Probleme mit der Selbstdisziplinierung: Wie komme ich da wieder raus?

Ja, klingt erstmal ungewöhnlich. Hat aber was mit den veränderten Lebensbedingungen zu tun.
Also nach meiner ADS-Diagnose habe ich angefangen, mich mit der Bekämpfung der auftretenden Probleme zu beschäftigen. Medikamente wollte ich eigentlich nicht nehmen (mein Arzt hat auch gesagt, das wär mit Kanonen auf Spatzen geschossen, ich bin da nicht so sicher), also hab ich mir Bücher gekauft und mich dazu entschieden, mich jeweils auf die eine anstehende Aufgabe zu konzentrieren und sämtliche „Störungen“ komplett auszublenden. Weil ich mich doch sehr leicht hab ablenken lassen und dann 3 Sachen angefangen, aber nichts wurde fertig - das führte zur Frustration und irgendwann wusste ich auch nicht mehr, wo ich nun mit was angefangen habe und dann hatte ich irgendwann keine Lust mehr und die Arbeit ist liegengeblieben.

Das hat ziemlich lange gedauert, mir das so anzutrainieren, aber inzwischen bin ich mehr oder weniger ein „Meister der Verdrängung“ :wink: Solange ich alleine gelebt habe, war das ein erstaunlicher Fortschritt und hat mein Leben sehr erleichtert.

Jetzt lebe ich aber nicht mehr alleine, und das führt zu Problemen. Wenn ich gerade mit irgendwas beschäftigt bin, muss mich meine Familie geradezu anschreien, damit ich überhaupt reagiere. Das Resultat ist dann Hektik (ist für mich der komplette Horror), meine Frau ist sauer und streitet rum, was dazu führt, dass das was ich nun eigentlich für sie machen soll komplett in die Hose geht, was zu noch mehr Stress führt. Und zwar schon einfachste Aufgaben - da landet dann das schmutzige Geschirr im Backofen statt im Geschirrspüler, Ich ordne wegzuräumende Sachen an den unmöglichsten Orten ein, so dass man sie später nie wiederfindet (was dann wieder für Familienkrach sorgt).

Was dazu kommt: Die Sache, mit der ich ursprünglich gerade beschäftigt war, lasse ich dann unterwegs irgendwo einfach liegen und finde die wenn`s dumm läuft dann auch nicht wieder.

Und: Nach Beendigung des Streits ist bei weitem nicht alles wieder „normal“ (wenn man bei mir überhaupt von „normal“ reden kann), sondern das geht mir noch ziemlich lange im Kopf rum. Im Prinzip dürfte ich danach nicht mal Fahrrad fahren (hab schon ein paar mal fast einen Unfall verursacht, weil ich mit dem Kopf noch zu Hause war). Aber ich muss nun mal morgens auf Arbeit.

Also: Gibt das eine Möglichkeit, diese antrainierte totale Fokussierung wieder rückgängig zu machen? Und zwar nicht komplett (die Vorteile möchte ich natürlich gerne behalten, denn der Ausgangzustand war nun auch nicht viel besser).

Das hört sich gar nicht gut an!
Wieso hast Du den vorher alleine gelebt.
Nimmt deine Familie denn Rücksicht auf deine Erkrankung?
Ich habe nämlich ein ähnliches Problem seit mein Mann und meine erwachenen Söhne von meinem Adhs wissen bekomme ich gar kein Verstöndniss mehr.
Sie sagen nur ich muß lernen mit der Krankheit umzugehen und Lösungen finden!
Z.b soll ich mit meinem Mann vom Fernseher sitzen erwas schauen was mich nervt und dabei z.b Tecte am Handy schreiben aber das kann und will ich nicht!

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Ich hab allein gelebt, weil ich halt keine passende Partnerin gefunden habe. Ich war lange arbeitslos, hatte auch wegen ADS keinen Führerschein und ohne Geld und Lappen + meiner „Krankheit“ biste halt als Mann nicht die beste Partie, wenn man(n) nicht gerade wie Adonis aussieht. :wink:

Jedenfalls hab ich nun auch nicht sonderlich aktiv nach einer Partnerin gesucht. Mir hat meine „Freiheit“ ganz gut gefallen. Ich habe einen guten Freundeskreis, die zwar manchmal rummeckerten, wenn ich was vergessen habe oder zu spät gekommen bin, die mich aber doch im großen und ganzen so genommen haben wie ich halt nunmal bin. Das hat sich durch die Diagnose sogar noch deutlich verbessert, weil sie dann wussten, dass ich da nichts mit Absicht mache.

