Intoleranz gegenüber Menschen

Hallo liebe Alle, bin neu hier mit ADHS und auf dem Weg zur ASS Diagnostik. Es geht mir um den autistischen Teil und würde sehr helfen, wenn das jemand von sich auch kennt:

Ich bin super empathisch, freundlich, hilfsbereit, fair.. so wie viele Neurodivergente und akzeptiere bzw. toleriere Mitmenschen grundlegend. ABER, ich merke immer mehr, wie wenig Toleranz ich für schlechte Menschen habe (bullshit Radar und für Menschen, die fake sind), besonders, wenn sie mir gegenüber nicht mit den selben Werten begegnen können. Partner, enge Freunde, Gleichgesinnte, ausgewählte gute Menschen sind kein Problem, leider mittlerweile gefühlt alle anderen drumherum! Menschen im Supermarkt , Kollegen die einen volllabern und einseitige oberflächliche Kontakte führen, Autofahrer, Menschen die nicht mitdenken und aus diversen Gründen scheiße sind, Menschen die sich nicht an Regeln halten, Fremde am See, eigentlich fast alle, die nicht auserwählt und freundlich sind. Ich habe eine starke Abneigung gegen Mitmenschen, um nicht ein schlimmeres Wort benutzen zu müssen, die sich inakzeptabel und störend verhalten. Das soll kein bashing oder sonst was werden/bewerten. Ich möchte nur gerne wissen, wie es anderen in der Hinsicht mit AuDhs geht, um mich besser einordnen zu können :pleading_face:

Ich habe lediglich ADHS aber vielleicht hilft es dir zu hören, dass mir Menschen auch sehr häufig auf die Nerven gehen und ich einige Ansichten, so extrem bescheuert finde, dass ich mich hin und wieder frage, wie diese Menschen nur so einen Schund verinnerlichen konnten.

Das gute ist nur, viele werden über mich und meine Ansichten auch so denken und daher, denke ich, ist mein Denken über andere voll ok, wenn es denken bleibt und nur in extrem Fällen auch mal über die Lippen kommt.

An sich lebe ich gern nach dem Motto, leben und leben lassen, zumindest wenn es nicht wirklich was mit mir zu tun hat.

Was ich nicht habe, dass ich grundsätzlich denke, weil ich die nicht leiden kann sind die böse oder grundlegend schlecht. Außer wenn mal kurz die Wut kommt oder alte Verletzungen aufreißen.

Aber eigentlich weiß ich auch dann, dass meine Ansicht in dem Moment, von Wut und verletzt sein, verzerrt ist. Denn ich weiß ja auch von mir, dass ich mich echt daneben benehmen kann und mich teilweise richtig doof verhalte und andere machen das eben auch.

Nur mit manchen ist man wahrscheinlich mehr auf einer Wellenlänge, findet sie sympathisch und verzeiht Fehlverhalten daher wohl eher. Wenn dann aber ein Mensch kommt, den man nicht sympathisch findet, wird man den für gleiches Verhalten wohl eher verurteilen.

Nur ein schlechtere Mensch ist es ja deswegen nicht.

Ich stelle mir dann manchmal vor, dass dieser Mensch den ich so verachte, Menschen hat, die ihn unglaublich mögen und dann kann ich nur zu dem Schluss kommen, dass jeder Mensch wohl mal als toll und mal als so richtig bescheuert wahrgenommen wird und dass liegt eben nicht im Kern dieses Menschens, sondern auch mit an den anderen Menschen und eben wer sich wie und wo und in welcher Konstellation begegnet.

Ich bin auch viel besser als all die anderen…

naja eigentlich nicht.

Was Du aus dem Mix von Menschenoffenheitn vs. Ablehnung beschreibst kenne ich auch so ähnlich.

Ich bin zum ersten Diagnostiktermin noch mit der Frage ASS ja/nein und evtl. dann ADHS testen, gegangen. War aber ziemlich schnell klar, dass andersrum ein Schuh draus wird.

Die Ablehnung gegenüber allen möglichen Menschen in allen möglichen Situationen ordne ich inzwischen vor allem meiner Reizoffenheit im öffentlich Raum in Kombination mit meiner Impulsivität zu.

