Da könnte ich ja jetzt schon wieder heulen. Irgendwann wollte ich mit der Familie vielleicht doch mal ein Haus finanzieren, was bis zur Rente vielleicht gerade so möglich gewesen wäre. Aber da ist normalerweise eine Lebensversicherung Pflicht…
Es ist gerade echt einfach nur ein Albtraum und ich will, dass wieder alles so ist wie vor der Behandlung Ich will nicht plötzlich ein psychisches Wrack sein, ich hab mir ja nicht den Kopf mit irgendwelchem Zeug weggeballert oder so. Ich will mir nicht jeden Tag über jeden Müll Sorgen machen und ich will auch nicht mein Leben lang auf irgendwelchen Muntermachern hängen, die am Ende noch mehr Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen haben oder abhängig machen. Von Antidepressiva lese ich hier im Forum auch nur Horror Stories… Und ich will mir auch nicht alles verbaut haben, nur weil ich wissen wollte ob ich vielleicht wirklich ADHS habe. Ich bin nur über die harmlosen Sachen drüber gestolpert, so wie meist schnell wechselnde Hobbies die sehr intensiv abgenutzt werden, mangelnde Motivation aber gleichzeitiger Hyperfokus, sowas. Ich bin nicht der Typ der plötzlich auf einer Leiter steht und einen Schritt nach hinten macht oder sonst irgendwas das die Lebenserwartung reduziert. Mein Ding ist eher, dass ich nicht priorisieren kann und immer das was gerade rein kommt höchste Priorität bekommt. Und ich kann selten einem Gedanken bis zum Ende folgen, weil der Gedanke entweder irgendwo scharf abbiegt, eine Fliege durchs Zimmer fliegt oder sonst etwas. Aber ich kann mich auch nicht dran erinnern, ob das früher auch so war oder zu Problemen geführt hat. Abi und Studium haben auch geklappt, wenn auch wegen Faulheit oder wie man es nennen will nur mit Bulimie-Lernen oder Abschlussarbeit in einer Woche schreiben. Aber an meine Kindheit kann ich mich zum Beispiel gar nicht mehr so groß erinnern, genau wie an meine Schulzeit vor der Oberstufe. Aber die liegt mit 39 Jahren auch eine Weile zurück, ich weiß nicht in wie weit das normal ist. Verdammt, bin ich alt. Wo ist die Zeit hin? Ich habe das Gefühl ich bin irgendwo zwischen 16 und 26…
Achso, von meinem Gemüt ausgehend scheint zumindest die aufmunternde oder beruhigende Wirkung nur etwa 7 Stunden (trotz Frühstück und Mittagessen) gehalten zu haben. Kann man daraus Schlüsse zur Halbwertszeit bei mir ziehen? Zumindest habe ich jetzt mal eine vermeintliche Wirkung von Elvanse - die antidepressive. Spiele ich jetzt auf Zeit und hoffe, dass auch die depressive Wirkung von Elvanse kommt? Ich weiß es jetzt echt nicht, die einen sagen so, die anderen so. Bei dir scheint es ja auch eher nicht so zu sein, als wenn die Depression eine vorübergehende Nebenwirkung der Eingewöhnung gewesen ist.
Warum entwickeln spät diagnostizierte Erwachsene mit ADHS nach Beginn der Stimulanzientherapie manchmal depressive Symptome – und was passiert beim Absetzen im Gehirn?
Viele Erwachsene, die erst spät im Leben eine ADHS-Diagnose erhalten, berichten einige Wochen oder Monate nach Beginn einer Stimulanzientherapie (z. B. mit Methylphenidat oder Lisdexamfetamin) von depressiven Verstimmungen. Dieses Phänomen lässt sich sowohl psychologisch als auch neurobiologisch gut erklären. Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist der sogenannte „Kanalratteneffekt“.
1. Psychologischer Erklärungsansatz: Der „Kanalratteneffekt“
Diese Metapher beschreibt sehr treffend, was viele erleben: Die ADHS-Symptomatik fungiert über viele Jahre wie eine Schicht aus „Schutt“, unter der andere Probleme verborgen liegen. Sobald diese Schicht durch die Wirkung der Stimulanzien reduziert wird, kommen die „Kanalratten“ zum Vorschein – verdrängte oder überlagerte psychische Probleme.
