Rejection Sensitivity bei Jugendlicher, Eltern brauchen Hilfe bei Umgang damit

Ich bin mir sicher, dass es so ist. Man darf sie halt nicht darauf ansprechen.

Der Sohn (ADS) reagiert da ganz easy. Er sagt OK, nimmt die Packung und räumt sie weg. Oder sagt OK, danke, dass du sie weggeräumt hast. Fertig. Kein Theater, kein sich angegriffen fühlen, kein Abwehrverhalten. Er lässt deutlich mehr rumliegen und ist wirklich sehr ADS-typisch. Er verschusselt Termine und ist insgesamt eher unaufmerksam, also macht Aufgaben nicht komplett fertig. Ihn muss man auch immer mal darauf hinweisen, dass zum Erledigen einer Aufgabe oft mehrere Schritte gehören. Mit ihm kann man das aber durchgehen und erörtern. Er erkennt dann ganz oft schon selber, wo er noch was vergessen hat oder wo er nochmal einen Blick drauf werfen muss. Er kann auch immer besser erkennen, wo er vielleicht ein Hilfsmittel benötigt und versucht das dann auch erstmal. Das ist einfach entspannt. Meistens jedenfalls :wink:

Wie gesagt, es geht nicht um schusseliges Verhalten, es geht um die Reaktion, wenn sie darauf angesprochen wird. Sie verleugnet jegliche Verantwortung und fühlt sich sofort angegriffen und runtergemacht. Und wir fühlen uns dann jedes Mal wie vor den Kopf gestoßen.

Ich frage mich ob es was helfen würde, wenn ich ihr den Begriff der RS näher bringen würde… Aber heute brauche ich da gar nicht mit ankommen.
Inzwischen habe ich schone einen Schritt auf sie zu gemacht und ihr einen Brief zugesteckt in dem ich geschrieben habe, dass wir sie lieben und sie wertvoll ist, auch wenn sie mal einen Fehler macht. Dass das zum Mensch sein dazu gehört und ich ihr wünsche, dass sie da entspannter mit sich sein kann. Und auch, dass wir Fehler machen und immer noch dazu lernen. Und dass es auch für uns ein bekanntes Gefühl ist, wenn man am liebsten Fehler verdrängen will, weil das Eingestehen weh tut. Naja, sie ist noch immer eisig zu uns. Sie kommt aus der Nummer nicht raus, aber noch weiter kann ich heute nicht auf sie zu gehen. Ich mache das jedes Mal. Immer gehe ich auf sie zu, biete ihr meine Hand und höre zu. Und jedes Mal ist das Ergebnis gleich. Sie kann nichts zugeben, nicht verstehen, dass auch sie eine Verantwortung hat wenn es um Kommunikation geht, nicht nachvollziehen, dass ihre Reaktion bei uns was auslöst. Heute bin ich dafür zu müde.

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Liebe @Hobbyhopper Du hast mein vollstes Mitgefühl, ich kann gut verstehen wie anstrengend das alles für Dich sein muss. :adxs_trost:
Und Ja, leider klingt dieses Verhalten Deiner Tochter tatsächlich nach etwas was sich nicht unter den Teppich wischen lässt, da ihr ja alle letztendlich unter der Situation leidet, also die gesamte Familie.
Das ihr eine psychologische Abklärung ansteuert finde ich wirklich sehr stark und auch sehr positiv von euch.
Das Problem ist ja leider sehr oft auch, dass man sich dann nur auf das einzelne Kind fokussiert welches im Familienverband für „Probleme sorgt“, statt die gesamte Familie Dynamik mal genau zu analysieren.
Erstens ist da bereits ein Vater der MS hat, was ja für die ganze Familie schon nicht einfach sein kann mit dem Umstand umgehen zu müssen das eine geliebte Person im Familienverband schwer krank ist.
Dazu kommt diagnostiziertes Adhs bei einem Sohn von Dir, was einen Hinweis darauf gibt, dass Dein Sohn vermutlich nicht der einzige in der Familie ist wo mit Adhs „gesegnet“ ist.
Eventuell spielt da eben auch das Thema Angst ganz gross mit rein, und dann ganz sicher auch ziemlich viel Überforderung, was ja alles in allem mehr als gut verständlich ist.
Ich persönlich glaube, oder bin der Meinung, dass man die Problematik der Tochter nicht isoliert behandeln sollte, sondern das eventuell eine gute Familien Therapie ein Lösungsansatz für euch alle sein könnte, vielleicht so eine Art „Rollenspiel“ in dem sich jeder mal versucht in den anderen hinein zu versetzen.
Aber ich will Dich hier nicht zutexten, Du bist müde und brauchst jetzt Ruhe, ich wünsche Dir noch einen schönen Ostersonntag Abend. :heart::rabbit:

Wie ist das denn, wenn du sie bittest, sich in deine Situation hinein zu versetzen?
Bzw sie fragst, ob Du das umgekehrt auch machen könntest
Also bei ganz konkreten Situationen, wie zum Beispiel der Kosmetik.
Kann sie das dann nachvollziehen oder reagiert sie da auch eher verständnislos?

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P.s. Liebe @Hobbyhopper
Ein Gedanken Anstoss der mir gerade durch meine Birne geschossen ist, ist z.B. das Modell der „Familien Aufstellung“, hast Du davon eventuell schon einmal gehört?.

Meine eigene Mutter hatte mich vor laaanger Zeit einmal darauf angesprochen, heisst das sie sich Gedanken gemacht hatte ob das meiner Herkunftsfamilie eventuell etwas bringen könnte.

Leider war es für uns alle vermutlich schon zu spät, ausserdem ist es extrem schwer dafür jemanden zu finden wo davon wirklich etwas versteht, heisst die Gefahren sind gross, dass man womöglich an einen Scharlatan:in gerät.

Aber das Konzept finde ich sehr interessant, dass jemand für andere in der Familie Schuld auf sich lädt.

Aber wie gesagt, ich bin im Grunde, trotz grosser Interessen am Ende bis heute leider auch nur unwissend, da ich selbst diese Erfahrung noch nicht machen durfte, und das obwohl diese Methode meiner Herkunftsfamilie vielleicht wirklich hätte helfen können.

Wie auch immer, dass sind letztlich nur meine eigenen Gedanken, dass einzige was ich aber noch einmal betonen möchte ist, dass innerhalb eines „Familienverbandes“ in der Regel nie „nur ein:er der böse ist“, sondern das vermutlich, eigentlich vielleicht zumindest „fast meistens“, wenn auch nicht immer, in allem eine Ursache und Wirkung liegt. :heart:

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Vielen Dank für all eure Worte und das entgegengebrachte Interesse als auch Verständnis. Das tut sehr gut!

Thema Rollenspiele: das habe ich schon versucht und da kommen wir nicht weiter. Sie weiß dann auch nicht, wie sie an meiner Stelle reagieren würde.

Ja, unsere Familie ist ein wenig gebeutelt, was Probleme betrifft. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und ganz oft entstehen dadurch ungünstige Dynamiken.

Ich habe vorhin dann doch nochmal einen Versuch unternommen und mit ihr gesprochen.
Ich wollte wissen, ob sie sich zumindest Gedanken über meinen Brief gemacht hat.
Hat sie. Zunächst ist sie wieder in ihr Abwehrverhalten verfallen, aber dann wurde es besser. Wir haben mal wieder lange gesprochen und sie hat gemeint, dass sie innerlich zwar schon sieht, dass sie sich entschuldigen sollte, diese kleine Stimme aber nur Beobachter ist und sie dann nur hilflos zusehen kann, wie sie gemein wird und in Angriff über geht. Sie kann sich dann nicht durchringen auf mich zuzugehen. Wir haben uns geeinigt, dass sie zumindest versucht uns zu signalisieren, dass sie bemerkt, dass wir gerade aufgebracht sind. Auch sonst hat sie einige Mechaniken angesprochen und ich denke, dass sie durchaus reflektieren kann. Nur eben nicht uns gegenüber. Die Hürde ist zu groß. Zu viele Ängste und zu viele Gedanken. Sie hat gerade einige Baustellen und gibt sich an vielen Stellen Mühe. Ich muss zugeben, dass ich einiges davon nicht wahrgenommen habe und wenn sie nicht mit mir redet, kann ich natürlich auch vieles nicht wissen.
Es hilft mir schon zu wissen, dass sie sich Gedanken macht.
Therapeutisch scheint gerade einiges zu laufen aber sie möchte nicht mit mir darüber reden. Das ist ok, aber zumindest weiß ich jetzt, dass sie gerade gedanklich einige Konflikte zu bewältigen hat. Wir haben auch über Dinge in unserer Vergangenheit gesprochen, die Ängste begünstigt haben und auch darüber, in welchen Situationen sie negative Bewertung Außenstehender Personen befürchtet.
Ich kann sie so besser verstehen und sehe, wie viel sie zu bearbeiten hat.
Natürlich haben wir jetzt immer noch keine Lösung für die oben genannten Probleme. Aber ich weiß jetzt zumindest, dass sie sich Gedanken macht und das auch in der Therapie anspricht. Manches versucht sie schon zu ändern, aber die fehlende Bereitschaft, Fehler einzugestehen bleibt. Mal sehen, ob sie unsere Vereinbarung irgendwie einhalten kann. Also bei Problemen zumindest irgendwie zu signalisieren, dass sie unsere Gefühle nachvollziehen kann. Das würde schon helfen. Ich hoffe auch, dass die positiven Aspekte unseres Gespräches nachhaltig sind.

