Masking - verstecken offenbar schon Kinder ihr ADHS-/ASS-Verhalten…?!

die sache ist halt die, dass man sich natürlich auch merken muss wann und wo und bei wem, ich welche rolle spiele und wann ich mich normal verhalte und habe ich das überhaupt jemals, bei mir hat sich mittlerweile heraus gestellt das ich selbst im engsten familienkreis, maskiert habe von klein auf, mir blieb wohl keine andere wahl. ist aber auch ein kompliziertes thema.

masking bei adhs und oder ass ist für die meisten anstrengend, soll aber auch welche geben die in diesen rollen aufgehen, wenn denn man ein passendes umfeld hat, vielleicht sogar beruf, wer weiß.

man denke an berühmte schauspieler… dort ist der ein oder andere diagnostizierte betroffen. z.B. anthony hopkins, ob er jetzt spass an seinen rollen hat, kann ich natürlich nicht beurteilen, ein sehr guter schauspieler ist er alle male.

ich hätte noch ein kleines detail beispiel von mir, ich hatte angefangen mit anfang 20 meinen rechten fuß leicht nach innen zu drehen, wie es bei keanu reeves der fall ist, ich fand ihn sehr toll in einem älteren film mit ihm als hauptrolle, „bill und teds verrückte reise durch die zeit“, um lässiger und „cooler“ zu wirken. gibt viel solche sachen die ich mache bzw. machen kann, gemacht habe und mir abgeschaut habe.

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Danke euch für eure tollen Beiträge!

Ich habe mal noch einen weiten Thread eröffnet:

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Nach meiner Erfahrung können auch sehr junge Kinder die Symptome „verstecken“. Gerade wenn eine (sehr) hohe Intelligenz zum ADHS kommt, lernen die Kinder sehr schnell, welches Verhalten erwünscht ist und welches nicht, welches Verhalten negative Konsequenzen nach sich zieht und wie sie die vermeiden können und finden früh eigene Strategien, um Defizite zu kompensieren.

Ich kenne das von mir selbst und auch von meinen Kindern, beide ziemlich sicher betroffen aber (noch) ohne ADHS-Diagnose. Mein Sohn hatte die Diagnostik bereits und bekam die Diagnose mit 9 Jahren nicht. Laut IQ-Test ist er in Teilbereichen hochbegabt oder knapp drunter - bei unterdurchschnittlicher Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Motorische Unruhe (Beinwippen) in der Testsituation wurde festgestellt und recht geringe Frustrationstoleranz, aber insgesamt reichte es dem KJP nicht für eine ADHS-Diagnose. Mit meinem Wissen von heute vermute ich, dass mein Sohn bei den Tests voll im Hyperfokus war. Er fand das alles total spannend und es hat ihm Spaß gemacht. :nerd_face: Nach außen hin erscheint er auch sehr ruhig (eher „trantütig“), ist nicht offensichtlich hyperaktiv.

Meine Tochter war im Kindergarten immer unauffällig, lieb, angepasst, war nur ständig in Bewegung und konnte nicht stillsitzen. Zu Hause ging dann „die Post ab“, in Form von unkontrollierbaren Aggressionen, Schreien, Gegenstände werfen, schlagen, treten usw. Es gab nur ein Mal die Abholsituation (die hier auch beschrieben wurde) mit dem Spruch der Erzieherin „So kenne ich Dich ja gar nicht! :astonished:

In der Schule setzte sich das anfangs fort, dann ließen die extremen Aggressionen nach. Es kamen nie negative Rückmeldungen aus der Schule, die Noten waren gut bis sehr gut, so dass wir den Gedanken an eine Diagnostik wieder verworfen haben. Bei meiner Tochter gehe ich von mindestens überdurchschnittlicher Intelligenz aus.

Ich selbst war wie meine Tochter. Wollte nicht auffallen, habe außerhalb von zu Hause versucht „im Strom mitzuschwimmen“. Zu Hause bin ich dann explodiert und von meinen überforderten Eltern gabs als Echo Backpfeifen oder Schläge auf den Hintern, gefolgt von „Einzelhaft“ im Zimmer. Wenn ich nicht mehr tobte, wollten sie nur wissen, ob ich „jetzt wieder lieb bin?“, dann wurde ich „freigelassen“. Ich wurde nie gefragt, wie es mir geht oder was sie tun können, um mir zu helfen.

