"Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ich gehe meist grundsätzlich davon aus, dass ich nicht abgelehnt werde - und falls doch das es auf jeden Fall nicht persönlich ist.

Soweit das bewusst ist.

Sonst versuche ich so offen wie möglich zu kommunizieren.

Was mir aber immer wieder passiert - bin seit gestern in einem für mich völlig neuen Arbeitsbereich. Arbeite ja eigentlich auf einer Intensivstation - jetzt vorübergehend in der Anästhesie.

Ich habe ein Medikament injiziert - da macht man die Angabe normalerweise in mg/ml oder kleiner - da ich dieses Medikament aber als Bolusinjektion noch nicht verwendet hatte und auch nicht so schnell rechnen konnte - frage ich einfach „wie viel ml??“.

„Hä, aber das musst du doch wissen - ?!?“ sah für mich so aus als würde sie innerlich die Augen :eyes: verdrehen. Das triggert mich dann in dem Moment.

Ich komme dann schlagartig in so einen „ich bin doof“ Modus. Dann werde ich auch motorisch total ungeschickt, egal was ich anfasse - also wenn ich erstmal in so einem Modus bin :see_no_evil::see_no_evil::see_no_evil:.

Ich weiß aber dann bereits - das die andere Person mich nicht für blöd hält (oder vielleicht doch, weil ich ja dann wirklich blöd und verpeilt geworden bin :thinking:).

Jedenfalls kann ich das dann gut reflektieren und habe das mit einer anderen Kollegin (die ebenfalls völlig chaotisch ist, schätze die hat undiagnostizuertes ADHS) reflektiert.

Die sagte dann nur „hä - is doch normaaaal. Du bist den zweiten Tag hier“. :crazy_face:

Aber in den meisten Fällen gehe ich davon aus, das mich niemand ablehnt - jedenfalls nicht mich als Person. Warum auch?
Höchstens mal meine Art. Aber wenn ich mir nicht sicher bin frag ich nach. Ist am einfachsten.

Ja. Das ist echt ein Teufelskreis.

Wenn ich erstmal denke jemand denkt ich bin doof - oh man - dann bin ich sowas von doof im Sinne von verpeilt und apraktisch.

Das ist ne richtige Behinderung.

Ich glaube nicht das Stimulanzien direkt darauf wirken sondern eher sekundär.

Wenn man sich die Erklärung von Lachenmeier anschaut wird das auch deutlich. Wenn man keine Brille auf hat und im Nebel steht - ist man emotional sehr schnell mit allem überfordert.

Wie ein kleines Kind was müde ist - die haben dann auch immer gleich durch jede Kleinigkeit n Furz quer sitzen und neigen zu Überreaktionen.

Man fühlt sich durch die Art der Wahrnehmung „nicht sicher“. Und Undicherheit und Angst fühlen sich quasi gleich an.

Mit meinem Partner habe ich nie RSD. Grundsätzlich eigentlich mit Menschen nicht, von denen ich sicher weiß, dass sie mich mögen und kennen.

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Das ist schön zu hören.

Mir haben schon Leute berichtet, dass sie bei Menschen die ihnen nahestehen, die nach außen gerichtete Form der RSD Reaktion haben, wo sie Quasi explodieren und überhaupt nicht wissen wie sie sich in dem Moment zurückhalten können und dass das bei eher fremden Menschen eher nicht so sei.
Ich glaube mittlerweile, dass auch die nach innergerichtete Reaktion bei einem näher stehenden Menschen stärker sein kann.
Ich muss mir da nochmal Videos mit Dr. William Dotoson und Sharon Saline anschauen.

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Ich habe wohl das größte Problem in homogenen Gruppen.

Als Kind in der Schule war es ganz schlimm und wohl auch traumatisierend für mich.

Und so auch später immer wieder in beruflichen Situationen.

Und ich glaube wenn mir das heutzutage passiert - es gibt diese Momente - dann ist es weil da etwas altes getriggert wird.

Sind manchmal Momente. Komme etwas später zur Weihnachtsfeier, die Gruppen haben sich schon gefunden und ich fühle mich für einen Moment wie das fünfte Rad am Wagen. Das kann mich dann extrem triggern.

Aber geht dann schnell wieder vorbei.

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Nach außen gerichtet kann aber ja auch heißen, dass man statt zu explodieren etwa noch entgegenkommender ist, aus Sorge über die wahrgenommene Zurückweisung, nicht?
Also sowohl internalisierend als auch externalisierend kann es denk ich entweder explosiv gegen oder leise/klagend/fawnend sein, jeweils gegen sich oder andere.

Ob man gegen Nahe stehende eher explodiert ist dann vllt nochmal ne Frage dessen, inwieweit man bei anderen maskiert oder sich „fallen lässt“ und natürlich die persönliche stress response of choice, letztlich.

Ja, glaub im Grunde geht’s viel um die Stress responses. Wie reagiere ich bei wem, wenn ich getriggert werde, durch etwa wahrgenommene Zurückweisung?
Wie kann ich mein Nervensystem wieder beruhigen, wieder gut zu mir sein (um den Bogen zurück zu @anon48277439 zu bringen). Und danach dann betrachten was dahinter war, ob ich es ansprechen will, ob ich es abhaken kann etc.

Wir haben vielfache Berichte, dass Stimulanzien unmittelbar auf eine ADHS-bedingte Rejection Sensitivity wirken. Unretardiertes MPH binnen 15 Minuten, also genauso schnell wie die Wirkung auf Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität. Psychologische Mechanismen, wie Lachenmaier sie erklärt, wirken nicht so schnell.

Es gibt ADHS-Betroffene, die keine erhöhte Kränkbarkeit haben (Glückwunsch - RS ist mE mit das lebenszerstörerischste Symptom von ADHS). Bei denen wird die Kränkbarkeit dann durch Stimulantien auch nicht weiter verbessert.

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