Prokrastinierend der Prokrastination auf der Spur


Hihi, als mein einziger Freund mal krank war, habe ich mir die Überschuhe ausgezogen (wer erinnert sich noch an Überschuhe?) und bin heimgewackelt.
Ich erinnere mich wie heute: die waren alle irgendwie … bescheuert? gefährlich? keine Ahnung. Menschen halt. brrr…

Heute bin ich auch eher kontaktfreudig. Was das betrifft habe ich mir wohl Hornhaut zugelegt.
Aber am Perfektionismus hat sich nichts geändert, bei den Dingen, die mir wichtig sind bin krankhaft perfektionistisch. Und das geht gerne mal nach hinten los - vor allem in Bezug auf Personen, die mir wichtig sind. Ich kann vor Publikum falsch singen - solange da nicht diese eine oder andere Person zuhört, vor der ich mich partout nicht blamieren wollte. Das würde dann in absoluter phobischer Angststarrre enden.

Mir scheint, da gibt es eine ausgeprägte emotionale Komponente.
Also bei mir zumindest.
Wie seht Ihr das?
Ich prokrastiniere hauptsächlich bei Dingen, die mir emotional wichtig sind und blockiere bei Menschen, die ich mag…

Da gibts doch bestimmt wieder eine biochemische Erklärung…


Bei mir ist das ganz anders: Ich prokrastiniere bei Dingen, die mir gerade nicht wichtig sind und für die ich keine Motivation aufbringen kann. Kann mir aber vorstellen, dass einen der Perfektionismus diesbezüglich auch ausbremsen kann.

Ich blockiere eher bei Leuten, bei denen für mich etwas davon abhängt, bei denen ich mich aber nicht 100%ig sicher fühle. Bei engen Freunden und Familienmitgliedern, bei denen ich mich sicher fühle, ist das kein Problem.


Da blockiere ich auch nicht.
Eher so bei Leuten, bei denen ich Eindruck machen möchte, also ChefInnen, Profs oder so.
Und zu den Leuten, bei denen ich Eindruck machen möchte, gehöre ich dummerweise irgendwie selbst :shock: :lol:

vielleicht deshalb auch mein beeindruckendes Avatarbild :mrgreen:
menschmensch, ich bin wohl doch „eigenwilliger“ als ich dachte…

Das mit dem prokrastinieren muss ich noch mal genauer beobachten. Spontan kann ich das wieder bejahen noch verneinen.

Was das blockieren betrifft, auf alle Fälle, hab das ja weiter vorne schon geschrieben. Wobei das nicht unbedingt auf „mögen“ begrenzt ist. Bei Arbeitskollegen trifft das auch zu und da ist es z. T. nicht mal mögen, sondern „nur“ nicht von vornherein begrenzte Zeit mit zu tun haben (müssen) und natürlich auch die Angst davor, Lästereien Futter zu geben …

edit: bei Menschen, bei denen ich mich sicher fühle, hab ich auch kein Problem.

Ich war grad spazieren und hatte einen Flashback einer typischen RS-Situation. Wie ich jetzt aber hier so sitze, fällt sie mir nicht mehr ein. Schade. Ich weiß noch, dass ich unterwegs gedacht hab, dass ich das gerne mit Euch teilen würde.


Als ich mich von einem anderen Kind richtig mies behandelt fühlte, bin ich auch einfach abgehauen und nach Hause gelaufen: 6 km quer durch die Großstadt im Alter von 5 Jahren. Aber es ging nicht anders, ich musste da weg.

Exakt so ist bei mir auch.
Bei mir ist häufig das Problem: nicht die Mitte finden zu können. Bei wichtigen Sachen bin ich gewohnt, trotz Tausend Hürden im Kopf einfach anzufangen und den Rest erledigt sich irgendwei.
Aber mit Kleinigkeiten und wirklich für die meisten Menschen banalen Sachen bin ich jeden Tag überfordert.
Z.B. Habe ich gestern geduscht, das Wasser war wirklich zwei Ticks zu warm. Statt was dagegen zu unternehmen (eine winzige Bewegung), war ich so faul oder wie ihr sagt, einfach blockiert, und habe einfach so weiter geduscht.
Oder wenn es zu heißt ist. Jeden verdammten Tag mache ich mir bereits seit dem Aufwachen Gedanken, wann, wo und wie lange ich Nachmittags mit den Hunden Gassi gehen soll. Mein Mann ist da so locker, schnappt sich die Hunde und geht los. Bei mir endet jeder Spaziergang in unterschiedlichen Katastrophen, nicht für die Hunde, für mich.
Kann tausend solche Beispiele nennen. Es ist wirklich nicht schön. Die Zwänge geben mir auch den Rest :cry: :evil:

Ein Prokrassamstag ohne MPH.

