Medikamentöse Behandlung: Wie sind die weiteren Schritte nach der Diagnose?

Hi. Ich wurde vor einigen Wochen mit mittelstarkem bis starkem ADHS diagnostiziert.

Den Termin den ich wahrgenommen hatte, war in einer anderen Stadt, etwas weiter entfernt, und auch nur Diagnostik. Gemacht hatte ich das, da ich dort das Glück hatte, kurzfristig einen Termin zu bekommen (für „den ersten Schritt“).

Jetzt habe ich also die Diagnose und Therapieempfehlungen: Verhaltenstherapie, Ergotherapie und Versuch einer medikamentösen Behandlung mit Medikinet adult, Ritalin adult oder Elvanese. Da drunter ist auch schon, aufgeteilt nach Medikament, aufgelistet, wie welches Medikament einzunehmen ist.

Jetzt frage ich mich so ein bisschen, wie es weiter geht. Zum einen soll ich mir über den Hausarzt ein EKG machen lassen, um Herzfehler auszuschließen. Auf dem Diagnose-Zettel steht „Vor Beginn der medikamentösen Behandlung sollte eine EKG- und Laborkontrolle durchgeführt werden“. EKG ist klar, aber was ist eine Laborkontrolle? Bluttests?

Zum anderen Frage ich mich gerade, wie genau ich dann danach weitermachen soll. Die Medikamente darf ja nur ein Psychiater oder ein Neurologe verschreiben, richtig? Soll ich da jetzt einfach alle in meiner Umgebung abklappern? Muss der sich in irgend einer Weise auf ADHS für Erwachsene spezialisieren, oder ist das egal?

Danke für eure Antworten.

Liebe Grüße

Am besten findest du einen, der sich auch mit ADHS auskennt. Das machen nämlich nicht alle!
Meist muss man auch einige Monate warten, bis man einen Platz bekommt. In welcher Stadt wohnst du denn?

Hier mal ein paar Tipps, wie du einen Arzt mit ADHS Kompetenz finden kannst:

Es gibt kein offizielles Verzeichnis und auch Krankenkassen haben keines.

Hier kannst du auch eine Liste per Mail anfordern:

Oder hier schauen:

Weitere Möglichkeiten:

Googlen

In der Suche des Forums deine Stadt eingeben.

Erstelle einen neuen Thread mit dem Titel:

„Suche Arzt zur Diagnostik in Dortmund“.

Das gleiche kannst du bei Reddit machen.

https://www.reddit.com/r/ADHS/

Dann gibt es noch eine große Gruppe bei Facebook.

https://m.facebook.com/groups/ads.bei.erwachsenen/

Doctolib

Selbsthilfegruppen

Eine Laborkontrolle hattest du bestimmt schon zur Diagnostik oder?

Die unterschiedlichen Stimulanzien mit Methylphenidat welche in Deutschland für Erwachsene zugelassen sind habe ich hier beschrieben:

Daneben gibt es natürlich noch Elvanse.

Eindosierung mit Methylphenidat:
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die meisten beginnen mit einem Retardpräparat. Laut ADxS.org soll eine Eindosierung mit unretardiertem MPH Vorteile haben.

Aus meiner Sicht kommt es jedoch immer auch auf den Einzelfall an. Ich arbeite als Krankenschwester und eine Eindosierung mit einem untetardiertem Präparat hätte ich gar nicht umsetzen können.

Nein, hatte ich nicht. Aber ich denke zur Not wird mir schon ein Psychiater/Neurologe sagen können, was er von mir alles haben will, bevor er mit der Eindosierung anfangen wird.

Ahh, habe ich mir (leider) fast schon gedacht. Verschreiben andere einfach kein Ritalin o.Ä. ? Oder dürfen die das nicht? Ich hätte halt gedacht, dass da nicht so viel hinter steckt. Ich habe schließlich schon einen kompletten Plan zur Eindosierung von der Psychiaterin, die mich diagnostiziert hat. Da steht genau beschrieben, wann ich in welcher Woche was zu mir nehmen soll. Deswegen hätte ich gedacht, dass das vielleicht auch ein Psychiater oder Neurologe mitmacht, der nicht explizit auf AHDS bei Erwachsene spezialisiert ist.

Es gibt keine Spezialisierung für ADHS. Es könnte jeder Psychiater machen - aber leider tun dies nicht alle.

Und wenn die Kompetenz fehlt ist das schon manchmal ein Nachteil. Umso wichtiger ist es, das man selbst gut informiert ist und auch die Unterschiede der Medikamente kennt.

Welches Medikament hatte sie denn vorgeschlagen?

Ach so, sie hat zu verschiedenen Stimulanzien Vorschläge gemacht?

Sorry immer für die späten Antworten…

Ja hat sie, ich kann ja einfach mal schreiben, was auf meinem „Diagnostik-Dokument“ steht:

Therapieempfehlung:

  • Verhaltenstherapie
  • Ergotherapie (…)
  • Versuch einer medikmentösen Behandlung mit Medikinet adult, Ritalin adult oder Elvanese.
    Vor Beginn der medikamentösen Behandlung sollte eine EKG- und Laborkontrolle durchgeführt werden.

