Keine Wirkung bei Elvanse 70mg

Moin
Das ist mein erster Beitrag hier und ich hoffe, dass das hier nicht falsch ist.
Ich habe vor ein paar Monaten meine ADHS Diagnose bekommen. Leider war der Arzt nicht wirklich auf ADHS spezialisiert (trotzdem Psychiater) und hat mir quasi einfach ohne große Worte die Meds mitgegeben. Zuerst habe ich Strattera ausprobiert und da habe ich nach einigen Wochen nur nen trockenen Mund gehabt. Ich habe dann Medikinet ausprobiert und da war definitiv etwas da, aber da mir nie richtig gesagt wurde, was ich überhaupt von den Medikamenten erwarten soll und die Wirkung tatsächlich bei maximaler Tagesdosis sehr schwach war, habe ich nach einer Alternative gefragt. Ich habe halt sehr viele Erfahrungsberichte auf Reddit und so gelesen und daher waren eventuell meine Ansprüche etwas zu hoch. Ich habe daraufhin Elvanse mitbekommen. Ich habe mit 30mg in der ersten Woche angefangen und dann war ich nach ca 2 Wochen auf 70mg. Ich habe tatsächlich keine Verbesserung der Symptomatik gespürt (auch nicht am Anfang). Den einzigen Effekt, den ich gespürt habe, war eine Verminderung des Appetits. Das ist bei mir garnicht so schlecht, trotzdem kam der nach ca 8 Stunden wieder. Ich habe generell das Gefühl, dass ich nicht sehr stark auf Stimulantien reagiere. Ich habe dazu meine eigenen Theorien (eventuelle Unterfunktion des Sympathikus, falsche Ernährung, zu wenig Schlaf), aber trotzdem habe ich mich entschieden, einen Termin bei einem Arzt zu machen, der sich tatsächlich auf ADHS im Erwachsenenalter spezialisiert und mir vielleicht, zusätzlich zu den Medikamenten, helfen kann.
Ich frage mich daher, ob ihr mir bei meinem Problem etwas helfen könnt und ob ich vielleicht nochmal ein Medikament mit Methylphenidat ausprobieren soll oder vielleicht Attentin mal probieren soll(obwohl sich das beim ersten Gespräch eventuell etwas komisch anhört)?
Ich hätte tatsächlich lieber ein Medikament ohne verzögerte Freisetzung oder keine Prodrug, damit ich die Wirkung besser steuern kann.
Ich würde mich über eventuelle Tipps oder eigene Erfahrungen freuen.
Danke :slight_smile:

Hallo und herzlichlich Willkommen an Bord!

So ein volles „Nonresponding“ auf alle dieser Wirkstoffe ist sicherlich höchst ungewöhnlich.
Da sollte eine Spezialistin ran.

Unabhängig von Medikation - Wie ist das mit Kaffee, Nikotin oder Alkohol - oder anderen „Wirkstoffen“, bist Du denn da auch ein „Nonresponder“ oder wirken die, wie sie sollen?


In Deinem Fall wäre ein Wirkstoff, der überhaupt mal wirkt, auch sicher nicht schlecht, oder? :mrgreen:

Was sind denn Deine Ansprüche?
Magst Du mal erzählen, wie sich Dein ADHS äußert und was Du denn erwartest?

Allerdings - so aus meiner Sicht, man möge mir widersprechen: 80 mg Elvanse würde man merken. Definitiv. Meine Einstiegsdosis lag bei unter 10 mg - und ich war schon hart überdosiert :lol:
Es könnte Dir evtl. auch für die Einordnung weiterhelfen, wenn Du Dich hier .B. durch einige Neuvorstellungs- oder Behandungs-Threads durchliest.

LG, Anna

Hi,

ich denke mal, am Besten wäre es, wenn du mal unretadiertes MPH ausprobieren würdest. Da merkt man nach 20-30 Minuten definitiv eine Wirkung. Außer man ist tatsächlich Non-Responder und genau dies könntest du damit herausfinden.