Hab Urlaub und möchte einfach mal ein paar Tage MPH Pause machen und Ernährung auf Rohkost umstellen vielleicht auch noch Heilfasten, einfach mal ne Runde den Körper mal ein bischen von allem entlasten.

Vor alle habe ich seit ich MPH nehme 6 kg zugenommen, habe ich heute erschrocken festgestellt. :o

Ich mach mir da aber keinen Stress, mein Körper meine Psyche macht sowas eh nur mit wenn es passt.

Es war heute so ein typischer Hausfrauen aufräum Samstag und ich musste mich schon anders puschen wie sonst und meine Birne war mehr am rattern, aber ich war irgendwie auch vergnügter und konnte mich sogar manchmal besser von was lösen . Aber ich denke ist eher so ein Placebohype aller ich kann es auch ohne MPH. So ohne MPH ist ein wenig mehr wie Duracell und konzentration ist etwas schwieriger, reizfilter Geräusche auch
So eine gewisse Ruhe fehlte mir.

Aber trotzdem in allem bin ich zufrieden, war echt ok so. Bin vielleicht etwas schlapper.

Deutlich gemerkt habe ich aber schon , das die Auseinandersetzung mit ADHS und wie man versucht sich unter MPH den Alltag einzurichten, dass es schon auch ohne MPH greift, weil man bestimmte Sachen ja quasi trainiert hat, so eine gewisse Routine und einen vor allem netteren Umgang mit mir selbst ist auch ohne MPH abrufbar.

Heute wäre aber wieder so ein Tag gewesen wo ich aktiv war aber alles an mir vorbeigerattert ist und ich im Rückblick denken würde, mal wieder Zeit vertrödelt und nichts geschafft :evil:

So wie schon weiter unten beschrieben mach ich meinen Tagesplan nach wie vor rückwirkend , schreibe ungefähr in dem Zeitfenster auf wann ich was gemacht habe.
Eine ToDo Liste für den Tag habe ich auf dem Smartphone , aber alles was ich heute nicht erledigen kann oder möchte verschiebe ich aus der Liste gleich auf morgen. Somit schrumpft da auch die Liste und ich sehe nur noch das was möglich ist. Manchmal Teile ich mir eine Reihenfolge ein , manchmal mach ich es so. An einigen Tagen geht es mit groben Punkten, manchmal breche ich es mir auch noch in keinen Schritten runter.
Alles was ich spontan erledige diktiere ich mir per Siri schnell in die Heute Liste. Also sowas wie Müll wegbringen, Leergut etc… Dinge die ich sonst schiebe und aus ADHS Sicht Lobenswert ist wenn man es erledigt hat.
Wäsche notiere ich mitlerweile oft in den wirklichen Schritten,… also sortiert, gewaschen, aufgehangen, abgehangen, weggeräumt.
Das klingt bei drei MAschinen Wäsche ja ganz anders , als wenn ich für den Tag nur Wäsche aufschreibe und sehe dann viel besser das reele Zeitfenster.

Auf jeden Fall hat mir dieses System heute echt geholfen einen reellen Rückblick zu haben. Es kostet schon ein wenig Zeit das System aber meinem Ego und meinem Selbstwert tut es echt gut .
Ende Juni bin ich damit gestartet und der Rückblick in den Kalender/Bujo gibt so ein viel besseres Gefühl.
Es ist nicht mehr diese Todoliste wo ich immer die Punkte sehe, die ich nicht geschafft habe.
Es gibt auch Tage da habe ich es nicht geschafft rückwirkend einzutragen, aber dann steht da zumindestens ein für mich großes Dinge wie z.B. ein schwieriges Telefonat oder ein Mail oder gar sogar ein WhatAppantwort die ich etwas aufgeschoben habe.

Ihr wisst schon, diese „kleinen“ normalen Dinge die für neurotypsiche Kleinigkeiten sind und für uns die Besteigung vom Mount Everest.

Es sind einige Tage dabei wo ich viel geschafft habe und wenn ich mir das im Vorfeld so vorgenommen und geplant hätte, wäre ich gleich im Bett geblieben.

was ich auf jeden Fall mitlerweile Denke was in der ADHS Symptomatik gar nicht so relevant benannt wird das man auch im Rückblick keinen Planungs und Zeitblick hat und man so auch nie erfasst was man doch alles schafft bzw. geschafft hat. Es entsteht kein Richtwert, der ja bei der Planung helfen könnte zumal wir ja auch viele Dinge mal so und mal so machen .

