Immer von schlechten Gewissen geplagt

Ich habe jetzt aktuell zwei Wochen Urlaub und hatte mir eigentlich vorgenommen auch mal auf meine Bedürfnisse, Hobbys oder Wünsche zu schauen und diesen nachzugehen.

Aber immer wieder gerate ich in den selben Kreislauf dass ich mich um den Haushalt kümmer, oder mich dann eher nach den Wünschen meiner Frau (ADS) und Kind(ADHS) richte, am ende bin ich verärgert weil ich mir selbst dann auch wieder nicht die Zeit genommen habe.
Ich genieße die Zeit mit den beiden und freue mich bzw bin auch glücklich wenn es ihnen gut geht und sie ihren Spass haben, aber ja ich ärger mich dann immer im Nachhinein.

Heute zb gerade bei der Hitze, waren wir nur kurz unterwegs und haben den Rest des Tages zuhause verbracht. Ich fing dann mit einer Sache an die ich schon länger machen wollte, aber stoppte dann am ende selber, aufgrund schlechten Gewissens… ich habe dann dass gefühl dass ich Egoistisch bin mich mit meinem Sachen da zubeschäftigen während sich meine Frau oder Kind evtl sich langweilt gerade.

Ich weiss zwar dass diese Gedanken Quatsch sind, aber ich kann sie nicht abschalten.

Anstatt dass ich meinen Urlaub mal genieße und vielleicht sinnvoll für mich nutze, lande ich jedesmal in dem Selben Kreislauf. Es resultiert irgendwie auch jedesmal in einem Zustand der Emotionslosigkeit bzw unterstimulation.

Irgendwie, merke ich dass ich die Bedürfnisse anderer immer vorziehe oder auch immer diesen Zwang habe wenn ich merke dass es jemanden in meiner Familie schlecht geht oder Langeweile haben, sozusagen alles stehen und liegen lassen und „Bespaße“ bzw aufmuntere. Obwohl mir oft garnicht danach ist.

Ich finde irgendwie nicht die richtige Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und das von anderen.

Ich ende leider dann sehr oft in diesem Loch wo ich an nichts mehr Freunde empfinde, nicht traurig bin, aber mir selbst alles gleichgültig ist.
Zb. Wünsche, Ziele oder Ideen die ich mal hatte, diese dann fallen lasse und auch nicht mehr nachgehe obwohl ich doch eigentlich ihnen jetzt im Urlaub nachgehen könnte.

Kennt ihr auch so Situationen und habt ihr vllt Tipps wie man sich schnell aus diesen Loch befreien kann. Oder einen Tipp dieses schlechte Gewissen mal abzustellen…

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Erstmal Willkommen im Forum. :slight_smile:
Tipp: Auch deine Familie hat mehr davon, wenn du auch mal Sachen machst, die dich glücklich machen. Du bist dann ausgeglichener und hast auch wieder mehr Spaß an gemeinsamen Unternehmungen. Das reduziert vielleicht die gemeinsame Zeit, diese ist aber für alle wertvoller, wenn du nicht immer verfügbar bist. Zumal das von deiner Familie nicht mal gefordert ist, sondern du selbst redest dir ein, dass sie ohne dich unglücklich sind.

Mit einem sichtlich unmotivierten Papa spielt kein Kind gerne. Glaub mir, ich hab selbst einen Sohn mit ADS.

  1. Maßnahme: Redet miteinander. Du wirst sehen, die kommen auch mal ohne dich aus. Was hat man sich auch zu erzählen, wenn man dauernd aufeinander hockt?
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Hello & welcome :v:

Das kann man üben! Darin wirst du mit der Zeit besser wenn du das „etwas egoistisch sein“ durchziehst…und aushältst!

Das ist eine Baustelle von vielen Menschen (u.a. mit Helfersyndrom) und ich kenne das auch zu genüge, zB im Job.

Am besten ist seine Bedürfnisse zu klären, klar zu kommunizieren was man will und Kompromisse zu finden.

Setzt euch zusammen, sprich mit deiner Frau und dann geh konsequent den ersten Schritt und tu es für dich. Sie wird das verstehen und dich unterstützen, da bin ich ganz sicher.

Viel Glück euch & schönen Start in den Tag :sunny:

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Falls es eine Motivation ist: Dein Kind wird sich evtl. genau dieses Verhalten - diesen „Zwang“ - abgucken.

Es funktioniert leider nicht so, dass die Erfahrung prägt „Ich nehme Dich, Kind, wichtig und stelle Dein Befinden über meines. Nimm Dich daher bitte wichtig und tu, was langfristig gut für Dich ist“.