Auf meine emotionalen Bedürfnisse wurde nie Rücksicht genommen oder alles „kleingeredet“. So habe ich früh gelernt „lieb zu sein“ und meine Bedürfnisse und Emotionen zu unterdrücken. Wenn sich zu viel angestaut hatte und die „Bombe hochging“, waren die obligatorischen Schläge fast schon eine Erleichterung, weil ich so wenigstens etwas spürte…

Schule hasste ich vom ersten Tag an. Es war langweilig, man muss still sitzen und machen, was die Lehrer wollen. Meine Klassenkameraden merkten früh, dass ich „anders“ war. Ich merkte das auch, fand aber keinen Weg, um „dazuzugehören“. Ich wurde gemieden oder geärgert, hatte keine wirklichen Freunde. Den Lehrern ist nichts aufgefallen, weil ich mich immer irgendwo dazugestellt habe, um nicht als Einzelgänger zu gelten. Emotional errichtete ich eine Fasse, durch die nichts negatives raus oder rein kam.

Hätte man mich damals einem Psychiater vorgestellt, wäre ich wohl durch jedes Raster gefallen, weil ich von klein auf genau wusste, welches Verhalten erwartet wird und welches unerwünscht ist.

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Die Intelligenz scheint allerdings nicht das ausschlaggebende Kriterium zu sein, ob die äußere Anpassung gelingt. Wäre dem so, müsste mein Sohn nach außen hin unauffällig sein.

Den Satz „Wenn du lieb bist, darfst du wiederkommen.“
kenne ich auch. Schrecklich. Für mich impliziert er, dass das Gefühl, das ich gerade empfinde „nicht in Ordnung“ ist.
Es ist ein direkter Angriff auf das Sein und nicht auf die
Handlung. Ich „durfte“ auch nur (!) wiederkommen, wenn
ich mich für mein Verhalten entschuldige, was sich
ungerecht und erniedrigend anfühlte.
Wut ist ja erstmal ein wichtiges und berechtigtes Gefühl,
das dem Spannungsabbau dient.

Mir ist es auch so gegangen, dass ich mich in Kindergarten und Schule mustergültig verhalten habe und zu Hause Wutanfälle hatte…

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Da stimme ich Dir zu.
Das ausschlaggebende oder alleinige Kriterium ist die Intelligenz sicher nicht und es gibt auch intelligente Menschen, die sich nicht so anpassen oder maskieren können, dass sie unauffällig sind.

Trotzdem scheint eine hohe Intelligenz ein begünstigender Faktor zu sein. Es hieß ja lange (und teilweise glauben das auch Ärzte heute noch…), dass man kein ADHS haben könne, wenn man gute Noten in der Schule, Abi und ein abgeschlossenes Studium hat.

Ja es kostet sehr viel Kraft sich selbst immer beherrschen zu müssen damit man anderen gefällt, ausserdem kann man es ja trotzdem letztendlich nicht immer nur richtig machen, oder jedem recht machen, immer wieder passiert es irgendwann im Laufe des Tages das man dann müde und erschöpft ist, und dann bricht die Aggression aus einem raus, die Wut darüber das man sich verstellen muss damit man von anderen akzeptiert wird.

In meiner Kindheit war „lieb sein“ zwar zuerst sozusagen sehr lange eine recht gute Strategie für mich, jedenfalls um über einen langen Zeitraum des Tages von anderen in Ruhe gelassen zu werden, aber irgendwann wollte ich dann nur noch für mich sein, niemand hören, niemand sehen, mit niemand reden müssen, nur in meiner Welt sein dürfen.

Aber das war ja nicht möglich, man muss ja auch als Kind immer irgendwelche Sachen gegen den eigenen Willen machen, sei das dass man zu Besuchen zu den Grosseltern oder Tanten und Onkeln und oder Freunden und Bekannten mitgeschleppt wird, wo man dann „brav sein muss“, egal ob man diese Leute mag, oder vielleicht nicht ausstehen kann.

Dann „muss“ man etwas genau nach den Vorstellungen anderer genauso machen wie sie es wollen, auch dann wenn man selbst vielleicht wüsste wie es besser, oder anders auch ginge.

Dann soll man immer der selben Meinung von Vater oder Mutter sein, auch wenn man deren Meinung oder Weltanschauung, oder deren „Verhalten“ furchtbar findet, oder man sich schon als Kind für die eigenen Eltern schämt, als Kind steht man ja eigentlich ständig unter Zwang, irgendwem muss man immer „gefallen“.

