Negativer Hyperfokus?

Ich bin mir nicht sicher ob es das ist.
Wenn man sich quasi wie unter Zwang immer auf ein Problem fokussiert und es so erst zu einem richtigen (bis temporär gigantischen) Problem werden lässt.
Obwohl man genau weiß dass das Problem nur zum Problem wird weil man so stur und blöd darauf fokussiert, obwohl man es garnicht will…

Aber wie man bewusst den Fokus wegnimmt, das ist die große Preisfrage. Dazu habe ich trotz Recherche nichts gefunden.

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Das Phänomen ist beschrieben bei ADHS und mir selber auch nicht unbekannt.

Da können geführte Meditationen helfen aus Apps wie dem Insight Timer. Ich habe das schon öfters vor längerer Zeit hier im Forum beschrieben, wie man erstmal schön klein anfangen kann.

Am besten gib Insight Timer in der Suchfunktion ein und schau am besten nach den ältesten Beiträgen zum Thema.

Eine andere gute Möglichkeit ist ein MBSR Kurs, achtsamkeistsbasierte Stressreduktion. Es gibt auch ähnliche Kurse die MBCT heißen und auch gut sind.

Solche Kurse werden sogar häufig von Krankenkassen bezahlt oder bezuschusst. Dazu schaut man am besten mal auf der Homepage der Krankenkasse nach oder man ruft an.

Meist gibt es eine Liste von Lehrern, die die Kasse akzeptiert. Es selber zu zahlen ist nicht geschenkt, aber es bringt einen, wenn man nicht auf dem Mindestlohn Niveau ist, auch nicht um. Der Gegenwert ist das Geld 100% wert.

Die Kurse sind quasi patentiert und der Ablauf sehr stark standardisiert.

Man lernt einiges über negative Gedanken, Stress und Kommunikation/Missverständnisse und ich weiß nicht was noch alles - ich fand es extrem hilfreich und sinnvoll, obwohl ich auf einigen Gebieten schon ziemlich viel eigene Erfahrungen gemacht hatte. Auch wenn man zB schon jahrelang Yoga oder sowas macht, kann man eben von diesen Input Einheiten profitieren.

Und wenn man zwar in Therapien oder Coachings die Input Inhalte schon kennengelernt hat, dann kann man noch sehr gut eine eigene Meditationspraxis aufbauen.

Das wäre jetzt das Erste, was mir dazu einfiele…

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Ich versuche mir eine „Außensicht“ anzugewönen, also meinen inneren Kontrolleur neben mich zu stellen, um einen Realitätscheck durchzuführen.

Für mich ist der erste Schritt der schwerste, das unüberwindbare Risenproblem anzuzweifeln. Es für möglich zu halten, dass es nur so monströs erscheint weil es mein Blickfeld ausfüllt.

Leider erkenne ich das oft zu spät, wenn ich schon viel zu viel Energie an die schock-panik-alles ist aus-Reaktion verschwendet habe.

Als nächstes müsste ich dann gedanklich den Kontrolleur neben mich stellen, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Damit ich mich und das Problem in der Umgebung wahrzunehmen kann.

Wenn es gelingt, sehe ich wie das Monster schrumpft und kann mich nach einer Lösung umsehen.

Bis das zuverlässig funktioniert brauche ich noch einiges an Übung, aber ich glaube ich bin auf dem für
mich richtigen Weg.

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Die Selbstfragetechnik von Byron Katie (The Work) hilft mir selbst bei großen Blockaden auch manchmal noch ganz gut:

Gerade weil sie so schematisch ist und „wie von selbst“ wirkt.

Kenne ich :wink:

Schon bei Frage 1 hänge ich fest da ich nicht weiß ob ja oder nein.
Auch geht es nicht um eine konkrete Person.

Hi,

meinst Du in etwa so ein „denke nicht an einen rosa Elefanten“ ?
Dann feste an den blauen zu denken, kann tatsächlich helfen…

Passt da irgendwie das Stichwort Katastrophisieren ?

BG

UlBre

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Oh, ja das kenne ich auch.

Meist wenn ich mal wieder was verbockt habe und nun Angst wegen den Konsequenzen habe.

