Koffein kann Angstsymptome verstärken. Auch plötzliche Blutzuckerschwankungen können Angst-, Paniksymptome und Reizüberflutung verstärken. Vielleicht mal auf Koffein und Zucker verzichten. Am besten langkettige Kohlenhydrate in Verbindung mit guten Fetten und Proteinen zu sich nehmen. Wenn man Kohlenhydrate mit Fett zu sich nimmt, werden die Kohlenhydrate langsamer aufgenommen und der Blutzucker bleibt stabil.
Morgens sollte man etwas essen: langkettige Kohlenhydrate (z.B. Haferflocken) mit Joghurt oder Milch, Nüssen und etwas Obst. Mittags eher weniger Kohlenhydrate und dafür proteinreich essen. Falls man doch etwas müde wird, etwas Obst und Nüsse dazu nehmen – dann fehlen vermutlich noch Kohlenhydrate. Das mildert das Mittagsloch ab und hilft dabei, die Wirkung von Elvanse stabil zu halten. Abends mehr Kohlenhydrate kann beim Einschlafen helfen. Zusätzlich etwas Protein stabilisiert den Blutzucker und verhindert nächtliches oder zu frühes Aufwachen.
Für mich klingt es ehrlich gesagt so, als wäre deine Dosis einfach zu niedrig. Ich hatte ähnliche Erfahrungen mit Concerta, das für mich viel zu niedrig dosiert war. 36 mg morgens und nachmittags 18 mg. Ich bin nachmittags immer in ein Loch gefallen und hatte abends Reizüberflutung und Angstzustände. Da habe ich auch irgendwann das Gefühl gehabt, dass ich eventuell doch eine Depression und Angststörung habe. Dazu kam, dass es immer schlechter gewirkt hat und ich 2,5 Monate ziemlich gelitten habe.
Jetzt nehme ich seit 2 Monaten Elvanse und durfte mich bei der neuen Psychiaterin so eindosieren, wie ich es für gut empfunden habe. Ich bin jetzt insgesamt bei 70 mg: 40 mg morgens um 8:00, nachmittags um 15:30 20 mg. Da ich zwischen 13:00 und 15:00 immer einen Dopaminabfall hatte, der zu Motivationslosigkeit und leicht depressiven Verstimmungen geführt hat, nehme ich jetzt 10 mg um 10:30. Seitdem ich die richtige Gesamtwirkstoffmenge habe, fühlt es sich richtig straff an und viele kleine Löcher haben sich durch den Steady State geglättet. Seitdem ist meine Stimmung bis in den späten Abend nicht nur stabil, sondern gut.
In meinem Fall brauche ich noch eine gute Wirkung am Abend, um gut einschlafen zu können, weil sonst mein Kopf wieder angeht. Ich brauche auch eine Restwirkung bis in die Nacht hinein, weil ich sonst nicht durchschlafen kann. Eventuell würde dir schon eine zeitversetzte kleine Dosis von 10 mg helfen, um den Rebound am Nachmittag abzufedern. Wenn du deine erste Dosis zur vollen Stunde nimmst, nimm die zweite Dosis zur halben Stunde (Beispiel: 1. Dosis 8:00, 2. Dosis 10:30). Das macht den Rebound noch etwas weicher, weil die Kurven nicht parallel abfallen. Am besten so 2,5 Stunden später; wenn der Dopaminspiegel der ersten Dosis schon zu weit abgefallen ist, greift so eine niedrige Dosis nicht mehr richtig und wirkt paradoxerweise kürzer.
Wenn du, so wie ich es verstehe, am Morgen keine merkbare Verbesserung hast, könnte es sein, dass 30 mg zu niedrig sind für dich. Wenn der Kopf nicht richtig hochfährt, hängst du den ganzen Tag in einem halbgaren Zustand. Wenn dein Dopaminspiegel nicht richtig ausgeglichen ist und dein Nervensystem weiterhin die ganze Zeit nachregeln muss, weil der Körper immer versucht, einen Mangel auszugleichen, weil er einfach so funktioniert, dass er ein Gleichgewicht herstellen will, ist das ähnlich belastend für deinen Körper, als wenn du keine Medikamente nimmst.
Wenn ich das richtig verstehe, setzt du immer zum Wochenende Elvanse wieder ab, wahrscheinlich weil du denkst, dass du damit deinen Körper weniger belastest. Meine persönliche Meinung ist, und wenn man mal genauer darüber nachdenkt, ist es auch logisch, dass es für den Körper und dein Nervensystem viel mehr Stress bedeutet, wenn du ständig absetzt und wieder einnimmst. Zwei Tage Pause am Wochenende, dann zwei bis drei Tage, bis Elvanse wieder seinen Steady State erreicht hat, dann zwei bis drei Tage stabil, und dann geht es wieder von vorne los. Das bedeutet jedes Mal Stress für dein Nervensystem und sorgt dafür, dass es nie zur Ruhe kommt. Das ermüdet und führt am Ende zu Angst und depressiven Verstimmungen. Vor allem, wenn du eventuell auch noch die ganze Zeit unterdosiert bist. Nachhaltiger und gesünder ist es, dass dein Nervensystem dauerhaft stabilisiert wird. Ansonsten kostet das genau so viel Energie, wenn nicht sogar mehr, als ohne Medikamente.
Vielleicht sprichst du mal mit deinem Psychiater und fragst ihn, ob du mal eine Erhöhung testen kannst, weil du das Gefühl hast, dass es nicht optimal ist. Versuche mal, deine optimale Dosis zu finden und nimm diese einfach mal eine Weile.
Falls du Elvanse ganz absetzen möchtest, einfach ausschleichen. Was hier immer als Abhängigkeit beschrieben wird, ist einfach nur, dass sich dein Nervensystem wieder umgewöhnen muss. Eigentlich erholt sich das Dopaminsystem nach ca. zwei Wochen und dann sollte alles wieder so sein wie vorher. In der Zwischenzeit ist es ganz normal, dass man etwas down ist. Einfach akzeptieren und nicht verrückt machen, der Zustand geht vorbei und hat nichts mit deiner psychischen Verfassung zu tun. Das ist einfach nur ein Dopamin-Crash, weil dein Gehirn jetzt wieder ohne Unterstützung klarkommen muss. Gönn dir Ruhe, treib etwas Sport oder geh zumindest spazieren, um auf natürliche Weise Dopamin auszuschütten, und achte etwas auf deine Ernährung. Reguliere dein Nervensystem mit warmen Bädern oder Duschen. Auch Wechselduschen können helfen, das Nervensystem nachhaltig zu stabilisieren. Beim kalten Duschen schüttet der Körper vermehrt Noradrenalin und auch Dopamin aus.
Viel Glück 