Beispiele:
Komorbide Störungen wie Depressionen oder Ängste, die zuvor durch das ständige Chaos oder die Reizüberflutung verdeckt wurden.
Unverarbeitete Traumata oder emotionale Konflikte, die durch die bessere Selbstregulation nun stärker wahrgenommen werden.
Identitätskrisen, wenn das bisherige Selbstbild („chaotisch, impulsiv, unkonzentriert“) plötzlich nicht mehr zutrifft – und eine Neuorientierung emotional belastend ist.
2. Neurobiologische Aspekte
a) Veränderung der Neurotransmitterbalance
Stimulanzien erhöhen die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin, besonders im präfrontalen Kortex und im Striatum – Regionen, die für Aufmerksamkeit, Motivation und Impulskontrolle entscheidend sind. Diese Verstärkung kann jedoch auch eine Dysbalance erzeugen:
In manchen Fällen wird ein relativer Serotoninmangel spürbar, besonders bei Personen mit bereits bestehender affektiver Vulnerabilität.
Die höhere kognitive Kontrolle ermöglicht mehr Selbstreflexion – was bei zuvor unbewussten negativen Gefühlen oder unerfüllten Lebenszielen zu depressiven Einsichten führen kann.
b) Exekutive Funktionen und Selbstreflexion
Durch die Verbesserung exekutiver Funktionen (z. B. Zukunftsplanung, Selbstbeobachtung) können Betroffene schmerzlich erkennen, was sie durch die unbehandelte ADHS möglicherweise „verpasst“ oder „verloren“ haben – das kann Schuldgefühle, Trauer oder Resignation auslösen.
3. Verlust eines Coping-Mechanismus
ADHS-Symptome wie Hyperaktivität oder ständiges Gedankenkarussell sind nicht nur störend, sondern können auch bewusste oder unbewusste Bewältigungsstrategien sein. Wenn diese plötzlich wegfallen, entsteht nicht selten eine innere Leere oder ein Gefühl des Kontrollverlusts – ein Nährboden für depressive Symptome.
4. Alltag, Erwartungen und Realität
Nach Diagnose und Medikationsbeginn herrscht oft eine Phase des „Aufbruchs“ – viele erhoffen sich ein neues Leben. Wenn sich die Effekte der Medikation nicht so tiefgreifend oder stabil einstellen wie erwartet, oder wenn neue Probleme sichtbar werden, kann dies zu Frustration und Enttäuschung führen – und in eine depressive Phase übergehen.
5. Komorbiditäten: Depression und Angst
ADHS tritt bei Erwachsenen sehr häufig gemeinsam mit Depressionen oder Angststörungen auf. Diese können erst dann in den Vordergrund treten, wenn das dominante ADHS-Symptomcluster (Unruhe, Ablenkbarkeit, Überreizung) durch die Medikation reduziert wird.
Was passiert im Gehirn beim plötzlichen Absetzen von Stimulanzien?
Der abrupte Entzug von Methylphenidat oder Lisdexamfetamin kann zu deutlich spürbaren körperlichen und psychischen Reaktionen führen – insbesondere bei Menschen mit spät diagnostizierter ADHS.
1. Neurochemischer „Dopamincrash“
Stimulanzien steigern die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin. Beim plötzlichen Absetzen entfällt diese Wirkung abrupt:
Dopamin-Level sinken rapide, besonders im Belohnungssystem (mesolimbisches System).
Dies führt zu Antriebslosigkeit, emotionaler Leere und dysphorischer Stimmung.
Besonders bei Lisdexamfetamin kann dieser Effekt verzögert, aber ausgeprägt auftreten, da das Medikament eine längere Wirkdauer hat und der dopaminerge Rebound zeitlich versetzt einsetzt.
2. Psychovegetative Symptome
Die abrupte Veränderung im Noradrenalin-System betrifft auch das autonome Nervensystem:
Schlafstörungen oder exzessives Schlafbedürfnis
Gereiztheit, Ängstlichkeit, „innere Unruhe“
Konzentrationsstörungen, „Brain Fog“
3. Psychologische Faktoren
Wenn die Medikation zuvor als „Gamechanger“ erlebt wurde, kann das abrupte Wegfallen zu einem massiven Kontroll- und Selbstwirksamkeitsverlust führen. Alte Denkmuster („Ich schaffe eh nichts“) kehren zurück – oft intensiver als vor Beginn der Behandlung.
