Schwierigkeiten mit dem Essen

Hallo zusammen,

wollte mal nachfragen, ob ihr das auch kennt und wenn ja, wie ihr damit umgeht. Ich habe seit ca 8 Jahren große Probleme mit dem Thema Essen bzw Gewicht. Auch schon vorher, aber da fiel es wohl nicht so auf, da mein Stoffwechsel damit besser zurecht kam. Und ausserdem war da immer etwas Kontrolle von außen zB durch Eltern, Erzieherinnen, Mitbewohner_innen… oder schlicht, weil mir das Geld fehlte für (ungesunde) Nahrungsmittel.

Es ist so, dass ich Heisshungerattacken habe, die ich nicht oder kaum kontrollieren kann. Also gehe ich dem Drang nach. Am ehesten mit zuckrigen und/oder fettigen Sachen. Dann fühle ich mich zwar kurz beruhigt aber auch sehr schlecht. Ich fühle, dass ich etwas schlechtes getan habe, obwohl ich das nicht wollte. Schon während ich es tue, will ich es eigentlich nicht. Aber es ist etwas, das automatisch abläuft und ich kann es nicht stoppen.
Ich fühle mich sehr unglücklich mit meinem Körper, finde mich fett und eklig. Obwohl ich „objektiv“ betrachtet nur leichtes Übergewicht habe. Aber ich fühle mich beim Blick in den Spiegel abgestossen.
Mittlerweile ist es so schlimm, dass meine Gedanken einen großen Teil des Tages um dieses Thema kreisen. Wie spät ist es? Wann kann/soll/muss/darf ich was essen? Wie kann ich was beschaffen? Wie schaffe ich es, mich davon abzuhalten?.. usw.

Denkt ihr, das hängt mit der Impulsivität vom ads zusammen? Kennt ihr das? Was tut ihr, um damit klar zu kommen? Wie bekommt ihr das unter Kontrolle?
Oder meint ihr, das hat mit ads nichts zu tun?
Danke schonmal,

Schnuppi

PS: ads Medikation habe ich seit ca 6 Wochen abgesetzt, merke aber keine Veränderung diesbezüglich. Ist aber auch ein anderes Thema.

1 „Gefällt mir“

Nö, ist kein anderes Thema.

Heißhungerattacken sind bei ADHS typisch und entstehen im Gehirn, das einen Gleichgewichtszustand erreichen will, knapp formuliert.

Das übernimmt bei eingestellten Menschen die Medikation, so dass Heißhungerattacken Klassischerweise erst am Abend, wenn die Wirkung aufgehört hat, auftreten.

Oft ist es deshalb ja eher so, dass medikamentierte ADHSler zu wenig essen.

Übrigens: Auch das Gedankenkreisen nimmt mit Medikation ab.

Vielleicht hat sich ja nach Absetzen der Medikamente doch etwas verändert… :wink:

1 „Gefällt mir“

Danke für deine Antwort.
Also ich habe es mit Elvanse und Ritalin versucht. In einem anderen Beitrag hatte ich schon geschrieben, dass beides jeweils nur auf die Reizfilterung Einfluss hatte. Sonst brachten mir die Medis nichts positives. Daher habe ich auch abgesetzt. Meine „Futterimpulse“ waren davon auch unbeeindruckt. Sprich: es hat sich nichts geändert, ausser einer Appetitlosigkeit für ca 3 Wochen, als ich mit Elvanse anfing. Dann alles wieder wie vorher. :frowning:

Bis vor ca 1,5 Jahren hatte ich auch eine längere Phase, wo ich das mit sehr viel Sport ausgeglichen habe. 5 mal pro Woche Fitnessstudio, Wandern und Klettern. Das hat mir gut getan, besonders seelisch. Leider geht das jetzt nicht mehr, wegen verschiedener körperlicher Beschwerden. Das wiederum verschlimmert meine Depression. Es ist zum heulen.

Aber das zeigt doch eher, dass die Dosis noch einmal nach oben hätte angepasst werden müssen.

Und außerdem hattest du doch in Sachen Reizfilterung einen positiven Effekt.

Warum trotzdem abgesetzt?

P.S.: Nimmst du denn etwas gegen die Depression?

Hallo Schnuppi,

das klingt ziemlich belastend und als hätten sich ADhS, Depression und eine Essstoerung (Bulimie oder Binge Eating?) zwar dauerhaft, aber unglücklich verheiratet.
Bist Du in Therapie? Speziell für Essstoerungen gibt auch in vielen größeren Städten Beratungsstellen, wo Du evtl. erst einmal mit einer Fachperson sprechen, eine erste Rückmeldung und vielleicht auch Unterstützungsideen bekommen kannst.

