Logorrhoe bei ADS

Hallo liebes Forum,

ich wende mich speziell an Leute, die selbst an Logorrhoe leiden. Ich möchte das ein bisschen besser verstehen.
Es geht um meine Mutter. Die redet ungelogen ununterbrochen über Stunden hinweg und jedes Wortschnipselchen, dass man von sich gibt, dient ihr als Aufhänger für einen neuen, endlos langen Monolog.
Ich fühle mich dann immer wie erschlagen, ich finde keinen Raum mehr für mich, ich habe keine Möglichkeit mehr, mich selbst zu fühlen.
Ich bin nur ab und an zu Besuch, aber das letzte Weihnachtsfest war so schlimm durch dieses ununterbrochene verbale Bombardement, dass ich tatsächlich nach 3 Tagen psychisch völlig im Eimer war und ich eine saubere Depression abgerutscht bin.

Jeden Hinweis, dass es für uns Kinder enorm anstrengend ist, wenn sie ohne Unterlass auf uns einredet, ignoriert sie oder sie redet dann extra, quasi jetzt erst recht, weiter.

Gibt es hier jemanden, der auch von Logorrhoe betroffen ist? Registriert man als Betroffener nicht, wie belastend das für die Mitmenschen ist?
Merkt man überhaupt selbst, dass man tatsächlich ununterbrochen, also über Stunden hinweg, redet?
Wird es einem denn überhaupt bewusst, dass sich alle anderen im Raum mehr oder weniger wegducken und schweigen, aus Angst, dass jedes einzige Wort einen neuen Wortschwall provoziert?
Wie groß ist der Leidensdruck als Betroffener?

Viele Grüße von Hund und mir

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Hallo HundundIch,

das ist ja mal ein interessantes Thema. Mit der Begrifflichkeit der Logorrhoe bin ich bisher noch nicht in Berührung gekommen, aber laut Wikipedia kann es ja durchaus unterschiedliche Ursachen haben.
Seit wann hat deine Mutter denn dieses Phänomen und wie genau äußert es sich? Kannst du bitte mal Beispiele nennen? Ich meine, du schreibst ja, dass jeder Wortschnipsel als Aufhänger dient, aber auch wenn ihr euch über banale Dinge, wie zum Beispiel das Wetter unterhaltet? Oder sind das eher belastende Themen?

Von mir selber kenne ich das leider auch, aber so richtige Wortschwalle, in denen ich wirklich nicht mehr aufhören kann zu reden erlebe ich nur wenn es mir psychisch unheimlich schlecht geht und diese enden dann in einem Nervenzusammenbruch, nach dem ich dann aber erstmal gar nicht mehr so richtig sprechen kann.
Es fühlt sich auch nicht gut an, ich sehe ja meinem Gegenüber seine „Verzweiflung“ an, aber die Gedanken, die meistens im Vorfeld an solche „Attacken“ durch mein Hirn rasen, werden plötzlich zur Sprache.
Und dann rede ich Quatsch und der Quatsch muss dann erklärt werden, was dann in einen Teufelskreis aus ausgesprochenen Gedankensalat ausartet.

Allerdings kommt das so häufig nicht vor und auch nur im „Geschützen“ Rahmen. Bei deiner Mum ist das ein Dauerzustand? LG

Puh, sorry, jetzt hat mich das Thema aber gepackt.
Ich bin echt gespannt auf eure antworten. Denn was mich jetzt brennen interessiert, ist ab wann der Sprechdurchfall denn nun anfängt. Also das ADHS-typisches Symtom keinen Punkt zu finden kenne ich durchaus, zum Beispiel wenn ich auf der Arbeit bin und mich jemand was fragt dann rede ich manchmal auch erstmal ziemlich viel bis ich den Faden gefunden habe.
Je nach „Reiz-Zustand“ falle ich anderen auch schonmal ins Wort, oder beende Sätze des anderen, weil ich (meine dass ich) weiss, was mein Gegenüber sagen möchte… ich mische mich, was mir am unangenehmsten ist, auch manchmal in Gespräche ein und mich überfällt dann während ich spreche auch gerne mal das Schammonster. Aber das habe ich meistens im Griff.