Ja, die Familie versucht Rücksicht zu nehmen. Aber einiges was ich dann mal „zwischendurch“ machen soll, duldet halt keinen Aufschub und wenn meine Frau das allein nicht schafft, muss ich halt mit ran. Ich habe auch gewisse Probleme, wichtiges von unwichtigen zu unterscheiden, so dass meine Frau da mal korrigierend eingreifen muss, damit das dringendste zuerst erledigt wird. Wenn Gäste erwartet werden, hat halt Wäscheaufhängen nicht oberste Prio. Ich mache nämlich gerne mal das zuerst, woran ich gerade denke, dass ich das ja auch noch machen muss - um es nicht wieder zu vergessen. Und von Junior kann ich da nicht viel Rücksicht erwarten, auch wenn er sich bemüht, mich während ich was arbeite in Ruhe zu lassen. Aber sein ADS geht auch mit einer gewissen Ungeduld einher- die 8-jährige halt eh schon haben, ist bei ihm noch etwas stärker ausgeprägt.

Das ich „Lösungen“ finden soll, kommt mir aber bekannt vor. Danach suche ich hier ja gerade und um ganz ehrlich zu sein war das die Motivation, mich hier anzumelden. Meine Frau versucht mit uns 2 „Problemfällen“ klar zu kommen, aber das gelingt ihr leider auch nicht immer.

Hinzu kommt: Früher als Single hab ich in `ner Eineinhalb-Zimmer-Wohnung gelebt, da war das eigene Chaos zwar nicht schön, aber ich musste nicht allzu lange nach was suchen. Jetzt haben wir eine 8-Zimmer-Doppelhaushälfte mit Garage und Dachboden über der Garage und Garten. Da meine Frau ganztags arbeitet, bleiben halt die meisten „Räumaktionen“ bei mir hängen. Und wenn ich was wegräume… also wenn ich das dann länger nicht mehr zu Gesicht bekomme, ist es dann auch "weg"geräumt.
Meine Frau sagt, ich soll Listen führen, wo ich was eingelagert habe. Das klingt erstmal logisch aber die sind halt auch nur solange aktuell, bis es woanders hinkommt, weil ich wieder irgendwas am suchen bin. Außerdem… und das muss ich ehrlich zugeben, bin ich dafür auch etwas zu faul. :flushed:

Für die Putzarbeiten haben wir eine Reinigungskraft, das hilft schon mal etwas.

Noch zu deiner Sache: Warum bekommst du seit der Diagnose gar kein Verständnis mehr? Hast du es mal mit einer Therapie versucht? Bist du in Therapie? Dann nimm deine Familie mal mit, wenn sie dir nicht glauben, hilft vielleicht der Arzt zu mehr Verständnis.

@Ratte Du sollst mit Deinem Mann vor der Glotze abhängen und Sachen anschauen die Dich nicht die Bohne interressieren und nebenbei Textnachrichten schreiben?, für was soll das gut sein?.
Soll das eine Art „Therapie“ sein, oder was?.
Checke ich nicht was jetzt daran irgendwas „bringen“ soll, also ich schreibe zum Beispiel oft Text Nachrichten während der Fernseher läuft, und jetzt?, für mich ist sowas ganz normal.

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Ich mache zur zeit ei e Gruppentherapie und alle 14 tage ein Adhs Couching!
Morgen werde ich mein Problem in der Gruppentherapie mal ansprechen , da sind alle sehr verständnissvoll ich bin aber due einzige mit Adhs!

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@Ratte ich schreibe auch Textnachrichten wenn was im Fernsehen läuft was mich eigentlich interessiert, aber manchmal trotzdem plötzlich keinen Bock mehr habe wirklich weiter zu schauen, dann wird das Handy gezückt, und dann Naja kennste ja. :wink:

Hallo Schröder

Listen schreiben hilft mir gut!
Es gibt auch online einige Apps falls fu gerne deine Zettel mit der Liste verlegst!
Versuche wirklich mal die wichtigen Dinge zuerst zu machen !
Z.b erst due Kartoffeln für das Mittagessen zu schälen wenn ihr z.b in 30 min essen wollt und danach die Wäsche aufzuhängen
Ich kann in dieser Richtung wenige Tips geben denn ich bin für einen Adhs ler recht gut organisiert!
Meine Probleme liegen mehr darin mich nicht ablenken zu lassen , kurz und knapp ui kommuninieren und andere zu verstehen die kurz und knapp kommunizieren und ich habe eine schlechte Impulskontrolle!