Wie oft habe ich es erlebt das ich als Kind und Jugendliche, selbst noch im Erwachsenenalter, vom Vater, von der Mutter, vom älteren Bruder, sofort mit jemand aus dem Familienverband verglichen wurde über den man sich gerne lustig machte, wenn ich mich nicht so verhielt wie sie es von mir erwarteten.

Dann hiess es sofort: „Du bist ja genau wie Soundso und siehst sogar so aus, die Ähnlichkeit ist wirklich frapant“, woraufhin Ich mich dann natürlich Sch… fühlte und mich dafür schämte und im Boden versank.

Schon als kleines Kind ist man also sofort Vergleichen mit anderen ausgesetzt, wenn man nicht brav ist sagt die Mutter dann vielleicht: „Du bist genau wie dein Vater, du reagierst genau wie er“ oder „machst genau das selbe wie er“ oder „hast genau den selben Gesichtsausdruck wie er“, was man immer dann zu hören bekommt wenn der Mutter etwas an einem missfällt, dass selbe Spiel funktioniert natürlich auch umgekehrt, heisst der Vater wirft einem vor wie die Mutter zu sein, es kann aber auch sein das man mit einer anderen Person verglichen wird um dazu zu dienen um aufzuzeigen „wie furchtbar man sich benimmt“, heisst „man“ oder das eigene Verhalten den Eltern missfällt.

Naja, eigentlich bin ich jetzt leider total vom eigentlichen Thema abgekommen, oder davon was ich eigentlich sagen wollte. :sweat_smile:

Jedenfalls, dass alles ist ziemlich kompliziert, hier wurde schon von vielen einiges interessantes geschrieben, einiges was ich auch gut kenne, zum Beispiel auch das mit den Mänteln und so.

Leider habe ich den Faden verloren, was mir aber eben irgendwie noch durch den Kopf ging ist, dass man schon als kleines Kind eigentlich unter enormem Druck steht, ich meine als Kind wird man ja Quasi darauf „gedrillt“ das man so wird wie andere möchten das man sein muss, oder sein sollte, halt Quasi schon als kleines Kind nicht so sein darf wie man eigentlich ist.

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Ich kann mir vorstellen, dass gerade neurodivergente Eltern der boomer-Generation, die sich nicht reflektiert hatten auch dazu tendieren, aktiv das Maskieren zu fördern und zu belohnen.
(Ist bei mir persönlich allerdings ein schwieriges Beispiel, weil meine Familie als Kind noch bei den Zeugen Jehovas waren, was den Anpassungsdruck natürlich nochmal vervielfacht. :roll_eyes:)

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Puh, das Thema berührt mich sehr. Ich habe mich als Kind auch extrem stark „zusammengerissen“, angepasst, immer versucht, alle glücklich zu machen. Aufgewachsen mit einem Vater, der erst mit Mitte 70 (angeregt durch mich) seine eigene ADHS-Diagnose bekam und der, vielleicht aus Angst, dass ich scheitern könnte, sehr kontrollierend und unnnachgiebig war, war das meine Überlebenssstrategie. Meine Zeugnisse waren bis zur Oberstufe immer gut, bis auf sowas wie „wirkt oft gelangweilt, Schrift ist schlecht…“, erst dann wurde es sehr viel schwieriger, durchzukommen und die Noten fielen ab und ich bin ziemlich abgestürzt.
Nun erzählt mir meine Tochter (auch mit ADHS) , dass sie eigentlich den ganzen Tag, vor allem in der Schule, im extremen Dauerstress ist, weil sie sich ununterbrochen bemüht, sich richtig zu verhalten, niemanden vor den Kopf zu stoßen, gut anzukommen etc. Schon im Kindergarten war sie dort ein ganz unkompliziertes Kind, erst zuhause kamen dann die Zusammenbrüche, stundenlange Schreiattacken und Wutanfälle etc., weil sie komplett am Ende war. Mich macht das sehr traurig, auch wenn ich froh bin, dass sie darüber spricht und so die Möglichkeit hat, sich schon in ihrem Alter damit auseinanderzusetzen und vielleicht irgendwann aus diesem Druck herauszukommen, statt wie ich bis Mitte 40 damit herumzlaufen…
Eure Geschichten sind sehr berührend, es ging und geht so vielen ähnlich und das Leiden als Kind ist so groß, wenn niemand da ist, der verrsteht, was eigentlich los ist…