Gute Wünsche,
Cassiopeia

Zum Thema ADHS und Essstörungen gibt es bei YouTube übrigens einen sehr interessanten Vortrag von Martin Winkler.

Hallo Schnuppi,

ich habe seit meiner Kindheit eine Zuckersucht - abhängig von Stress und Sport stärker/ schwächer. Hinzu kommt bei mir, dass ich Hunger vor allem im Kopf merke, weniger im Magen. Ich kann mit Hunger nicht mehr klar denken.

Von dem Tag an, seit ich Elvanse nehme, ist wie ein Schalter umgelegt bei mir und ich kann Hunger endlich aushalten.

Andere „Beschwerden“ hat Alvanse nicht so deutlich unterdrückt. Aber ich nehme es auch noch keine 4 Wochen und beobachte momentan ganz genau die verschiedenen Einflüsse auf meine Symptome.

Danke euch. Also die Medis habe ich abgesetzt, da ich dadurch manchmal noch hibbeliger wurde und auch oft Herzrasen bekam nach Einnahme von Ritalin. Das wurde von der leichten Besserung der Reizfilterung nicht aufgewogen. Mit der Dosierung habe ich jeweils klein angefangen und gesteigert. Wobei die Dosen jeweils noch immer recht niedrig waren. Aber weiter steigern wollte ich nicht, weil die Nebenwirkungen bei Erhöhung stärker wurden.
Ein zweiter ganz großer Punkt dabei ist aber auch, dass ich mich bei Einnahme irgendwie schuldig und schlecht gefühlt habe. Als sei ich für meine Mitmenschen nur ein guter Mensch, wenn ich diese Tabletten nehme. Das hat eine starke innere Ablehnung der Medis ausgelöst. Ich wollte sie nicht nehmen.

Gegen die Depression nehme ich seit 5 Wochen Escitalopram. Bisher merke ich keine Veränderung dadurch.

Essen war auch schon in meiner Kindheit ein seltsames Thema. Meine Mutter hat zB mangelnde emotionale Nähe durch Gabe von Essen bzw Süßkram „ausgeglichen“. Dieses Prinzip praktiziert sie noch immer. Und obwohl ich es mittlerweile durchschaue, „falle ich immer wieder drauf rein“.

@Hedwig
Die Tatsache, dass die Medis deine Zuckersucht drosseln kannst du als Bestätigung deiner ADHS-Diagnose sehen. Denn die Zuckersucht ist insbesondere bei weiblichen ADHSlern fast Standard und ist dann unter Medikation zunächst wie weggeblasen.

Meistens bleibt das aber nicht so. Das einzige Medikament, das bei mir die Zuckersucht dauerhaft ausschaltet ist Ritalin.

@Andromache
Viel wertvoller und ich glaube auch übergeordneter ist für mich, dass ich jetzt das Hungergefühl problemlos aushalten kann. Das führt dazu, dass ich mir Zeit nehme für gesundes Essen, was wiederum Heißhunger verhindert.

Bei mir hat Ritalin in der Hinsicht nichts gebracht.
Denke auch, dass ich das anders angehen muss, als mit Medis. Aber wie?

Hmhhhh ??? Kann es den sein das deine innere Abwehr sich Psychosomatisch verstärkt hat , ist jetzt einfach nur so ein Gedanke?

Ich könnte jetzt ein paar positive Gedanken zur <medikation schreiben.
Aber das fühlt sich so an, wie kalte Ratschläge, die ich dir Natürlich nicht geben möchte.
Auch wenn ich es positiver sehe kann ich dein Empfinden sehr wohl nachvollziehen und möchte es nicht einfach so abtun.


Dass verstehe ich nicht. Der Zusammenhang von ADHS und Essstörungen liegt auf der Hand. Warum nicht Medikation, auch als Unterstützung einer therapeutischen Intervention, nutzen?

Wenn du aber eine innere Abwehr gegen die Medikamente hast, dann bringt das natürlich nichts, denn dann wirken sie auch nicht.

Warum ich die Medis abgesetzt habe, habe ich schon erklärt. Ich wollte hier keine Diskussion darüber aufmachen, ob Medis ja/nein.
Sondern mich würde interessieren, ob ihr da einen Zusammenhang zu ads seht. Ob ihr sowas von euch kennt. Und ob ihr - ausser Medis - Methoden habt, damit umzugehen.

In Therapie bin ich. Dort waren aber bisher andere Themen dran, da es mir an Problemen nicht mangelt… habe aber vor, das demnächst anzusprechen.