Das, was man sich abschauen kann, ist ja eher „Andere sind immer wichtiger als ich (und sei es nur als Dopamin-Quelle…). Ich lasse alles stehen und liegen, was ich vorhatte und was mir mittelfristig wichtig ist, und springe durch die Gegend, um fremde Bedürfnisse zu erfüllen.“

Lernen am Modell, wie in allen anderen Bereichen auch.

Man braucht eben - gerade mit ADxS - dringend auch ein Vorbild, das gut für sich sorgt und seine Bedürfnisse erfüllt und Belohnungsaufschub vorlebt, etc.

Also bist Du keineswegs egoistisch, wenn Du das lernst und vorlebst… Im Gegenteil: Du machst es ja nicht für Dich. :slight_smile: Du zwingst Dich zur Selbstfürsorge, weil Du Vorbild darin sein musst, wenn Dein Kind nicht auch Helfersyndrom-Junkie werden soll.

Dadurch fällt es evtl. auch leichter… „Für andere“ können wir ja immer alles. Wir bringen Omas über die Straße, ob sie wollen oder nicht… Hauptsache, es wartet am Ende ein Dopamin-Leckerli.

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Hallo lieber @Capodecina187 ,

herzlich willkommen hier im Forum und danke für deinen Bericht.

Mich treibt die Frage mit den Bedürfnissen momentan auch um, jedoch nicht als selbst Betroffene, sondern als Angehörige eines Menschen mit ADHS. Mir ist sehr stark aufgefallen, dass die Person, die ich kenne und die ADHS hat, offenbar auch ein ganz großes Problem damit hat, eigene Bedürfnisse überhaupt zu erkennen und diese durchzusetzen. Er arbeitet selbst in einem helfenden Beruf, hatte sich wohl schon als Kind um seine kranke Mutter kümmern müssen und mittlerweile habe ich sogar den Eindruck, dass er die Treffen, die wir bisher hatten, gar nicht aus eigenem Antrieb oder eigenem Interesse und Freude gemacht hat, sondern möglicherweise auch, weil ich es vorgeschlagen habe, von ihm so ‚wünschte‘ und er sich einfach daran angepasst hat?

Über dieses Thema mache ich mir momentan sehr viele Gedanken und es macht mich sehr traurig. Natürlich muss es nichts mit ADHS zu tun haben, aber dass du jetzt auch genau eine Frage in die Richtung stellst, trifft sich genau passend und ich wäre sehr interessiert daran, ob es den anderen Menschen hier im Forum, die mit ADHS diagnostiziert wurden, auch so geht, dass sie Probleme damit haben, ihre Bedürfnisse zu erkennen und sich eher nach anderen Menschen richten, als nach sich selbst.

Ich weiß, eigentlich sollte es vorrangig darum gehen, wie die Betroffenen besser damit zurechtkommen können (dazu hätte ich auch einige Ideen, weil ich auch sehr lange gebraucht habe, um meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen), aber habt ihr möglicherweise auch Ideen, wie man als Angehörige/r jemanden unterstützen kann, dem es schwer fällt, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen oder anzusprechen? Ich habe mittlerweile sogar ein sehr schlechtes Gewissen, weil ich irgendwie erspüre, dass es ihm nicht gut geht damit und er eigentlich mehr auf sich selbst achten sollte, weiß aber nicht, wie ich das rüberbringen soll, denn natürlich habe ich gleichzeitig auch meine eigenen ‚Bedürfnisse‘ , z. B. den Wunsch nach Kontakt, den ich nicht komplett verleugnen will. Ich will aber auch nicht, dass er sich unter Druck gesetzt fühlt, nur weil ich mein Bedürfnis nach Kontakt anspreche. Er müsste es ja eigentlich nicht jedes Mal erfüllen, sondern könnte auch mal sagen „ne, du heute nicht, weil es mir nicht gut geht/zu viel Arbeit/was anderes vor“ etc, aber irgendwie passiert das nie und jetzt hat er sich schon über eine Woche zurückgezogen.