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@Nono: Ich frage mich, warum Dich das wundert. :wink:

Als Kind ist es schwerer, den Erwartungen nicht zu entsprechen. als als Erwachsener.
Die Eltern und andere Verwandte haben welche. Der Kindergarten und die Schule haben welche. Man muss dorthin und ist darauf angewiesen, mit den anderen Kindern klar zu kommen. Nach meiner Erfahrung sind Kinder gegenüber abweichenden Verhaltensweisen noch deutlich intoleranter oder vielleicht auch nur offen intolerant, als Erwachsene.
Da eckt man ständig und überall an, wenn man sich nicht so benimmt, wie alle anderen. Das finde ich als Erwachsener sogar einfacher, weil man mehr bestimmen kann, wie und mit wem man leben will.

Ich hatte im Kindergarten das Problem, dass ich die Erzieherinnen wörtlich genommen habe. Wenn die gesagt haben „Kannst Du bitte xy tun oder lassen?“, dachte ich, ich hätte auch die Wahl „nein“ zu sagen.
Dann waren die Damen aus unerfindlichen Gründen (aus meiner Sicht) sauer auf mich. Ich weiß nicht, wie oft meine Mutter wegen meines Benehmens bei der Leitung antanzen musste.
Mit einer alten Erzieherin, die sich klar ausgedrückt hat, lief es super. :joy:
Vermutet, dass da etwas anderes hinter stecken könnte, als ein ungezogenes Kind, hat damals keiner.

Jedenfalls kamen irgendwann Kommentare von wegen, ich könne mich in der Schule nicht so benehmen, das ginge gar nicht usw.
Da habe ich beschlossen, mich anders zu benehmen. Seitdem ist mein zweiter Vorname unauffällig, wenn es um Schule und Beruf geht.

In der Schule und Im Beruf war/bin ich die Frustrationstoleranz in Person, weil ich mich für nichts ernsthaft engagiere oder mich gegen etwas wehre. Wenn die Lehrer irgendeinen Mist wollten, habe ich den halt gemacht. Im Beruf ist es nicht anders.
Würde ich das nicht so machen, würde ich früher oder später explodieren, und das käme nicht gut an. In der Grundschule ist mir das noch 2 oder 3 mal passiert, danach nicht mehr.
Ausbrüche habe ich seit der Grundschulzeit auf zu Hause verschoben, oder wenn ich alleine bin.

Hyperaktiv war ich nie, sondern immer verträumt. Da gab es, aus meiner Sicht, keinen Maskierungsbedarf, weil das keinen gestört hat.

Ansonsten habe ich auch schon als Kind Rollen gespielt, indem ich Personen nachgemacht habe, von denen ich glaubte, dass die gut in bestimmten Situationen sind, oder ich bin Situationen vorher mit verschiedenen Verhaltensweisen meinerseits durchgegangen und habe mich für das sinnvollste entschieden.

Ich war sicherlich kein unauffälliges Kind, und ich vermute auch stark, dass meine Mutter sich zumindest wegen meiner Explosionen und wegen Konzentrationsproblemen beim Kinderarzt und bei meinem Lehrer erkundigt haben wird. Aber vermutlich haben die gesagt, dass manche Kinder eben so sind oder dass sich das verwächst.

Als Teenager bin ich dann implodiert, weil ich es da nicht mehr geschafft habe, mich an die anderen so richtig anzupassen und Interesse für den damals angesagten Krams zu heucheln, den ich öde fand. Die Beziehung zwischen meinen Eltern war außerdem total zerrüttet. Sie sind nur noch wegen mir zusammen geblieben. Meine Mutter wurde damals immer menschenscheuer und merkwürdiger. Ich vermute, sie hatte das gleiche Problem, wie ich.
Ich habe damals mehrfach ernsthaft überlegt, mich umzubringen.
Ich hatte aber zwei Freundinnen als Lichtblick, von denen ich mich verstanden fühlte.