Du schreibst, dass es schon um Interaktion, Werte und Persönlichkeiten geht. Nicht um den Menschen als Wesen an sich. Könnte auch viel mit dem (Deinem?) Verständnis von Gerechtigkeit und sozialer Integrität zu tun haben. Wenn dem jemand im ersten Moment nicht entspricht und es nicht eine Person mit Bedeutung für mich ist oder über die ich so viel Wissen habe, dass ich verstehe welches Leid sie zu dem Menschen gemacht hat (sehr kurz gegriffen jetzt) wende ich mich auch sofort ab. Direkter: ich habe keine Geduld, aber unendliches (ok, seeeehr viel und lange) Verständnis. Aber Verständnis braucht ne Verbindung. Und falls das Verständnis doch mal weg ist, dann auch unumkehrbar.

Bei mir besteht von ärztlicher Seite der Verdacht auf Autismus und die ADHS ist klar. Mich stören andere Leute nicht besonders, solange sie nicht Rücksichtslos sind oder gegen wichtige Regeln des Zusammenlebens verstoßen. Echte Gleichgesinnte habe ich noch nicht getroffen, aber ich komme mit Leuten, die gleiche oder ähnliche Interessen haben am besten zurecht.

Ich denke das wird den meisten Menschen so gehen, dass sie am liebsten Menschen um sich haben mit denen sie ähnliche Interessen teilen. Was verstehst du denn unter echten Gleichgesinnten?

Die einen Sinn im gleichen sehen wie man selbst. :+1:

Das mit dem rücksichtslos ist treffend und bei mir oft ein Ding, dann reibe ich mich daran auf und kann das ganz schlecht akzeptieren, trotz jahrelanger Therapie. Und das ist der Punkt, klar umgeben wir uns am liebsten freiwillig und gerne mit bestimmten Personen, aber wenn ich viele Mitmenschen so schrecklich finde, hat es einen Krankheitswert, den ich dem autistischen Teil zuschiebe. Probleme in der sozialen Interaktion heißt es, was ja vielfältig ist. Hier und da habe ich schon ähnliches zum Lesen gefunden und eine Art Bestätigung gefunden. Ich hätte auch einfach fragen können, ob Autisten Probleme mit Menschen haben.. bin froh hier keine fiese Antwort bis jetzt erhalten zu haben, sondern Rückmeldung und Erfahrungswerte.

Kleines Beispiel noch, einfach so, was mich kaputt macht: Menschen, die nicht zurückfragen, wie es einem geht (warum frage ich dann überhaupt freundlich nach.. jaaa das masking und coping); Menschen, die sonntags gegenüber vom Haus Glas in den Container werfen (ist untersagt und rücksichtslos); Menschen, die Monologe und keine Dialoge führen (warum muss ich dieses Gespräch führen, wenn mich diese Person gar nicht interessiert und ich krass unter der Situation leide, während ich freundlich nicke und danach völlig alle bin und es massiv sinnlos fand); Menschen, die vorne an der Ampel stehen und nicht losfahren oder alles blockieren, weil sie lieber auf ihr Handy schauen; Menschen, die an der Kasse einem in den Nacken atmen und am besten noch press beim bezahlen mit Karte daneben stehen (hä? privater Space); Kollegen, die nicht in der Lage sind auf Augenhöhe und fair Teamarbeit zu leisten, sich abzusprechen, die unreflektiert sind und ihre Launen an einem auslassen - man kann auch höflich zu Menschen sein, die man nicht als Freunde haben möchte. Puh, das tat grad gut und lässt noch weitere Schlüsse ziehen. Danke für deine Antwort :upside_down_face:

gelöscht.

Hi @Una,

ich meine Menschen, die ähnliche Interessen haben und auch ähnlich denken. Es gibt ein paar ADHSler, Asperger und Künstlertypen, die ich kenne, mit denen fällt die Verständigung tatsächlich etwas leichter. Man spricht nicht so oft aneinander vorbei. Ich kannte allerdings mal eine Dame mit ADHS, da fand ich den Kontakt sehr anstrengend, weil sie immer so schnell geredet hat und zu schnell die Themen gewechselte.

Mit meinen Nachbarn, Arbeitskollegen, Verwandten usw. habe ich ein konfliktfreies Verhältnis, aber ich weiß, dass mich viele Leute komisch finden.