Bevor 2019 Elvanse bei einer erst im Erwachsenenalter gestellten ADHS-Diagnose das Mittel der 1. Wahl wurde, wurde man zuvor gemäß der Leitlinien mit unretadiertem MPH eingestellt bzw. wurde geschaut, ob das was bringt und erst dann bekam man Ritalin oder Medikinet, was ja auch MPH ist, aber eben retadiert und deshalb länger wirkt. Es ist wirklich so, dass man bei unretadiertem MPH eine Wirkung deutlich spürt.

Daher mein Rat: vielleicht erstmal unretadiertes MPH ausprobieren, um zu schauen, ob du wirklich ein Non-Responder bzgl. MPH bist. Daneben gäbe es dann zig Alternativen, mit denen ich mich aber nicht auskenne. Bei mir war es so, dass mein Arzt hier vor Ort nach meinem Umzug mich gleich damit nervte, mich auf Elvanse umzustellen, obwohl ich mit unretadiertem MPH und Ritalin ganz wunderbar eingestellt war. Ich habe mich dann „breit schlagen“ lassen und die einzige Wirkung, die ich nach 3 Wochen Elvanse noch hatte war, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Ansonsten verspürte ich mit Elvanse keinerlei Besserung der ADHS-Symptome.

Hast du ADS oder ADHS? Mein Eindruck ist, auch hier nach meiner Teilnahme in der virtuellen Selfthilfegruppe, dass die mit ohne „H“, also die ADSler von Elvanse sehr zu profitieren scheinen, die werden dann nämlich aktiver, wobei die ADHSler, also die Hyperaktiven unter uns, eher von MPH zu profitieren scheinen, weil uns das entspannter und damit ruhiger macht, aber in einem positiven Sinne.

Da ist eventuell was dran, obwohl wenn ich die Richtige Elvanse Dosis erwische bin ich tief entspannt. Aber ein mg. drüber und ich gehe an die Decke!
Ganz komisch ist, dass mich Attentin fast immer entspannt und eine eventuelle Überdosierung sich ganz anders anfühlt als bei Elvanse.

Danke für die schnellen Antworten
Ich habe wahrscheinlich den gemischten Typ von ADHS. Also sowohl Hyperaktivität, als auch Unaufmerksamkeit, wobei ich die Hyperaktivität teilweise ganz gut unter Kontrolle habe. Ich habe ja bereits MPH ausprobiert (Medikinet). Ich hatte da das Gefühl, dass ich quasi weniger denke und mein Kopf etwas stiller ist. Eine verbesserte Motivation hatte ich aber nicht. Daher wollte ich halt Elvanse ausprobieren. Das hatte bei mir ja wie gesagt keinen richtigen Effekt. Ganz erklären kann ich mir das nicht. Ich habe auch keine Toleranz oder generell eine Geschichte mit Drogen, obwohl ich natürlich schon reichlich Erfahrungen mit Alkohol gemacht habe und auch im Rahmen einiger OPs und Schlafproblemen mehrere, teilweise starke, Medikamente genommen habe. Die haben logischerweise alle funktioniert. Ich habe den Verdacht, dass bei meiner Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus etwas nicht stimmt und dass der Parasympathikus „dominanter“ ist. Das wurde wahrscheinlich durch eine OP ausgelöst und da gibt es auch einige Studien, die das bestätigen.
Ich denke, dass ich dann mal unretardiertes MPH ausprobiere und eventuell steigere ich mich etwas über die maximale Tagesdosis.
Noch ne andere Frage:
Kann man Attentin als Erwachsener eigentlich ohne Probleme bekommen und übernehmen das die gesetzlichen Krankenkassen?

Und noch bezogen auf die erste Frage. Ich habe noch nie wirklich Kaffee getrunken. Nikotin finde ich sehr entspannend. Ich rauche aber tatsächlich nur 1 Zigarre alle 1-2 Monate und Zigaretten nur bei sozialen Treffen. Alkohol wirkt bei mir auch recht normal, obwohl ich wahrscheinlich etwas mehr wegstecken kann als andere.

Lieber Theo und herzlich willkommen,

Attentin kann man als Erwachsener ohne Probleme bekommen, wenn der Arzt es verordnet. Aber in der Regel nicht auf Krankenkassenkosten, sondern auf Privatrezept, leider.

Eine Alternative wäre unretardiertes MPH. Das zahlt die Kasse zwar auch nicht, aber es ist billiger, in diesem Fall achte auf preiswerte Generika wie 1a oder Tad.