Ich bin zwar kein Boomer, aber in der Generation X wurde man auch nur mit ADHS diagnostiziert, wenn man über Tische und Bänke ging. Als Autist musste man schon mindestens monoton sprechen, den Oberkörper wiegen oder so und keine Ironie verstehen. Das war bei mir alles nicht der Fall.
Vermutlich bin ich auch noch so ein Sondermodell mit AuDHS. Bis 2013 schlossen sich die beiden Diagnosen ja offiziell aus, und ich passe weder komplett in das eine, noch in das andere.
Selbst, wenn meine Eltern in den 80ern einen Fachmann erwischt hätten, der sich mit so etwas ausgekannt hätte, wären das wohl maximal „Züge von…“ geworden.
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich heute richtig diagnostiziert werden würde. Ich habe schon genug unfähige Ärzte erlebt, die mit weniger komplexen Problemen überfordert waren.

Unser Sohn (14) maskiert anscheinend mittlerweile mehr in der Schule. Das hat er aber lange nicht oder kaum gemacht. Vom Kindergarten und von der Grundschule bekamen wir immer Meldungen, dass unser Sohn (in verschiedenen Varianten) auffällig sei.

„Aber dass man es als Arzt nicht schafft, herauszufinden, was Masking ist und was nicht…?“

Ok, bei Kindern würde man glauben, dass die da noch nicht so gut drin sind, aber vermutlich erwarten die Ärzte bei denen auch nicht, dass sie es überhaupt tun.
Ich fand Erwachsene schon immer naiv, was deren Unglauben anging, was auch jüngere Kinder ihnen schon vormachen können, um damit ein Ziel zu erreichen.

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Oh alles wörtlich nehmen… das kennen wir hier auch !
Bring mir bitte ein großes Glas Wasser!
Riesen Glas. Pfütze Wasser … :smiling_face::heart:

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Jaaa!!! Genauso hab ich das auch gemacht!!! :slightly_smiling_face:

Ich hab auch jetzt noch ein richtiges Rollenrepertoire, das ich ggf. abspule. Je nachdem wie sicher ich mich in Anwesenheit einer Person fühle.

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Mein älterer Sohn mit ausgeprägtem ADHS plus ASS maskiert wenig bis überhaupt nicht, weil er seine Andersartigkeit gar nicht so wahrnimmt.

Jedenfalls benimmt er sich gerade sei der Pubertät immer auffälliger autistisch, weil er nicht anders kann… wo ich eher erwarten würde, dass man in dem Alter anfängt zu kompensieren…

Und ich erlebe hier auch andere Kinder mit ADHS Verhalten, die von ihren Eltern auch nicht zu einer Diagnostik geschickt werden.

Wenn es irgendwie so läuft, keine Aggressionen oder Traurigkeit oder Folgestörungen gibt, muss man das ja auch nicht.

Deshalb dachte ich, dass es bei Kindern kein Maskieren gibt.

Heutzutage frage ich mich warum ich heute öfters mal anecke, wieso das so läuft.

Das sind so Situationen, die damit zu tun haben, dass ich mit Ü50 und allerhand Erfahrungen im pädagogisch-psychologisch-psychiatrischen Bereich mir nicht mehr alles gefallen lasse und auch manchmal einfach so sage, wenn mir mal etwas verquer erscheint.

Ich bin oft sehr erschöpft und ich weiß, dass ich ADS habe und manchmal mir nicht alles merken kann oder mich etwas stört.

Da sage ich manchmal was oder rege mich auf, vor allem, wenn mein Elvanse um 11:30 immer mehr nachlässt und ich nicht dazu kam, nachzunehmen.

Da eskaliert manchmal auch was.

Meine ADS Symptomatik kann ich aufgrund von Erschöpfung nicht mehr kompensieren.

Aber nicht mehr kompensieren - heißt das, dass ich früher maskiert habe?

Ja ich glaube, dass ich früher schon auch sehr bemüht war, ein braves Kind zu sein. Ich hatte wenig Konflikte und habe nie ganz vieles gefallen lassen, weil ich meine Grenzen gar nicht kannte.

Aber wenn es nur ADS ist, dann muss man sich glaube ich nicht ganz so sehr verstellen als junger Mensch bzw man kompensiert, aber ich bin nicht sicher, ob das ein Maskieren wäre?

Unseren jüngeren Sohn habe ich zweimal auf ADS testen lassen - jahrelang hat es der Arzt trotz meiner Hinweise nicht sehen wollen.

Unser Sohn ist halt sehr schlau und kompensiert das ADS - aber ich habe auch bei ihm nicht das Gefühl, dass er maskiert.