Die innere Abwehr hatte ich zuerst gar nicht, sondern hatte mich sogar darüber gefreut, damit endlich Hilfe zu bekommen. Daher denke ich nicht, dass diese die Symptome verschlimmert hat. Das kam erst vor ein paar Monaten hinzu.

@schnuppi
Ich denke, Heißhungerattacken kennen hier viele. Und, ja, es hat mit der Impulsivität und unserem verqueren Belohnungssystem zu tun. Da verliert man dann jegliche Kontrolle.

Aber in deinem speziellen Fall scheint das Problem sehr viel tiefer zu liegen und du scheinst Essen als Zuwendungsersatz zu sehen, so wie deine Mutter dich „konditioniert“ hat.
Dieses eingeschliffene Verhaltensmuster ist dann wohl noch schwerer zu durchbrechen, als „nur“ eine fehlende Impulskontrolle.

1 „Gefällt mir“

Nun ja, Medis sind eben Mittel der Wahl bei der ADHS-Behandlung, da sie u.a. helfen, alle Formen der Selbstmedikation mit Alkohol, Nikotin, Koffein, Canabis, aber eben auch durch Binge Eating loszuwerden.

Es ist aber natürlich deine Entscheidung, auf Medikamente zu verzichten. Aber der Weg ist dann natürlich steiniger.

Die klassische Kompensation durch Sport hast du ja schon angesprochen. Blöd, dass das gerade nicht funktioniert.

Ansonsten:

  • frische Luft
  • Spaziergänge
  • Gesellschaft positiver Menschen

und ganz pragmatisch:

  • gesund und wenig einkaufen

P.S.: Habe gerade gelesen, dass Elvanse bald auch gegen Binge Eating zugelassen werden soll. Aber vielleicht ist das bei dir ja wirklich ein psychologisches Problem, wie @Andromache schrieb, und kein neurophysiologisches.

1 „Gefällt mir“

Auch ich teile die Medi-Erfahrung der anderen, aber Du suchst ja auch noch Alternativen, daher:

Was mir vor der Diagnose mal sehr geholfen hat, war ein „verschultes“ Programm wie zB Metabolic Balance. Gibt auch viele Leute, die das für Geldmacher-Unsinn halten, aber man isst da nach festem Plan (Vorgaben bis aufs Gramm… aus einem bestimmten „Lebensmittel-Portfolio“, das angeblich individuell abgestimmt wird nach Blutbild) und Uhrzeit, mit 5 h Pause dazwischen, usw.

Und stur 3 l Wasser unbedingt auch. (Das hat mir auch geholfen: Ein ADS-Gehirn interpretiert wohl Durst oft als Hunger, las ich jetzt.)

Und dadurch kann man Selbstregulation ziemlich stur und strikt ersetzen und outsourcen.

Vielleicht ist das bei Weight Watchers auch so. Das kenne ich zu wenig.

Gerade, weil Du schreibst, dass Du körperlich nur leicht zu schwer an Dir trägst… bin ich mit dem Hinweis etwas unsicher. Vielleicht ist mehr Plan und Verschultheit dann sogar kontraproduktiv, aber für mich war es jedenfalls das richtige.

Was vielleicht auch zu etwas mehr Selbstakzeptanz hilft (und die hilft dann ja immer…): Es ist nicht Deine Schuld… Wenn bei dem Thema einmal der Wurm drin ist, gehen doch eben auch lauter Blutzuckerachterbahnen und Teufelskreise los. Dann hat man es wirklich kaum noch selbst in der Hand, m.E. Und das setzt dann erst recht die Frust-Stress-Selbsthass-Frustess-Schleifen in Gang.

Und wenn man mit der Krücke eines solchen, den Rhythmus vorschreibenden Programms da mal rauskommt, … kann das helfen.

Und ich hörte kürzlich in Ayurveda-Zusammenhang etwas Bezauberndes: Sie haben die Gabe, aus wenig Nahrung viel Gewebe zu produzieren und es lang zu speichern. Jahrtausendelang war das ein Überlebensvorsprung.

Es so versöhnlich zu sehen führt doch fast schon zu weniger Frustfraß. Habe ich ja gar nicht nötig, bei diesem Talent zu viel „Gewebe“. :idea:

Weight Watchers ist eigentlich ideal bei ADHS: feste Termine, sozialer Druck, aber trotzdem Gemeinschaft, und natürlich Wettbewerb (obwohl das natürlich keiner zugeben würde).

Dazu ein stark vorstrukturiertes Vorgehen mit viel Unterstützung vom „System“ - was will man mehr?