Dadurch ist man ja doppelt orientierungslos und überfordert. Nach hinten hin mit dem falschen Gefühl nichts „geschafft“ zu haben bzw. es in keinem Zeitkontext zu erfassen nach vorne hin das alles nicht schaffen zu können und es nicht in einen Zeitkontext bringen können.

…und verzeiht wenn ich vielleicht mich etwas wiederhole , mir tut es gerade so gut mir das alles noch mal vor Augen zu halten und euch mitzuteilen.

Oh, das ist spannend.
Da kenne ich noch mehr Fälle, bei denen RS das H frisst…

Was Du weiter beschreibst ist ein typischer Abwehrmechanismus.
Bei ADS kippt das wohl häufig bis in eine Sozialphobie…

Warum nur bei ADS?

Ich denke, weil ADSler eher introvertiert sind und sich bei RS noch mehr in sich zurückziehen.

Ok, das scheint naheliegend und ich würde dem tendenziell auch zustimmen, sehe aber auch die H‘ler nicht vor sozialer Phobie gefeit.

Dass RS das H frisst beschreibt es ziemlich gut.
Ich kann auch das mit der Sozialphobie nachvollziehen.

Bei mir ist es so, dass ich dann gefühlt bei meiner Hyperaktivität auf der Vollbremse stehe, um nicht RS zu erleben.

Jetzt mit Medikamenten bin ich viel offener und werde gefühlt viel weniger zurückgewiesen.
Mir geht es mit meinen Mitmenschen grad so gut wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

Bin einfach nur glücklich.

Huhu Leute !

Wenn man ADHS hat und trotzdem länger an einer Sache bleibt, dann scheint der Hilfswert enorm. :wink:

Wie im Thread schon beschrieben , schreibe ich meine Tagesplanung ja nun quasi immer Rückwirkend auf und ich tue es immer noch :anfeuer
Ich schiebe und vergesse zwar immer noch was aber da es in meinem BuJo ja nur um erledigtes geht und geschobenes dann da nicht auftaucht , gibt es mir ein gutes GEFÜHL genug getan zu haben. Bzw ich sehe dass ich überhaupt was getan habe.
So manche mal habe ich Abends oder morgens am Buch gesessen, gedacht „mal wieder faul gewesen und nichts gemacht“ dann schreibe ich nach und nach alles auf und bin immer wieder verwundert wie mich mein ADHS Hirn „verarscht“ und wie oft ich mich nur deswegen innerlich „fertig“ gemacht habe , nur weil ich einfach nicht wusste was sich Getan habe , oder wieviel Zeit was benötigt hat.

Dann ging es mir ja einige Zeit nicht so gut und da bekam ich wirklich nicht so viel hin. Da habe ich mir dann immer motivierendes in den Tag geschrieben und das es gerade ok und normal ist, dass im Moment nicht mehr geht.

Mir tut diese Hengehnsweise soooooo gut und sie baut mich immer wieder auf. :sonne :herz :sonne

Ich bewundere euch, um die Lust so was wie Tagebücher, To do Listen etc. zu schreiben. Alleine der Gedanke darüber macht mich aggressiv und schlecht gelaunt.
:nothere

Nicht verzweifeln, @allmighty. Du musst Deinen Ansatz „einfach“ als „to-do-list-Boykott“ zur Kunstform erheben und als persönliche Selbsthilfe-Erfindung verkaufen. So wie ein Spiegel-Autor, der - ganz frisch, von der Fachwelt noch weitgehend unbemerkt - sämtliche Prokrastination abgeschafft hat durch seine geniale „Ein-Aufgaben-Liste“:

<LINK_TEXT text=„https://www.spiegel.de/karriere/to-do-l … 46456601b6“>To-do-Liste: So verzetteln Sie sich nicht mehr - DER SPIEGEL</LINK_TEXT>

Er nimmt sich einen Punkt von seiner langen, lange to-do-Liste. Diesen schreibt er auf eine eigene Liste. Dann versteckelt er die lange, lange Liste. Und den einen Punkt von der kurzen Liste, den erledigt er dann einfach. Weil: Er steht ja auf der Liste.