Das Auftreten depressiver Symptome nach Beginn (oder Absetzen) einer Stimulanzientherapie ist ein komplexes Zusammenspiel neurobiologischer und psychologischer Faktoren. Insbesondere bei spät diagnostizierten Erwachsenen, die mit großen Hoffnungen in die Medikation starten, ist eine sorgfältige Begleitung und psychoedukative Vorbereitung entscheidend.
Das Gehirn reagiert sensibel auf Schwankungen in der Dopamin- und Noradrenalinversorgung.
Verschiedene Quellen und Fachinfos, Studien, medizinische Fachartikel, zusammengeschustert von dem GPT, dass ich mir kürzlich erstellt habe.
Verglichen mit dem, was ich seit meiner Diagnose so alles gelesen habe, passt das inhaltlich zusammen.
Die Formatierung ist einfach dann Markdown, um Klapptexte und Listenpunkte etc. hier vernünftig darzustellen.
Wenn du einen Beitrag erstellst und oben rechts aufs Zahnrad clickst, gibts da ein paar Formatierungs-Optionen, wie „Details ausblenden“. Das erstellt z.B. einen Klapptext
Ah okay. Markdown kenne ich generell, aber das ist ein anderes Framework als die anderen Foren die ich so kenne. Da ist das deutlich eingeschränkter.
Hm, meine akute Absetzphase war jetzt aber deutlich krasser. Und der Rest passt so la la, ich habe nicht das Gefühl durch ADHS was verpasst oder versaut zu haben, mache ne zufriedenstellende Arbeit und bin mit dem Job zufrieden. Erwartungen hatte ich entsprechend keine, ich war nur neugierig. Und dass ich plötzlich morgens um 6 Uhr schon depressiv aufwache ist auch ganz neu. Dabei ist das ja noch nicht mal eine Absetzphase sondern nur eine Phase mit temporär niedrigem Spiegel (>0!). Ja, gibt theoretisch Dinge die ich verarbeiten könnte, aber da bin ich mir nicht ganz sicher ob das nicht schon verarbeitet ist oder wie das weiter verarbeitet werden soll. Wenn jemand gestorben ist als ich 5 war, ich aber keine echte lebhafte Erinnerung an die Person habe (vermutlich durch das Alter, aber sicher auch durch die Zeit und vielleicht auch Verdrängung), ich mich also weder an Aktivitäten oder Stimme erinnern kann, was soll man daran noch machen? Ich weiß nur, dass es sehr schmerzhaft war, aber das ist auch richtig so und kann man auch nicht wegreden.
Habe ich gerade gemacht bzw. versucht, aber ich glaube mein Google Fu ist nicht gut genug. Kannst du mir den Link geben? Ich finde nur Leute die sich darauf beziehen oder einen Blogeintrag der es nicht näher erläutert. Oder ist es durch @SneedleDeeDoo hinreichend erklärt?
Hm, ich würde mal auch meinen Senf dazugeben.
Erstmal klingen deine ADHS Symptome typisch für den unaufmerksamen Typ - der genauso dazugehört, wie der impulsiv-hyperaktive oder Mischtyp.
Dann haben Medikamente bei ADHS wirklich tolle Erfolgszahlen, aber eben nicht 100% - es gibt einfach Menschen, die das nicht vertragen oder nicht die erhoffte Wirkung damit erzielen.
Wenn ich das richtig gelesen habe, hast du eigentlich keine Wirkung, weder bei Medikinet noch Elvanse. Die leicht antidepressive Wirkung wurde ja erst nach Medikamenteinnahme bzw. dem Absetzen relevant. Da frag ich mich, warum du überhaupt noch Interesse daran hast.
Generell würde ich aber erstmal sagen, dass du die genannten Ratschläge bzgl. Essen und Koffein befolgen solltest. Ich hab auch noch gelesen, dass man Elvanse mit Proteinen einnehmen soll - also vllt ein Proteinjogjurt (oder Getränk?) zum Frühstück wäre eine Idee. Wenn dann aber auch keine merkliche Wirkung eintritt, würde ich überlegen, ob es das Richtige ist.
Soweit ich weiß, gibt es neben Elvanse und Medikinet auch noch andere Medikamente, einige davon mit antidepressiver Wirkung. Vllt wäre da in Absprache mit deinem Psychiater weiteres Testen möglich?
