Hallo @Cornfrank ,
weil ich ein sehr ähnliches Thema habe (sagen wir das gleiche), gebe ich auch mal meine Meinung dazu ab. Medikation bei Sucht (u.A. Amphetaminmissbrauch) <— den Thread habe ich dazu eröffnet, vielleicht ist das ja aufschlussreich.
Also mich wollten die in der (Sucht)-Klinik nicht mit Stimulanzien behandeln, eben weil auch ein Amphetaminmissbrauch in der Vergangenheit vorliegt und es, wie hier bereits geschrieben wurde, das Suchtgedächtnis triggern kann. Habe dann Atomoxetin bekommen, was an sich gar nicht schlecht war, aber zum einen ewig gebraucht hat bis er wirkt (und dabei ordentlich Nebenwirkungen hatte) und zum anderen irgendwann seine Wirkung verloren hat und bei höherer Dosis wieder Nebenwirkung stärker wurde, was sich regelrecht ekelhaft angefühlt hat (Magenschmerzen, Kribbeln auf der Kopfhaut von innen, riesige Pupillen, Müdigkeit und seltsame „Untenrum“-Probleme).
„Draußen“ bin ich jetzt bei einer Psychiaterin, die mich auch nicht sofort auf was ein typisches Stimulans umstellen wollte, sondern es mit Bupropion versucht hat (und mir eine App verschrieben hat, süß
). Habe es nicht geschafft diese App mal auszuprobieren, keine Ahnung, ob die was taugt. Bupropion habe ich jedenfalls nicht vertragen, weil es mich ängstlich und arousal gemacht hat (habe auch eine Traumageschichte). Auf meine Nachfrage, ob wir nun die anderen Medikamente ausprobieren können, hat sie eher verhalten reagiert und mir vorsichtig in Aussicht gestellt, nach einer gewissen weiteren Zeit (etwa ein Jahr nach Entlassdatum aus der Klinik) noch mal einen Termin machen können. Der Termin steht in Kürze an, ich bin mal gespannt. Ich weiß halt , wie hilfreich Amphetamine für mich sein können und bin auch nicht sicher, inwiefern das bei mir eine klassische Sucht ist, sondern fehlgeleitete Selbsttherapie (das ist bei Sucht ohnehin die Frage…). Im Alltag, auf der Arbeit, im sozialen und bei geistigen Tätigkeiten hat das schon einen riesigen Unterschied gemacht und mir ging es mit (illegalem) Amphetamin auch nicht grundsätzlich schlecht, sondern es hat geholfen. Habe das nicht nur zum Spaß gemacht.
Es ist total üblich auch Suchtpatient*innen Stimulanzien zu verschreiben, auch weil es Studien (ich hoffe ich ordne das einigermaßen korrekt ein) zu Folge bei sachgemäßen Gebrauch Suchtverhalten reduzieren kann, eben weil die Gehirnchemie ausgeglichener ist, was dazu führt, dass der Drang sich eigenständig mit Substanzen zu regulieren dann wegfällt bzw. weniger wird (mit ADHS macht man das ja auch gutem Grund und merkt ja, dass gewisse Stoffe einen positiven Effekt haben, Stichwort Selbstmedikation, siehe oben.
Sowohl in der Klinik als auch in meinem Umfeld habe ich es miterlebt, dass Leute bei denen eine Sucht (teilweise auch Amphetamin) vorliegt, Stimulanzien verordnet bekommen. Habe auch hier im Forum schon entsprechendes gelesen. Je nach ärztlicher Einschätzung, Haltung und Expertise ist das auch gängige Praxis. Es gibt halt Psychiater*innen, die das nicht möchten. Vorurteile gegenüber Süchtigen sind im medizinischen Bereich leider häufig. Und besonders bei einer Amphetaminsucht passt man da besonders auf und, sofern es verordnet wird, gibt es ggfls. engmaschigere Kontrollen, besonders am Anfang. Unmöglich ist es also nicht trotzdem MPH oder LDX zu bekommen. Wahrscheinlich wird man es zuerst mit Atomoxetin und Bupropion versuchen und eine gewisse Zeit der Abstinenz sollte auch verstrichen sein. Eine zusätzliche Psychotherapie wirkt sich auf so eine Entscheidung sicherlich auch noch positiv aus.
Was ich in Selbststudien während meiner Konsumzeit herausgefunden habe, hatte die Gelegenheit verschiedene Medis auszuprobieren (Jugend forscht
):
Ich glaube Elvanse also LDX wäre da die bessere Wahl, weil es als Prodrug nicht so schnell anflutet und relativ lange anhält. Wenn man sich an diese relativ milde, konstante Wirkung gewöhnt hat und weiß, dass es anhält ohne Schwankungen sollte das mit dem Suchtdruck auch nicht so das Ding sein. Rebound soll auch nicht so stark ausfallen. Klar kann man auch eine hohe Dosis nehmen und noch zwei, drei mal nachlegen, das wirkt aber eher unangenehm und verlängert die Wirkung auf ein Level, was nicht alltagstauglich ist (um 3 Uhr will man in der Regel irgendwann auch mal schlafen). LDX wirkt jetzt nicht so euphorisierend, sondern fokussiert eher. Die teilweise viel kürzere Wirkungszeit als vom Hersteller angegeben ist zwar auch ein Problem, aber das führt hier zu weit.
Anders bei MPH. Das macht euphorisch und durch die kurze Wirkungsdauer geht der Spiegel ständig wieder runter, was den Suchtdruck viel eher triggert, auch bei retardierten Präparaten. Ein bisschen wie bei Kokain oder so. Concerta oder Kinecteen, also besonders langwirksame Retardtabletten, könnten aber gehen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist eine sehr individuelle Geschichte, die von dir, deiner Bereitschaft zur Mitarbeit und Ehrlichkeit und nicht zuletzt von der behandelnden Person abhängig ist. Man wird schon sehr genau hinschauen. Eine Suchtdiagnose will man aus unterschiedlichen Gründen nicht haben, aber die Stigmatisierung in der Medizin und in unserem Gesundheitssystem ist leider auch ein Faktor. Dabei ist es so wichtig, dass man gegenüber Ärzten*innen ehrlich sein kann. Da die richtigen Fachmenschen zu finden ist ziemlich schwierig.
Mich interessiert das Thema Sucht schon sehr, besonders in Bezug auf ADHS. Glaube dass besonders für ADHSler*innen Abstinenz ziemlich schwierig sein kann und möglicherweise nicht der richtige Ansatz ist. Eine kontrollierte Abgabe von Stimulanzien könnte das zu Grunde liegende Problem (in Kombination mit Psychotherapie natürlich) wahrscheinlich besser lösen. Das ist jetzt aber ein persönlicher Hot Take.
Berichte gerne wie es dir ergangen ist, wie dein Arzt sich entschieden hat und was seitdem passiert ist und wie auch du Atomoxetin vertragen hast.
LG (sorry für so viel Text…
)