Ich bin irgendwie entweder so, oder so. Richtig still oder ich rede rede rede… Aber wenn mir - meistens mein Partner- sagt, ich soll mal bitte aufhören ihn zuzutexten, dann gelingt es mir oft mit Ablenkung. Wenn ich selber merke, dass ich mich nicht ablenken kann, muss ich den Raum verlassen, weil ich sonst wie ein Kleinkind werde, und das ist mir dann selber auch zu blöd…

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Hallo ihr beiden, spannendes Thema! Das Wort kannte ich bislang garnicht, fühlt sich für mich aber ziemlich vertraut an. Ich bin ehrlich, ich kann das auch sehr gut, ohne Punkt und Komma reden. Mein Partner kommentiert dann immer amüsiert „du musst ja irgendwie auf deine 300.000 Wörter täglich kommen“. Dann merke ich, ups, war wieder bisserl viel, kann es aber oft nicht mehr richtig stoppen. Ich merke dann auch ein regelrechtes Themen- Hopping, quasi vom Hölzchen aufs Stöckchen und ohne Punkt und Komma. Dieses Power-quasseln ist typisch Adhs, so mein Eindruck. @Hundundich tritt das Thema bei deiner Mutter voranging zu Weihnachten auf? Ist sie ggf aufgeregt euch alle zu sehen und freut sich? Hat sie sonst eventuell im Alltag kaum Möglichkeiten sich mitzuteilen?
Liebe Grüße + schönen 3. Advent für euch

@HundUndIch

Hallo!

Ich hatte letztens eine Patientin, die war so drauf. Ununterbrochen geredet, kein Wort hatte Bedeutung oder Nachklang. Wie auch, ist ja kein Platz dafür.

Die hat mir alles erzählt. Ich musste ihr so oft ins Wort fallen. Sonst wär ich zu nichts gekommen.

„Ja, und sonntags, da schnapp ich mir die Zeitung, und geh sonst immer in die Kantine…aber-“ Ich: „Machen sie mal den Oberkörper frei.“
Sie: „Aber geht ja nicht, wegen Corona. Furchtbar. Dabei geh ich so gerne da hin. Ich mag es, wenn Leute um mich rum sind.“ Ich:" Maske wechseln bitte."
Sie: " Ich bin so ein aufgedrehter Typ, immer aktiv, muss immer was machen, gestern hab ich-…"
Ich: „Jetzt bitte auf den Untersuchungstisch legen, Kopf nach unten.“

So ging das die ganze Zeit. Echt anstrengend. Und das waren vllt insgesamt nur 40 Minuten mit ihr.
Sowas strengt mich an und ich bin auch ehrlich: es nervt mich und ich versuche solche Leute schnell wieder loszuwerden. Ging meinen anderen Kollegen aber auch ähnlich. Alles natürlich respektvoll und höflich, aber eben mit Nachdruck.

Was ich dabei interessant finde: die müssen doch merken, dass es einem nicht interessiert und sie reden trotzdem weiter.
Ein richtiges Gespräch ist also gar nicht deren Ziel.

Ob das nun ADHS typisch ist? Viel reden ist auch eine Möglichkeit, überschüssige Energie loszuwerden.
Kann aber auch andere Gründe haben.

Mein Freund sagt, dass ich teilweise viel rede bzw gelegentlich Laberflashs habe.
Aber das ist immer nur kurz. Danach bin ich meist wieder in mich gekehrt.

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Guten Morgen,

erst Mal Danke für eure Antworten!

