Prokrastinierend der Prokrastination auf der Spur

Passig-schlaue Analyse, warum Bloggen und Vorträge zu entwerfen ihr leichter fällt als (andere) Texte zu schreiben:

Das Leichte und das Schwere (korrigierte Buchversion) - Google Docs

Lesenswert für mich, weil ich das für den Schlüssel zu der klemmenden Tür halte, mal wieder und immer mehr: dieses individuelle - idealerweise selbstmitfühlende - Analysieren, welche Mini-Stellschrauben individuell helfen (und warum). Das ist für mich das Interessante an dem Text, die Neugier auf sich selbst, trotz aller Verzweiflung über das eigene Scheitern.

U.a. wird da zitiert: „Accept that everything is a draft. It helps to get it done.“

Zum Schluss heißt es:

„Vielleicht gibt es keine schwere Arbeit, sondern nur Arbeit, die man bisher unter den falschen Umständen oder mit ungeeigneten Strategien zu erledigen versucht hat. Jedenfalls beim Schreiben. Über Pflegeberufe oder das Unterwasser-Holzfällen sage ich vorsichtshalber nichts.“

Auf immer geeignetere Strategien also.

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Danke für den link :adxs_daumen:

„Sibirien, die Eisschneider von Jakutsk“ viel mir dazu noch ein :grin:

Ich würde sagen, dass mein Hauptproblem die „Prokrastination“ ist, vielleicht aus Gründen von „Motivations-Issues“ wie depressive Verstimmungen, keine Energie, Anhedonie, keine Befriedigung am tun, Freundlosigkeit. Und dahinter könnte AD(H)S stecken…
Heute würde ich sagen, dass meine Stimmungschwankungen mein Hauptproblem sind, zudem grosse Blockaden, insb. bei wenig Energie. Und diese Art von depressivem GEfühl, aber weder Depression noch Bipolar, deutet stark auf AD(H)S hin.
Damie lässt sich bei mir, alles erklären, was mit dem „Nicht-Erledigen“ und „meiden“ zu tun hat.
Zudem spüre ich heute, dass es oft einfach nicht geht. Auch wenn durchaus Leistungsbereitschaft vorhanden ist. Natürlich spielen sich auch sehr viele Muster ab, und es gibt z.T. Verhalten, die gut erklärbar sind, wenn Verhaltensmuster und Gefühlsmuster da sind, weil Gefühle hast sehr stark sind, und das rationale bei weitem doninieren…
Auch wenn für mich meine Prokrastination total erklärbar ist, werde ich dennoch die Sachen von Steel nachgehen, und andere Sache, wie in diesem Post.
Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn ich bei Steels nichts wirklich neues mehr entdecke.

Ich war ja vor einer Weile in einer Selbsthilfegruppe „Prokrastination“, wo dann gleich jemand auf AD(H)S diagnostiziert wurde. Deswegen kam ich immer mehr auf die Idee, dass ich von ADS betroffen bin.
Damals stiess ich auf Peer Steel, der anscheinend seine Doktorarbeit über Prokrastination geschreiben hat.
Es gibt die Website und ein Podcast.

Ich würde gerne etwas über dieses Thema diskutieren, vielleicht mache ich einen neuen Thread.

@Päddi hast du keine offizielle Adhs Diagnose? Sorry, falls du das schon erzählt hast, ich habe nicht alles gelesen . Weil das

…mit Adhs Medikamenten besser werden kann!
Hier würde sich ein Versuch mit Medikamenten lohnen.

Fiel mir nur gerade so ein :wink:

Was für ein Horror:

Hier ist das Urteil der 1. Runde: openJur

Daraus:
„Eine Ursache der Prokrastination könne darin gelegen haben, dass die Angeklagte ein sehr kollegiales Verhalten erfahren habe, welches ab einem gewissen Zeitpunkt zu kollegial ausgefallen sei. Aus diesem Grund habe sie eigene Probleme nicht artikulieren können, weil diese bei ihr Scham- und Schuldgefühle ausgelöst hätten, zumal die Angeklagte sich selbst bereits früh als konfliktscheu beschrieben habe, die den Erwartungen anderer gerecht werden wolle. Ein weiterer auslösender Faktor, könne zudem in der richterlichen Unabhängigkeit erblickt werden, die Kontrollen in der Arbeitsweise erschwere, so dass Probleme im Arbeitsverhalten über einen längeren Zeitraum würden unentdeckt bleiben können. Der Sachverständige schilderte, dass der Grund der Prokrastination indes letztlich nur eine Hypothese seinerseits sei, wenngleich diese letztlich am Plausibelsten erscheine. Die Prokrastination habe sich jedenfalls derart gefestigt, dass die Angeklagte zu einer dysfunktionalen Lösungsstrategie gegriffen habe. Die beschriebene Blockade sei dann Fluch und Segen zugleich, da die Nichtbearbeitung ein innerseelisches Gleichgewicht einerseits hervorrufe, gleichzeitig aber auch dysfunktionale Handlungsmuster provoziere. Aus sachverständiger Sicht sei es dabei unerklärlich, weswegen die Prokrastination auch Fallgestaltungen betroffen habe, die objektiv betrachtet, weder schwer noch in irgendeiner Form aufwendig gewesen seien. Gleichwohl schließe der Umstand, dass einige der Akten an sich in wenigen Minuten hätte bearbeitet werden können, eine Prokrastination nicht aus.“