Ansonsten habe ich auch häufig bei AuDHSlern (ADHS + Autismus) gehört, dass die autistischen Symptome sich häufig erst so richtig zeigen, nachdem diese ADHS-Medikamente genommen haben. Das würde auf jeden Fall nicht alle deine Erfahrungen erklären, ist aber vielleicht einen Gedanken wert.
Die Symptome, die du beim ersten „Absetzen“ hattest klingen für mich nach Derealisation und Depersonalisation. Vielleicht helfen dir diese Begriffe weiter, spezifischer zu recherchieren. Ich selbst hatte das mal bei einem Drogentrip weit vor meiner Diagnose und das ist einer meiner unangenehmsten Erfahrungen - seitdem hatte ich das aber nie wieder und bin froh drüber.
Ich wünschte ich könnte mehr helfen, deine Situation klingt auf jeden Fall maximal unangenehm. Ich drücke dir die Daumen, dass es dir bald besser geht und die depressiven Schübe weggehen!
Tja, im Moment hauptsächlich weil ich Angst davor habe wie es mir ohne geht, also wegen der antidepressiven Wirkung oder der fehlenden Entzugserscheinungen, je nachdem was dahinter steckt. Ich will zumindest wenn möglich auf ein psychisch stabiles Niveau kommen, bevor ich mir Gedanken über das Absetzen bzw. Wechseln mache. Das hängt mir alles noch zu sehr in den Knochen. Und falls man nicht im Rebound automatisch unkonzentriert wird bis auf ein Level unter „unmedikamentös“, hatte ich zumindest gestern das Gefühl, dass es gestern etwas gebracht haben könnte. Ich kann nicht schwören, dass ich morgens klarer oder konzentrierter war, aber zumindest nachmittags gab es einen Punkt an dem ich gemerkt habe, wie quasi eine Platte im Kopf springt beim Denken. Also entweder „aktive“ Unkonzentriertheit durch Rebound, oder vorher war es unbewusst besser als sonst und ist nachmittags auf Normal-Null gefallen. Ich denke an dem Punkt war dann jedenfalls die Wirkung vorbei.
Grundsätzlich möglich, aber ich weiß nicht welche Symptome dazu passen würden. Dazu habe ich mich zu wenig mit dem Thema beschäftigt, ich war erst einmal bei ADHS…
Ja, darüber bin ich auch gestolpert. Damit habe ich zwar Worte die es gut beschreiben (zusammen mit Panikattacke), aber insgesamt hat mich das noch nicht weitergebracht. Weder in der therapeutischen Sprechstunde noch beim Psychiater ist man darauf wirklich eingegangen, und auch ansonsten ist das anscheinend nicht so einfach einzuordnen. Mein Psychiater meinte es kann sein wenn die Panik zu groß ist, dass sich der Geist dann quasi ausklinkt und auf Distanz Geht. Das wars, mehr Worte war es ihm nicht wert, dabei hatte ich damit eingeleitet, dass es die schlimmste Erfahrung meines Lebens war. Ich hatte aber das Gefühl, dass es bei mir auch andersrum war und ich erst dadurch oder gleichzeitig die Panikattacke hatte. Laut Recherchen kann das als Begleitsymptom bei diversen psychischen Erkrankungen auftreten, aber selbst bei Schilddrüsenproblemen oder als eigenständige Depersonalisations-/Derealisationsstörung vorkommen.
Bei mir ist es ähnlich. Ich habe Elvanse (30mg) auf Dauer nicht gut vertragen. Habe es zwei Monate genommen. Die ersten zwei Tage nach dem Absetzen waren überraschend gut. Doch jetzt seit einer Woche geht es mir richtig schlecht. Sehr depressiv. Konnte drei Tage das Haus nicht verlassen. Bin sehr empfindlich. Ich habe Angst, dass alle Menschen mich verlassen. Zusätzlich bin ich sehr gereizt. Jeder Muskel in meinem Körper ist angespannt und schmerzt. Ich hoffe, dass das bald vorbeigeht. Es ist schrecklich.