@Neinhorn:
Wir Kinder sind uns tatsächlich nicht sicher, ob das schon immer so war und es uns, als wir noch zuhause gewohnt haben, einfach als normal vorkam, oder ob es erst in den letzten Jahren so extrem geworden ist. Sie hat aber tatsächlich schon immer wahnsinnig viel geplappert.
Die Wortschnipsel dienen ihr als Aufhänger für ALLE Themen: egal, ob es nur ums Wetter geht oder die Farbe vom neuen Auto der Nachbarn oder um soziale Ungerechtigkeit oder den Weltfrieden. Ein kurzer Satz ("…rot sieht man wenigstens gut bei schlechtem Wetter…") und sie redet und redet und bügelt uns alle nieder. Niemand möchte mehr was sagen.
Bei meiner Mum ist das ein Dauerzustand. Die Frage hat ja auch @Lea gestellt: es ist nicht nur zu Weihnachten so, sondern das ist tatsächlich „ganz normal“. Und es hat, so wie ich das beobachte, wenig mit ihrer psychischen Verfassung zu tun. Eher ist es so, dass sie, je besser es ihr geht, umso mehr plappert.
Also die genaue Definition, ab wann man von Sprechdurchfall redet, die weiß ich leider auch nicht. Jedenfalls, sobald es sich um zusammenhangloses vor sich hin Gerede handelt. Das ist jetzt nicht der Fall, sie redet also nicht „wie im Wahn“ vor sich hin, aber die kann wirklich und ungelogen 3 Stunden am Stück dauertexten. Zu ganz extremen Zeiten hat sie sich, wenn man sich mal kurz aufs Klo verzogen hat, sogar vor die Badezimmertür gestellt und weitergeredet.
@Lea es ist vielleicht so ähnlich wie bei dir? Vom Hölzchen aufs Stöckchen… aber du kannst Kritik annehmen? Das kann meine Mum nicht, die fühlt sich dann gekränkt und legt dann extra noch einen drauf.
Ob sie sonst Möglichkeiten hat, sich mitzuteilen, kann ich nicht sagen. Sie ist ziemlich aktiv, unternimmt viel, hat über einen Verein einen großen Bekanntenkreis. Ich weiß allerdings nicht, ob sie da auch so viel redet. Wenn nämlich jemand da ist, der ein gesundes Selbstvertrauen hat, dann ist meine Mum schnell eingeschüchtert und wird ganz still. Kann also sein, dass sie sonst als eher ruhiger Mensch wahrgenommen wird und nur bei uns die Zügel fallen lässt…

Seit dem letzten Besuch an Weihnachten vor 2 Jahren habe ich so gut wie keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter. Ich drück mich regelrecht. Ich ruf nicht mal mehr an. Ich fand das so schlimm, ich möchte mir das nicht mehr antun. Wenn ich auch nur einen einzigen eigenen Gedanken fassen wollte, konnte mich wirklich nur unter dem Vorwand, müde zu sein, tagsüber ins Bett verziehen. Spazierengehen oder Nachmittags mal ins Café war auch keine Lösung, da wollte sie immer mitkommen. Keine Fluchtmöglichkeit. Wie gefangen im Kosmos meiner Mum. Und da dreht sich scheinbar alles nur um sie. Ich glaube, sie ist nicht in der Lage, wahrzunehmen, dass andere Menschen auch ein eigenes Leben haben.

Aber auf der anderen Seite ist das doch auch keine Lösung, Kontaktabbruch. Bin auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie man ihr schonend beibringen kann, dass dieses Dauergeplapper eine echte Belastung für ihre Mitmenschen darstellt.

Viele Grüße und vergesst mir ja nicht, das 3. Kerzchen anzuzünden.
Macht es nicht wie ich. Ich hab gleich den kompletten Advent verschwitzt und überhaupt keine Kerzen im Haus… :roll_eyes:

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@Irrlicht: genauso! Genau so ist das. Es ist, als würde sie jeden Gedanken, der ihr durchs Hirn schießt, umgehen verbalisieren. Es geht ihr wirklich nicht um ein Gespräch. Sie führt Monologe.
Und das den GANZEN TAG. Wie gesagt, nach 3 oder 4 Tagen war ich komplett fertig. Als ich wieder zuhause war, habe ich, glaub ich, eine Woche lang geschwiegen.
Ich habe eine Bekannte, die redet auch ohne Punkt und Komma (ADHS), aber die kann man unterbrechen. Die hat mal meine Mutter kennengelernt und sogar DIE ist ins Schweigen verfallen und war danach fix und alle.
Ich frag mich halt, ob das schon pathologisch ist.