Zum Privatleben:

„Während ein Teil der Wohnung, insbesondere das Gäste-WC sowie der Flur, aufgeräumt wirkten, war. das Wohnzimmer vollgestellt und unaufgeräumt. Sowohl das Sofa, als auch ein dazugehöriger Beistelltisch waren übersäht mit zahllosen Gegenständen. Dasselbe galt auch für alle andere Ablageflächen und Teile des Fußbodens. Auch in dem von der Angeklagten als Arbeitszimmer bezeichneten Raum, der aber als solches kaum zu erkennen war, türmten sich zahllose Gegenstände, lose Unterlagen, Ordner und Bücher auf einem Regal oder lagen in Transportkisten, Kartons oder verstreut auf dem Boden herum. Auch die Küche und das Schlafzimmer der Angeklagten befanden sich in einem vollgestellten und unaufgeräumten Zustand.“

Aus der aktuellen Presse:
„Laut Gutachter Dr. Nikolaus G. leidet die Angeklagte unter einer sogenannten Prokrastination. „Das ist der Konflikt zwischen dem, was man tun sollte und dem, was man lieber tun will, zugunsten der Dinge, die man lieber tut.“
Das ist jedoch keine anerkannte Krankheit und trat bei T. auch erst ab 2016 auf. Sie ist deshalb in Therapie.
G.: „Wenn man die Arbeitsstörung in die Nähe einer Krankheit schieben will, hätte man von früher Kindheit an etwas sehen müssen.“" :smiling_face_with_tear:

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ADHS, sofern eine vorliegen sollte, ist aber keine Entschuldigung für Straftaten („dysfunktionalen Lösungsstrategie gegriffen habe“), falls diese in ihrem Falle vorliegen sollten. Das haben schon viele andere vorher zu spüren bekommen… die Einsitzen.

Will’s nur mal gesagt haben.

Spart mir den Foren-Rückfall, dass auch hier so empathisch und qualifiziert ge- und verurteilt wird.

Oh Gott, ist das die Richterin die im Zeit Verbrechen Podcast besprochen wurde? Den hab ich damals gehört und war fassungslos, wie da keiner ADHS erwähnen konnte…

Bin sprachlos :frowning_face:

ich habe mich beraten und hab’s verstanden, kann’s nachvollziehen. :heart:

will’s nur mal gesagt haben.

Rückfall ist nicht gleich Rückfall habe ich mal aus dem Bereich der Suchtberatung gelesen. Falls es tatsächlich eine Sucht ist, dann habe ich ja wenigstens noch was gutes in meinem unempathisch sein getan, denke ich. Ist aber nicht immer meine Stärke, also das Denken, somit kann ich mich auch Täuschen. :grin:

Ich wünsch dir auf jeden Fall weiterhin eine gute Genesung, ist ernst gemeint und bitte gebe auf dich acht. :heart:

Ein Mensch, der krank ist kann nichts dafür. Sollten wir alle am besten wissen.
Nicht auszudenken was diese Richterin erleiden muss.
Bitte den Zeigefinger wieder runter nehmen @schlingelprinz

@anon48277439 :adxs_trost:

Das könnte meine Wohnung sein :smiling_face:

Vielleicht sind es solche Parallelen, die es mir so nahegehen lassen.

Als ich gestern früh alles vom Sofa räumte, sprach mein Über-Ich mal wieder den „So geht es nicht weiter“-Monolog.

Und natürlich bestellte ich noch ein Anti-Prokrastinationsbuch und suchte zu der familiären Empfehlung noch eine weitere Adresse raus, die auch unter den kritischen Stimmen zum Zeit-Podcast als Anti-Prokrastinations-Expertin empfohlen war… Wild entschlossen, den Kampf „wieder / noch einmal“ aufzunehmen. Von Glückwunsch- und Beileidsbekundungen bitten wir abzusehen.

Als wäre nicht zuletzt dieser Thread ein Beleg dafür, dass es schon seit Jahren/Jahrzehnten mein Lebensthema und Hauptkriegsschauplatz ist. Aber lieber nicht eine Flanke offenlassen des „Du hättest Dir ja Hilfe holen können!“.