Ja, wenn ich mir sicher sein könnte, dass dann die Wäsche nicht bis zur nächsten Wäscheladung in der Waschmaschine vor sich hinmoggert…
Das ist beim Kartoffelschälen nicht das Problem, über den Zeitraum kann ich mir das durchaus merken. Wenn wir dann aber wie angesprochen Gäste haben und die bleiben ein paar Stunden, vergesse ich die Wäsche unten drin.

Hallo @Schröder ja Pläne, To Do’s, Kalender, tägliche Erinnerungszettel zum Beispiel am Badezimmer Spiegel oder Kühlschrank aufhängen, am besten so das Du Quasi in den Erinnerungszettel rein läufst, natürlich gross und fett geschrieben und mit Leuchtfarben ausgeschmückt. Dann gibt’s ja auch noch so App Zeug, was ich jetzt nicht sooo mag, weil für jeden Sch**** 'ne App, gurkt :cucumber: mich persönlich halt ziemlich an, aber jeder wie er:sie’s will.
Übrigens herzlich Willkommen. :grinning:

Dann kann deine Frau doch auch die Wäsche aufhängen wenn ihr Gäste habt und du kümmerst dich in der Zeit um den Besuch!
Verteit die Arbeiten so das jeder das macht was er am besten kann.
Und falls man die Wäsche mal vergisst es gibt bei den meißten Maschinen ein Kurzspühlprogramm das ist zwar nicht so gut für die Umwelt dauert bei unserer Maschine 8 min dann bleibe ich in der Nähe der Maschine erlefige dort in der Zeit was anderes und hänge dann die Wäsche auf

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@Schröder also ich verstehe ehrlich gesagt nicht was jetzt das für ein Problem ist wenn man Wäsche aufhängt wenn Besuch da ist, ich meine das sind ja keine Royals oder sowas, oder?.
Also ich hänge Wäsche auf, bringe den Müll raus, gehe an den Briefkasten, weiss der Geier was, schliesslich bin ich ja bei mir zuhause und nicht mein Besuch.
Und ansonsten lass den Besuch doch mithelfen die Wäsche aufzuhängen, dabei ist man sofort lockerer drauf und kann leichter miteinander ins Gespräch kommen.

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:joy:Also wenn ich unsere Gäste bitten würde, die Schlüpper meiner Frau aufzuhängen, kann ich gleich die Scheidung einreichen.

Nein, wenn die Gäste da sind, hat die Hausarbeit erledigt zu sein. Die können maximal beim Tisch decken / abräumen helfen.

Und… Dadurch, das der Wäscheständer im Keller steht, versuche ich auch ein bißchen dem Stress „oben“ zu entkommen. Zumindest Mal für 10 Minuten. Wie bereits geschrieben, ich bin 0,0 stressresistent. Da verschlimmbessere ich bei den Aufräum- und Putzarbeiten mehr als das ich helfe.

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Die ganze Sache scheint doch einigermaßen belastend zu sein. Das mit den Listen usw. kenne ich, es bringt immer nur eine Weile etwas. Glaube mir, es ist das Beste die Entscheidung gegen Medikamente zu revidieren. Das wäre keineswegs mit Kanonen auf Spatzen geschossen - solange du Single warst konntest du es abfangen, aber jetzt ist es eben anders.

Von daher bemühe dich um Medikamente, auch deiner Frau und eurer Ehe zuliebe. Ohne Medikamente würde es dich viel mehr Kraft kosten, es würde immer wieder Streit geben, und wofür? Das Leben ist zu kurz.

Und nochwas: Wenn Medikament, dann bitte nicht nur für den halben Tag! Denn wie du ja nachvollziehbar schilderst, liegt deine wahre Baustelle im Privatleben und nicht im Betrieb.

Ich bekam meine Diagnose mit 37 und nehme seitdem Medikamente, was meiner Ehe sehr gut getan hat.

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Ich sehe das wie Falschparker!
Ich bin seit ich Medikamente mehme auch viel besser organisiert!
Aber ich probiere noch weiter herum um das Optmum zu erzielen.
Deine Frau scheint aber wirklich ziemlich pingelig zu sein ind sehr viel von dir zu verlangen!
Langer Besuch strengt mich immer sehr an vor allem wenn es sehr viele Personen sind da freue ich mich immer wenn ich zwischendurch mal etwas abräumen kann und in den Geschirrspühler räumen kann odet z.b im Keller mal ne Ladung Wäsche aufhängen kann!