Ich fühle mich Angehörige damit ziemlich hilflos und nun lese ich, dass es auch dir @Capodecina187 als Betroffenen damit sehr schlecht geht. Könnte man denn hier ergebnisoffen überlegen, was beide Seiten tun können, damit es für beide Seiten einfacher wird? :slightly_smiling_face: :hugs:
Woher kommt eigentlich das schlechte Gewissen in Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse? Warum tut man etwas, obwohl es einem überhaupt nicht gut damit geht? Hängt es bei dir auch mit der Vergangenheit zusammen @Capodecina187 dass du schon früh (emotional) helfen musstest? Ich habe ja leider selbst auch sehr viele Jahre Probleme damit gehabt, eigene Bedürfnisse nach außen zu kommunizieren und habe es auch immer noch, aber ich schwankte da eher zwischen zwei Extrempolen, nämlich starker Egoismus bzw. gar nicht-Erkennen-Können, dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben <-> Unfähigkeit, eigene Bedürfnisse gegenüber anderen anzusprechen und kompletter Blackout/Dissoziation. Aus „Nettigkeit“ habe ich nie gegenüber anderen meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. In Bezug auf ADHS habe ich eher den Eindruck, dass hier sehr viele sehr liebevoll sind und wirklich aus Freundlichkeit oder Menschlichkeit und Aufopferungsbereitschaft ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen. Könnte das so sein? Ich hoffe, dass ich nicht zu pauschalisierend schreibe und niemanden damit verletze. Es verwirrt mich sehr, dass ich es nicht verstehe, deshalb versuche ich mir durch Nachfragen einen Überblick zu verschaffen und etwas Orientierung. Ich will aber niemandem damit zu nahe treten. :no_mouth:

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@Elementary
Ist das wirklich so, dass sich für Menschen mit dem Helfersyndrom das Helfen in diesem Ausmaß gut anfühlt, also dass es sich wirklich wie eine Belohnung im Gehirn anfühlt? Dass es eine botenstoffmäßige Ursache hat, vielleicht ähnlich der Intensität, wie wenn man sich verliebt oder Sex hat?
Ich habe ja die Diagnosen cPTBS und ASS (kein ADHS) und in meinem Gehirn sind die Neurotransmittervorgänge auch nicht wirklich normal, ich erlebe manche Dinge als so übertrieben positiv, dass ich mit Suchtverhalten darauf reagiere und komplett euphorisch bzw. extatisch werde, alles andere dafür vergesse und meine Vernunft komplett ausschalte. Beispielsweise sprechen mich bestimmte Reize (Farben, Formen, Muster) sehr stark positiv an, aber auch Berührungen und körperliche Nähe und sich bewegen (Musik, tanzen). Ich denke, das hat auch mit der Ausschüttung von Hormonen zu tun. Aber wenn ich anderen Menschen helfe, passiert in meinem Gehirn nicht so viel. Früher schonmal gar nicht, da wirkte ich nach außen absolut kalt und empathielos, weil ich alles in mir selbst eingeschlossen hatte. Später bin ich über eine juristische Ausbildung mal einige Zeit im Sozialhilfebereich gelandet, wo ich schon gemerkt habe, dass ich ein extrem hohes Bedürfnis habe, zu helfen. Aber damals auch eher der Gerechtigkeit Willen, mit den eigentlichen Menschen war ich total überfordert, ihr Wesen überflutete mich geradezu, ich konnte kaum ein normales Gespräch hinbekommen, was mir aber wegen der ASS eh damals enorm schwer fiel .
Mittlerweile gibt es mir schon ein wenig Glücksgefühle, wenn ich jemandem behilflich sein kann, z. B. auf der Straße jemandem eine Auskunft geben kann, ich als Kundin in einem Geschäft jemandem sagen kann, wo etwas steht usw. Das liegt aber wohl daran, dass ich mich momentan sehr einsam fühle.
Ich frage mich, woher das kommt, dass das Gehirn beim Helfen so glücklich wird. Vielleicht ist es aber auch normal und nur bei mir wegen ASS/Traumata unterdurchschnittlich ausgeprägt und bei ADxS vielleicht überdurchschnittlich ausgeprägt? Aber warum ist das so? :no_mouth: Ich würde das total gerne verstehen.

Als ich jung war und bis ungefähr vor 10 Jahren hatte ich auch noch ziemlich Probleme damit mich gegenüber anderen abzugrenzen oder durchzusetzen, hatte sehr stark diesen innerlichen Druck „es immer allen Recht machen zu müssen“.
Ich weiss aber ehrlich gesagt nicht richtig zu beantworten inwieweit sich dieses Verhalten nicht vielmehr durch meine Kindheit, also meine Prägung durch Erziehung usw. heraus gebildet hat, ich eben vielleicht durch das Vorbild meiner Eltern so konditioniert wurde, was ich ehrlich gesagt für sehr wahrscheinlich halte. Das Adhs macht es wahrscheinlich nur schwerer sich einmal angeeignete Muster wieder abtrainieren zu können.
Ehrlich gesagt kann ich garnicht mal beantworten „wie genau“ ich mir dieses Verhalten in den letzten zehn Jahren abtrainiert habe, denn ich war noch nie der Typ der sich nach Buch oder Ratgeber Tipp XY irgendwas aneignen konnte, sondern mehr der lerne durchs Leben Typ. Aber eins kann ich mit Gewissheit sagen, es hat schlicht und einfach damit begonnen das ich einfach mal damit angefangen habe Nein zu sagen. :wink:
Habe einfach gesagt „Nein ich habe jetzt keine Lust“, „Nein ich will das nicht machen, mache es doch selber“, „Nein heute geht es nicht“, „Nein ich komme nicht mit zu den Schwiegereltern“, ect., ect., Hauptsache lernen auch mal Nein zu sagen. :smiley_cat:

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P.s. anfangs kostet einen das Nein sagen schon noch Überwindung, denn alle die es bisher gewohnt waren das man nie, oder nur selten Nein gesagt hat, sind dann natürlich gefrustet und fragen dann zum Beispiel „was ist denn mit Dir los?“ oder „hast Du schlechte Laune oder was?“ oder ähnliches was Dir dann dieses schlechte Gewissen gibt und Du das Gefühl bekommst das Du Dich rechtfertigen müsstest, dass Du Dich dafür verteidigen müsstest „warum“ Du Dich jetzt erst mal um Dich selbst kümmern möchtest, warum Du auch mal Zeit für Dich brauchst.
Und da muss man dann unerbittlich bleiben, sich nicht verteidigen, keine Erklärungen abgeben, keine Entschuldigungen, einfach sagen „Nein das ist jetzt so und ich bleibe dabei, Punkt“.
Natürlich ist das am Anfang nicht leicht, aber je öfter man zu sich selbst und seinen Bedürfnissen steht, desto besser wird es mit der Zeit akzeptiert und respektiert werden. Und natürlich wird es zu einer Art Machtkampf, denn bisher war man ja der unterlegene Typ der sich dominieren lies, und plötzlich hat sich das Blatt gewendet, da müssen sich die anderen erst mal daran gewöhnen, aber mit der Zeit wird das immer besser und leichter werden.
Jedenfalls lasse ich mich heutzutage von niemand mehr zu Sachen drängen die ich nicht machen will.

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Hallo liebe @Zauneidechse

Ich glaube das liegt nicht am Helfen an sich, sondern eher an der folgenden Dankbarkeit anderer als quasi „Belohnung“ dass man etwas gut gemacht hat.

Schau mal, mit Adhs wird man im Leben aufgrund der Andersartigkeit oft abgelehnt, man lebt mit Enttäuschungen und Misserfolgen teilweise über Jahrzehnte. Da ist jedes dankbare Lächeln und jedes Lob von anderen Balsam für die Seele und zeigt auch Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.
Es tut besonders gut, selbst festzustellen, hey, du hast etwas richtig gut gemacht, wirst gelobt und nicht wie so oft kritisiert. So ging es mir früher oft.
Könnte das vielleicht so mit reinspielen? Nur so eine Idee … :wink:

Liebe Grüße, Mittagspause ist gleich rum :smile:

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Hallo liebe @Lea
Das klingt sehr nachvollziehbar, ja. Insbesondere das mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Diesen Wunsch hatte ich für 3 Jahrzehnte überhaupt nicht und tat eigentlich alles, um NICHT dazuzugehören. Vielleicht war das Helfen deshalb so wenig attraktiv für mich bzw. überhaupt nicht verstehbar.
Danke für deine Erklärung! :slight_smile:

Oh, ich hoffe, du konntest dich trotzdem noch in der Mittagspause etwas erholen und hast jetzt bald Feierabend und Wochenende zum Erholen? :blush:
Liebe Grüße

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Danke für deine liebe Antwort :blush: @Zauneidechse
Ich wünsche dir auch ein schönes sonniges Wochenende und ganz viel Erholung dazu :sunny:

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Liebe @Zauneidechse für mich persönlich hat sich das „Helfersyndrom“, „allzeit bereit mich für andere aufzuopfern“ nie gut angefühlt, sondern ganz im Gegenteil!, ich habe darunter gelitten das ich mich nicht behaupten konnte, dass ich schwach war, „everybodys Darling“ zu sein fühlte sich für mich nie gut an. Erst heute fühle ich mich so wie ich immer sein wollte, unabhängig, stark, selbstsicher, und dadurch auch endlich sowas wie „erwachsen“.
Das heisst ja nicht das ich auch weiterhin nicht anderen Menschen gerne helfe, aber das „aufopfern“, dass ist passé!, diese Zeiten habe ich hinter mir gelassen und will sie auch nicht wieder.