Warum steht so eine Passage im Urteil, wenn sie keinen Eingang in die Bewertung findet? Als öffentliche Demütigung? Als Beleg, dass sie wohl doch faul war und als Hausfrau schlampig und „ja konnte, wenn sie wollte“?

Da haben sich 2024 lauter Männer unterhalten über „frühkindliche Schädigung“, „Rebellion der Tochter gegen die Mutter“…: Bewährung oder Gefängnis: Verurteilte Richterin bangt um ihre Freiheit (msn.com)

  • "Verteidiger Torsten Giesecke hat bei der Revision beim BGH die Meinung des renommierten Psychologen und Hirnforschers Prof Dr. Pedro Faustmann von der Ruhr-Uni-Bochum eingebracht. Der hatte eine frühkindliche Schädigung vermutet und damit hirnorganische Ursachen für die Leistungsstörung. Spät ausgelöst womöglich durch den Tod des Lebenspartners der Mutter im Jahr 2016. G. glaubt das nicht. „Wenn es organische Ursachen hätte, dann wäre es doch auch bei großen Belastungen bis 2016 aufgetreten“, sagt er vor Gericht. „Und warum sollte dann unter Supervision wieder alles klappen, wenn es organische Ursachen hätte?"*

Dass das alles Männer waren, deren Ausbildung vielleicht auch nicht mehr auf dem aktuellsten Stand ist… Zufall, ganz sicher. Und klar, wer sind wir Laien, da aus der Ferne anderes zu vermuten. Lächerlich. Beschämend anmaßend geradezu.

Ich will mir gar nicht die Presse vorstellen, wenn sie noch mehrgewichtig gewesen wäre und das Klischee-Bullshit-Bingo der Umstehenden dann noch schneller voll gewesen wäre. Einschließlich des perfiden Feldes „Ein Körnchen Wahrheit ist schon immer dran.“

Sei es drum. Zurück zur inneren Stimme des „So geht es nicht weiter“. Alles andere kann ich sowieso nicht mehr hören.

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Ich möchte mich nochmal zu Wort melden zu dem Thema. Ich hatte mir das ja durchgelesen und nicht eine Minute über folgendes,

nachgedacht. Ich Empfand den Umstand wie es bei ihr so aussieht, laut Beschreibung, eigentlich als völlig Normal. Hatte mich lediglich an etwas anderem gestört.

Das man sowas als Demütigend Empfindet, soweit habe ich gar nicht gedacht. Gibt halt „unordentliche“ Menschen, ich kenne davon einen Haufen, mich eingeschlossen, darunter sogar von damals noch einen Anwalt und eine Ärztin die haben jenseits von dieser Unordnung gelebt. Da ist der, unaufgeräumte Bereich ein „Witz“ gegen, wie in dem Falle der Richterin beschrieben.

Jetzt kann ich das nach vollziehen, zumindest den Umstand der Demütigung.
Macht’s natürlich nicht besser, dass so Auszuschlachten in der Öffentlichkeit und Raum zur Spekulation zu bieten, sowie Vorurteile zu schüren. Ob absichtlich geschehen ist oder nicht, dies kann ich natürlich nicht sagen.

ich hoffe man versteht was ich Ausdrücken will und verzeiht. :heart:

.
Klingt vielleicht bescheuert keine Ahnung aber mir sind super Ordentliche Menschen, die alles perfekt machen, in gewisser weise Gruseliger. :frog:

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Dieser G. scheint ein komischer Mensch zu sein.

Er ignoriert also selbst die Meinung von Psychologen und wollte der leidenden Frau wohl einfach nur unbedingt am Stuhl sägen.

So nach dem Motto „sowas darf einer Richterin nicht passieren!“.

Als wäre sie aufgrund ihres hohen Amtes nicht trotzdem immer noch ein Mensch.

Wenn es bei jemandem so zu Hause aussieht, scheint der Mensch offensichtlich krank zu sein. Egal woher es kommt und wie lange es schon da ist.

Dass da ne Menge Scham mitspielt, ist für unser eins wahrscheinlich sofort präsent im Kopf. Dann gehts gleich auf die Gefühlsebene.

Die hat oder darf dieser Heini vielleicht nicht zeigen. Trotzdem.

Jemandem dann quasi noch „Absicht“, Inkonsequenz oder ähnliches zu unterstellen, das sagt schon viel über diesen G. aus, finde ich.

Wärs keine Richterin, sondern der Winfried, 53, Schreiner aus Buxdehude gewesen, hätte man da dann auch so krass geurteilt, frage ich mich?