Wenn ihm jemand Tomatensauce auf die Nudeln tat, hat er noch bis zum Alter von 7, 8 Jahren wütend reagiert, mit der Faust auf den Tisch gehauen und bei anderen Dingen rannte er auch mit 12 stinkbeleidigt sofort weg, knallte seine Zimmertür heftig zu und verbarrikadierte sich.

In dem Alter begann dann seine Therapie wegen Ängsten, die aus meiner Sicht Folge des nicht erkannten ADS waren. Zu der Zeit wurde auch endlich von einem anderen Arzt die Diagnose ADS gestellt und unser Sohn fing an, Medikamente zu nehmen.

Und seither knallt er jetzt nicht mehr so oft die Türen und alles.

Hat er von der Psychologin gelernt, zu maskieren? Könnte ja sein…

Aber ich glaube eher, dass er sich mit den Medikamenten so verhält, weil sie ihm eben helfen und er nicht mehr so kränkbar ist.

Man müsste nach der Logik dieses Threads nun überlegen, ob ich früher oder heute maskiere/maskiert habe und es nicht merke?

Edit:

Und ob ich nicht merke, dass meine Kinder maskieren?

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Liebe @Nono das Dein Sohn mit 7/8 Jahren sauer reagiert hat wenn man ihm ungefragt Tomatensauce über die Nudeln geschüttet hat kann ich aber z.B. total gut verstehen.

Erstens weil er sich dann höchstwahrscheinlich übergangen gefühlt hat weil jemand einfach etwas gegen seinen Willen getan hat, heisst ohne vorher zu fragen.

Zweitens weil er sich dann vielleicht so Sachen anhören musste wie: „Jetzt stelle dich doch nicht so an, alle anderen essen ihre Nudeln ja auch mit Tomatensauce, nur du wieder nicht“.

Drittens weil er vermutlich nicht sagen durfte das ihm die Sauce nicht schmeckte, weil er dann dadurch möglicherweise in Ungnade fiel, man ihn deshalb weniger gerne mochte.

Heisst so eine simple anmutende Tomatensauce Geschichte kann ziemlich viele Gefühle Triggern.

Ich kann mich z.B. sehr gut dran erinnern das ich als Kind keinen Salat essen konnte an dem rohe Zwiebeln dran sind, auch wenn rohe Zwiebelringe auf etwas drauf sind, z.B. auf einem Burger, dann löst das bei mir sofort einen Brechreiz aus, ich kann das einfach nicht essen, und das geht mir noch heute so.

Jedenfalls hat meine Mutter obwohl sie genau wusste das ich keine rohen Zwiebeln mag, jedesmal und immer wieder rohe Zwiebeln an den Salat getan, ausserdem war ihre Salat Sauce so sauer das es einem alles zusammen zog, kurz und knapp und ehrlich gesagt, ich fand ihr Salat schmeckte zum Kotzen.

Hätte ich es aber gewagt das ehrlich auszusprechen, dann hätte sie mir garantiert eine geknallt, also fing ich an zu Weinen wenn sie mich wieder einmal dazu zwingen wollte diesen gehassten Salat essen zu müssen, denn dann zeigte sie wenigstens irgendwie ein bisschen sowas wie Verständnis, und behauptete dann: „Oh ich hatte vergessen das du rohe Zwiebeln nicht gerne isst, dann lass den Salat halt stehen“.

Meine beiden Brüder die assen den Salat, ich wusste nie ob sie ihn wirklich mochten, aber höchstwahrscheinlich assen sie ihn nur um keine Ohrfeige zu bekommen, was ziemlich schnell passierte wenn man nicht parierte.
Ausserdem hiess es bei uns zuhause: „Bei uns zuhause wird gegessen was auf dem Tisch steht, wer das nicht mag hat Pech gehabt“, und damit war das Thema für meine Eltern erledigt.

Jedenfalls, als Kind wird man zu vielen Sachen oft gegen den eigenen Willen gezwungen, „pariert“ man nicht oder zeigt das gewünschte Verhalten, muss man oft mit irgendeiner Form von Bestrafung rechnen.

Bekommt man nicht „eine geknallt“, wird man oft beschimpft oder sogar beleidigt, ausserdem gibt es dann natürlich auch noch andere Formen von Bestrafungen, wie Ignorieren und Liebesentzug.

Also, nur um daran zu erinnern wie es Kindern oft geht wenn sie nicht das gewünschte Verhalten zeigen.

