Nicht alle ADHS-Kinder sind hyperaktiv

…längst nicht alle…

<LINK_TEXT text=„News … hyperaktiv“>https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/111790/Nicht-alle-ADHS-Kinder-sind-hyperaktiv</LINK_TEXT>

Na ja, wie schön, dass diese in Expertenkreisen bereits Jahrzehnte alte Erkenntnis endlich auch im Ärzteblatt angekommen ist…
Die Tatsache, dass sich die ADHS-Welt in Hyper- und Hypoaktive unterteilt, sollte mittlerweile eigentlich ein alter Hut sein.
GÄHN!

Andererseits ist es eigentlich immer gut, darauf hinzuweisen, dass die Hyperaktivität zwar das hervorstechendste, aber nicht das wichtigste Symptome ist, zudem es auch ja nicht immer vorhanden ist.

Entscheidender sind meiner Meinung nach die beiden Probleme der Aufmerksamkeit und der Impulsivität, wobei auch hier ein Aufklärungsbedarf besteht, was damit eigentlich gemeint ist.

So wie ich den Artikel verstehe geht es nicht um Hypoaktivität sondern um Hyperaktivität ohne auffällige oder sichtbare Impulsivität.
Leider wird das im Artikel m.E. unzulässig vermengt mit Verträumtheit im Sinne des verträumt-unaufmerksamen Subtyps. Ich denke, dass das nicht korrekt ist.

Bei den unauffällig Hyperaktiven spielt sich viel im Kopf ab (Gedankenkreisen, mein geschwätziges Gehirn, Anspannungszustände…) oder körperlich durch Knibbeln, Hibbeln, Knaubeln, Wippen…
Damit bleiben sie vordergründig angepasster, büßen dafür aber im späteren Leben mit körperlichen Beeinträchtigungen, zB. Verspannungen, bis hin zur komorbiden Fibromyalgie. Vor allem aber fliegen sie unter dem Radar und erhalten dadurch keine Hilfe.

Hypoaktivität ist ja auch gar keine anerkannte Bezeichnung.

Ich bin bisher davon ausgegangen, dass „vorwiegend unaufmerksamer Subtyp“ bedeutet, dass sich die Hyperaktivität einfach deutlich weniger sichtbar zeigt und eben innerlich abläuft, dass aber subtil dennoch Anzeichen wie z.B. Knibbeln zu beobachten sind.

Es heißt ja auch jeweils „vorwiegend“, d.h. das alle drei Symptome vorhanden sind, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

Möglicherweise könnte hypoaktiv das sein, was Barkley als SCT bezeichnet.

Oh Nö, du schon wieder mit deinen „nicht anerkannten“ Begrifflichkeiten. Nur weil du es nicht kennst. :roll:
Ich wurde bereits vor fast 20 Jahren als hypoaktiv diagnostiziert.
Hypoaktivität ist das Gegenteil von Hyperaktivität und als Begriff durchaus anerkannt und bekannt.
Was die Hypies zuviel haben, haben die Hypos zu wenig! Hypo zu sein, bedeutet „nicht aus den Puschen zu kommen“ bzw. große Probleme mit der Eigenmotivation zu haben.

Die Hyperaktivität ist nur bei ADHS das hervorstechenste Symptom, nicht aber bei ADS!
Man sollte nicht vergessen, dass es ADS gibt und das H im ADHS ja mittlerweile sowohl für Hyper- als auch Hypoaktivität steht.
Das sind die drei Grundvarianten.


Genau… und das X in AdXs für Xtraordinary :smiley:

Mich erinnert das ja immer an Kartoffeln. Wenn ich eine Kartoffel wäre, dann vermutlich ‚vorwiegend festkochend‘… auch wenn ich mich manchmal ganz schön mehlig im Kopf fühle :lol:

Am Ende ist mir die Kategorie in die ich gehöre nicht so wichtig. Vor allem anderen bin ich erstmal ICH! Adhs ist zwar ein Teil von mir, aber es ist längst nicht alles was mich (oder euch) ausmacht… ich finde, das sollte man sich auch immer mal wieder vor Augen halten! =)

Ich wünschte mir, ich könnte das auch so sehen. Meine Hypoaktivität ist für mich leider weit mehr als nur eine Kategorie, denn sie bestimmt mein Leben. Und das ist schon ein ziemlicher Kampf.


Doch, ich kenne den Begriff natürlich, aber er ist nicht anerkannt.

Anerkannt ist „vorwiegend unaufmerksam“, womit klar ist, was gemeint ist, wenn ADHS grundsätzlich aus den drei Hauptsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität besteht.

Und nein, das H in ADHS steht nicht für hypoaktiv oder hyperaktiv, es steht ausschließlich für hyperaktiv.

Übrigens werden Motivationsprobleme bei allen ADHS-Typen beschrieben, nicht nur beim vorwiegend unaufmerksamen Typen.


Ja, und daher ist der hypoaktive ADSler auch eine Subform. Hypoaktivität bedeutet nicht nur Abwesenheit von Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Motivationsprobleme, sondern extreme Motivationsprobleme. Deshalb spricht man bei den Hypos auch gern vom „Träumerle“, weil sie nur allzu gern rumsitzen und sich stundenlang ihren Tagträumen hingeben können.
Ich weiß als Betroffene nun wirklich wovon ich spreche.

Naja, ich bin auch ein Träumer, immer gewesen. Und hatte auch schon immer extreme Motivationsprobleme.