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Das ist manchmal der Witz an der Sache und dass was ich auch oft nicht verstehe, sie sagen mir immer wieder ich soll mir Zeit für mich nehmen oder eben dass machen was ich möchte. Aber irgendwie kann ich dass dann doch nicht machen.

Wahre Worte…

Dass ist mir garnicht so fremd, meine Mutter war als ich klein war, dem Alkohol verfallen und als es ihr während Depressiven Phasen nicht so gut ging, habe ich dann eben auch einige Sachen übernommen, also bin Einkaufen gegangen, oder bin mit Absicht dann nicht Raus um sozusagen auf meine Mutter „aufzupassen“. Obwohl ich da auch nicht weiss ob dies der Hauptgrund war, oder ob ich eventuell eben dann die Treffen mit Freunden in großen Gruppen unterbewusst gemieden habe wegen möglicher Reizüberflutung bzw. die Angst vor Ablehnung.

Aber wenn ich richtig überlege gerate ich auch immer wieder in diese „Helfer-Syndrom“ Situationen, als ich meine Frau kennenlernte Pflegte sie ihre Mutter und ich unterstütze natürlich Tag ein Tag aus, und meine Frau litt selber an Depressionen und Sozialer Phobie , die aber leider immer falsch behandelt wurde und das ADxS übersehen wurde. Dass was man immer hört 15 Minuten Diagnose und mit diesem Stempel weiterbehandelt werden. Aufjedenfall da auch immer geschaut sie zu unterstützen in ihren schweren Phasen. Jetzt ist mittlerweile einiges anders, sie ist in Behandlung zumindestens Medikamentös, die Ärztin selbst naja schwierig. Und bis man zu einem anderen Arzt kommt ist ja auch so Sache. Und ich auch seit kurzem in Behandlung. Sind noch vor kurzen Umgezogen und noch viel Arbeiten im Haus gehabt.
Ich dachte immer wenn der Stress drumherum wegisst und sogeschen auch die Verpflichtung weil es eben manchmal kein anderer macht, würde sich es bei mir auch entspannen, aber irgendwie ist das nicht der Fall.

Also die Situationen mit Egoismus kenne ich dass war eine Zeitlang in meinen Beruf wo ich zusehe darauf fixiert war. Und mir auch abends noch Gedanken gemacht habe, oder an Lösungen von verschiedenen Problemen gearbeitet habe. Zeitgleich dennoch immer dieser Druck bzw. dieses Schlechte Gewissen helfen zu müssen oder Tätigkeiten für andere übernehmen zu müssen.

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Willkommen im Club. Die Huhn-oder-Ei-Frage, von der man ein Leben lang etwas haben kann, gibt es mit dem Mitgliedsausweis… Vielleicht einfach beides und im Zweifel Rührei?

Es gab dann ja in der Vergangenheit gute Gründe, ständig mit dem Radar bei der Umwelt zu sein und dort vielleicht gebraucht zu werden. Die Reizüberflutung der einen führt zu „Selbstmedikation“, die bei der nächsten Generation zu Sorge um die Mutter führt, die zu noch mehr Reizoffenheit führt, die … Circle of ADxS-family life? War evtl. mal eine wichtige Überlebenstechnik, die ggf. immer noch im Nervensystem abgespeichert ist. Vielleicht brichst Du gerade aus dem Teufelskreis aus.

Mir hat dieses Buch ziemlich viel erklärt: Melody Beattie, Die Sucht, gebraucht zu werden

Angeregt u.a. durch dieses Video: Fawn Response & der Wunsch zu helfen.

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Hallo lieber @Capodecina187
das klingt nach einer Kindheit mit vielen Entbehrungen. :frowning_with_open_mouth: Eigentlich soll doch die Mutter sich um das Kind kümmern und nicht umgekehrt. Als Kind braucht man ja Zuspruch und Schutz und hat gar nicht die Kapazitäten, sich um eine alkoholkranke Person zu kümmern (das ist ja selbst für einen Erwachsenen sehr schwer und es drohen Co-Abhängigkeit usw.). Es tut mir sehr leid, dass das bei dir so war. Du hast ja dadurch auf sehr vieles verzichten müssen. :cry:
Mir hat auch mal eine Heilpraktikerin gesagt, dass bei mir und meiner Mutter eine Umkehr stattgefunden habe und meine Mutter wie ein Kind agiert hat (und agiert) und ich die Rolle der Erwachsenen übernommen habe. Da war auch zum Teil etwas Wahres dran, zwar habe ich mich nie empathisch oder überhaupt um meine Mutter gekümmert, aber unbewusst habe ich doch sehr Rücksicht auf sie genommen und musste z. B. meine ganzen Gefühle unterdrücken, weil ich diese nicht zeigen durfte (hätte meine Mutter getriggert) und ich musste eigentlich meine ganze Persönlichkeit auslöschen, weil sich meine Mutter davon bedroht fühlte. Eine Mutterrolle habe ich somit nicht angenommen, aber meine Mutter hat in der Familie auch die Rolle des Kindes und für sie ist es selbstverständlich, dass sich alles um sie dreht. Dass andere Menschen eigene Bedürfnisse haben, begreift sie gar nicht. :tired_face: Deshalb ist es wohl auch dazu gekommen, dass ich entweder gar keinen Zugang zu meinen Bedürfnissen habe oder sie zuweilen in der Vergangenheit auch schon aggressiver durchgesetzt habe, wenn ich mich in die Enge gedrängt fühlte.