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@Falschparker Ok hast Recht, auch wenn man dabei an die BH’s denkt, oder die Strumpfhosen. :wink::joy:
Aber grundsätzlich, sozusagen, darf man doch trotz Besuch mal schnell im Wäsche Keller verschwinden um kurz die Wäsche aufzuhängen, oder?.
Ist ja auch 'ne gute Möglichkeit um eventuell unangenehmen Fragen, Gesprächsthemen oder sowas kurz „auszuweichen“ sozusagen, um dann nach getaner Arbeit wieder locker und entspannt in die fröhliche Runde reinzuplatzen, oder?. :wink::joy:
Nein Spass beiseite, Du hast natürlich Recht, die Arbeit sollte erledigt sein, die Wohnung sauber, das Essen auf dem Tisch. :wink:
Apropos App’s bin ich persönlich fast ein bisschen allergisch drauf, nicht weil ich Technik hasse oder sowas, aber ich will einfach nicht ALLES in die Hände von Handy und PC legen, sondern das Gefühl haben, dass ich das auch OHNE solche Hilfsmittel hinkriege.
Also das das Quasi meine EIGENE Leistung ist, das ich fähig bin mein eigenes Hirn zusammen zu halten, mein Leben nicht total aus den Händen gib.
Ausserdem komme ich dann garnicht mehr vom Handy weg, hänge ja so schon viel zu viel am Handy.
Wie managst Du denn so Deine To Do’s?.

Mit den Apps und so, denke ich mir halt das ich mein Hirn dann gleich an den nächsten Nagel hängen kann, deshalb versuche ich soviel als möglich mein eigenes Hirn zu gebrauchen.

Es gibt nunmal Sachen, die getan werden müssen und für die sie aufgrund ihrer Vollzeittätigkeit keine Zeit hat. Ich bin ja schon froh, dass sie abends nach der Arbeit praktisch ohne Pause sich um den Kleinen kümmert, damit ich z. B. Zeit habe, mich zum Schachspielen zu treffen. Oder sich um so organisatorische Dinge wie Schule (Elternabende) oder Zahnarzttermine, Friseurbesuche etc. kümmert. Ich kann nicht noch von ihr verlangen, abends die Garage aufzuräumen.

Und es ist bei weitem nicht so, das ich hier rund um die Uhr nur am räumen bin.

Desweiteren bin ich selbst ganz froh, meine „Ruhe“ zu haben, wenn der Besuch da ist. Ich könnte nicht entspannen, wenn ich eigentlich noch zu tun hätte.

Mit den Medis habt ihr wohl oder übel Recht. Ich sträube mich noch etwas, weil mein Vater abhängig war von Psychopharmaka. Außerdem bräuchte ich erstmal einen Arzt, der mir sowas verschreiben würde und die Dosierung einstellen.

@Schröder wenn Dein Vater Probleme mit Psychopharmaka hatte heisst das ja nicht automatisch das Du das gleiche Schicksal wie er teilst, mache Dich frei von solchen Gedanken, denn Du bist Du und nicht Dein Vater, glaube an Dich selbst und blicke nach vorne, es kann nur besser werden sagt man. Jedenfalls hoffe ich das ganz schwer für Dich und wünsche Dir nur das Beste.

Also erstmal vielen Dank für die guten Wünsche. Natürlich heißt es nicht, daß ich die gleichen Probleme bekomme, ist nur der Grund, warum ich da eher vorsichtig bin.

Ich werde mich aber nach einem erreichbaren Therapeuten umsehen, der die Medi-Einstellung vornehmen kann. Ich sehe ja bei meinem Sohn, dass es durchaus was bringt. Ich war auch schon in Erlangen in der Klinik, aber die Tests, die sie da gemacht haben, waren nicht zielführend und ich hatte das Gefühl, daß man mir nicht richtig zugehört hat (obwohl die Ärztin sehr nett war sonst). So musste ich Rechenaufgaben lösen, die hätte ich meinem Sohn geben können, und der war damals noch im Kindergarten.

Ich habe ihr dann gesagt, daß ich im Kopf ausrechnen kann, wie viele Sekunden ein Jahr hat (kann ich wirklich, man muss nur den richtigen Weg wissen). Da hat sie mit den Rechenaufgaben aufgehört. Dann musste ich noch einen Gedächtnistest machen, mir 5 Minuten lang eine Reihe von 5 Begriffen merken. Oder eine einfache Figur nachzeichnen. Sowas macht man mit Demenzkranken.

Was gar nicht überprüft wurde, aber nunmal das größte Problem ist, ist wie sehr meine Gedächnisleistung oder Handlungsfähigkeit unter Stress quasi einbricht. Ich hoffe, der Arzt, an den ich mich wenden werde, kann mir da besser helfen.

Dann klär das besser ab wenn du den Termin machst ob der auf ADHS Diagnostik spezialisiert ist. Also noch bevor du den Termin bestätigst.
Alles andere ist, wie du bereits gemerkt hast, zwar ganz nett, aber leider nicht zielführend.