Dosierung Medikinet adult oder Ritalin adult

  • Beginn mit 10mg ret. morgens
  • In der zweiten Woche morgens und mittags 10mg
  • Wöchentliche Dosissteigerung nach Effekt und Nebenwirkungen (häufig sind gerade die niedrigen Dosen sehr wirksam)
  • Bis 60mg maximal
  • Einnahme morgens und mittags im Abstand von ca. 6 Stunden nach einer Mahlzeit

Dosierung Elvanese als Alternative (auch firstline möglich)

  • 14 Stunden Wirksamkeit
  • Dosis wöchentlich erhöhen (mit 30mg beginnen, maximal 70mg pro Tag)
  • Einmalgabe morgens

Dosierung Atomoxetin als Alternative (nur wenn Stimulanzien nicht wirksam)

  • Beginn mit 1x 20mg über eine Woche
  • Woche zwei: 1x 40mg
  • Ab Woche drei: 60 - 80mg

Weshalb ich jetzt zuerst Medikamente möchte: Mir hat jemand im Forum empfohlen, das so zu machen, weil durch die Medis einige Probleme „einfach so“ dann weg sein könnten. Außerdem wurde mir auch gesagt, dass das deutlich schneller gehen würde, als einen Platz zur Verhaltenstherapie zu bekommen.

Das ist auf jeden Fall die allgemeine Empfehlung, auch nach den Leitlinien!

Erst eine Einstellung mit Stimulanzien, dann eventuell Verhaltenstherapie.

Auch profitiert man dann besser von der Therapie.

Elvanse, nicht Elvanese.

Hallo,

manche Psychiater beschäftigen sich nicht mit ADHS, weil sie es für eine überbewertete Mode halten, und andere, weil sie sich einfach noch keine Zeit genommen haben, sich darin fortzubilden.

Und wenn du an eine/n von der zweiten Sorte gerätst, hast du vielleicht Glück, denn immerhin hat die diagnostizierende Psychiaterin sehr mundgerecht aufgeschrieben, was zu tun ist, d. h. ihre Kollegin hat nicht viel Arbeit. Bericht lesen und Rezept schreiben ist ja nicht so schwer.

Vielleicht kannst du das schon am Telefon sondieren. Wenn der Termin nicht lange hin ist und die Praxis nicht weit, würde ich das versuchen. Lange warten und weit fahren, um gesagt zu bekommen, das machen wir nicht, wäre nämlich ärgerlich.

Stimmt, danke für den Hinweis. Hab es irgendwie immer falsch gelesen (und dann auch so ausgesprochen).

Habe mich im Übrigen jetzt mal zusammengerafft und endlich (ca. 1 Monat nach der Diagnostik) einen Termin bei einem Psychiater gemacht. Der ist in 2 Wochen. Ich bin gespannt. :slight_smile:

Danke auch für die Antwort. Ich habe tatsächlich direkt in meiner Stadt einen Psychiater gefunden, der explizit ADHS für Erwachsenen therapiert. Der Termin ist in 2 Wochen und nicht weit weg, ich werde ihn also wahrnehmen. Ich bin gespannt, wenn auch ein wenig Angst dabei ist… Naja, bei der Diagnostik war die Angst auch ungerechtfertigt. Wird schon :slight_smile:

Tja, was soll ich sagen - bin jetzt bei der Eindosierung von Medikinet. Ich schätze, auf 2x20mg (oder eventuell etwas mehr) wird es hinaus laufen. In 2 Wochen ist das nächste Gespräch mit der Psychiaterin. Der Unterschied ist echt enorm. Ich bin begeistert. Und gespannt. Meint ihr, ich soll auch mal Elvanse ansprechen/ausprobieren, oder bei Medikinet bleiben, solange es gut wirkt? Ich habe bei sowas immer ein wenig „Fear Of Missing Out“, wer weiß, vielleicht ist Elvanse noch mal deutlich besser oder so. Nebenwirkungen habe ich übrigens gar keine, weder Appetitlosigkeit, noch Wachheit, noch ein „Down“ am Abend…

Tatsächlich weiß man nicht was wirklich am besten funktioniert wenn man nicht alles ausprobiert hat.

Aber jede Eindosierung braucht Zeit. Alle paar Wochen/ Monate zu wechseln bringt dann auch eine Instabilität.

Zudem braucht man einen Arzt der es mitmacht. Manche machen es und andere nicht.

Ich konnte alles ausprobieren was ich wollte - also die zugelassenen Stimulanzien.

Medikinet adult, Ritalin adult, Concerta und Elvanse habe ich versucht.
Am Ende bei Concerta und Ritalin geblieben.

Dann werde ich denke ich erst mal bei Medikinet bleiben. Das scheint gut bei mir zu wirken, und ich denke die Tatsache dass es bisher keine Nebenwirkungen hat, ist sehr gut. Mal gucken was mein Arzt dazu sagt.

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Denke auch :blush:

Das klingt ja sehr positiv!

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Ja, bin extrem froh dass das alles echt so klappt, wie erhofft. Meine Aufmerksamkeitsspanne hat sich extrem verbessert, ich prokrastiniere weniger, kann mich besser konzentrieren… Und das ist nicht nur mir aufgefallen. In Alltagssituationen z.B.: Einkaufen ist kein Problem mehr (sonst stand ich immer ewig vor Regalen, hab hin und her überlegt, hab mich „überladen“ gefühlt), ich kann Gespräche besser halten bzw. höre da auch richtig zu (sonst musste ich immer wieder aufs Handy schauen…)… Sowas halt. Ich fühle mich fast schon „normal“ :smiley: Der nächste Test ist dann die Arbeit, wenn mein Urlaub vorbei ist. Aber ich bin echt guter Dinge.

An dieser Stelle vielleicht mal vielen lieben Dank an Dich und auch das ganze Forum / die Website im Allgemeinen. Hat mir echt enorm weiter geholfen, hier Fragen stellen zu können und auch viele Ressourcen zu haben, um Dinge nachzuschauen.

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