Hi. Ich habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht, allerdings mit Methylphenidat. Bereits am Folgetag nach der ersten Einnahme war ich in einem mit Worten nicht zu beschreibenden Angst-Panik-Verwirrtheit- Lähmungszustand, dass ich sofort abgebrochen habe. In dem Zustand konnte ich definitiv nicht noch einen drauf setzen, sonst hätte ich mich einliefern lassen müssen.
Nun habe ich eigentlich Elvanse zum Testen hier liegen, habe aber die Befürchtung, dass es genauso nach hinten losgeht. Aktuell befinde ich mich eh in einem Post Covid Zustand, dadurch bin ich körperlich und mental sehr instabil. Es geht gerade nicht und ich traue mich auch nicht. Da mein Psychiater Post Covid völlig negiert und alles auf Psyche schiebt, komme ich auch gerade nicht mehr weiter.
Hallo @Optimus!
Warum hast du es denn abgesetzt, wenn du in den zwei Monaten anscheinend keine Probleme hattest? Ich fühle auf jeden Fall mit dir. Gerade das Gefühl, dass alle mich verlassen (haben), obwohl sie direkt vor mir stehen, war extrem eigenartig. So eine Traurigkeit als wäre alles vorbei, als wäre man schon tot oder eben alle anderen… zumindest bei mir. Stark, dass du das durchziehst. Halt uns gerne auf dem laufenden - und auch ob es klappt und wie lange die Symptome dauern.
Was den Wirkstoff betrifft, müsstest du jetzt nach einer Woche eigentlich schon auf wieder auf 0 sein. Aber so wie @SneedleDeeDoo schreibt, ist das dem Körper wohl erst einmal egal…
verstehe ich vollkommen. Ich sitze auf der anderen Seite und traue mich nicht aufzuhören. Jedenfalls sollte Elvanse grundsätzlich anders wirken, daher solltest du es zumindest mal versuchen wenn du dich dazu wieder bereit fühlst.
Bei der Überlegung mit der Einlieferung war ich auch schon mehrfach, allerdings bin ich immer wieder vorher davon abgerückt weil mir der Schritt doch zu krass war und die Hürden doch irgendwie zu groß. Es gibt hier nichts wo ich einfach hingehen könnte und aufgenommen werden würde oder mit jemand qualifiziertem reden könnte, überall muss man sich vorher anmelden oder eine Überweisung haben oder so. Die Therapeutin meinte zwar man könnte in jedes Krankenhaus in die Notaufnahme gehen, aber wenn ich nicht gerade mein Lebensende in Aussicht stelle, was werden die da machen? Mich in einen Warteraum setzen, mir ein Glas Wasser und vielleicht ein Beruhigungsmittel geben und mich nach ein paar Stunden wieder nach Hause schicken…
1. Du hast ein gesetzlich verankertes Recht auf stationäre Krisenhilfe – auch ohne Überweisung.
Wichtig zu wissen:
In Deutschland gilt: In einer akuten seelischen Notlage kannst du jederzeit eine psychiatrische Klinik aufsuchen – auch ohne Überweisung oder Anmeldung. Das nennt sich Aufnahme nach § 39 SGB V (Klinikbehandlung im Akutfall).
Du darfst kommen, wenn:
du akute Suizidgedanken hast (auch ohne konkreten Plan),
deine psychische Verfassung so belastend ist, dass du deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst,
du dich nicht mehr sicher fühlst (z. B. Angst vor Kontrollverlust),
du durch Erschöpfung, Ängste oder Verzweiflung nicht mehr „weiterweißt“.
Du musst nicht vorher anrufen, keine Wartezeit abwarten und keine Überweisung mitbringen.
2. Wo kannst du dich melden?
a) Direktaufnahme in der psychiatrischen Klinik deiner Region
Jede psychiatrische Klinik hat eine Notfallambulanz / psychiatrische Bereitschaftsdienststelle, meist rund um die Uhr.
Du kannst dort jederzeit persönlich erscheinen, auch nachts oder am Wochenende.
b) Telefonisch über den ärztlichen Bereitschaftsdienst: 116 117
Rund um die Uhr erreichbar.
Vermittelt Hilfe oder sendet bei Bedarf einen Arzt zu dir nach Hause.
c) Notruf 112
Nur bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung – aber auch psychische Krisen sind medizinische Notfälle.
3. Was passiert bei der stationären Aufnahme?
Du wirst in der Aufnahmeambulanz von einem Arzt oder Psychologen gesehen.