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Liebe @HundUndIch ,
Bei mir persönlich ist es so, wenn z. B. mein Partner immer ruhiger wird, während ich munter weiter plappere, dann ist das mein Signal zu stoppen. Ich spüre also deutlich, oh weh, war wieder zu viel für die anderen. Allerdings muss ich sagen, mein Redefluss ist am größten, wenn es mir blendend geht. Vielleicht ist es bei deiner Mutter auch so? Dass sie sich freut und dann kann sie sich nicht mehr bremsen? Vielleicht ist es ja hilfreich, dass ihr euch alle an den runden Tisch setzt und eine neutrale Person, z.B. ein Freund der Familie, Nachbar oder so eine Ansprache zu dem Thema moderiert, so dass ihr eurer Mutter spiegeln könnt wie es auf euch wirkt, ohne dass sie verletzt reagiert. Mein Eindruck ist, Rückzug macht es noch schlimmer. Und - ich spreche da nur von mir - man hat ja nur eine Mutter und später bereut man, wenn man sich nicht ausspricht und es läuft einem nach. Meine Mutter ist vor 3 Jahren verstorben und manche Themen hätte ich, retrospektiv betrachtet,
besser auch ansprechen sollen. Versuch mal mit Unterstützung von anderen das Thema anzusprechen. Ist sicherlich schwer, aber ihr werdet euch danach bestimmt besser fühlen. Ich drücke dir fest die Daumen…schönen 3. Advent wünsche ich dir

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Vielleicht streichst Du einfach das „schonend“. Das schont dafür Deine Nerven.
Sie sagt mit vielen Worten wenig, Du konzentrierst Deine dafür auf die Essenz.
Quit…

Na gut - jetzt ernsthaft:

Du kannst ihr beschreiben, wie es Dir geht, wenn Sie so viel redet und Dir nicht zuhört, was ja die logische Folge ist.
Z.B. dass Du das respektlos findest (falls das so ist).

Es bedeutet: erzähl wirklich, wie es Dir geht. Bleib bei Dir.
Weise ihrem Handeln keine Motive zu.
Insbesondere: unterstelle ihr keine Absicht (im Beispiel von oben wäre es: der Respektlosigkeit). Jede Motivunterstellung ist ein Angriff.
Aber Du kannst ihr sagen, wie es sich für Dich anfühlt, dass Du Dich (z.B.) nicht respektiert fühlst.

Ach ja, und: lass Dich nicht unterbrechen :wink:

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Genau das scheint mir das Problem zu sein: Durchkommen :thinking: Ich mache derartige Dinge schriftlich. Das hat bei mir noch andere Gründe, aber in diesem Fall würde ich das alleine schon wegen der konkreten zu thematisierenden Problematik in Erwägung ziehen.

Zur Logorrhoe an sich: Ich neige bei starker Aufregung manchmal auch dazu (aber nicht ansatzweise in der hier beschriebenen Form :no_mouth:). In der Vergangenheit habe ich das allerdings sehr exzessiv mit meiner Mutter und auch mit meinem Vater gemacht, vor meinem Kontaktabbruch. Mein Problem war, dass ich nicht wusste, wie ich mit ihr / ihm umgehen sollte: Mit der (seit Jahrzehnten immer und immer wieder erlebten) Unmöglichkeit, ein aufrichtiges Gespräch mit ihnen zu führen, weil sie sich seit ich sie kenne komplett verweigern, Dinge zu sehen und zu hören, die sie nicht sehen und hören wollen. Dinge, die offensichtlich sind, aber die „nicht da sind“, solange man nicht darüber redet (nicht!!). Da ich auch lange nicht im Stande war, den Kontakt abzubrechen, habe ich quasi dauergetextet, um irgendwie meine Gedanken und Gefühle zu betäuben, sei es bei den regelmäßigen Pflichtanrufen, sei es bei den Besuchen. Es war auch für mich unerträglich, aber ich wollte auch nichts von ihnen hören, das fühlte sich alles so falsch an: So tun, als ob alles normal und in Ordnung wäre, so wie mein Leben lang in dieser Familie, wo doch einfach alles falsch war.
Ich glaube, was ich damit sagen will, ist, dass es vielleicht sehr verschiedene Gründe und Ursachen für das Dauerquasseln geben kann :thinking:

Ich wünsche dir @HundUndIch, dass du einen für dich guten Weg aus dieser sehr leidvollen Situation finden kannst…!

