Neurodivergent Mom YouTube und Online Test AuDHS?

Ich habe mir ein paar Videos bei Youtube zu SCT - Sluggish Cognitive Tempo / CDS - Cognitive Disengagement Syndrome angeschaut und prompt hat mir der Algorithmus ein paar Videos zu ADHS vorgeschlagen, bin dann nicht beabsichtigt über das Thema AuDHS gestolpert, insbesondere fand ich dieses Video von Neurodivergent Mom interessant: https://youtu.be/NOBuRbfgt4c?si=aDLy-BvV1RLSSdT8
(In diesem Kommentar kurz die 5 wesentlichen Punkte: https://youtube.com/watch?v=NOBuRbfgt4c&lc=UgwDWISpyaXbY4SWJ7J4AaABAg&si=YokcNLCwb-MMxUWz)

Mein Ältestes hat die Diagnose ASS (plus Konzentrationsstörung, quasi ADHS), ich habe die Diagnose ADHS, allerdings wegen Vererbung und auch wegen meiner Persönlichkeit schon öfter über ASS nachgedacht, hab das aber immer ignoriert, weil kann ja wegen halbwegs sozial und Impulsivität nicht sein. Macht aber Sinn, wenn ADHS die ASS teilweise maskiert. Und gerade das mit diesen starken inneren Widersprüchen, da fand ich mich total wieder.

Ich will mir nichts andichten, tendiere wegen einer möglicherweise erforderlichen Anpassung der Behandlung aber dazu, dies weiterzuverfolgen.

Wie sehr ihr das (als Betroffene)?
Kann man darauf was geben?
Ich bin äußerst skeptisch, weil halt Youtube-Uni :smiley: , keine Ärztin und auf Klicks optimierte Präsentation. Muss aber nicht dagegen sprechen, mir fehlt aber die Expertise dies einzuschätzen.

Bei vielen online Autismustests bleibe ich wegen der ADHS und Social Skills oftmals unter dem Threshold, wegen der Social Skills und 40+ Jahre Masking. Wobei bei dem Kurztest The AQ-10 | Embrace Autism bin ich tatsächlich mit 7 mal knapp drüber.
Gibt es spezielle Tests für diesen Kontext?

Huhu,
Natürlich sind Youtube-Videos keine Selbstdiagnose, aber es gibt qualitativ hochwertigen Content von Betroffenen.
Tatsächlich habe ich genauso meinen Weg zur offiziellen Diagnose bekommen. Als Mädchen war ich ruhig, fantasievoll, kreativ, unfassbar wissbegierig solange es nicht langweilig vermittelt wurde. Niemand dachte in den 90ern bei mir an ADHS. Alle Probleme die ich in meinen 35 Jahren auf dieser Erde hatte wurden irgendwie anders erklärt und da ich 2009 ein schwer traumatisierendes „Erlebnis“ hatte wurden alle Alltagsprobleme, Depressionen usw dann dadurch erklärt.
Kein Antidepressivum half und auch keine Therapie (bei der Traumaverarbeitung schon, aber nicht beim Rest).
Es brauchte YouTube und Tiktok (Und das an sich ist schon tragisch) bis der Groschen fiel.
Eine junge Frau in meinem Alter erzählte von ihrer ADHS und ich erkannte mich sofort 1:1 wieder. Hab mich dann auch in die Recherche gestürzt und genauso unsicher gefühlt wie du.
Meine Hausärztin (bei der ich mittlerweile aus anderen Gründen auch sehr unzufrieden bin, weshalb ich nicht mehr viel auf ihr Urteil gebe und wechseln möchte) tat das ab als „sie sind doch ruhig, ich glaube nicht, dass Sie ADHS haben“.
Als ich aber bei meiner Neurologin/Psychiaterin wegen meiner PTBS war und das ansprach, machte sie sofort einen Termin für die Testung, bei der ich dann auch fast volle Punktzahl absahnte.

Lange Rede kurzer Sinn:
Es ist nicht falsch, dem nachzugehen, letztendlich ist das so, als würdest du dich mit jemandem unterhalten, der von sich erzählt. Manche gehen mit dem ADHS Content sehr populistisch um, aber wenn du das Gefühl hast, die Person ist seriös, nimm das ruhig ernst und sprich es an. Im Zweifelsfall hast du einen „Artikel gelesen“ das kommt manchmal besser an, als Quelle. Auch Onlinetests werden dir, wenn sie gut sind, nur sagen dass du Tendenzen hast und das ärztlich abklären sollst.

Ich hoffe ich konnte dir wenigstens ein bisschen weiterhelfen :sweat_smile:

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Vielen Dank für deine empathischen Worte.
Wie gesagt, soll keine keine Eigendiagnose aufgrund Youtube-Uni sein :slightly_smiling_face: , eher wie bei dir der initiale Beginn einer möglichen neuen Erkenntnis.