Bei Bedarf erfolgt eine sofortige stationäre Aufnahme.
Die Kosten übernimmt deine Krankenversicherung.
In einigen Kliniken gibt es spezialisierte Stationen, z. B. für ADHS, affektive Störungen oder kombinierte Diagnosen.
4. Typische Ängste – und die Realität
Sorge
Realität
„Ich muss zuerst eine Überweisung haben“
Nein. Du darfst im Notfall direkt zur Klinik.
„Ich kann das alles nicht organisieren“
Du musst nichts vorbereiten – einfach hingehen oder Hilfe holen.
„Ich bin nicht krank genug“
Wenn du dich so fühlst, bist du es genug.
„Ich habe Verpflichtungen“
Gesundheit hat Vorrang – Klinik hilft auch bei Alltagsorganisation.
Ich war tatsächlich Ende Februar mit stationärer Einweisung für 9 Stunden in der Notaufnahme, hatte bereits meine Sachen mit….aber die Oberärztin hat letztendlich entschieden, dass ich ja kein Notfall bin, da nicht suizidgefährdet. Also war das für die Katz!
Kannst du bleiben lassen, bringt nix.
Danke für deine Info. Diese Absetzsymptome in deinem Link kann ich bestätigen.
Nach der guten Phase kippte die Wirkung. Es fühlte sich nicht rund für mich an. Ich dachte, dass ich die Dosis ändern muss. Hatte sie erhöht. Das hat es nicht besser gemacht. Und eine Verringerung der Dosis ebenfalls nicht. Dann hatte ich beschlossen, es erst mal ganz sein zu lassen. Dass es aber so schrecklich sein wird, hätte ich nicht gedacht.
Es fühlt sich an, als hätten sich negative Gefühle über die Zeit der Einnahme angesammelt, die jetzt alle auf einmal raus wollen. Ich muss mich dann immer wieder fragen, ist meine Reaktion gerade berechtigt oder überzogen? Ich werde versuchen das erst mal durchzuziehen und mir insgesamt nicht zu viel vorzunehmen und zuzumuten und einfach abwarten.
Das bestätigt also genau das, was ich auch befürchtet habe. Das gesamte Gesundheitssystem ist überlastet, wer also nicht sichtbar stirbt (oder es ankündigt) soll bitte zu Hause bleiben und warten. So ist es bei den Therapeuten, so ist es bei der 116117. Da habe ich angerufen weil ich nicht wusste was ich machen soll und habe dann nach Schema F einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde in 5 Tagen in einer Stunde Fahrtzeit Entfernung bekommen. Die dann ja wie schon gesagt meinte, es klingt mehr nach Psychiater als nach Therapeut, aber wenn es schlimmer wird kann ich ja zum Krankenhaus. Keine „Diagnose“ oder irgendwas bekommen.
Ich verstehe, dass es in deiner Situation und nach den zwei Rückschlägen schwarz und sinnlos ausschaut, aber das muss beim nächsten Anlauf nicht wieder so passieren.
Mit der 116117 kann man auch Glück haben.
Hatte eine Überweisung mit ADHS Diagnoseschlüssel + Dringlichkeitscode vom Psychiater bekommen, die 116117 angerufen und saß am nächsten Tag nachmittags schon beim Therapeuten.
Allein der Diagnoseschlüssel reicht als Eintrittskarte ins Psychotherapeuten System.
Es sollte auf Warteliste hinauslaufen, aber wir haben trotzdem alle Kennenlern- und Probestunden ausgereizt.
Am Ende der Stunden habe ich dann glücklicherweise doch schon einen Therapieplatz angeboten bekommen und bin da aktuell und offiziell in Behandlung.
Nicht den Mut aufgegeben (irgendwie - ist ja leicht gesagt).
Da geht es mir genauso. Ich suche schon über ein Jahr nach einem Therapeuten. Von der 116117 kam lediglich eine therapeutische Sprechstunde, so wie bei dir. Die Dame hat dann die Dringlichkeit nochmal bestätigt auf einem PTV11. Aber was nutzt es, wenn es keine freien Plätze gibt und sogar die Wartelisten geschlossen sind? Das ganze Gesundheitssystem ist mittlerweile kollabiert, zumindest hier im großstädtischen Bereich ist es so. Hier gibt es auch keinerlei Versorgung für Post Covid Patienten.