Hi zusammen,

anknüpfend an die Ausgangsfrage, ob schon Kinder ihr ADHS-Verhalten verstecken, möchte ich mal meine Erfahrung mit meiner Tochter einbringen. Wenn ich mir eure Beiträge so durchlese, sehe ich, dass schon ein Konsens besteht, dass Kinder sehr früh damit anfangen können/müssen, zu maskieren. Bei meiner Tochter verhielt und verhält es sich ebenso. Ich möchte gar nicht so weit ausholen, meine eigenen Kindheitserfahrungen hier zu reflektieren, zumal ich mich nur schemenhaft an Details erinnere, aber ich begann auch schon sehr früh, mein wahres Sein hinter einer Maske oder unter einem Mantel zu verbergen, besser gesagt auszubremsen. Meine 11-jährige Tochter maskiert jedenfalls unbewusst so „gut“ in der Schule und im außerelterlichen sozialen Umfeld, dass ihre ganze Energie, auch viel Wut, dann hier zuhause explosionsartig herausbricht.

Deshalb hatte ich während der Diagnose-Phase große Bedenken, ob bei ihr überhaupt ADHS diagnostiziert werden würde, denn das Kriterium „muss in mehreren sozialen Bereichen Auffälligkeiten aufweisen“, sah ich nicht erfüllt. Ich befürchtete, dass die Tatsache, dass ihrer Lehrerin kein hyperaktives, impulsives Verhalten auffiel, uns durch das Raster fallen lassen würde. Erst genaueres Nachfragen offenbarte, dass sie etliche Auffälligkeiten zeigt (verspätete Antworten, Antworten am Thema vorbei, weil geträumt, Hausaufgaben etc. nie dabei), aber sehr angestrengt bemüht ist, einen braven, vorbildlichen und beflissenen Eindruck zu hinterlassen. Schon als meine Tochter noch sehr klein war, war es ihr enorm wichtig, nicht in für sie peinliche Situationen zu geraten, bloßgestellt zu werden, ja, vielleicht „demaskiert“ zu werden. Für andere leicht zu ertragende Situationen waren für sie die pure Pein, die sie in die Verzweiflung trieben. Andere, auch in meiner Familie, meinten dann immer, sie solle sich nicht so haben („sie muss lernen, dass…“ - habt ihr sicher auch oft gehört). So hat sie sich jedenfalls angewöhnt, sich motorisch und emotional sehr stark zusammenzureißen, vor allem in ihrer schulischen Peer-Group, bloß nicht aufzufallen und immer genauso souverän zu wirken, wie die anderen Mädels in ihrer Klasse.

Gerade Mädchen unterliegen ja ohnehin einem gewissen sozialen Druck, sich zurückzunehmen, insbesondere motorisch nicht so aufzufallen. Jungs haben da einen größeren Spielraum was bei ihnen noch als sozialadäquat betrachtet wird („Naja, er ist ein Junge, die sind halt Raufbolde und müssen sich austoben“).

Nun gut, die Psychiaterin meinte auf meine Angst hin, dass sie bei meiner Tochter enorm große Anpassungsbemühungen sieht, die sie sehr viel Kraft kosten müssen und gleichzeitig zeige meine Tochter sehr große Probleme mit ihrem Selbstvertrauen - eine solche Konstellation sei gerade bei Mädchen nicht ungewöhnlich und werde bei der Diagnosestellung auf jeden Fall mitbetrachtet.

Also a) ja, das Maskieren setzte bei meiner Tochter sehr früh ein und ging, wie sicher all zu oft einher mit b) der Abwertung des eigenen Ichs, infolge dessen einem sehr geringen Selbstbewusstsein und dem ständigen Hinterfragen, ob sie so genügt, wie sie ist (Antwort: Nein. Deshalb muss ich mich verstellen).

Es ist traurig, aber schon die ganz Kleinen lernen durch tagtägliches Feedback der neurotypischen Welt, dass sie nicht ganz in der Spur, im Takt sind und dass das „Dazugehören“ mit einer enormen Anpassungsleistung erkauft werden muss.