Ich werde es mit meinem Psychiater auf jeden Fall besprechen. Weil, falls es zuträfe, müsste man vermutlich bestimmte Verhaltensweisen neu einordnen und die Behandlung anpassen.

Was mich zusätzlich bestärkt, dass ich sowohl beim Kurztest, als auch beim umfangreichen AQ von Embrace Autism https://embrace-autism.com/autism-spectrum-quotient/ klar über dem Threshold bin, gerade beim großen AQ mit 33 Punkten.

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Was wirft denn der ADxS-Autismus-Differentialdiagnostik-Test raus?

Heute nochmal gemacht und mehr Zeit gelassen, da lande ich mit 33 knapp über dem Threshold, das letzte Mal waren es 26, aber weit vom ASS Durchschnitt von 45 entfernt. Problem ist hier, dass man mit über 40 gewisse Sozialkompetenzen erlernt hat und eben ASS vom ADHS (Soziales etc) zT maskiert werden könnte.
Das mit dem Blickkontakt ist ein Beispiel. Kann mich erinnern, dass das mal Thema war als Kind und ich mich lange zwingen musste Blickkontakt zu halten, ich mache es deshalb heute automatisch, mechanisch, es ist keine intentionale Handlung. Da sind allein 5 oder mehr Fragen in dem Bogen, die muss ich dann ehrlich in der Regal als nicht zutreffend beantworten. Weil ich es heute mache, aber es waren Jahre der Überwindung und innerer Kampf.
Das hatte ich bei dem Fragebogen auch als Kritik formuliert, dass ich manche Sachen heute mache, die ich bis ins junge Erwachsenenalter mühsam erlernen bzw übernehmen musste. Das müsste man irgendwie differenzieren, wie es als Kind war und heute als Erwachsener ist. Was ist Masking, was Coping, was Wesensmerkmal?

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Je mehr ich mich damit beschäftige, desto eher tendiere ich in die Richtung, dass das bei mir AuDHS sein könnte.

Bei mehreren Tests von https://embrace-autism.com/ über dem Threshold, mal mehr oder weniger deutlich.
Wenn es mal ein Bild ist, dass etwas weniger eindeutig ist, ergibt sich das aus den erworbenen Skills, Masking bzw dort wo die ADHS übernimmt: Würde ich eher auf eine Party als in die Bib? - ADHS sagt yeah, Autismus so Meh, ich kann mich auf Kinder einlassen, ging schon immer halbwegs (kostet Kraft), jetzt hab ich Eigene, muss gehen, auch wenn ich am liebsten konstruiere und plane, Risiko eingehen oder Achterbahn fahren, durchaus, aber nicht zwingend, ich nehme Sprichwörter nicht wörtlich, kann halbwegs kommunizieren, auch wenn Einiges an mir vorbeigeht (ADHS, ASS, keine Ahnung?), Oberflächen sind mir meistens egal, außer sie sind klebrig, Töne sind eher ein Thema.

Meiner Meinung nach genug Material, dass mal ein Experte bzw eine eine Expertin anschaut.

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Wenn ich es richtig verstehe, ist der RAADS-R sehr verlässlich und auch wenn ich da für ASS mit 124 leicht unterdurchschnittlich score (ASS in wissenschaftlichen Studien ≈ 133), bin ich mehr als eindeutig über dem Threshold von 65.
Selbst wenn ich jetzt noch einen Response Bias vermute, komme ich never ever unter einen Wert von 65. Eigentlich ist es klar, erst recht wenn man alle weiteren Fakten, wie Genetik und Verhalten einbezieht.

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Spannend…
Wo hast du den gemacht ? Gibt’s dazu eine Quelle, die du verlinken könntest?

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Genau dort. Gibt noch mehr Tests.

Finde die auch supi.

Die Ergebnisse hatte ich mir damals fein abgespeichert, aber in die Richtung trotzdem keine Diagnostik gesucht.

Hi,
ich finde die Tests auch sehr gut.
Aber:
Bei online Tests liege ich immer weit im autistischen. Absolut eindeutig.
Der offizielle Test war dies nicht. Allerdings hat mein Psychiater (selbst Aspie) den Test quasi ignoriert. Ich hätte zu gute Coping Strategien entwickelt…
Der offizielle ADHS Test war bei mir eindeutig positiv (ADHS-C). Meine Therapeutin war sich auch 100%ig sicher. Aber es gab auch andere Stimmen. Als dann der Verdacht auf ASS aufkam, haben plötzlich alle an der ADHS Diagnose gezweifelt…
Zuletzt kam noch eine HB dazu. Die Symptome können sich dermaßen überlagern, dass ich mir inzwischen selbst nicht mehr sicher bin was ich glauben soll. Ohne Professionelle Differenzialdiagnostik werde ich nie Gewissheit haben. …und selbst dann vermutlich nicht.