Könnte es denn sein, dass du auch gegenüber deiner eigenen Familie ein schlechtes Gewissen hast, wenn du etwas für dich machen willst, weil es sich von deiner Kindheit her übertragen hat? Dass vielleicht in dir abgespeichert ist „wenn ich jetzt was für mich mache, wird es meiner depressiven Mutter vielleicht sehr schlecht gehen und dann bin ich daran schuld“? Dass also sozusagen das „alte Programm“ sich einfach auf deine eigene Familie übertragen hat?

Dennoch kann ich gut verstehen, dass du dich um deine Frau gut kümmern willst, wenn sie Depressionen hat. So einen Mann wünscht man sich wahrscheinlich schon, der einen auch mit Problemen beachtet und nicht einfach links liegen lässt. Aber lösen kannst du ihre Depressionen ja nicht und bist ja auch nicht alleine für die Lösung all ihrer Probleme in der Verantwortung. Kannst du dir denn vorstellen, ein bisschen Verantwortung abzugeben? Ihr habt ja schon gut dafür gesorgt, dass deine Frau professionelle Hilfe bekommt, was bestimmt wichtig ist, damit du dich entlastet fühlen kannst. Aber du scheinst dich immer noch extrem verpflichtet zu fühlen.

Ich hoffe, dass ich nicht zu direkt geschrieben habe, was mir mit meiner ASS leider oft passiert, weil ich gerne Situationen analysiere und dann oft meine Ideen zu direkt mitteile. :confused: Ich meine das aber nie böse. Mittlerweile glaube ich, dass ich selbst auch am liebsten ganz besonders nützlich sein will, damit man mich irgendwie mag. Irgendwie hat das auch was von Helfer-Syndrom, wir mir immer mehr bewusst wird, aber bei mir ist es nicht so in eine kümmernde Atmosphäre eingebettet, sondern eher in sehr viel Text. :disappointed: Ich hoffe, es war nicht zu viel.

Alles Liebe und pass auf dich auf :slightly_smiling_face:

Hallo @Elementary
Danke, dass du diesen Buchtipp hier öffentlich teilst! Mich beschäftigt das Thema ja auch sehr und ich werde mir das Buch kaufen. Dann muss ich hier auch nicht so löchern mit meinen ganzen Fragen. :no_mouth: Dass bei Menschen mit Diagnose ADxS das Helfen sehr im Mittelpunkt steht, macht mich aber immer noch neugierig darauf, ob da eine Kausalität bestehen könnte und wo das herkäme oder ob es einfach nur Zufall ist.

Kenne das aus meinen depressiven Zeiten.
Schlechtes Gewissen und sich selbiges einreden lassen.
Hat bei mir immer nur die Depression am Leben erhalten.
Eigene Gedanken und Mechanismen der Gedanken (nebst zugehöriger Emotionen) analysieren und klar benennen was zu negativen Emotionen und Zuständen führt!

Ja mit meiner Mutter ist es eh ein komisches Verhältniss geworden, wo ich auch nicht so richtig weiss was der richtige Weg ist. Kurzfassung: vor ca 9 Jahren habe ich meine Frau im Saarland kennengelernt und da ich damals mit meiner Arbeitsstelle nicht zufrieden war und mich im Bekannten bzw Freundeskreis auch nichts aufgehalten hat, bin ich zu ihr ins Saarland gezogen.

Sie hat das wegziehen zwar akzeptiert und meine Frau auch akzeptiert, zumindestens so geäussert.