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Wow, genau darüber habe ich mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht. Also nicht über Masking weil ich gar nicht wusste dass es das gibt aber warum ich so komisch mit Leuten bin. Bei Freunden mach ich das nicht so aber selbst da zu einem gewissen Maß, auch je nachdem wie gut es mir geht. Zur Zeit habe ich eine Depression und ich weiß dass da Betroffene auch oft vorspielen aber ich mache das schon immer, vor allem dass ich ständig ne metaphorische Drone über mich kreisen lasse im Kontakt mit anderen, besonders Fremden, die alles an mir überwacht. Das ist sehr anstrengend und lässt mich soziale Kontakte eher meiden.

In der ersten und zweiten Klasse habe ich zum Teil starke Anzeichen von Hyperaktivität gezeigt. Ich wurde oft raus geschmissen oder musste in der Ecke stehen. Das war mir so peinlich und unangenehm. Hab mich sogar mal zwischen den Jacken an der Garderobe versteckt.
Dann, Zack, war ich plötzlich unauffällig. Ich vermute, dass ich irgendwie einen Weg gefunden habe, mein Verhalten zu kontrollieren.

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Hallo an alle.

Wenn ich mir eure Beiträge so durch lese, habe ich definitiv den Drang, mit euch diesen Link meines Buches zu teilen.

Achtung Schlaglöcher: In Schlangenlinie durchs Leben https://amzn.eu/d/0iPVGF04

Ich habe mich gerade erst mit dem Begriff „Masking“
auseinander gesetzt. Jetzt wird mir gerade klar, dass ich wohl ein Buch geschrieben habe, dass auch ebenso einen „Masking-Titel“ verdient hätte :joy: .

Meine Meinung ist: Wir merken sehr früh, dass wir anders ticken, fühlen und denken wie die Mehrheit in der Gesellschaft, und werden deshalb gerne mal ausgegrenzt. Darunter leidet unser Selbstwert und unser Selbstvertrauen. Wir wissen es nicht besser und versuchen uns anzupassen, nur um das Gefühl zu bekommen, dass wir angenommen werden. So erhoffen wir uns unbewusst , unser Selbstvertrauen stärken zu können und unseren Selbstwert zu erlangen.
Aus eigener Erfahrung funktioniert das nur leider nicht . Wir machen uns dadurch nur selbst zu Objekten anderer. Und das kann fatale Folgen haben. Ich habe 37 Jahre lang in einem Leben gelebt dass nicht meines war. Ich hatte keine Ahnung WER ich überhaupt bin. Ich hatte keine Zeit dafür, mich kennenzulernen, meine Bedürnisse zu wissen, oder sonst was, was in irgendeiner Art und Weise mit mir SELBST zu tun hat. Wenn man sich Tag für Tag bemühen muss, um alles zur Zufriedenheit anderer zu erledigen, und sich auch demnach zu benehmen. Immer nur höflich zu sein, aber niemals ehrlich. Schon gar nicht zu sich selbst. Da bleibt keine Zeit um sich selbst kennen zu lernen. Ich schätze hier kann man dann schon von Masking reden.

Was macht das mit einem?
Also bei mir waren es: Null Selbstwert, Null Selbstvertrauen, diverse Ängste und chronische Depression. Einiges davon begleitet mich immer noch, jedoch nicht mehr so ausgeprägt. Dabei ist das wichtigste das man lernt, wieder Vertrauen zu sich selbst zu aufzubauen. Dann kommt der Selbstwert automatisch dazu. Ich habe das ganze nur erreicht mit dem größtenteils Ausstieg aus den gesellschaftlichen Verpflichtungen. Raus aus dem Denkmuster: Macht man so weil es alle so machen.

Ich lernte, dass es mir scheißegal wird ob mich jemand mag oder nicht.

…ich glaube, ich muss jetzt aufhören zu schreiben,…sonst ließt diesen Beitrag niemand mehr :upside_down_face:

Eins noch… dieses Buch das ich schrieb, erzählt genau das… eine Mischung aus Biografie und Tagebuch. Ein Buch das auch anderen Mut machen soll, authentisch zu sein. Es geht um Fakten, Rückblicke, Gegenwärtiges, Kritiken, Wissen,etwas andere Denkansätze… In diesem Buch findet man so ziemlich alles…ausser einen roten Faden. :rofl:

Das Buch wurde nicht durch ein Lektorat gejagt, da es sonst nicht mehr authentisch geworden wäre.

Falls es sich jemand kaufen sollte, wünsche ich euch beim Lesen:
Viel Spaß, viele Lichtblicke, und das Gefühl von Verstanden werden zu erleben.

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