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Die Argumentation überzeugt mich nicht vollends. Zugrunde liegt dem die Annahme es müsse immer eine Diagnose zutreffen. Dass es mehrere Diagnosen sein können ist nunmal noch relativ neu und viele Behandler haben es noch anders gelernt.
Natürlich macht es keinen Sinn jemand mit Depressionen mit Stimulanzien zu behandeln und jemand mit ADHS mit Antidepressiva. Keine Kritik an Differentialdiagnostik, Ziel ist es ja den Menschen bestmöglich zu helfen. Dogmatisch angewendet kann es das Gegenteil bewirken.
Jemand mit Depressionen kann ja eine ursächliche ADHS haben. Die Realität ist grau, kein Schema.

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Ich habe mich nun seit langem mal wieder hier her verirrt. Danke für den Kommentar.

Inzwischen weiß ich, dass ich AuDHSler bin und habe eine gewisse Vorstellung was das bedeutet. Trotzdem versuche ich immer noch, die Symptome irgendwie zuzuordnen. Häufig gelingt mir das aber nicht. Ist ja auch kein Wunder.

Ob ich überhaupt noch versuchen werde eine schriftliche ASS Diagnose zu bekommen, weiß ich im Moment nicht. Priorität hat erstmal die Selbstakzeptanz.

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Ich habe die Abmachung mit meinem Behandler, dass ich mir nochmal ein sehr ausführliches akademisches Lehrwerk zu ADHS durchlesen soll. Wenn ich danach noch der Meinung bin, dass ich tatsächlich auch ASS habe (sich die von mir einer ASS zugeordneten Symptome nicht plausibel mit ADHS erklären lassen), unterstützt er mich dabei dem weiter nachzugehen.
Ich bin selbst, wie viele Andere hier, durchaus selbstkritisch am Überlegen, ob eine Erklärung durch ADHS nicht plausibler ist. Aber bisher bin ich davon noch nicht überzeugt.

Bin mal gespannt, ob es neue Infos gibt bzw ob eine besonders systematische Organisation bekannter Fakten zu neuen Erkenntnissen führt.

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Schau dir mal die Erklärvideos von “AuDHD Hub” an. Was besseres habe ich zum Thema AuDHS noch nicht gefunden.

Ursprünglich habe ich mich voll und ganz mit ADHS identifiziert. Nach einiger Zeit und der Lektüre des gesamten I-Nets :grin: (und auch mehrerer Bücher) habe ich aber festgestellt, dass da noch mehr ist…. Inzwischen ist mir absolut klar warum. Ich kann sogar meine HB vernünftig einordnen. Für mich ist die Selbsterkenntnis absolut grundlegend. Die ärztliche Bestätigung habe ich ja eigentlich bereits. ASS halt noch nicht als gesicherte Diagnose.

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Ihre Videos kenne ich alle schon. Würde schon sagen, dass das weitestgehend auch ich bin.

Selbsterkenntnis ist schon mal ein Schritt, ich hätte es gerne bestätigt. Imho macht es nämlich bei der Behandlung einen Unterschied ob ADHS oder AuDHS.

Welchen und bei welcher Behandlung?

ZB die Erwartung, was die Wirksamkeit der Medikamente angeht (bei AuDHS bzw ASS oft reduziert), sowie die Anpassung und Differenzierung der Strategien zur besseren Bewältigung des Alltags entsprechend der Ursachen der Symptome.

Sofern es wirklich eine ASS wäre und diese diagnostiziert würde, ist die Wahrscheinlichkeit, einen GdB 50% zu bekommen, relativ hoch, was mir beim Wiedereinstieg in den Beruf helfen könnte. Ist aber sehr weit gedacht und wäre dann ein kleiner Bonus.

Alleine eine Diagnose dürfte vermutlich den Druck weiter reduzieren, wobei das jetzt nicht als Heilserwartung verstanden werden soll. Ich will nicht sagen, dass durch die ADHS Diagnose alleine alles besser geworden wäre, aber wie gesagt: Selbsterkenntnis (und -verständnis) ist der erste Weg zur Besserung. Vor allem, wenn man Gewissheit hat und nicht mehr spekulieren muss.

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Falls noch Informationen gesucht werden: ich habe bei meiner eigenen Recherche den Youtube-Kanal “InsideAut” (deutscher Kanal, trotz des englischen Namens) entdeckt und er hat meiner Meinung nach wirklich klar aufgearbeitete Videos zur Abgrenzung zwischen ADHS und ASS.

Selbsterkenntnis ist extrem wichtig, dem kann ich nur zustimmen.

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