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Kränkbarkeit (die bei ADHS Rejection Sensitivity heisst) gibt es ja bei vielen Störungsbildern.
Bei Narzissmus / Borderline ist es ein Kernsymptom und noch ausgeprägter als bei ADHS.
Intensives externalisierendes ADHs wird häufig mit Borderline verwechselt. Da gibts oft Fehldiagnosen.

Alle psychischen Störungen sind Achsen. Man kann darauf gar nicht, leicht, etwas, deutlich stark oder extrem unterwegs sein.
Narzissmus / BL gehen oft mit ausgeprägtem schwarz-weiss-denken, plötzlicher Abwertung anderer und einer Schwäche, gemachte Fehler auch im nachhinein zugeben zu können einher. ADHS reagiert so eher nur im emotionalen Impuls und sieht mit emotionalem Abstand den eigenen Fehler gut und kann sie zugeben.
Wenn du dir sicherheitshalber mal die Symptomcluster dort anschaust, kannst du schnell ausschließen, dass sie auf einer dieser Achsen unterwegs ist.
Wenn es ADHS ist, helfen ADHS-Medikamente während der Wirkzeit auch in Bezug auf Rejection Sensitivity.

Die Pubertät kann die geschilderten Tendenzen jeweils noch deutlich verstärken.

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und borderline/npd sind wiederum häufige fehldiagnosen für cptsd sowie osdd und did. würde da jetzt wirklich nicht nur auf diese beiden fokussieren, wobei es sich bei beiden ebenfalls um traumafolgestörungen handelt. aber gerade die aussage, eine stimme zu hören, die ein anderes verhalten wünscht, dann aber „hilflos zuschauen zu müssen“ wie man selbst etwas anderes macht, klingt schon sehr stark nach dissoziierten anteilen. da sollte das ziel auch nicht sein, dass sie fehler einsieht und dazu steht, sondern, dass man sie so gut man kann unterstützt. fehler eingestehen kann wirklich sehr schrecklich sein, wenn man in der vergangenheit schlechte erfahrungen mit reaktionen auf seine fehler gemacht hat. das ist kein zufälliges symptom, sondern eine reaktion auf erlebtes.

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Ich hoffe wirklich sehr, dass in der Tagesklinik Licht ins Dunkel kommt.

Ich lese mich schon länger immer mal wieder durch Symptomlisten und versuche, daraus schlau zu werden. Da kann ich immer nur begrenzt Aussagen treffen, weil meine Tochter mir nicht alles erzählt und außerdem bin ich weit entfernt von jemandem, der daraus richtige Schlüsse ziehen könnte. Symptome googeln ist im Allgemeinen ja keine gute Idee.

Natürlich hätte ich am liebsten eine simple ADHS, denn andere Diagnosen hören sich ehrlich gesagt nicht so leicht an. Einerseits, weil sie irgendwie schwerwiegender sind und andererseits, weil sie immer auch die Eltern als Teil der Ursache haben. Sowas will natürlich keine Mutter hören.

Gestern erzählte sie mir, dass sie manchmal, wenn sie aus dem Kindergarten kam, sich so komisch fühlte. Als würde sie aufblähen und der ganze Körper sich aufgeplustert anfühlte. Das hatte ihr Angst gemacht und deshalb hat sie sich dann lieber bewegt, statt zum Beispiel auf dem Sofa zu liegen.