Am besten man macht sich keine Gedanken darüber, was andere über einen denken oder denken könnten -do it in your way.

Ich glaube, dass die meisten Autisten sich von anderen Menschen aufgrund vieler schlechter zwischenmenschlicher Erfahrungen distanzieren, einige Autisten mit schlechten kognitiven Fähigkeiten auch aufgrund unbegründeter Ängste, aber nicht per se. Die schizoiden Züge entwickeln sich wahrscheinlich aus Missverständnissen, Bullying in der Kindheit und dem z.T. unbegründeten Eindruck abgelehnt zu werden, weil es so schwerfällt an denselben Dingen Gefallen und Freude zu finden, wie die eigene Peer. Ich denke, man hat ein großes Risiko schizoid zu werden.

Hallo neurospicy_22_26 , eine gewisse Intoleranz gegenüber einer bestimmten Sorte Menschen auf der Welt, dass kenne ich auch, und je älter ich werde, ganz ehrlich gesagt sogar stärker, als damals in meiner Jugend.

Aber ein übermässig begeisterter Mensch von der allgemein vorherrschenden Art an Menschen, bin ich wie gesagt eigentlich noch nie wirklich gewesen.

Jedenfalls empfinde ich persönlich sogar ungefähr die Hälfte der Menschheit erstens als z.T. überwiegend dumm, und zweitens oft, oder sogar grösstenteil auch als regelrecht abstossend.

Nicht destrotz gibt es aber eben auch die andere Hälfte, heisst einen anderen Anteil an Menschen, bei denen ich gute und positive Seiten sehen kann, und ich solchen Menschen gegenüber auch eine echte und ehrliche Wertschätzung entgegen bringen kann.

Und deshalb bemühe ich mich auch immer stets darum, dass ich jedem Menschen gegenüber zuerst mal offen und freundlich begegne, heisst bevor ich mich womöglich zu schnell von Vorurteilen gegenüber fremden Menschen fehlleiten lasse.

Interessantes Thema.
Ich versuche andere respektvoll und freundlich zu behandeln.
Ich halte mich auch für tolerant.

Aber irgendwie ist meine Toleranz wohl eher nur ein Deckmäntelchen, weil ich ja auch selbst akzeptiert werden will. Manchmal gehen mir die anderen auch einfach auf die Nerven, ehrlich gesagt…
Und ich nerve sicher genug andere Menschen, weil ich halt auch anstrengend bin.
Im Leben ist schon alles irgendwie gerecht insofern. :sweat_smile:

Ich bin mir übrigens auch nie sicher, ob ich jetzt kein Selbstbewusstsein habe oder mich doch (insgeheim?) für besser als andere halte… :zany_face:

Insgesamt unterhalte ich daher nur oberflächliche Beziehungen beziehungsweise nicht zu tiefe, weil ich einfach nicht diese Verbundenheit mit anderen fühle.

Richtig verbunden fühle ich mich nur mit meinem Mann und auch da… gestern erst haben wir wieder so aneinander vorbeigeredet. Ich weiß nicht, woran das liegt. Ich frage etwas, er antwortet irgendwas „Wischi-Waschi“ ich frage nach, er antwortet gefühlt wieder irgendwas… das geht so, dass ich das Gefühl habe, er antwortet nie klar auf meine Frage. Ich muss immer erst bohren, weil ich weiß, dass er oft so antwortet und ich nur durch NAchfrage etwas wichtiges erfahre.
Teils kommt mir auch vor mit jeder Antwort ändert sich, was er sagt (das halte ich echt extrem schlecht aus)… es ist so mühsam und nervig. Ich rutsche gefühlt immer in eine Verhörsituation - dabei müsste er doch nur klar und deutlich auf meine Frage antworten :zany_face:

Das wäre fast einen eigenen Thread wert, wieso das immer schief läuft. Und so geht’s halt leider öfters…

Ja, das ist gut möglich und ein stückweiser logisch. Früher wurde ass auch dem schizoiden Kreis zugeordnet, wobei (ich arbeite in dem Bereich) Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung gar kein Interesse an Nähe und Beziehungen haben und ass noch viele andere neurodiverse specialeffects haben :sweat_smile: das mit der Ablehnung und negativer Erfahrung ist ne krass schlimme Sache

Das kenne ich zu gut mit der Kommunikation in Partnerschaft und dem aneinander vorbeireden und das trotz meinem Gegenstück, der auch auf dem Spektrum ist (so unterschiedlich sind wir und doch ähnlich).