Hatte dann auch einige depressive Phasen und generell ging es mir durch die Adhs symptome nicht gut, wusste aber nicht was mit mir los ist, verschiedenste Ärzte aber es hatte halt nicht gepasst. Und somit immer weiter auf der suche was mit mir nicht stimmt, warum ich so impulsiv und warum ich solche Stimmungschwankungen habe. Und habe oft auch am Telefon mit ihr darüber gesprochen.
Dies wurde aber immer direkt als einbildung abgestempelt, oder „Du sucht verzweifelt nach Krankheiten, man kann meinen du willst krank sein“ oder „ Du bist ein Hypochonder“, oder am ende da sie auch über die Depressionen meiner Frau bescheid wusste: „ Sie tut dir nicht gut, du kopierst das anscheinend“

Also mir wurde nicht geglaubt, als ich auch nach meiner Diagnose oder auch als ich nur den Verdacht hatte und mit ihr darüber sprach wurde es immer direkt abgeschmettert verleugnet den „ich bin ja damals auch nicht so gewesen“.

Und generell weil ich einfach durch den Alltag oft vergaß sie anzurufen, begannen die Vorwürfe „das meine kleine Familie mir ja wichtiger sei“ usw

Egal wie ich dann versuchte zu erklären warum bzw egal was ich sagte oder ihr schrieb es endete darin dass ich mir alles einbilde und meine Frau schuld sei. Aber irgendwie hab ich selbst langsam keine Lust mehr auf den Kontakt da es mich irgendwie nur runterzieht. Aber ich weiss auch nicht ob dies richtig ist.

Mein Verhalten bzw warum welche emotionen oder Situationen entstehen da bin ich eigentlich fleißig dabei und es hilft auch. Aber es zieht einen sooft wie ein Magnet in das alte Muster bzw. Die Negativen Gedanken Spiralen. Obwohl ich es ja eigentlich langsam besser wissen müsste.

Hallo @Capodecina187 :slight_smile:

Was du über deine Mutter schreibst, klingt fast schon beängstigend. :pensive: Sie geht so mit dir um, obwohl du deine Kindheit für sie geopfter hast und ihr so oft zur Seite standest? :frowning: Ehrlich gesagt, wenn ich lese, WIE deine Mutter dich behandelt, werde ich wütend, weil ich es absolut gemein finde, wie sie mit dir umgeht. Es scheint fast so, als hätte sie ein gravierendes Problem.

  • Sie gönnt dir nicht, dass du eine eigene Familie hast
Zusammenfassung

(der Vorwurf, das dir deine kleine Familie ja wichtiger sei, grenzt in meinen Ohren schon an Frechheit. Ist es nicht normal, dass einem die eigene Familie ‚wichtiger‘ ist, zumindest verbringt man mit der eigenen Familie und den eigenen Kindern wesentlich mehr Zeit, als mit den eigenen Eltern - es sei denn, man lebt in einem Mehrgenerationenhaushalt. Das ist doch normal, dass man, wenn man älter wird, eine eigene Familie gründet und dort seinen Lebensmittelpunkt hat und dann zeitmäßig und auch von der Aufmerksamkeit mehr dort ist!! Das hat ja auch nicht mal unbedingt etwas mit ‚wichtiger‘ zu tun, aber deine Mutter scheint sich stark zurückgesetzt zu fühlen. Das ist aber ihr eigenes Problem! Ich finde es schrecklich, wie sie dir offenbar ein schlechtes Gewissen einjagt! Das geht überhaupt nicht. Ich finde, du hast jedes Recht der Welt, dich davon abzugrenzen. Das würde doch keinem Menschen gut tun, wenn man permanent solche Vorwürfe zu hören bekommt.

  • Sie geht nicht auf dich ein in Bezug auf deine Diagnose und nimmt deine Schwierigkeiten im Leben nicht ernst.
Zusammenfassung

Aber sie selbst hat sich von dir quasi pflegen und bedienen lassen? DU musstest SIE sogar sehr ernst nehmen und ihre Erkrankung auch. So ernst, dass du deine Kindheit dafür zu einem Teil opfern musstest. Hu, ich muss wirklich aufpassen, dass ich mich nicht reinsteigere, weil mich das so wütend macht. :worried: Es ist kein schönes Gefühl, wenn die eigenen Eltern einen nicht ernst nehmen. :fearful: Das kenne ich selbst. Mir hat meine Mutter früher auch immer gesagt, ich würde mir alles nur einbilden und solle mich nicht so anstellen.

