Medikinet retard absetzen oder ausschleichen?

Hallo liebe Forengemeinde,

bei mir wurde kürzlich ADHS diagnostiziert und mein Arzt verschrieb mir Medikinet retard 10mg. Davon habe ich 1 Woche lang morgens eine Kapsel eingenommen. Soweit habe ich das Medikament gut vertragen. Es macht mich sehr ruhig und ein bisschen müde. Jedoch habe ich gemerkt, dass abends doch ein Rebound-Effekt auftritt, was eher unangenehm ist.

Abends nehme ich zusätzlich Paroxetin, welches ich schon viele Jahre nehme und gut vertrage.

Nun zu meiner eigentlichen Frage: da das Medikinet für mich doch sehr ungewohnt ist und jetzt die Feiertage anstehen, würde ich das Medikinet jetzt erstmal gerne weglassen und im neuen Jahr wieder damit starten. Gestern und heute habe ich schon keine mehr genommen.

Ich habe im Internet schon viel gegooglet aber nur widersprüchliche Informationen gefunden. So wie ich verstanden habe, baut das Medikinet nicht wie ein SSRI/Antidepressivum einen Wirkspiegel auf, sondern wirkt sofort und dann halt auch recht schnell nicht mehr. Das heißt es sollten beim Absetzen keine unerwünschten Effekte auftreten, außer dass dann das „alte ich“ wieder da ist? Oder muss ich das Medikinet ausschleichen weil ich sonst meiner Gesundheit schade oder irgendwelche emotionalen Effekte auftreten könnten?

Danke

Nein, musst du nicht.

Hi Falschparker,

danke für die schnelle Antwort. D.h. ich kann das Medikinet einfach so absetzen und muss es nicht ausschleichen, richtig? Und bedeutet das, ich kann es auch nach Bedarf nehmen, wenn es mir an einem Tag doch zuviel wird?

Da ja auch ein jährlicher Auslassversuch eine offizielle Option ist , kann es ja von daher kein Problem sein.

Ich mache immer mal wieder auch nach langer Zeit Einnahme einen Auslassversuch oder habe Phasen wo ich die Medikation am Alltag etwas anpasse .

War bis auf „tarie….tara….ADHS ist wieder da“ kein Problem.

Hallo Raindrop,

  1. ja und 2. ja, aber.

Du fühlst dich über die Feiertage überfordert und willst die Einstellungsphase lieber im neuen Jahr fortsetzen. Das ist soweit plausibel und du kannst es natürlich so machen.

Jetzt kommt das Aber: Man kann MPH nach Bedarf nehmen, es ist aber nicht clever und auch nicht notwendig. Denn im Idealfall findest du zum Abschluss der Eindosierungsphase eine Einstellung mit guter Wirkung (über den ganzen Tag) und wenig Nebenwirkung. Und wenn es so ist, gibt es eigentlich gar keinen Grund, tageweise darauf zu verzichten.

Während der Eindosierungsphase selbst empfiehlt es sich auch nicht. Denn du willst ja die richtige Dosis finden, und der Körper soll sich an das Medikament gewöhnen. Beides ist schwierig, wenn man es nicht eine Weile durchgängig nimmt.

Einige mögliche Nebenwirkungen, die sehr lästig aber harmlos sind, vergehen auch nach zwei Monaten. Können sie aber nur wenn man dabei bleibt.

Das Medikament ermöglicht im Idealfall eine bessere Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die kannst du auch schlecht kennen lernen, wenn du einen Tag diese gute Wahrnehmung hast und an einem anderen Tag wieder im Nebel stehst.