Naja, bei solchen Erzählungen bekomme ich natürlich Angst. Das ist nochmal ne ganz andere Nummer als das Gefühl, innerlich ganz schnell zu sein und die Außenwelt ist extrem langsam. Das kann ich zumindest nachvollziehen, weil ich das auch kenne. Immer spannend beim Auto fahren, wenn man das Gefühl hat 30 zu fahren, aber der Tacho zeigt 50. Aber seltsame Körperempfindungen als Kindergartenkind? Come on, das ist gruselig.

Wie auch immer, dafür gibt es Fachkräfte. Ich kann nur weiter versuchen, mein Kind zu verstehen und irgendwie gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Heute war mal ein guter Tag ohne Stress. Sie hat sich an unsere Abmachungen gehalten, hat sich am Familienleben beteiligt und ich habe keine Ansprüche gestellt oder mich über Dinge beschwert.
So ein ruhiger Tag tut auch mal gut.

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Hey ich habe gerade mal überflogen und will was schreiben, bevor ich den Drive dazu verliere aber vielleicht habe ich dabei nicht alle Infos richtig gut auf dem Schirm (oder überhaupt gelesen).
Daher leg ich mal los und lese dann peu a peu weiter und hoffe es macht Sinn.

Erstmal stellt sich mir die Frage: nimmt deine Tochter Medikamente? Ich habe kurz mal in deiner Posthistorie gesucht und gefunden, dass zumindest bei deiner Vorstellung nur der Sohn eine gesicherte Diagnose hatte, oder? Wurde deine Tochter getestet?
Ich hatte nach meiner Diagnose und mit den ersten Versuchen mit Medikinet ein solches Aha-Erlebnis beim Streiten mit meinem Freund. Plötzlich konnte ich ihn ausreden lassen und erstmal nachdenken bevor ich zurückkeife.

Ansonsten habe ich ein klein wenig Angst mich hier am Fear Mongering der schlimmen möglichen Erkrankungen zu beteiligen. Ferndiagnosen sind kacke und Persönlichkeitsstörungen werden aus guten Gründen laut den Statuten erst bei Erwachsenen vergeben. Da wär ich vorsichtig.

Aber ich will sagen, dass ich mich in deiner Tochter ein bisschen wiedererkenne und ähnliche Konflikte mit meiner Mutter hatte und ich kann ein bisschen aus der Tochterperspektive berichten.
Ich bin mittlerweile Mittezwanzig und wurde auch erst im Studium mit ADHS Diagnostiziert. Also hatte ich eine explosive Pubertät ohne Medis und leider auch ohne psychologische Begleitung. Finds super, dass ihr da aktiv geworden seid.

Für mich war die Konfrontation mit meinem Unvermögen in der Kindheit und Pubertät mit wahnsinnig viel Schamgfühl verbunden. Es fühlte sich immer an, als würde mir da etwas entgleiten und ich würde den Halt oder die Kontrolle verlieren.
Der Ursprung saß vermutlich noch tiefer in meiner Psyche und meinem Aufwachsen und dem Gefühl immer ein bisschen fehl am Platz zu sein. Jeder Fehler schien ein Beweis für diese Annahme.

Besonders hellhörig bin ich beim Lesen deiner Beiträge beim Thema Essen geworden. Denn ich habe lange an einer Essstörung gelitten.
Wie gesagt, ich spreche da nur aus meiner Erfahrung und will Feedback zu dem Geben, was mir beim Lesen auffällt. Aber junge Frauen stehen nicht selten unter einem enormen Druck was Essen und Aussehen angeht. Ich glaube, das ist ein sehr intimes und verletzliches Gebiet.
Aus meiner Sicht fällt es mir schwer zu glauben, dass man freiwillig mit unkontrolliertem Essverhalten anecken möchte. Und deine Tochter scheint dir ja auch keinen Streich spielen zu wollen, indem sie deine Brotbox auffuttert.
Dass das dann bemerkt und geahndet wird, kann ziemlich heftig reinfahren.