Allerdings sehe ich dazwischen keinen Zusammenhang, außer dass man eben lieber vor sich hinträumt, als seinen ungeliebten Kram zu erledigen. Das Vermeiden dieser Tätigkeiten ist aber doch bei allen Subformen so, oder?

Es geht mir bei „hypoaktiv“ auch einfach nur darum, dass sich Fr. Simchen diese Bezeichnung ausgedacht hat, und es offiziell eben „vorwiegend unaufmerksam“ heißt.

@Addy_Haller
Vielleicht solltest du mal dein extremes Festhaltem an „offiziellen“ Begrifflichkeiten überdenken.
Was bitte hat „überwiegend unaufmerksam“ mit Motivationsproblemen zu tun?

Nämlich NIX!!!

Und ja, die fehlende Motivation hinsichtlich Routineaufgaben ist allen AD(H)Slern gemein, aber bei den Hypos ist sie sehr viel extremer ausgeprägt.

Und wo steht, dass Frau Simchen den Begriff " Hypoaktiv" „erfunden“ hat?

Bei ADHSpedia z.B.:

„Als hypoaktiv (von griechisch ὑπό (hypo) → grc „unter“; unteraktiv) bezeichnet Helga Simchen den vorwiegend unaufmerksamen ADHS-Subtypen. Der Begriff ist in der Wissenschaft nicht etabliert und findet eher in der Selbsthilfeliteratur Anwendung.“

Ich halte mich einfach an das, was wissenschaftlich etabliert ist. Daran gibt es mMn nichts zu überdenken.


Hast du dafür eine Quelle? Das würde mich interessieren.

Wie kommst du auf das Thema Motivation im Zusammenhang mit einem ADHS-Subtypen? Das spielt bei der Einteilung doch gar keine Rolle.

Die Einteilung in Hypies und Hypos mag schön einfach und plakativ sein, aber die Realität ist eine andere. Du selbst weist ja zu recht darauf hin, dass ADHS eine individuelle Sache ist und man nicht alle über einen Kamm scheren kann.

ist das wirklich so ?
Ob ich nun still und verträumt unter der Demotivation bei Routineaufgaben leide und nix fertig bekomm
oder hyperaktiv mich mit 1000 anderen Ideen und Tätigkeiten der Demotivation bei Routineaufgaben wegprokrastiniere und nix fertig bekomme und ebenso darunter leide inc. ggf verursachtem Chaos?

Eigentlich so rumgesponnen, wäre doch allgemein ADS die richtige Bezeichnung . Ein Aufmerksamkeitsdefizit welches sich bei selbigem Reiz oder bevorstehender Anforderung einfach nur entweder „hypo“ oder „hyper“ in neuronale Netze verarbeitet und quasi eine neurotypische Reaktion verhindert.

Ich bin ein Mischtyp und eigentlich ist es für mich im Endergebnis fast „egal“ ob es unaufmerksam, verträumt bzw. oder Hypo heißt.
Es fühlt sich so an als ob meine Hyperaktivität in dem Modus quasi nach innen gerichtet ist und zeigt sich nicht nach außen.

Früher (Schulzeit) war ich wohl mehr Hyperaktiv , (Classenclown , Babbel nicht halten können, zappeln)
Aber es gab auch die Situationen wo ich ganz woanders war und die Kondensstreifen am Himmel beim Blick aus dem Fenster, mir schönere Dinge erzählten wie der Lehrer. :wink:

Wenn man beides ist, dann ist der Lehrer ja froh wenn man mal im „Hypo“-Modus ist , sieht es als „normaler“ aber dahinter wird dann nicht erkannt das man ebenso mal wieder nicht bei der Sache war.


Absolut. Aufmerksamkeit und Impulsivität als Kernsymptome reichen, wenn das H ohnehin fakultativ ist. :smiley:

Es ist gerade andersherum! Die Wissenschaft bildet die Realität nicht ab!
Die Einteilung in Hypies und Hypos ist eine ganz grobe Einteilung. Wir gehen ja zunächst von der These aus, dass eben nicht alle ADSler hyperaktiv sind.
Die Hypoaktiven finden sich in den Fragebögen meistens nicht wieder, weil der Fokus der Wissenschaft in der Realität leider viel zu sehr auf die Hyperaktivität gerichtet ist.
Das sind meine Erfahrungswerte aus Selbsthilfegruppen und ADHS-Foren. Die Hypos sind die Minderheit und werden deshalb auch seltener diagnostiziert, da sie nicht so auffällig sind.
Das extreme Motivationsproblem hängt nicht mit der Unaufmerksamkeit zusammen, sondern mit der fehlenden Impulskontrolle. Diese stellt sich beim Hyperaktiven in Form von "Impuls nicht unterdrücken können’ dar, während der Hypoaktive dem Impuls nicht folgen bzw. diesen nicht umsetzen kann.
Das Ergebnis ist dann oft dasselbe, aber die Ursache eine andere.
Das hat aber nun wirklich nichts mit Unaufmerksamkeit zu tun.
Es ist nämlich ein Unterschied ob ich etwas nicht wegräume, weil ich etwas gar nicht wahrnehme, weil ich gerade mit meinen Gedanken ganz woanders bin oder weil mich einfach dazu nicht aufraffen kann!

Absolut. Träumen hat etwas mit fehlender Umpulskontrolle zu tun. Da sind wir einer Meinung. Man könnte ja den Impuls, sich seinen Tagträumen hinzugeben, widerstehen.

Tja, warum sollte es bei den Kindern anders sein als bei den Erwachsenen? Wenn man als Erwachsener mit schweren Konzentrationsstörungen Hilfe sucht wird man ja auch nur ausgelacht …