Nun melde ich mich auch noch einmal, weil mich deine Situation immer mal wieder beschäftigt hat. Weil sie mir sooo bekannt vorkommt.
Allerdings ist der Bezug nicht mein ADHS, sondern ganz allgemein das Thema Eigenverantwortung, an Problemen arbeiten, das gibt es nämlich genau so bei meinem Partner.
Wir sind inzwischen über 60 und jeder hat so seine Zipperlein. Bei mir durch Burnout und ADHS Diagnose kam das sehr sehr plötzlich.
Und seither arbeite ich daran, mit meinem neuen Leben irgendwie klarzukommen.
Mein Lebensgefährte hat viel zu hohen Blutdruck, hohe Entzündungswerte, ist starker Raucher, bewegt sich nicht freiwillig und ernährt sich sehr sehr ungesund.
Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich nicht mehr daran abgearbeitet habe
Aber: ich kann den „Hund nicht zum Jagen tragen“. Wenn solche Dinge wie: mache nach der Arbeit einen Spaziergang… Verändere deine Essgewohnheiten… denke mal über das Rauchen nach… oder nimm wenigstens deine Medikamente regelmäßig… für ihn undenkbar sind - muss ich loslassen, sonst würde ich durchdrehen.
Ich kann ihn nicht retten, die Notwendigkeit für Veränderungen muss er alleine sehen. Und die Konsequenzen tragen.
Und weil mein Weg dahin sehr anstrengend war und mich sehr unglücklich gemacht hat, ist es aus meiner Sicht für dich und deine eigene Gesundheit besser, dass du da nicht mehr involviert bist.
Ich hoffe, das kommt nicht so böse an, so ist es nämlich nicht gemeint
Diese Verantwortung abzulehnen scheint sich ja wie ein roter Faden durchzuziehen. Dass er es jetzt als eine gemeinsam getroffene Entscheidung darstellt, wundert mich nicht…
Halte durch - Ich glaube auch, dass die Trennung für dich nicht schlecht war.
ich bin sehr einfühlsam allerdings auch „ein Terrier“ wenn es darum geht Dinge zu verändern.
Ich litt selber jahrelang unter Panikattacken, weshalb ich aus eigener Erfahrung weiß wie schwer und aufreibend der Weg einer Psychotherapie ist.
Ohne meinen damaligen Partner an meiner Seite wäre es mir noch schwerer gefallen. Und daran habe ich jetzt zurückgedacht, wie viel besser es doch ist wenn man solche schweren Gänge gemeinsam geht.
Aber ihr habt recht. Ohne Eigenverantwortung und Eigeninitiative kommt man nicht zum Ziel.
Ich musste vorhin herzhaft lachen, habe ich mit meinem damaligen Partner telefoniert. Da sagt er doch glatt zu mir: du hast Monate gebraucht bis du zur Einsicht gekommen bist das du es alleine nicht schaffst und zur Psychothetapie musst. Von ihm verlangst du das in ein paar Wochen?!
Ich habe seit ein paar Tagen eine Frage die mich umtreibt, ich hoffe ihr könnt sie mir beantworten.
Mein Ex Partner kennt sein Leben lang nur das tägliche erleben (Arbeit, Partnerschaft,…) mit ADS. Unter Elvanse „fehlen“ ihm sogar manchmal Dinge die er „lieb gewonnen hat“. Wenn ich nun an die Trennung denke, weiß er das seine Reaktion und die Aktion überzogen war? Glaubt er das es ok ist, jmd den man mag so zu verletzen weil er das gerade als richtig/notwendig empfindet?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen das das so ist. Wenn ich allerdings an seine eigene Wahrnehmung so vieler Dinge denke, glaube ich oft er strickt sich mit Hilfe der ADS seine eigene Realität.
Hm, diese deine Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten
Ganz provokativ, „fehlen ihm Dinge, die er lieb gewonnen hat“, sagst du oder sagt er?
Viele berichten ja auch von sich lichtendem Nebel und bemerken plötzlich Sachen, die sie gar nicht mögen…
Das soll jetzt keinesfalls abwertend klingen, aber hast du auch daran mal gedacht, das eure Lebensmodelle eventuell einfach nicht so kompatibel sind/waren, wie angenommen?
@Sugar das Bild mit dem einfühlsamen Terrier gefällt mir
Aber ich versuche mich mal an einer Antwort darauf:
Meine Vermutung ist, dass „wir“ (ADHSler) schon zu solchen überzogenen Reaktionen neigen, unter starkem Stress, bei mir persönlich gerne, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle. Dieses Gefühl hat manchmal keinen Bezug zur Realität…
Aber das, was danach kommt, ist glaube ich stark abhängig von der Persönlichkeit, dem Charakter des einzelnen.
Wenn ich dann wieder runter bin von der kann ich das sehr gut richtig einordnen und manchmal muss ich mich ein bisschen schämen ob meines Ausbruchs
Und ich stehe auch dazu und kann zumindest erklären, wie das zu dieser Eskalation kam. Und bitte auch, mir das zu verzeihen.
