Könnt ihr die innere Unruhe konkret beschreiben?

Hallo,

Ich hab so viel vor und bin doch so ablenkbar. Kaum hab ich dann endlich was angefangen, muss ich schon wieder los. Frustrierend.

Wenn ich ein innerliches, scheinbar schlecht lösbares Problem habe, geht es mir sehr schlecht. Unruhe, will mich ablenken.

Liebeskummer tötet mich gefühlt beinahe jedesmal.
Innerliche Anspannung. Schlechtes Gefühl.

Ich denke gern nach. Den ganzen Tag läuft in meinem Kopf irgendein Film. Abwesend.

Schlafstörungen wenn mich was aufregt oder beschäftigt.

Werde oft mißverstanden weil ich nicht non stop präsent sein kann wegen schlecht unterscheidbaren Geräuschen in überfüllten Räumen. Hauptgespräch nicht unterscheidbar von anderen Gesprächen. Konzentrationsprobleme bei Laustärke.

Und sehr viel mehr.

Ich bin innerlich immer unter Strom. Kann nie den Moment genießen.

Mein Gehirn läuft mit 45 rpm, während das anderer Menschen mit unerträglich langsamen 33 rpm läuft. Bei Sprachnachrichten, Podcasts, Filmen etc. erhöhe ich daher oft die Geschwindigkeit.

Texte kann ich nicht richtig lesen, sondern nur überfliegen, grob abscannen. Bei den hier teilweise sehr langen Beiträgen bin ich schon genervt, wenn ich nur die Länge des Textes sehe (sorry, bitte fasst euch kurz :pray:).

Oh wow, tut echt gut eure Schilderungen zu lesen. Kann so vieles unterschreiben. Dieser ewige, unauflösliche Kampf im Kopf zwischen „tu doch was!“ und „ruh dich mal aus!“. Das unvermittelte Aufwachen am frühen Morgen mit rasenden Gedanken, was heute alles zu tun ist, was ich nicht vergessen darf usw. Die repetitiven Selbstgespräche im Kopf oder das gedankliche Austragen von Gesprächen/Konflikten mit anderen Menschen. Die immer selben 2, 3 Takte eines beliebigen Liedes, die sich unaufhörlich ins Gehirn hämmern, wenn man eigentlich nur mal entspannen will. Die plötzlichen Anflüge von Stress und das Herzrasen, wenn man an den nächsten Arbeitstag denkt: hab ich eh alles vorbereitet, eh nix vergessen, werd ich dieses oder jenes hinbekommen?

Seit diesem Jahr habe ich mit 35J. endlich die Diagnose und nehme seit ca. 2 Monaten Atomoxetin. Wenn auch nicht alle Probleme damit gelöst sind, diese innere Unruhe, der permanente Stresslevel haben massiv nachgelassen! Welch Erleichterung! Kann Abends ohne Gedankenkarussel einschlafen, habe nicht die ständigen Selbstzweifel und kann generell eher im Moment sein.

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Sehr gut beschrieben!!!
Genau so ist das! :+1::hugs::scream:

Gratuliere!
Hilft das auch gegen Rejection Sensitive Dysphoria?
Warum kein First-Line-Medikament?

Besonders das wiederkäuen von gehabten Gesprächen, das nicht davon loskommen ist übel.
Ansonsten habe ich immer das Gefühl, gleich passiert was ganz schlimmes (weil ich was vergessen habe??).

Danke :slight_smile: Bezüglich RSD: hatte das glaub ich generell nicht soo stark ausgeprägt. Sehrwohl aber in der Beziehung mit meiner Partnerin. Und da hab ich schon das Gefühl, dass ich seit Beginn der Medikation gelassener auf Kritik reagiere, und nicht mehr komplett in ein Loch falle und mir einrede, dass ich alles falsch mache.

Zur 2. Frage: ich glaub, meine Psychiaterin verschreibt einfach nicht so gerne BTM. War anfänglich enttäuscht, kein Mph zu bekommen. Mittlerweile bin ich aber ganz zufrieden wie es läuft mit Atomoxetin :slight_smile:

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Darf ich dich hierzu mal was fragen?
Mir wurde vor ca 2 Monaten von einer Neurologin mitgeteilt (bin gerade auf der Suche nach einem Arzt, der mir ADHS Medikamente verschreibt), dass Atomoxetin prinzipiell auch von „normalen“ Ärzten verschrieben werden könnte, es hier ìn DE aber gerade einen Mangel auf dem Markt gäbe.

Wurde das bei dir auch mal erwähnt?
Und wie lange hat es gebraucht, bis du einen Effekt gespürt hast?

Wie lange nimmst du es denn schon?
Strattera klingt ja wie eine Eissorte und Atomoxetin wie ein Bauteil einer Taktischen Nuklear-Fernlenkwaffe… :smile:

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Alles trifft auf mich zu
Deine Schilderungen beschreiben mich zu 100%.
Habe seit 2 Monaten den Verdacht+Hyperfokus auf AdHs.
Bin aber nicht diagnostiziert- noch nicht- weiß nicht ob ichs machen sollte?
Bzw. ob ich mir alles nur einbilde? :melting_face:

Die Diagnose würde mir wahrscheinlich vieles erklären was mir bisher Probleme bereitet hat :thinking:

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Mach, dieses hin und her zerdenken kostet häufig bloß zusätzlich Energie, die du eigentlich gar nicht hast.

Es ist inzwischen sicherlich sehr schwierig, oder auch teuer geworden, einen Platz zur Diagnostik zu ergattern.

Der erste Schritt ist ja häufig am schwierigsten, aber ohne Überwindung geht es nicht und du verbleibst im Ungewissen.

Egal wie lang dir Wartelisten erscheinen, solltest du die Möglichkeit haben, spring auf.

Leidensdruck ist 'ne B*tch, kommt schleichend, um zu bleiben und allein, das du hier hin gefunden hast…passiert ja auch nicht einfach so.

Der Weg ist kein Spaziergang, aber das hast du sicher schon bemerkt, wenn du hier in die unterschiedlichsten Lebens- und Leidensgeschichten abgetaucht bist.
:four_leaf_clover:
So, let’s go, Ärmel hoch, vielleicht ein paar kleine feine Selbstgespräche, die Tests auf adxs.org mal durchgespielt, falls du das nicht ohnehin bereits gemacht hast…

Dann folgt Fleißarbeit und Geduld, sind nicht unbedingt immer Kernkompetenzen, aber ohne geht es leider nicht.

Alles Gute
:adxs_daumen:
Schaffst du…

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Nimmst du Medis und helfen die dir dabei nicht?