Oft passiert garnichts oder nicht viel als Reaktion und andere würden das Thema ganz cool sehen: Pah, Na und? sozusagen.
Wo ist das Problem?

Ich stelle mir dann vor, ich wäre ein anderer, sozusagen der coole Typ und schon ist der Berg eher ein Hügel.

Oder konsequent das Angstthema zuende denken. Shit happens, dann ist es eben so.
Andere bauen auch Scheisse und das was in meinem negativen Focus liegt, wo ich vielleicht versagt habe, etwas dummes gesagt, getan habe, ist nur einTeil von mir, ein dunkler Puzzlestein inmitten von vielen, vielen bunten.
Oft glauben wir ja, wir sind generell schlecht.
Und im Hier und Jetzt leben. Was gestern war ist vorbei, hab MEIN bestes gegeben.
Und wir haben doch schon so viel gemeistert was im nachhinein garnicht sooooo schlimm war!
Da wäre ein öfter mal „positiver Hyperfocus“ gut.
Leider gelingt das nur mit viel Übung, dieser Perspektivwechsel.
Und vor allem das erkennen das wir im Focus sind.

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Ohhhhh jaaaa…das kenne ich sehr sehr gut!

Ich blähe kleine Probleme extrem auf, etwas größere Probleme werden gigantisch.
Dann mache ich mir so starke Sorgen und meine Gedanken rasen darum, so dass ich entweder komplett handlungsunfähig bin oder aus der Angst heraus (die durch das Aufblähen entsteht) irgendwelche unsinnigen Entscheidungen treffe.

Da habe ich sogar 2 Extrembeispiele, wie das mein Leben beeinflusst hat.

Ich war seit 6 Jahren bei einem Arbeitgeber angestellt, bei dem ich eigentlich ziemlich unglücklich war aufgrund der Arbeitsbedingungen. Ich hatte so eine Panik zu wechseln, weil ich mir dachte, dass woanders alles nur noch schlimmer ist.
Ich war komplett gelähmt und in der Opferrolle gefangen. Ich habe das nicht rational betrachten können. Dieser großte Schritt ist mir jetzt erst mit dem durch die Therapie gewonnenen Problembewusstsein gelungen.
Hätte ich doch schon eher mit der Therapie angefangen.

Aus dieser vermeintlichen „Pattsituation“ heraus habe ich mehr aus Angst und aufgrund von Perspektivlosigkeit ein berufsbegleitendes Studium begonnen, welches mir eigentlich nicht mehr zusagt.
Ich war komplett angstgetrieben und stecke in diesem negativen Hyperfocus. Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen und das so gelöst.
Tjaa…

„Angst ist kein guter Ratgeber“ trifft es zu 100%

Jetzt kann ich Probleme distanzierter betrachten und ich beruhige mich, wenn ich merke, dass ich wieder „durchdrehe“.
Ich sage mir inzwischen, dass das Problem meistens nur etwa 30% der Dramatik haben wird, die ich mir ausmale :smiley:

Um einen klaren Kopf zu bewahren, lenke ich mich auch bewusst ab. Entweder passiert es ganz automatisch durch die Arbeit und mein Hyperfokus wird unterbrochen oder ich mache es selbst, indem ich Sport oder Musik mache. Mit Freunden treffen hilft auch.

Am Tag danach sieht vieles dann schon ganz anders aus.

Ich bekomme es auch öfter gesagt, warum ich alles immer so dramatisch betrachte.
Dadurch verliert man den klaren Blick auf die Situation.

Also, meine Strategien:

Abstand, Ablenkung, Problembewusstsein und Ratschläge von anderen einholen, die nicht so extrem denken.