Das fällt aber manchen Menschen extrem schwer - egal ob mit ADHS oder ohne…
Ist schon interessant, was wir vom Thema Therapie zu wissen glauben, bevor wir hingehen
Hm… ich hab ja bei meinem ersten Beitrag geschrieben, dass ich nicht glaube, dass es hier nur um ADS geht. Für mich läuft das schon eher in die Persönlichkeit, wie wir denn mit den Menschen umgehen. Aber auch hier spielen Verantwortung und Stolz wahrscheinlich eine grosse Rolle.
Zwei meiner grossen Themen sind z.B. Emotionale Regulierung und Impulskontrolle. Bei einer Auseinandersetzung bin ich vor den Medikamenten definitiv schneller explodiert und habe zu Kurzschlussreaktionen geneigt. Mein Verhalten reflektieren konnte ich dennoch und Strategien entwickeln, um diesen Situationen aus dem Weg zu gehen. War für mich auch nie ein Problem mich zu entschuldigen - aber da muss der Wille Verantwortung zu übernehmen halt schon existieren, was bei deinem EX-Partner nicht stark ausgeprägt zu sein scheint.
Ich habe ehrlich gesagt GROSSE Mühe damit, wenn Personen a****iges Verhalten mit ihren Diagnosen rechtfertigen. Insbesondere, wenn sie sonst nichts „dagegen“ tun. Aber das ist jetzt so ein Rant am Rande
Und meine Wahrheitsliebe (echt, das ist schon fast pathologisch bei mir…)
…zwingt mich jetzt zuzugeben, dass ich in diesem Zusammenhang auch mit Elvanse ab zu Grund habe, mich zu schämen
Um so mehr ich eure Zeilen wirken lasse, um so unschöner wird meine Erkenntnis. Ich glaube allerdings das der Denkfehler bei mir liegt.
Ich begründe viel mit ADS. Solch einen unsachlichen Ausbruch, gespickt von falscher Wahrnehmung und der Überreaktion der Trennung habe ich ganz klar darauf geschoben.
Den Willen nichts dagegen tun zu wollen Charakter. Ebenso sich nicht zu entschuldigen oder etwas zurückzurudern.
Er sprach von zusammenziehen, großen Gefühlen und und und. Knall auf Fall die Biege machen (ggf. impulsive Entscheidung weil in die Ecke gedrängt gefühlt) würde ich auch sagen ADS. Oder eine Mischung aus beidem.
Alter Schwede, da soll der Laie noch durchsteigen .
Danke für eure Geduld mein geistiges Dickicht zu lichten
@Sugar manchmal ist es aber auch nicht so klar ersichtlich, ob es dem anderen grundsätzlich so schwer fällt, sich Fehler einzugestehen - oder er vielleicht einfach noch meilenweit von der Erkenntnis entfernt ist, dass er einen Fehler gemacht hat…
Oft ist das auch mit ganz viel Angst verbunden. Angst vor Veränderung und Angst davor, dass man, wenn man damit anfängt, die Kontrolle verliert und keine Ahnung hat, wie weit sich vielleicht das ganze, gewohnte Leben verändern wird…
Das seine Vorstellungen von einer Beziehung in eine andere Richtung gehen, als deine und er dir nicht das geben kann, was du gerne hättest.
Nun kommt Elvanse vorbei, räumt im Oberstübchen rum, verdrahtet ein paar Synapsen neu und plötzlich erscheinen Dinge in neuem Licht…und dieses Licht ist nicht immer schön…
@sommerlaune na klar, da gebe ich dir recht. Alle bisher erlernten und antrainierten Strategien würden wegbrechen.
Man muss sich in etlichen Situationen anders verhalten als gewohnt oder umdenken. Dein ganzes bisheriges Verhalten wird verändert.
Es ist ein wenig perfide, doch selbst hier habe ich als einfühlsamer Terrier wieder Verständnis für.
Aber weißt du, wofür ich kein Verständnis habe? Das nicht einfach klar auszusprechen. Seine Ängste und Gefühle zu benennen anstatt sich so feige aus dem Staub zu machen.
Mich mit in die Verantwortung der Trennung zu ziehen und heute in seiner Nachricht mir das Gefühl zu geben das er mit dem Thema durch ist.
…doch auch hier sind wir wohl eher wieder bei Charakter anstatt ADS
Der Laie darf sich hinten anstellen. Ich blick auch nicht immer durch
Ich finde es super schön, wie sehr Du dich damit befasst. Ich bin mir sicher, du hast jetzt auch schon an die Beziehung generell gedacht und dir sind Dinge aufgefallen, die unter den ADS-Hut geschoben wurden
Und ja, manchmal ist es sicherlich ein Zusammenspiel von ADS, Persönlichkeit und allgemeinem Befinden. Und jetzt kommt ein grosses UND: geschlechterspezifische Prägungen sind auch noch ein Thema. Frauen und als Frauen erzogene Personen werden gesellschaftlich darauf abgerichtet an andere zu denken und sich selbst zurückzustellen, während das bei Männern und als Männer erzogenen Personen nicht (im selben Ausmass) der Fall ist.