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Also ich kenne das Phänomän auch.
Bei einem Freund, der Narzisstisch war, kam ich auch nicht zu Wort. Daher habe ich mir angewöhnt (oder ist das ADS?) möglichst schnell Sprechpausen zu nutzen, um meinen Part zu sagen.
Doch entweder kam nur ein „Falsch!“ oder der Monolog ging weiter.
Ich habe schon öfter dann gebrüllt: Halt doch mal deine Fresse!", weil ich so Aggressiv wurde, einfach überbügelt zu werden.
Kurzes Erstaunen des anderen und der Sermon ging weiter.
Was mir noch auffiel, der Gesprächspartner hörte mich garnicht und wenn doch, war er prinzipiell anderer Meinung.
Aber dieser „Freund“ hatte auch zu jedem Thema was zu sagen, Meister in allem.
Vielleicht steckt dahinter, die Angst nicht beachtet zu werden.
Da hilft nux anderes als sich abzugrenzen. Entweder innerlich auf Durchzug oder durch permanentes STOPP sagen. „Was ich noch zum Thema…“ -Stopp!
Ich in meinem Fall habe die Beziehung abgebrochen, weil ich mich sowieso nicht Wahrgenommen fühlte und sich nichts änderte.
Ich bin doch kein Spiegel ohne eigenen Inhalt!
Das ist aber eine Erfahrung mit einem Narzissten.
Ich unterbreche ja auch gern, nur ich entschuldig mich dann gleich, wegen meiner Ungeduld und weil ich in Gedanken schon drei Schritte weiter bin.
Und ich nehme auch das gesagte wahr, es ist trotzdem ein Dialog.
Das ist der Unterschied.

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Nee. Die merken das nicht. Das ist ja gerade der Punkt. Fehlende Fähigkeit, Situationen einzuschätzen.

Manchen mag es sicherlich auch egal sein. Aber versuch mal, ihnen zu sagen, daß sie dir echt auf die Nüsse gehen. Ich glaube, da werden die ernsthaft getroffen sein.

worte wie Pflichtbesuch, emotionale manipulation, toxische Famile, „der oder die ist halt einfach bekloppt“, weigerung Fakten anzuerkennen (wie daß ich adhs hab - und daß dies wahrscheinlich der grund für das toxische verhalten aller Familienmitglieder ist)

also diese worte fallen mir seit meiner diagnose im frühling auch ein.

Vorher sah ich das alles nicht. da gingen mir meine eltern einfach auf die ketten, aber ich wußte nicht weshalb.

besonders meine needy Mutter, die es so dreht als seien meine geschwister und ich die eltern und sie das kind, also das raubt mir echt die energie für mein eigenes leben. ganz schlimm sowas. ich sah es vorher nicht.

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War der Narzisst diagnostiziert? ich habe meine freundin immer unterbrochen. sie war mir sehr sehr böse. Sie glaubte, ich sei Bipolar. Naja.