Das was du schreibst könnte ich ummünzen auf mein ständiges analysieren, einordnen, verstehen und klären wollen, eine einfache Frage stellen, auf die man eine kurze Antwort erwartet, damit es einem Klarheit und Sicherheit gibt. Joa, da gibt es Gesprächsbedarf und leichte Konflikte. Auch das ‚Ich hab mich doch verständlich und deutlich ausgedrückt, wie kann man das nicht verstehen oder unnötig rumdiskutieren‘, dann gerät man wieder in den Übererklärungdmodus, um ja nicht falsch verstanden zu werden.

Voll schön, wie reflektiert und offen und auch akzeptieren eure Antworten sind :slight_smile:

Das hast du schön geschrieben, da geh ich mit, ist bei mir ähnlich. Wenn ich mich besser abgrenzen könnte, wäre mehr Gelassenheit möglich. Passt aber nicht zu meiner impulsivität :smiling_face_with_tear:

Liebe @Abrissbirne :white_heart:, vielleicht ist diese Hälfte wesentlich größer als man denkt, wenn man nochmal genau hinschaut ohne die vielen Enttäuschungen durch andere und von sich selbst.

Hallo @neurospicy_22_26

Ich bin über die Autismusdiagnostik bei ADHS gelandet. Laut der Psychologin hat es nicht ganz zu Asperger gereicht - aber dafür zu einem glasklaren ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ.

Also mit toxischen Menschen komme ich auch nur äußerst schwer klar. Aber ich habe im Laufe der Zeit ein paar Skills entwickelt um es zumindest so weit auszuhalten, daß es mir langfristig keine Energie mehr abzieht.

  1. Nach Möglichkeit für Abstand sorgen. [Im häuslichen Bereich (wer mich kennt kennt auch meinen Schwiegerdrachen) helfen dabei ein paar gut sichtbare Webcams, die jede Übergriffigkeit 24/7 mitschneiden. Das hilft zumindest meistens).
  2. Toxische Gespräche umgehend verlassen oder nachdrücklich unterbinden.
  3. Störungen sofort ansprechen und Klärung suchen. Wenn das z.B. bei Kollegen, nicht fruchtet, dann umgehend direkt zum Chef. Merke: Klärung aufschieben potenziert nur das Problem.
  4. Die eigene Position ganz klar und unmißverständlich kommunizieren.
  5. In potenziell nervigen oder überfordernden Situationen (Supermarkt, Cafe, Badestrand, Maschinenlärm etc.) konsequent ANC-Kopfhörer tragen. Am besten noch mit Musik oder Podcast. Merke: Was ich nicht höre, geht mir auch nicht auf den Sack.
  6. Mit Freunden chatten oder hier in mein Tagebuch schreiben. Das nimmt Druck raus.

Hey, vielen vielen Dank fürs Teilen.

Auf toxische und manipulative Menschen reagiere ich auch sehr empfindlich und spüre das schon aus der Ferne.. da versuche ich auch Land zu gewinnen, aber manchmal kommt man im Zwangskontext Arbeit nicht weg und wenn man keine Rückendeckung hat oder sich nicht traut Grenzen zu verbalisieren, schwierig. Aber alles richtig und wichtig, was du benennst, um die Grenzüberschreitung zu begrenzen und das Verhalten aufzudecken.

Die Greyrock Methode hilft auch solchen Menschen nicht unnötig Grundlage zu liefern.

Alles Gute :four_leaf_clover:

Es ist ja ein Unterschied, wie man jemanden findet oder wie man sich verhält…

Ich meide Menschen, wenn es irgendwie geht…
Geht das nicht, reagiere ich schonmal präventiv allergisch…

Schlimm finde ich die Rechfertigungsschleifen, in die man geraten kann… Mein Mann beherrscht das perfekt, sich dem zu entziehen… Ich lerne das einfach nicht.