Magst du sagen, wie du auf deinen Nicknamen gekommen bist? Theo van Gogh war ja eine eher problematische Person, insbesondere was Antisemitismus betrifft.

Oder meinst du seinen gleichnamigen Vorfahren, den Bruder des Malers?

Ich glaube das kommt auf den Arzt an. Ich nehme nur Attentin, muss es aber nicht selbst zahlen.

Dass es im Kopf stiller ist, kann ich aufgrund meiner Erfahrungen mit MPH (unretadiert, Ritalin, Medikinet) definitiv auch bestätigen und fand die Leere im Kopf zum Teil echt gruselig. Mit Elvanse verspürte ich keinerlei Wirkung außer, dass ich nicht mehr schlafen konnte.

Ich bin auch ein „Mischtyp“ und gerade diese sollen es ja besonders schwer haben. :jammer

Ein guter Indikator für die Wirkung von MPH ist mE aber, wenn man weniger Verlangen nach Nikotin und kein Verlangen mehr nach Alk verspürt. So war es jedenfalls bei mir. Und das quasi sofort. Meine Ärztin verschrieb mir damals jedenfalls unretadiertes MPH und diese Wirkungen waren sofort da. Von daher: ja, probiere das mal aus.

Sorry, wenn ich da jetzt einfach so reinplatze. Aber vielleicht interessiert es den Fragesteller ja auch:

Weiss das eventuell jemand?:
Wenn typische Symptome einer Überdosierung auftreten, kann man dann ausschliessen, dass man Non-Responser ist?

@tosh Immerhin weiß ich jetzt, dass ich das nicht als einziger so verspüre. Ich denke, ich werde einfach rumprobieren müssen. Darf ich fragen, was du momentan nimmst?

Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass den hier jemand kennt… Ich denke, dass wir beide hier keine Diskussion anfangen wollen und ich stimme dir bei deinen Aussagen zu 100% zu. Er war halt sehr provokativ und hat auch viel Scheiße gelabert, trotzdem finde ich, dass Teile seiner Arbeit und die daraus entstandenen Folgen schon eine wichtige Warnung sind und er das, egal was für ein Arschloch er tatsächlich war, so ein Ende auf keinen Fall verdient hat. Aber wie gesagt, ich ändere meinen Namen gerne, wenn das hier als zu politisch gesehen wird. Das hat hier natürlich nichts zu suchen.

Ich kann dir das zwar nicht direkt beantworten, aber ich habe einmal (aus Verzweiflung) 210mg Elvanse genommen. Ich hab mir dabei nicht wirklich was gedacht und da es bei mir bisher keine Wirkung gezeigt hat (bei 70mg), wollte ich es einfach mal ausprobieren. Ich kann nicht beurteilen, ob die hohe Dosis bei meinen Symptomen geholfen hat, da ich im Bett lag, aber irgendwann habe ich starke Nebenwirkungen gespürt. Verschwommene Sicht, hoher Puls, Schwindel, große Pupillen, Panik und ich hatte Probleme, mich überhaupt bei Bewusstsein zu halten. Ich bin mehrmals fast ohnmächtig geworden und konnte nicht gerade gehen. Das ging so für ne Stunde und war tatsächlich nicht so angenehm xD. Hätte ich mir wahrscheinlich auch vorher denken können, aber manchmal lernt man halt nur durch so etwas.

70mg wirkten bei mir von Anfang an überhaupt nicht und ich denke, dass wenn man genug einnimmt, auch Non-Responder die Nebenwirkungen genießen dürfen. Ich werde aber erstmal andere Medikamente ausprobieren.
Vielleicht hast du das ja so ähnlich erlebt und das hilft dir etwas. :slight_smile:

Edit: Ich merke gerade, dass sich deine Frage auf MPH bezogen hat…

Was genau willst Du denn erreichen - wo liegt denn Dein Problem genau?

Die Wirkung kann man nicht immer sofort abschätzen. Meiner Erfahrung nach tritt die Wirkung „irgendwo“ an - und von dort aus wird das Knäuel entwirrt. Wenns gut läuft.
Motivation kommt evtl. erst nach längerer Zeit. Man darf Motivation auch nicht mit „Getriebensein“ verwechseln. Bei manchen ist vielleicht auch ersteinmal Erholung angesagt (weil endlich mal Ruhe ist) - da sollte man nicht gegenan medikamentieren.