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Ich würde diesen Hyperfokus bei mir als eines der belastendsten Probleme überhaupt einordnen. Richtig schlimm…

Auch hier bleibt mir nur, es nicht soweit kommen zu lassen, etwas dagegen zu tun, ehe ich im Tunnel bin. Bei mir wird es dann dramatisch, wenn ich das Problem emotional auflade, denn dann ist es meinem bewussten Zugriff entzogen.
Wenn ich es rechtzeitig bemerke, dann versuche ich mich, zB mit Übungen aus dem Züricher Ressourcen Modell oder mit Borderlineskills, mich in einen sachlich-nüchternen Modus zu bringen und erst dann, mich abzulenken und bewusst was anderes zu tun.
Zuvor hatte ich es immer überr Austoben, zB Tanzen oder Musikhören versucht, das klappt aber nicht, ganz im Gegenteil. Auch Sport funktioniert nicht. Bei mir also eindeutig eine Frage der Emotionsregulation.
Gut dagegen funktionieren Rechenaufgaben oder Konstruktionszeichnungen …

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Das finde ich sehr gut auf den Punkt gebracht @Irrlicht ! :+1:

Auch hier - sehr schön beschrieben - vielen Dank @Hibbelanna fürs Teilen deiner Erkenntnis!

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Mir ist das neulich aufgefallen, dass ich generell einen Bias habe. Ich denke bei vielem, es sei unglaublich wichtig obgleich es das nicht ist … und übersehe die wirklich wichtigen Dinge… Bei Problemen ist das dann halt noch heftig wegen der Emotion.

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Auch ich kenne das. Und es ist sehr hinderlich und anstrengend.

Punkt eins ist ja, dass es mir überhaupt auffällt, also dass es Überdramatisieren, übertriebenes Sorgen machen, negativer Hyperfokus, aus der Mücke einen Elefanten machen,… ist und eben keine realistische Einschätzung der Situation. In jungen Jahren dachte ich sicher öfter, dass dies mein richtiges Denken ist, dass die Welt so ist und nicht, dass ich da daneben liege und eine andere Sicht auf die Dinge auch möglich wäre.

Alleine die Erkenntnis, dass meine Sicht der Dinge die Tendenz dazu hat, Dinge zu schwarz zu sehen, zu angstbesetzt etc ist schon hilfreich, solchen Ansichten schon gleich zu Beginn nicht zu viel Gewicht zu geben. Manches lässt sich so auch gleich im Keim wegwischen. Ist aber Übungssache und manchmal überrollt es einen ja auch und lässt nicht mehr los.
Wie komme ich wieder raus?

Ich sage mir dann in etwa:

  1. davon geht die Welt nicht unter.
  2. snap out of it! und
  3. das Leben ist zu kurz für so einen S***

Mit meinem heutigen ADHS-Know-How würde ich das als „Self Speech“ kategorisieren, eine der Exekutivfunktionen, die zu Selbststeuerung dienen, darunter seine Emotionen zu regulieren.

Wenn andere Personen involviert sind, sage ich mir
„die sind mit sich selbst beschäftigt“
„so wichtig bin ich nicht“
„es kann mir egal sein, was andere denken“
„mir über die Gedanken anderer Gedanken zu machen ist Zeitverschwendung“
u.ä.m.

Wenn das Selbstgespräch nicht reicht, dann versuche ich zusätzlich

  • etwas anderes zu machen,
  • den Ort zu wechseln,
  • Dinge wegzulegen/wegzuräumen die mit dem Problem zusammenhängen. Und sage mir vielleicht,
  • dass ich mich später darum kümmern und
  • es erstmal überschlafen werde wenn es soetwas ist, das eine Tätigkeit oder Entscheidung erfordert.
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Für mich ebenfalls. Leider bin ich dann so extrem gelähmt, dass eine Ablenkung oder irgendwelche Strategien anzuwenden unmöglich ist.

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Dieser Moment, wenn du nicht drauf klar kommst, dass andere Leute genauso denken/leben/fühlen wie man selbst …
:smiley:

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Also dieser Faden hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet :flushed:
Was mich besonders belastet, ist, dass es bei mir häufig im Zusammenhang mit Gesundheitsproblemen auftritt. Das kann schon eine normale Erkältung sein, die mich dann mental total aus der Bahn wirft… meine Gedanken kreisen um die Symptome, wie lange ich wohl noch flachliege, was ich alles verpasse und überhaupt wie mies alles ist :see_no_evil:

Jetzt gerade schägt das wieder richtig zu, weil ich mit der Eindosierung so meine Probleme habe - nämlich vor allem Magenprobleme und Sodbrennen. Mein Kopf katastrophiert das schon wieder total und ich denke, dass ich keine Lösung finde, Medikamentierung aufgeben muss, wieder am Anfang stehe, nichts wird sich ändern ect.
Das nervt so sehr! Sofort ist alles ganz schlimm und aussichtlos. Ich kann nicht mal n Film gucken um mich abzulenken, weil meine Gedanken nur in diesem Thema hängen. Nur Schonkost zu essen hebt die Stimmung auch nicht gerade :roll_eyes:

Kennt das noch jemand im Bezug auf Gesundheit/Krankheit? Dachte manchmal schon es könnte Hypochondrie sein, aber das passt auch nicht richtig.

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Ich denke, es ist egal, auf welche Themen sich der Hyperfokus richtet… wichtig und hilfreich ist es, so eine Grübelei überhaupt als Hyperfokus zu erkennen… und dass es eben eigentlich nicht gerechtfertigt ist, sich dermaßen intensiv mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen… und dass es dann, aus der Luftperspektive betrachtet, eigentlich nicht diese Wichtigkeit hat…

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Also bei mir hilft temporär Sport der das Körperbewusstsein erhöht - durch aufgepumpte Muskeln, bei Kraftsport mit Hanteln.
Das ist das Einzige…

Das resultierende Körperfühlen verbessert auch das (Selbst-)Bewusstsein generell und lässt einen mental klarer und stärker werden.

Also vom physischen zum psychischen.
Viel viel besser als alle psychologischen Weisheiten und Übungen.

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Vielleicht liegt das gar nicht so weit weg von den Übungen, die ich so durchführe (wenn ich denn in der Situation überhaupt soweit denke …). Kraftsport setzt ja auch voraus, dass man mit dem Bewusstsein „woanders“ ist, aus dem Kopf, aus dem Gedankenkreis rauskommt. Die Überschneidung zu Achtsamkeitsübungen ist eigentlich groß - zumal da noch die körperliche Anstrengung dazukommt, die das Bewusstsein in der beanspruchten Region festhält. Hervorragende Idee übrigens!! Wird gleich ins goldene Büchlein eingetragen. :+1:

Auspowern, wie ich das oben meinte und wie das oft empfohlen wird, wäre eher, wenn man zB. auf einen Boxsack einprügelt oder eben exzessiv ums Dorf kachelt. Da wäre mir eben zu viel Emotion im Spiel.

Meint Ihr, man sollte zwischen negativem Hyperfokus und Katastrophisieren deutlicher unterscheiden - wie überschneidet sich das bzw. grenzt sich ab?
Ich würde sagen, Katastrophisieren verstärkt den Hyperfokus, vor allem durch die emotionale Aufladung.
Bei den Gegenmaßnahmen muss man daher aus beidem raus, aus der Emotion und aus dem Fokus bzw. Grübeln.
@Nono man nennts ja auch „Ruminieren“ (schönes Wort, wie ich finde!). Der Begriff wird lustigerweise nicht nur in der Psychologie, sondern auch der Medizin verwendet: „Unter Rumination versteht man das (in der Regel unfreiwillige) Regurgitieren von kleinen Speisemengen vom Magen (meist 15–30 Minuten nach dem Essen), die wiedergekäut und in den meisten Fällen auch wieder geschluckt werden.“ (msdmanuals.com)
„Regurgitieren“. Geil. :rofl: Vielleicht hilft das Bild ja auch, um aus so einem Zustand rauszukommen: ich regurgitiere wie die Kuh auf der Alm… :ox:

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Ja, genau - es ist echt entscheidend und wichtig, rechtzeitig einzugreifen.
Setzt bei mir aber ein Mindestmaß an Übung voraus…

Da hast Du dann ein körperliches Unwohlsein als „Signal“ - vielleicht lässt sich das trainieren, wenn Du Dir eine Wenn-Dann-Kette aufbaust? - „Sobald“ der Magen zu grummeln anfängt, dann …
Vielleicht hast Du schon bestimmte verstärkende Verhaltensweisen ausgemacht?

(Nebenwirkungen während der Eindosierung gehen häufig auch wieder vorbei. Bei Sodbrennen ist Low Carb ganz gut, vor allem abends… )