Ich kann gleichzeitig sehr gut nachvollziehen, dass es einfach ein paar Dinge gibt, die für euer Zusammenleben essenziell sind. Die auch gar nichts damit zu tun haben, dass irgendwer an Regeln und Prinzipien um jeden Preis festhalten will, sondern dass es ein Mindestmaß an Verantwortung gibt, das deine Tochter mitträgt.
Ich frage mich, ob ihr irgendwelche Codes vereinbaren könntet. Also sowas wie ein Emoji per Whatsapp und das steht dann für „Kannst du bitte deine Sachen aus dem Flur räumen, wie wir es ausgemacht hatten“ ohne, dass du das so nochmal sagen musst. Als Trick um den lamentierenden Konfliktmustern zu entkommen und den genervten Unterton (der ja verständlicherweise mal mitschwingen kann) dabei nicht laut werden zu lassen. Verbindlichkeit einfordern aber so nüchtern und praktisch wie möglich.

Außerdem überlege ich, was mir geholfen hat damals. Mittlerweile würde ich mich schon als kritikfähig bezeichnen. Immerhin studiere ich Kunst und muss meine Projekte regelmäßig in großen Gruppen besprechen und bewerten lassen.
Ich hatte schon in meiner Jugend ein Hobby, bei dem ich Dinge von mir zeigen musste und Feedback bekam. Das hat glaube ich einiges bewirkt. Weil ich dort einerseits Lob bekam aber ebenso Kritik, die mich weiterbringen sollte. Und das konnte ich so dann besser annehmen. Nicht zuletzt, weil es etwas war, das ich gerne und für mich tat. Von meinen Eltern hätte ich mir damals vermutlich nichts sagen lassen.
Aber durch das Erproben in einem von mir gewählten und geschätzten Umfeld, konnte ich souveräner werden mit Kritik egal von wem.

Womit ich dann wirklich auf einer optimistischen Note ende und mit Überzeugung sagen kann: Deine Tochter wird sich machen.
Pubertät ist verdammt anstrengend und ein Lernprozess und da müsst ihr jetzt irgendwie alle durch. Aber da passiert noch viel mit ihr und das ist gut so!

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Hallo,

und was tun die dort in fünf (!) Wochen? Eine ADHS-Diagnostik mit Medikationsversuch könnte man, wenn man wollte, auch in zwei Wochen machen.

Liebe @theunfedmind , du schreibst wunderbar ermutigend!

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Schau mal, das habe ich gerade gesehen und gleich an eure Problematik gedacht:

Mir hilft es immer, wenn ich sehe, dass ich mit meinen Problemen nicht alleine bin, auch wenn man mit solchen Sachen auf Social Media natürlich ein bisschen vorsichtig sein muss

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ich will hier nur kurz einen anderen aspekt mitreinbringen, bin aber voll einverstanden mit deinem text! so oder so ähnlich hätte ich das mitte zwanzig wahrscheinlich auch geschrieben und kann vieles sehr gut nachvollziehen.

meine ergänzung: es ist nicht „schlimm“, wenn man andere oder zusätzliche diagnosen zu ADHS in den raum stellt oder deren möglichkeit in betracht zieht. es gibt therapien, die alles bis und mit DIS ziemlich erfolgreich behandeln können und es ist nichts, mit dem die betroffenen für immer leben müssen (also schon, aber der leidensdruck kann extrem verkleinert und die symptome auf ein minimum reduziert werden). auch persönlichkeitsstörungen sind nichts so schlimmes, wie man sie hinstellt. es sind keine gestörten persönlichkeiten, sondern beziehungs- und traumafolgestörungen und, wie gesagt, behandelbar. die angst davor ist verständlich, aber leider auch kontraproduktiv.

ausserdem geht man mittlerweile davon aus, dass ca. 10% der bevölkerung cptsd/ptsd haben und 1.5-3% eine DIS, inpatient (also unter klinikpatient*innen) geht man von 10% mit einer DIS aus. das so als einordnung. das heisst in jeder schulklasse gibt es statistisch gesehen 2 kinder mit cptsd und knapp eins mit einer dissoziativen störung. ich finde es deshalb enorm wichtig, red flags nicht schönzureden, nur weil wir angst vor etwas „schlimmerem“ haben. schlussendlich denkt man immer, es (be)trifft nur die anderen, aber wenn das alle denken, wäre theoretisch niemand betroffen.

zu OP: klar will man das als mutter nicht hören, absolut verständlich! aber so wie es klingt, leidet dein kind und als tochter einer mutter, die nicht hinhören wollte und es bis heute nicht kann, kann ich dich nur bitten: hab keine angst vor den dingen, die du „falsch“ gemacht haben könntest, sondern sei mutig und unterstütz deine tochter. dass du hier um rat fragst, ist schon so viel mehr als die meisten tun würden.