  • Sie macht deine Frau sehr schlecht! :cold_sweat: (der Text ist etwas mehr geworden, deshalb habe ich es in die ‚Zusammenfassung‘ gepackt. Ich hoffe, das ist okay.)
Zusammenfassung

Wie kann sie denn deiner Frau die Schuld dafür geben, dass du eine ADHS-Diagnose hast bzw. dass es dir schlecht geht? Ich find das wirklich sehr gemein. Du hast deine Frau geheiratet, weil sie dir etwas bedeutet und du mit ihr dein Leben verbringen willst und deine Mutter macht sie die ganze Zeit schlecht?? Das ist doch ein totaler Angriff auf dein Leben und deine Integrität. Wenn du dir deine Frau ausgesucht hast und damit glücklich bist, sollte das deine Mutter akzeptieren und zurückstellen, wenn ihr etwas an deiner Frau nicht passt, denn DU sollst doch glücklich mit ihr sein und nicht deine Mutter! Es klingt danach, als würde dir deine Mutter dein Glück nicht gönnen. :cry: Wie sollst du dir denn dann selbst dein Glück und deine Ruhe und Zeit für dich gönnen können, wenn sie dir ständig ein schlechtes Gewissen macht? Das ist ja schrecklich. :flushed:

Also mir ist es beim Lesen ganz anders geworden. :worried: Ich weiß nicht, ob du etwas damit anfangen kannst oder ob ich vielleicht wieder zu heftig emotional reagiert habe, aber vielleicht können die anderen auch noch etwas schreiben, wie die Schilderung auf sie wirkt? Ich finde das Verhalten deiner Mutter überhaupt nicht gesund und es würde mich selbst total stressen. Ein schlechtes Gewissen müsstest du sicherlich nicht haben, wenn du dich dagegen abgrenzen würdest, auch wenn deine Mutter offenbar versucht, dir ein sehr schlechtes Gewissen zu machen.

Ich wünsche dir sehr, dass du dich von diesen Vorhaltungen abgrenzen kannst und dass du mit deiner Frau dein Leben genießen kannst und auch immer öfters für dich Zeiten einplanen kannst, wo du es dir gut gehen lassen darfst! Das hast du wirklich verdient!!! Niemand kann sich permanent nur um andere kümmern und es ist wichtig, sich um sich selbst zu kümmern! Das ist nicht egoistisch, sondern selbstfürsorglich. :revolving_hearts:

Bitte entschuldige meine mögliche Überreaktion. Ich glaube, mich erinnert deine Mutter doch ein wenig an meine Mutter, weil ich von meiner Mutter auch immer so übersehen und auch (emotional) ausgenutzt wurde. :frowning:

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Das hast du ziemlich gut zusammengefasst. Egal was du tust, es ist falsch/nicht genug/etc.
Sie zieht dich runter. Das ist ganz klar.
Dass du weg gezogen bist, dein Ding gemacht hast, zeigt auch vielleicht, dass du u.a. los von ihr wolltest und da auf dem richtigen Weg bist.

Du kannst entscheiden wie viel Kontakt du zu ihr halten willst (und wovon du ihr erzählst) und ob du überhaupt Kontakt willst. Es ist mehr als legitim sich von den Menschen zu distanzieren, die einem nicht gut tun. Erst recht wenn es Familie ist, weil da ist man oftmals sowieso wegen Normen, Erziehung und Verpflichtungsgefühlen länger als nötig geduldig und leidet damit länger.
Lass nicht dein Mitleid oder Mitgefühl das du für sie hast darüber entscheiden was du tust, sondern schau zuerst auf dich, so schwierig es halt immer wieder ist. Dein Gefühl sagt, dass sie dich runterzieht. Sie tut dir also nicht gut, du fühlst dich bei/nach Kontakten mit ihr schlechter.
Es kann sein, dass sie Schuldgefühle machen wird, Vorwürfe - an all den anerzogenen Strippen ziehen die es dir schwer machen dein Leben auf deine Art zu Leben, dich an erster Stelle zu nehmen und deiner Wahrnehmung und Wahrheit zu glauben. Aber du hast da schon sehr vieles gelernt in all den Jahren. Halt dir das immer wieder vor Augen.

Und ja, vieles kann man sich rational erklären, manchmal reicht das. Da gibt’s verschiedene Ansätze.
Aber rein auf der rationalen Schiene zu bleiben wird schwierig bei solch tiefen Sozialisierungen, Prägungen und Verzerrungen, denn die rühren von Teilen in dir die emotional sind, getriggert werden können („Ich muss helfen!“), die von Vernunft und Ratio aber nicht besänftigt werden geschweige denn wirklich gehört werden (cognitive bypassing).
Drum, neben dem rationalen Analysieren gehören auch die damit aufkommenden Emotionen gehört, gefühlt, ihnen darf Raum gegeben werden. Dann kann da was besser werden, heilen. Man kann zu dem was war Stellung nehmen, sich dem Vergangenen bewusst werden und sich dann auch bewusst machen was jetzt unsere Realität ist und wo wir Vergangenes nicht mehr drin haben wollen. Das braucht viel Zeit.
Hast du wen zum Coaching oder Therapie?

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