Masking - verstecken offenbar schon Kinder ihr ADHS-/ASS-Verhalten…?!

Manche Leute sind auch saublöd, gerade im Supermarkt. Ist doch voll süß, wie deine kleine Tochter Obst in den Wagen legt. Weh tuts natürlich trotzdem, so überraschend angepampt zu werden. Auch gemein, dass man Wohlwollen viel weniger direkt gezeigt bekommt als das Drauftreten auf den Grashalm.

Na dann hab ich ja noch Glück in dem Bereich, dass mir Imitieren sogar eher Spaß macht.

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Da sahsgstDu gerade was…..

Es GIBT tatsächlich eine Situation, in der mir das auch Spaß macht: wenn ich flirte :slightly_smiling_face:.

Und damit meine ich auch die sehr subtilen unverbindlichen Flirtmomente, die sich im Alltag ergeben.

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Das Thema ist zwar schon etwas älter, aber ich fands sehr spannend zu lesen.

Mir geht es wie den meisten hier: ich habe bereits als Kind maskiert. Allerdings mit dem Gedanken im Kopf - das weiß ich noch sehr genau - dass ich Können fälsche bis ich es dann mit dem Älterwerden gelernt habe. Also ich dachte tatsächlich, ich muss Dinge einfach noch lernen, während eigentlich gleichaltrige Kinder das aus irgendeinem Grund schon können. Beispielsweise so etwas wie lange, uninteressante Texte lesen oder später dann Vokabeln lernen. Oder Musiknoten lesen. Aber auch soziale Dinge wie leise sein, auf andere zugehen und die Dinge gut finden, die sie gut finden.

Stellte sich raus, dass ich zwar mit der Zeit mehr und komplexere Strategien gefunden habe, mit den Defiziten umzugehen, die Defizite an sich aber nicht verschwunden sind. Wie vermutlich die meisten dachte ich also, ich müsste nur mehr und disziplinierter an mir arbeiten, dann würde ich das lernen.

Gleichzeitig finde ich es im Nachhinein total interessant, dass ich aus dem ständigen sozialen Auffallen ab der Pubertät eine Art Tugend gemacht habe, und gar nicht mehr dazugehören wollte. Zumindest nicht mehr so offensichtlich wie davor, insgeheim sicherlich immer noch. Nach außen hin konnte ich gut den Rebellen geben, mich anders kleiden und andere Musik hören etc. Da wurde zumindest auf einer oberflächlichen Ebene keine Anpassung mehr verlangt, weil kein “kompatibles” Verhalten mehr erwartet wurde. Trotzdem ging das Masking natürlich weiter.

Richtig heftiges soziales Masking habe ich erst wieder zu Beginn meines Studiums betrieben, weil ich nach einer Therapie unbedingt endlich normal sein wollte. Ich wollte sozial dazugehören, zu Partys gehen, Freundchaften schließen UND gute Noten haben - Ehrgeiz hab ich :smile: Geklappt hat das nicht, da die Anforderungen an mich selbst natürlich viel zu hoch waren.

Bis zu meiner ADHS Diagnose vor zwei Jahren habe ich jedenfalls immer vergeblich darauf gewartet, eines Tages erwachsen zu werden und all das zu können, was alle anderen scheinbar können. Mittlerweile weiß ich, dass das nicht passieren wird.

Mimil, Gestik und auch Kleidungsstil etc habe ich in der Jugend mal versucht zu kopieren, aber ich war sehr schlecht darin und ich wurde hart dafür angefeindet, dass ich andere nachahmen würde. Deshalb habe ich das tatsächlich nicht lange getan, sondern mich lieber wieder auf die Rebellenrolle verlegt.

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Mit Sicherheit!
Solange ich unbekümmert aufgewachsen bin, haben sich schon Besonderheiten (verträumt, nie Materialien dabei usw.) in den Zeugnissen widergespiegelt.

Als sich meine Kindheit radikal geändert hat und ich in ein gnadenloses Umfeld geriet, das keinen Widerspruch duldete und brutal mir als Kind gegenüber agierte, habe ich „funktioniert“ und die Auffälligkeiten in den Zeugnissen waren weg. Ich vermute mal, das war der blanke Überlebensmodus.

Als sich das dann wieder änderte und ich wertschätzenderen Händen anvertraut war, änderten sich die Zeugnisse wieder in, diesmal in oppositionell und rebellisch, gerade gegenüber erwachsenen Autoritätspersonen.
Welch Wunder, wer will schon für immer Opfer sein?

Ist hoffentlich in den wenigsten Fällen so krass, aber im Grunde ist halt soziales funktionieren erwünscht, was Kinder schon checken.