Podcast

Gestern bin ich auf einen Podcast gestoßen:

<LINK_TEXT text=„https://www.listennotes.com/de/podcasts … Vj-1bf4cU/“>https://www.listennotes.com/de/podcasts/adhs-success-erfolg-mit-adhs-elias-münzel-d_Vj-1bf4cU/</LINK_TEXT>

Die Grundannahme folgt der Hunter-Farmer-Hypothese und auch sonst ist die Tendenz Hallowell-amerikanisch, Richtung „Wenn Du alles richtig machst, kann ADxS eher Vor- als Nachteil sein“. Der Slogan ist „Dein Traum-Leben ist nur noch einen Hyperfokus entfernt.“

Ist daher sicher nicht für jedermann/Trigger-Warnung. Elias - der Podcaster - spricht zB von „ADHS-Athleten-Mindset“, aber er weiß m.E. schon aus eigenem Erleben, wovon er spricht. Vielleicht wollen ja einige mal reinhören, ggf. auch portionsweise als Gegenpol, wenn andere Erkenntnisse runterziehen.

Podcast-Interview mit Neuhaus:

#28 – Interview mit Cordula Neuhaus - ADHS Family - Hilfe für Eltern

Primär geht es um Home Schooling. „Erschreckend viel“ aber auch auf das innere Kind im Home Office übertragbar.

Ist so ein Interview (auch von Seiten der Podcasterin), bei dem man häufig denkt „ja, klar, selbstverständlich“… und dann fragt man sich „ja, aber hast Du diese Selbstverständlichkeit die letzten 7 Wochen umgesetzt?“ :rotwerd

PS für alle mit Startschwierigkeiten:

Bei Minute 32 erläutert Neuhaus auch etwas, das ich seit einem Seminar bei ihr wieder vergessen hatte: Bedingt durch die Neurobiologie gelingt uns der innere Startschuss nur zu 30 % über einen Willensimpuls (bei Neurotypischen immerhin zu 70 %). Dieser Schwierigkeit solle man mit Struktur, Strategie, guter Konversationstechnik mit dem „nilpferdgroßen Schweinehund“, insb. Geduld und Freundlichkeit begegnen. Auf sich einzudreschen, man möge doch gefälligst jetzt endlich anfangen… habe hingegen geringe Erfolgsaussichten. So ist eben die Neurobiologie.

Ob man Neuhaus’ Art mag oder nicht: Mein Schweinenilpferd befand, sie weiß, wovon sie spricht.

„Die Kinder wollen schon - das ist nicht das Problem - sie können nur nicht alle so wollen wie, sie wollen sollen…“

Seufz. Was heißt „die Kinder“…
Letztlich heißt es auch hier wieder: sich auseinander-Setzen.
Sich und die eigenen Selbstvorwürfe, den Umgang mit sich selbst zunächst einmal wahrnehmen.

Wir sind ja mit diesem „wenn Du nur wolltest, DANN…!!!“ aufgewachsen, das ist uns doch in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn man da mal raus ist und mit sich selbst so umgeht, wie das Neuhaus für den Umgang mit dem Kind empfielt, das ist schon die halbe Miete!

Mit dem Begriff des inneren Schweinehunds kann ich nicht mehr so viel anfangen.
Mir fehlt da die Wertschätzung gegenüber diesem Persönlichkeitsanteil, der doch besser liebevoll auf die Spur gebracht werden sollte.
Der ist ja letztlich nur ein Schweinehund, weil er zum Schweinehund getreten wurde (s.o.). Wie so eine bissige Töle, die eigentlich nur veränstigt und voller Abwehr ist und mit ein bisschen Liebe und Zuwendung zum lustigen und interessanten Partner wird.

Schweinenilpferd also? Wobei Schweinehund ja auch ein wertausfüllungsbedürftiger, per se neutraler Begriff ist: Wenn man vielleicht bei Schwein eher so an Ferkel von Pu, der Bär denkt. Und bei Hund an etwas Kinderfreundliches, Beschützendes: also eine Kreuzung aus Labrador und Piglet? Im Ergebnis sehr viel „aufgeregtes Ohr“-Anteil wohl.

Wenn der neurobiologisch ohnehin schwierige Start nach jahrelangen schlechten Erfahrungen mit jeder Menge Fremd- und Selbstvorwürfen beladen wird, ist ja logisch, dass so ein Wachhund anschlägt.

Aber seine eigenen Häufchen räumt er ja nicht weg, also profitieren alle im System dann doch von seiner Stubenreinheit. Deshalb ist wohl auch für den Stuhl-Dialog mit sich selbst eine nüchterne Grundhaltung unentbehrlich, dass das alles sehr verständlich ist, aber (wieder wie im Barkley-YouTube-Vortrag:) negative Konsequenzen für alle Anteile hat, die vielleicht nicht unmittelbar spürbar sind, die aber jetzt schon vor Augen geführt werden müssen.

Alanis Morissette hätte an „Ironic“ noch ein paar ADHD-Strophen anhängen können: „Isn’t it ironic“, dass die Leute mit der größten Volltischler-Neigung am meisten von einem leeren Tisch profitieren…

Ich fand den Podcast gut und informativ.

Ich muss nur jedesmal über mich lachen wenn ich Frau Neuhaus lese oder reden höre. Ihre Schreib-und Sprachmelodie triggert bei mir sowas von mein Appel-und du musst und solltest aber Ohr an, dass in mir alles am liebsten auf trotzigen Blockiermodus schalten will. :mrgreen: :lol:

Wenn man zu viele Podcasts hört , ist dass dein eigentlich Potcastination ? :wink:

…aber viel mehr hoffe ich heimlich dass @Elementary uns bald ein gehäkletes Schweinenilpferd präsentiert . :wink:

Sobald ich geheilt bin (von Podcasts und allen anderen -tinationen…), gehe ich das an. Versprochen! Wir sind ja alle nur noch einen Zeitmanagement-Kurs von der großen Freiheit entfernt.

Mir ging es mit dem Podcast ganz ähnlich wie Dir. Aber wenn alle Appelle in unserem Leben von einer Person gekommen wären, die weiß, was sie da von uns verlangt, und die gleichzeitig wohlwollend vermittelt, dass im Ergebnis nichts anderes hilft als Anfangen und Durchhalten… Und die gleichzeitig noch artgerechte Tipps hat, WIE… Dann wäre das Appel-Ohr wohl das allerletzte Sinnesorgan, das wir zum Selbstschutz auf Durchzug schalten.

Mein neuer Ferkel-Labrador (mit Chihuahua-Einschlag) ist jedenfalls mit diesen Ohren ausgerüstet.

Guter, wertschätzender Gesundheitspodcast der faz - sowas für Bekannte, die verstehen wollen was mit einem ist:<LINK_TEXT text=„https://www.faz.net/podcasts/f-a-z-gesu … 93150.html“>So erkennen Sie, ob Sie ADHS haben – Gesundheitspodcast</LINK_TEXT>

und noch ein Lachenmeier-Artikel in der Süddeutschen:
<LINK_TEXT text=„Aktuelle Nachrichten, Hintergründe und Kommentare - SZ.de … -1.5366828“>ADHS im Beruf: Arbeiten ohne Filter - Karriere - SZ.de</LINK_TEXT>

Danke dir für den Input.

Dass auch Lachenmeier selbst betroffen ist, wusste ich nicht. Er reiht sich damit ein in die Liste selbstbetroffener Fachpersonen, von denen ich viel halte (u.a. Neuhaus, Winkler, Grolimund).