Hallo HundUndIch,

Wahnsinn! Das hätte Eins zu Eins ich schreiben können! :scream:
Bei mir ist es ebenfalls meine Mutter (inzwischen über 80). Haargenau wie Du es beschreibst, erleben wir, meine Familie und ich, es. Meine Mutter zeigt seit Jahrzehnten genau so ein Verhalten: nicht enden wollende Redeschwalle, Themen quer Beet, teilweise haarsträubend, meistens jedoch schlichtweg völlig nervtötend uninteressant für alle „Zwangszuhörer“ (Biographiefetzen aus dem Leben irgendwelcher Literaten, Komponisten, Schauspieler, die neusten Gerüchte, Rezepte - die sie freilich nie angewandt hat, denn gekocht hat sie so gut wie nie, das Wetter, die Nachrichte, usw., usf.).
Ich fühlte mich dadurch irgendwann dermaßen gefoltert, dass ich es ihr tatsächlich völlig unverblümt gesagt habe. Es ist jetzt besser geworden, wenngleich sie noch immer gerne jede Gelegenheit nutzt (z.B. wenn Besuch da ist), uns alle an jedem ihrer Gedanken und bahnbrechenden Erkenntnisse teilhaben zu lassen. Wahrscheinlich liest sich meine Beschreibung jetzt ziemlich sarkastisch und womöglich sogar herzlos. Für meine eigene Psyche und die psychische Gesundheit meiner Familie war es in meinen Augen jedoch unumgänglich ihr klar zu machen, dass unsere Ohren keine Mülleimer sind. Sie lebt bei uns und wir pflegen sie. Dezente und auch weniger dezente Hinweise hat sie gekonnt ignoriert, so blieb mir meiner Meinung nach nur die deutliche Ansprache.
Die Geschichte mit meiner Mutter ist noch wesentlich komplizierter aber das führt hier zu weit. Es tut mir leid, dass ich Deine Fragen nicht beantworten kann aber ich bin beim Lesen Deines Beitrags fast vom Stuhl gefallen, weil Du haargenau beschreibst was wir hier täglich erlebt haben. Es ist vermutlich nicht tröstlich aber: Du bist nicht alleine mit dieser Belastung.

Liebe Grüße!

P.S.: inzwischen drängt sich mir der sehr starke Verdacht auf, dass meine Mutter ebenfalls Ad(h)s hat. Es wurde nie diagnostiziert. Sie ist aber sehr eindeutig mindestens bipolar - ihre Stimmung wechselt teilweise sekündlich, das ist keine Übertreibung.

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Wow, @HundUndIch Du tust mir echt leid, vererbt sich das eigentlich nicht weiter?.

Das ist aber eher untypisch für Bipolar, selbst beim rapid cycling sind es, soweit ich weiss, Phasen, die durchlaufen werden… oder ?

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Hallo UlBre,

Du meinst, dass der extrem schnelle Stimmungswechsel untypisch für die bipolare Störung ist? Ich bin ja nur Laie, habe ihre Befindlichkeiten und Verhaltensmuster jedoch im Laufe der Jahre unterschiedlichen Ärzten gegenüber geschildert und stets die Antwort „bipolar“ bekommen.
Für Ad(h)s spricht bei ihr jedenfalls: mangelnde Impulskontrolle, Aufmerksamkeitsdefizit, kein reguläres Arbeitsverhältnis ab dem Alter von ca. 26 Jahren (später hat sie privat Unterricht gegeben), massive Schlafstörungen, übermäßiges Redebedürfnis, Minderwertigkeitskomplexe, negativer Hyperfokus …
Sie hortet auch seit Jahrzehnten zwanghaft - inwieweit man das mit Ad(h)s in Zusammenhang bringen kann, weiß ich nicht.
Ihre Stimmungswechsel sehen so aus, dass sie eben noch „normal“ drauf sein kann und im nächsten Moment eine richtig miese Laune verbreiten kann oder niedergeschlagen wirkt oder völlig „drüber“ ist. In unseren Augen gibt es dafür keinen greifbaren Auslöser.
Depressive Verstimmungen hat sie phasenweise ebenfalls, die dauern dann auch manchmal länger an.

Logorrhoe gehört meines Wissens nach zu den Symptomen von Adhs, wird eindeutig dazu gezählt.

Man kennt ja die Beschreibung von Adhs Kindern, die in der Schule nicht still sitzen können, dauernd dazwischen quatschen, anderen ins Wort fallen, andere nicht ausreden lassen, ewige Monologe führen, nicht zuhören können, keine andere Meinung gelten lassen, schnell ausrasten, andere körperlich und verbal angreifen, selbst mobben, oder von anderen gemobbt werden, eben klassische Erkennungsmerkmale von Adhs

Meine Ärztin die sich mit Adhs auskennt und ausgiebig beschäftigt, sowohl Kinder als Erwachsene behandelt, hat Logorrhoe eindeutig als eines von den bekannten Symptomen von Adhs genannt.