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Ich stimme dir total zu und fand deinen Beitrag auch total angemessen und differenziert.
Gerade weil er nochmal ein bisschen basaler auf Auslöser hingewiesen hat und darauf, dass man resultierende Beschwerden ernst nehmen soll.

Nur eben Narzisstische Persönlichkeitsstörungen und Borderline in der Pubertät zu diagnostizieren, halte ich für schlechte Praxis. Leider passiert das insebesondere bei jungen Frauen schnell.
Und das ist jetzt auch wieder nur anekdotisch, aber in meinem Umfeld gibt es mehrere Frauen, die in ihrer Jugend und während Klinikaufenthalten Diagnosen bekommen haben, die so nicht gut gepasst haben.
Andere wiederum haben berichtet, dass man sich in Kliniken nicht festlegen wollte, weil dort ja meistens Menschen in großen Krisen behandelt werden und die Diagnosen lieber in ambulante langfristige Therapien auslagern, um ein umfassenderes Bild zu bekommen.

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Ich würde eigentlich gerne auf jeden einzelnen Beitrag eingehen, aber bei so reger Beteiligung fällt mir das gerade schwer :slight_smile: Dennoch: Vielen Dank!

Also grundsätzlich wird es mir natürlich absolut gleich sein müssen, welche Diagnose letztlich gestellt wird, hauptsache es wird eine gestellt und wir bekommen Hilfe. Meine Tochter hätte nichts davon, wenn ich aus Angst vor Stigmatisierung oder Verantwortung die Augen verschließen würde.
Ich weiß auch, dass Ferndiagnosen kaum hilfreich sind, andererseits ist es immer gut, mal neue Begrifflichkeiten zu hören um Eventualitäten abklären zu können.

Kurz zur Frage, was in der Tagesklinik überhaupt so lange dauert: so ist das System. Es gibt pro Woche eine Einzelsitzung und bisher nur 3 Diagnostiktermine. Im Klinikbetrieb dauert es eben so lange. So wie ich es verstanden habe arbeitet man dort eher so, dass man erstmal alle Patienten zusammen bringt und therapeutisch loslegt mit Gruppentherapie, Ergo, Tagesstruktur und so weiter. Was da leider aus meiner Sicht etwas kurz kommt ist die Elternarbeit und eben auch die Diagnostik. Zumal das auch noch von den Personen vor Ort und individuellen Umständen abhängt. Eine Woche war zum Beispiel meine Tochter krank, eine Woche die Psychologin. Und noch dazu ist meine Tochter ja nicht ausschließlich für eine ADHS Diagnostik dort. Es wird ja sehr “breit ermittelt”.

Nach wie vor ist für uns als Familie die mangelnde Kritikfähigkeit das Hauptproblem, wobei ich so langsam zu dem Schluss komme, dass wir da zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht viel machen können.
Vielleicht muss wirklich erstmal geklärt werden, woher das eigentlich kommt. Wenn es durch ADHS ist, ist es kurz gesagt der Stoffwechsel im Hirn und wenn es Traumata sind, müssen diese bearbeitet werden. So oder so, wir können keine schnellen Lösungen erwarten. Ich finde die Idee mit dem Smileysystem gar nicht so schlecht. Vielleicht nicht genau so, aber Kommunikation auf Sachebene. Dazu öfter über Erfolge reden. Woran hat sie gearbeitet (Stichwort Wochenziele), was hat gut geklappt usw.
Mein Problem wird nur sein, da immer dran zu denken. Ich muss mir eine Routine basteln die mich in die Lage versetzt, immer mal ran zu fragen.

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Liebe @Hobbyhopper,

ich finde erstmal, dass du die ganze Situation sehr gut händelst!

Egal, wie eine Diagnose aussieht, ich finde (und ich habe selbst mit emotionaler Dysregulation zu tun), dass es für Betroffene schon mal sehr hilfreich ist zu verstehen, dass die eigenen Emotionen - so stark und intensiv sie auch sein mögen - nicht immer der allerbeste Kompass sind, wenn es darum geht Situationen zu verstehen und in ihnen zu handeln. Wenn man das weiß, kann man nämlich zusätzlich auch andere „Hilfsmittel“ heranziehen wie Augen und Ohren (also wie verhalten sich vielleicht andere Leute in der Situation, oder gibt es Hinweise darauf, dass etwas gar nicht so gemeint war, wie ich es jetzt gerade empfinde) oder sich auch mal bei vertrauten Menschen rückversichern, ob man eventuell grad überreagiert. Nicht gerade eine „Über-Nacht-Lösung“, aber für einen selbst und nach einem Lernprozess auch für das Umfeld entlastend.