Einmal so von sich überzeugt sein, das wäre doch was. Und sonst hilft immerhin die Not-to-do-Liste des Kängurus aus Marc-Uwe Klings hochverehrtem Känguru-Gesamtwerk. War oft schon meine Rettung: „Was steht auf Platz 1 Deiner Not-to-do-Liste? Aufgeben.“


Oh dieses Gefühl kenne ich zugute und ich habe nix gefunden was dies je mal verbessert hätte.

aktuell habe ich einfach diesen Weg gefunden der dies nicht auslöst. Vor allem dadurch das ich durch keine Vorgabe eingeschränkt bin , dass macht bei mir unwahrscheinlich viel aus. Ich kann es jeden Tag so tun und machen oder sein lassen wie ich es will.

und es heißt nicht das ich darin jetzt den Durchbruch der erledigten Dinge von meiner ToDo Liste gefunden habe sondern dadurch überhaupt erst ein Bezug gefunden habe zu sehen was ich eigentlich für ne verdrehte Wahrnehmung habe.

und Allmighty, wenn du mit deiner Organsisation ohne all diese Dinge klarkommst dann ist doch alles ok. Und das führen irgendwelcher Tagebücher und Listen und Bestücken von Tools kann auch mal schnell in Prokrastination ausarten :wink:

Ich Teile hier davon so gerne mit weil es mir hilft und vielleicht hilft diese Herangehensweise ja auch irgendjemanden .

Doch oft genug haben mich die Dinge trotzdem noch im Griff und ich nicht die Dinge

Ich habe eine App wo ich in den Widgets immer eine ToDo eingeblendet habe und den Rest nicht sehen.

Durch meine Umstellung der Medikation habe ich dass mit dem rückwirkenden eintragen nicht immer so hinbekommen .
An manchen Abenden oder über Tag auch nicht so viel Motivation.
nach wie vor ist es so dass ich so im spontanen Rückblick echt keinen Bezug zu dem habe was ich wirklich getan habe. manchmal fühlt sich die letzte Tätigkeit so an als ob ich das den ganzen Tag gemacht habe.
da ich auch nicht so getrackt oder Notiert habe wie sonst musste ich echt richtig nachdenken und schlussfolgern was am Tag so war und wenn ich es dann doch so nach und nach zusammenpuzzeln kann bin ich wieder verwirrt was ich doch geschafft habe.

Essen kochen und Essen bestenfalls mit Wegräumen und je nachdem wie aufwendig , nimmt ja schon auch einiges an Zeit in Anspruch .
Sachen wie sich fertig machen für den Tag
Da bekomme ich nach wie vor einfach keinen zeitlichen Bezug zu fühlt sich an wie nichts getan. Ich raffe das nur wenn ich es wirklich zeitlich eintrage .

Dann benötige ich ja so oder so für alles länger oder mal ne Pause

Und das einzige wo ich wirklich Zeit sehr nett „verschludere“ ist in den ADHS Foren.

Was mir auch immer wieder ein Gefühl gibt zu wenig getan zu haben, ist meine Schlussfolgerung auf jede Tätigkeit und Ideenschmiede , was noch so alles möglich gewesen wäre.
Dann fühlt sich dieses Denken ebenso an , ich hätte nicht genug getan. aber schaue ich in den Kalender , dann sehe ich das für all die Dinge ja gar keine Zeit war.

Aber es macht mich immer auch ein wenig traurig all die Dinge nicht tun zu können, die so in meinem Kopf herumschwirren, weil der Tag nunmal nur 24h hat.

ADHS hat auch was schmerzvolles im Abgleich von Kreativität zur Realität
ADHS macht einem immer wieder die ToDo Liste voll , aber einfach oft nur weil man einen Input hat und man denkt es gehört zur notwendig wichtigen ToDo Liste.

Und wenn ich nun überlege wie mein mangelndes Zeitgefühl im Bezug zu wirklich getanens oder einer Todo Liste aus zig Inputs mich all die Jahre quälte , dann habe ich all die Jahre vielleicht doch täglich mehr geschafft wie immer gedacht.

Und ich darf nicht vergessen das es auch Zeit in Anspruch nimmt sich täglich im ADHS nicht zu verirren und zu verlieren und dafür zu sorgen das der alte negative Gedankenstrom nicht gewinnt. das nimmt Zeit in Anspruch die Ichs auch nicht so sehe.

Eines ist klar , es wird nie genug sein und das gar nicht zu mir selbst böse gemeint also das ich nicht genug getan habe , sondern weil permanent meine Birne auch noch Ideen hat.

@Nelumba_Nucifera

Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du beschreibst. Dieser fehlende Bezug zur Zeit ist für mich das größte Problem.

Ich habe zwar den Bezug zu dem, was ich tue, aber nie zu der Zeit, die ich dazu brauche. Das macht mir jetzt mit zunehmendem Alter wirklich zu schaffen, weil mir bewusst wird, wie sehr mir mein Leben durch die Finger rinnt, weil ich viel zu viel Zeit verschwendet habe und immer noch verschwende.

Was glaubst du denn womit du deine Zeit verschwendest?
Dieses Gefühl kenne ich ja auch zu genüge