Da bis jetzt keine Antwort auf meine Frage kam, ob Logorrhoe vererbt werden kann, denke ich, das die Frage eindeutig bejaht werden kann, wenn man sich gewisse Verhaltensweisen von Adhs vor Augen führt.

Insofern muss sich eventuell jeder hier der die Diagnose Adhs hat, die Frage stellen, ob oder wie ausgeprägt, er selbst vielleicht zu Logorrhoe neigt.

@HundUndIch hat Deine Mutter überhaupt eine Adhs Diagnose?, wenn nicht würde ich probieren ihr mal einen Adhs Test schmackhaft zu machen.
Was übrigens nahelegen würde, Dich selbst auch gleich mal zu testen, da Adhs ja bekanntlich vererbar ist, Du selbst also ebenfalls ein Problem mit Logorrhoe haben könntest, ohne Dir darüber bewusst zu sein.

Würde ihr mitteilen, das Du Dir Sorgen machst um sie und Dich damit auseinander gesetzt hast, was der Grund für ihr auffälliges Verhalten sein könnte.

Das Du Dich genervt und gestestresst fühlst, nicht weisst wie Du mit ihrem Verhalten zurecht kommen sollst, statt gleich über einen Kontaktabbruch nachzudenken.

Denn in Wahrheit bräuchte Deine Mutter doch Hilfe, statt mit ihrem Problem allein gelassen zu werden, denn sie selbst merkt es ja anscheinend nicht.

Natürlich ist es wahrscheinlich schwer überhaupt zu ihr durchdringen zu können, wenn sie so stark unter Logorrhoe leidet, aber irgendwann wird sie ja zwischen drin auch mal ruhigere Phasen haben, dann würde ich das Thema ansprechen.
Ansonsten auf dem schriftlichen Weg probieren, oder jemand miteinbeziehen, der besser zu ihr durchdringen kann als Du.

Denn wenn Du ansonsten keine Probleme mit Deiner Mutter hast, ausser mit der Logorrhoe, wäre es doch traurig, einfach den Kontakt abzubrechen.

Ausserdem: in Familien in denen der grösste Teil der Familie z. B. lieber vorm Bildschirm oder am Handy hängt, persönliche Gespräche untereinander, und vor allem miteinander, kaum noch stattfinden, haben eine gestörte Kommunikations Kultur.

Wenn z. B. Deine @HundUndIch Mutter deswegen keinen Kontakt, keinen persönlichen Kontakt zum Rest der Familie herstellen kann, dann sind Ihre Ausbrüche von Logorrhoe möglicherweise verzweifelte Versuche, um zum Rest der Familie durchzudringen.

Manchmal sollte man auch in Erwägung ziehen, das das Problem auch an einem selbst, oder eben an einer gesamthaft gestörten Kommunikation innerhalb der Familie liegen könnte, statt alles nur an einer Person festmachen zu wollen.
Denn das ist zu einfach nach meinem Geschmack.

Wenn die Mutter nur dazu da ist den Haushalt zu führen, ansonsten aber übergangen, oder missachtet wird, dann wird sie sich einsam fühlen.

Wie gesagt, manchmal sind vermeintliche Probleme innerhalb der Familie banaler als man denkt.
Nicht immer steckt gleich Adhs, eine biopolare Störung, oder weiss der Geier was hinter einer Verhaltensweise, manchmal genügt es auch jemandem zuzuhören, sich Zeit für den anderen zu nehmen.

Nicht zuhören können, miteinander reden, statt über übereinander, jemand aussprechen lassen, nicht ins Wort zu fallen, eine andere Meinung gelten lassen, kurz gesagt viele von den bekannten Adhs Merkmalen, sind ja allgemein immer häufiger anzutreffen, entspricht dem Zeitgeist.

ich hoffe nicht… :roll_eyes:

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