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Hi, du hast so was von die richtigen Worte gefunden. Danke dafür. Kannst du mir bitte Tipps für die Umsetzung geben? Ich denke und fühle genau wie du, leider kommt immer wieder meine falsche Erziehung durch. Du hast so Recht, dass Kinder am besten am Modell lernen, also so wie wir ihnen es vorleben. Ich habe durch die Erziehung die ich und die meisten meiner Generation (BJ 73) erleben mussten, keinen Selbstwert und keine Selbstliebe. Auch ich war 50 Jahren falsch. Erst durch meine ADHS Diagnose letzten Sommer habe ich zumindest aufgehört mich selbst zu hassen und unter Schuldgefühle in Depressionen zu fallen. Mein Teenie hat Anfang des Jahres seine ADHS Diagnose bekommen. Der fast Teenie hat andere Baustellen. Eigentlich müsste ich doch genau wissen, wie sie sich fühlen, wenn ich wieder in alte Erziehung falle, aber es gelingt mir noch nicht, frühzeitig die Bremse zu ziehen. Impulsives Verhalten erübrigt den Rest. Nochmal Danke für deine Worte

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Hallo und schön, dass du hier bist!
Ich kann dich gut verstehen, denn viele meiner Freunde sind dein Baujahr und damals war vieles noch anders. Natürlich ist jede Familie individuell, aber so manch Zeitgeist hat doch viele Familien und daraus resultierend die Erziehung ihrer Kinder beeinflusst.
Ich kann nur sagen, was mir hilft. Ob das für dich passend ist musst du schauen. Kann sein, dass du bei einigen meiner Punkte denkst, was hat das jetzt mit Erziehung zu tun? Aber für mich gehört alles zusammen, deshalb zähle ich es mit auf.

Ich bin sehr jung Mutter geworden. Ich war gerade mal 18 Jahre alt und selbst noch sehr unsicher. Ich war so alt wie mein Sohn heute, als ich schwanger wurde und mit meinem Mann zusammen gezogen bin. Wenn ich mir vorstelle, meine Sohn würde heute Vater werden… Wenn ich zurückblicke ist es schon Wahnsinn, was ich alles geschafft habe. Und trotzdem zweifle ich jeden Tag, ob ich meine Sache gut genug mache. Ich habe aber dennoch schon vieles verändert und mich weiterentwickelt. So viel zum Vorgeplänkel und zur Einordnung. Was hat mir über die Jahre geholfen?

Atmen. Durchatmen, bevor ich etwas sage oder reagiere. Ich habe als junge Mutti viel geschrien, was meine Hilflosigkeit gezeigt hat. Auch heute passiert mir das noch ab und an. Doch es ist viel weniger geworden. Erst atmen, in dieser Zeit überlegen und dann erst den Mund aufmachen. Klingt banal, ist aber entscheidend. Es dauert, bis man das verinnerlicht hat. Lohnt sich aber.

Ich habe so manch „System“ ausprobiert, das mich im Haushalt und in der generellen Lebensführung unterstützen sollte. Daraus habe ich mir über die Jahre vieles ziehen können und durch bessere Routinen mehr Sicherheit gewonnen. Dadurch bin ich insgesamt ruhiger geworden und habe mehr Kapazität mich um die Erziehung zu kümmern. FlyLady war das Erste und das war sehr gut. Babysteps, viel Selbstliebe, Struktur, das Gefühl, immer zurück kommen zu können, auch wenn man mal vom Weg abgekommen ist. Bedingungslos wieder einsteigen können, sich selbst verzeihen können. Das hat mir sehr gut getan.
Ich habe dann zwischendurch mal Marie Kondo gefunden und da einiges für mich mitnehmen können.
Heute habe ich mir ein eigenes System gebastelt und komme damit relativ gut klar.