Du wirst Deine Kombination aus Medikation und weiteren Maßnahmen finden müssen. So lang hochzudosieren, bis Du genügend Antrieb hast, das ist m.E. missbräuchlich.

Wie lief denn Deine Ausprobierphase so ab - wie lang hast Du was und wieviel davon genommen?
Also wie lang ging das mit mph?
Mit wieviel hast Du angefangen - und wie lange bist Du jeweils bei der Dosis geblieben?

Ich habe wahrscheinlich etwas zu schnell hochdosiert. Leider war meine Ärztin nicht wirklich auf ADHS spezialisiert und ich wusste nicht wirklich, was ich erwarten soll. Daher bin ich auch ziemlich zügig auf die nächst höhere Dosis gegangen, wenn ich nichts gespürt habe. Ich war sowohl bei Medikinet, als auch bei Vyvanse nach einer Woche auf der maximalen Tagesdosis. Bei beiden Medikamenten hatte ich keine Nebenwirkungen (bis auf den unten genannten Ausrutscher…).
Ich wusste halt nicht wirklich, wie es sich anfühlt, wenn die Meds wirken (und weiß es momentan auch nicht wirklich).
Ich werde aber beim nächsten Medikament langsamer hochdosieren und die Wirkung etwas genauer überprüfen.
Wie schnell würdest du denn hochdosieren?
Ich habe hier bei den Dosierungsinfos auch gesehen, dass man eventuell noch langsamer hochdosieren soll, als der Arzt es einem vorschreibt. Was ist denn genau der Grund dafür? Ich ging immer davon aus, dass Stimulanzien nicht erst über mehrere Tage/Woche einen Spiegel aufbauen müssen.

Zu meinem Ziel:
Ich habe große Probleme mit Prokrastination/Motivation und Konzentration. Mir fällt es sehr schwer, gerade bei etwas aufwändigeren Aufgaben, bei der Sache zu bleiben und mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Ich würde es daher gerne schaffen, mich früh genug an ne Aufgabe zu setzen und da dann auch länger als 5 Minuten dran zu bleiben…

Nun gut, aber die Umsetzung liegt auch mit Medi ja trotzdem bei dir. :wink:

Ich hatte mir vor der Diagnose eine ellenlange Liste mit meinen Problemen gemacht und mir dann über Monate täglich die Dosis notiert. Verbesserungen kamen sehr schnell - schon ab dem 1. Tag. Die Wirkung kann ich z.B. auch an meiner Handschrift sehen, die deutlich besser ist mit Medi.

Meine private Theorie: wenn man schon etwas länger mit diesem Hirn rumläuft, dann braucht die Umstellung zurück wieder länger.
Das ist ja nicht nur die direkte Wirkung, sondern auch eine Anpassungleistung. Man kann häufig - je nachdem, wie ADHS so gelagert ist, das ist eben sehr individuell - nicht trennen zwischen ADHS-Symptomen und Symptomen von Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten, wie Angst, Prokrastination etc.
Man muss sich da selbst auf die Spur kommen.

Es geht nicht darum einen Spiegel aufzubauen, sondern den Körper langsam an eine tägliche Dosis zu gewöhnen und vorsichtig die passende Dosis zu finden.
Ich hatte damals mit 5mg Medikinet Adult angefangen und in 5er Schritten wochenweise dann hochdosiert und immer zunächst Nebenwirkungen.
10mg/10mg/10mg bin ich geendet.

Bei mir wäre jeder höhere oder schnellere Versuch zu viel gewesen.
Elvanse bin ich zu erst auch zu schnell und dann noch mal langsam hochdosiert.

In einer akuten PTBS Phase kam ich 1x mit Elvanse und 1x Medikinet nicht so gut klar. Hatte versucht das mit höherer oder niedriger Dosis aufzufangen und mein Arzt hat mir dann einen Dosierungsplan gegeben wo ich mich dran halten sollte und dann wieder langsam wöchentlich aufdosiert.