkeit ist halt kein Podcast und auch kein Lehrbuch. Die ist verdammt hart. Für beide Seiten. Insbesondere wenn ADHS und Depression zusammenkommen.
Ja, im Moment ist tatsächlich Verständnis und Rücksichtnahme gefragt. Noch gibt es ja keine offizielle ADHS-Diagnose. Und wenn die Depression eine Folge von unbehandeltem ADHS ist, dann kann man so viele Antidepressiva nehmen und Therapien machen wie man will - es bringt nichts. Weil die Ursache behandelt werden muss. Das geht aber erst mit der ADHS-Diagnose und einem Arzt, der auch bereit ist, ADHS zu behandeln.
Aber auch bei Allem Verständnis musst Du nicht alles allein stemmen. Hole Dir Hilfe. z.B. Haushaltshilfe über die KK, Familie, Freunde, die Dir mal was abnehmen können (Kind, Einkauf, Putzen, Kochen…). und sobald Dein Mann in der Lage ist, sich Hilfe zu holen, geht es auch wieder aufwärts. Bis dahin hilft es aber nichts, ihn zu drängen und ihm Vorwürfe zu machen. Denn er macht das alles nicht mit Absicht. Er kann gerade wirklich nicht anders.
Es gibt auch Beratungsstellen für Angehörige von psychisch kranken Menschen. Dort kannst Du Dir Hilfe suchen. Solche Stellen gibt es aus gutem Grund und Du darfst diese Hilfe für Dich in Anspruch nehmen.
Ich finde das Forum genau richtig für Deine Probleme. Auch wenn die meisten hier selbst Betroffene sind, kann der andere Blickwinkel auch für uns sehr bereichernd sein. Und viele sind ja auch „beidseitig“ betroffen - weil sie nicht nur selbst ADHS (und anderes) haben, sondern Partner und Kinder ebenfalls. Also bleib ruhig hier. 