Finanzielle Bildung hat mir auch geholfen, mehr Selbstsicherheit zu erlangen. Madame Moneypenny hatte mir den Einstieg ins das Thema erleichtert. Klingt vielleicht weit hergeholt, aber gerade dieses Thema war für mich wichtig. Immer Geldsorgen zu haben macht einen nicht gerade ausgeglichener. Existenzängste stehen ganz weit oben auf der Liste, warum ich oft angespannt war oder mich komplett zurückgezogen habe.

Nebenbei habe ich Dinge über mich gelernt und das ist seit etwa 2 Jahren ein großer Gamechanger für mich. Ich lerne, dass viele meiner Eigenarten und Problematiken eine Ursache haben könnten. ADHS erklärt so vieles und ermöglicht mir immer mehr, mit mir selbst liebevoller umzugehen. Ich schaue mir gerne Reals von Betroffenen auf Social Media an und muss dann oft lachen, weil ich mich so wiederfinde. Das Gefühl, nicht alleine zu sein ist sehr heilsam. Ich versuche, dieses Gefühl in meine Erziehung mitzunehmen. Das gelingt mir noch nicht so gut, aber ich werde besser darin. Ich habe schon immer wenig „Strafen“ eingesetzt und lieber über Beweggründe gesprochen. Seit ich mehr über mich selbst weiß kann ich mich auch besser in meine Kinder hinein versetzen. Seit ich mir mehr erlaube, ich zu sein, kann ich auch gelassener bei den Kindern sein. Manche Regeln erscheinen dann wirklich sinnlos und unpassend. „Weil MAN das so (nicht) macht“ ist nicht mehr mein Maß aller Dinge.

Ich habe gelernt, dass ich nur gut auf mein Gegenüber eingehen kann, wenn ich mich selbst kennen lerne. Momentan arbeite ich mit dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden“, genauer gesagt mit dem dazugehörigen Arbeitsbuch. Ich muss sagen, dass ich damit gut voran komme, aber ich kann mir vorstellen, dass man das auch mit einem Therapeuten machen kann oder sollte. Je nach individuellen Traumata ist es vielleicht nicht gut, das alleine angehen zu wollen. Je besser ich meine Trigger und Schutzmechanismen kenne, desto besser kann ich darauf reagieren. Das hilft natürlich auch wieder bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Da habe ich noch sehr große Baustellen und bin da gerade dran. Ich renne auch ständig gegen die selben Wände, trete in die selben Fettnäpfchen und mache Fehler immer wieder. Aber zumindest kann ich schon besser reflektieren.

Letztlich kann man immer nur an sich selber arbeiten. Das ist manchmal frustrierend und kräftezehrend. Mein Mann hat Depressionen und da hätte ich es natürlich auch gerne, dass er das alles bewältigt - am Besten gestern noch. Hier geduldiger zu sein ist mit eine der schwersten Aufgaben, die ich in meinem Leben hatte und habe. Jetzt noch abzuwarten, was bei meiner Tochter raus kommt ist für mich unglaublich schwer. Merkt man ja an meinen Beiträgen hier. Ich kann schlecht damit umgehen, dass Menschen, die mir wichtig sind, Probleme haben. Ich möchte die immer sofort lösen, was aber nicht geht.

Ich kann dich nur ermutigen, deinen Weg weiter zu gehen. Du reflektierst dich und deine Erziehung. Du hast es geschafft, dich diagnostizieren zu lassen. Ich warte noch auf einen Termin und kann mir nur vorstellen, was das für dich bedeutet haben muss. Sei nachsichtig mit dir, gib dir Zeit zu lernen und zu heilen. Jeder Tag, jeder Schritt ist bedeutsam und bringt dich weiter. Dich und mich und uns alle.

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Was ist RS?

Rejection Sensitivity

Hey, da habe ich eine Nachfrage zu, da ich inhaltlich zwar verstehe, was Du meinst und auch teile, jedoch konkret hier zu Hause das Problem habe, dass ICH ja den ganzen Kram dann wegräumen muss. Und das überfordert mich tatsächlich mittlerweile. Mein Mann lässt auch alles stehen und liegen und ich fühle mich dann ab einem bestimmten Punkt unwohl, spätestens,wenn ich etwas kochen möchte und vorher erstmal die Pfanne sauber machen muss, die Käseränder vom Schneidebrett entfernen muss, etc.
Oder erstmal neu einkaufen muss, weil die eingeplanten Eier komplett weg sind.
Von böswilligkeit gehe ich dabei nicht davon aus, nur von Verpeiltheit :slight_smile:

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