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Vermutlich tun wir dem Forum nichts Gutes mit solchen Formulierungen.

Im Gegenteil wäre ich Dir dankbar, wenn Du qua Mod-Möglichkeiten auch aus meinem Beitrag die Namen streichst oder abkürzt und ggf. auch noch Weiteres. Bin gern einverstanden. Vielen Dank für die Mühen!

Ich bin mir auch sehr bewusst, wie dünn das Fern-/Fremddiagnosen-Eis ist, das ich da betreten habe, obwohl ich es sonst immer zu meiden versuche. Vielleicht bin ich längst darauf eingebrochen, weil es mich eben sehr berührt, wohin so eine Belastung führen kann…

Weil ich zu wissen glaube, wie sich der Weg dahin anfühlt. Wie früh ich sogar schon Hilfe gesucht hatte, um zu hören „Das kann bei solchen Ausbildungsergebnissen und Abschlüssen gar nicht sein. Das bildest Du Dir ein!“. „Lies einfach mal das Buch ‚ABC der Arbeitsfreude‘!“. (Letzteres habe ich natürlich umgehend besorgt. Liegt noch auf einem der Stapel, die man bei der Durchsuchung finden könnte. Sogar gelesen.)

Ich weiß nicht, ob es da Parallelen gibt. Wie könnte ich. Mitgefühl kann auch anmaßend sein und Projektion und an der Sache vorbeigehen.

Aber Hallowell weiß, wovon er spricht, wenn er sagt " ADHD is a powerful force of pain and needless suffering in too many lives."

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Hast vielleicht Recht. Hab mich da auch ein wenig vom ersten Gefühl leiten lassen, weil sich da auch bei mir gleich 100.000 Szenarien im Kopf abspielen, wie sie darunter gelitten haben muss.

Vor allem dann noch wegen dem Amt als Richterin und es sich dann auch nicht eingestehen koennen / wollen, dass sie da ohne Hilfe nicht mehr rauskam.

Den Status / das Amt verlieren etc. alles noch obendrauf.
Der Druck muss schrecklich gewesen sein.


So klingts hoffentlich oben alles jetzt ein wenig netter.
Habe nur die Zitate aus der Presse gelassen, wie sie waren. Naja, bis auf eins, aber jetzt gibts da zwei G’s :smiley: :crossed_fingers:

Danke für Deine Zeit.

Wenden wir uns also wieder den eigenen Prokrastinationsbaustellen zu.

Nicht dafuer :slight_smile:

Also, ich bleibe dann noch ein wenig im Forum.

Nebenbei laeuft der Laptop fuer die Arbeit (ja, trotz Feiertag - Server Kram leider - aber nicht mehr all zu lange) und die Arbeit erledigt sich dadurch eher so in Etappen.

Dafuer fange ich dann morgen einfach spaeter an, also erst gegen Mittag oder so.
Da koennte ich dann bisschen den Haushalt schmeissen.

Oder doch einfach wieder den ganzen Vormittag forumseln…
Nee, Quatsch. Morgen wird bestimmt anders als heute :adxs_grins:

Ich würde jetzt gerne meine ursprünglich für heute geplanten Aufgaben prokrastinieren, und mich statt dessen dem Buch widmen, dass ich heute ausgeliehen habe.

Das mache ich aber nicht, weil ich dann ein schlechtes Gewissen hätte, dass ich prokrastiniere, und etwas mache, was mir Freude bereitet. Also bin ich zu Prokrastination Level 2 (für Fortgeschrittene) übergegangen und tätigte eine Google–Recherche zum Buch, das ich gerne lesen würde :see_no_evil:.

Irgendwie bin ich dabei auf Youtube–Videos über „Plankrastination“ bzw. „Prokrastiplanung“ gestossen, also der Kunst, Aufgaben detailliert durchzuplanen, um sie nicht erledigen zu müssen.

Warum lotst mich das Internet dorthin? Ich habe meine zweite to do–Liste heute noch gar nicht bearbeitet und die Stifte, Sticker und Korrekturflüssigkeit, die ich vorhin für mein neues Organisationsbuch gekauft habe, brauche ich, um produktiv zu sein. Sehr seltsam das Ganze.

Egal. Ich gehe jetzt in die Planung, wie ich gegen mein Prokrastinationsproblem angehen werde. Gleich, nachdem ich in das Buch hineingeschnuppert habe….falls ich nicht in einem Prokrastinations–Plankrastinations–Perpetuum–Mobile hängen bleibe… :adxs_tuete:

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Ich habe gestern spät abends noch eine ToDo-Liste geschrieben, die recht lang geworden ist. Hab ich davon was erledigt? Nein :adxs_tuete: Noch nicht einmal die armen Blumen habe ich gegossen :roll_eyes:

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