Späte Diagnose ADHS Stimmt die ADHS-Diagnose überhaupt?

Hallo
Ich habe einen längeren Weg hinter mir, ich habe schon vor zwei Jahren durch eine sehr gute Psychotherapeutin die Diagnose Depression und instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ erhalten. Ich bin über 50 Jahre alt und seit ich eigentlich denken kann war ich immer unglücklich also oft Depressiv.
Die Psychotherapeutin empfahl mir einen Psychologen, damit er mir Medikamente verschreiben kann. In einer großen Gemeinschaftspraxis kam ich dann unter- leider bei einer Ärztin die nur ihr Jahr dort absitzt um eine eigene Praxis zu eröffnen dort bekam ich Escitalopram, was weder geholfen noch irgendwie sonst was gemacht hat.
Nach nicht ganz einem Jahr ist meine bisherige Psychotherapeutin leider in Rente gegangen (sie hat mir das aber von Anbeginn der Behandlung gesagt), ich war dann ein ein halb Jahre auf der Suche nach einer neuen Psychotherapeutin.
Nun habe ich eine neue Psychotherapeutin, die mir ebenfalls Empfahl Medikamente einzunehmen.
Ich bin dann leider wieder zu der Gemeinschaftspraxis, aus Bequemlichkeit oder besser gesagt weil hier irgendeinen Facharzt zu finden eine Katastrophe ist.
Ich kam dort wieder zu einem Jungen Belegsarzt (so nennt man das glaube ich), der sich auf ADHS wohl in seinem Studium spezialisiert hatte. Er stellte mir ein paar Fragen, füllte halbwegs ein paar Bögen mit den Antworten aus, schickte mir noch mehr Bögen und ich sollte ihm meine Schulzeugnisse zusenden. Ich bekam in kürzester Zeit dann von ihm zu hören ich hätte ganz sicher ADHS. Gegen die Depressionen verschrieb er mir Elontril und für das ADHS Elvanse.
Mir ging es nach der Einnahme von Tag zu Tag schlechter. Die Depressionen haben sich gesteigert bis hin zur Selbstaufgabe.
Ich habe nun die Medikamente abgesetzt und weitere Termine dort abgesagt. Mir ging es eh schon sehr schlecht nun muss ich zu sehen wie ich wieder auf die Beine komme.
Dieser Belegsarzt hat im übrigen nicht wie hier oft beschrieben mir Bögen zum Fremdausfüllen gegeben. Auch hat er von einem auf den anderen Tag die Diagnose stellen können, er hat auch ohne mich zu kennen direkt am Anfang behauptet das ich ADHS hätte.
Ich habe mich etwas Belesen und bin der Meinung das Bordeline und ADHS ziemlich ähnliche Symtome hat. Meine Psychotherapeutin wundert sich auch das im Moment plötzlich ein Haufen Leute angeblich Borderline haben sollen.
Ich für meinen Teil werde keine Psycho- Medikamente mehr einnehmen. Und so wirklich glaube ich auch nicht daran das ich ADHS habe.

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Hallo,

Herzlich willkommen! Borderline und ADHS haben tatsächlich teilweise ähnliche Symptome.

Es gibt aber auch viele Patienten die haben beides und dann gibt es auch Borderline Patienten ohne ADHS die aber auch durch ADHS Medikamente profitieren.

Deshalb kann man das nur ausprobieren.

Möglicherweise war die Kombination allerdings für dich so nicht gut - vielleicht lag es auch an der Dosierung.

Trotzdem könnte es sein, dass du durch Methylphenidat profitieren könntest.

Elontril und Elvanse von ein auf den anderen Tag abzusetzen kann mit einer Entzugssymptomatik einhergehen.

Es ist leider schade, dass du keinen Facharzt hast wo du dich gut betreut fühlst.

Ob die Diagnose stimmt oder nicht - ist letztendlich nicht sooo wichtig. Wichtig ist, eine Behandlung zu finden die passt.

Dafür braucht man dann allerdings manchmal die Ursache - aber Menschen sind nun mal komplex. Oft gibt es verschiedene Komorbiditäten.

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Das wäre vielleicht ein wenig zu schwarz-weiss gedacht :wink:
(Ich hoffe, du kannst den Humor ab ;-))

Zur Differenzialdiagnostik zwischen Borderline-ADHS findest du hier mehr:

Viel Erfolg!

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Wieviel mg Elvanse hast du denn eingenommen zu Anfang ?

Vielleicht war es einfach zu hoch eindosiert, zumal du ja noch Elontril dazu hattest…

Elvanse 30mg von Tag 1 ab ist vielen erstmal zu viel. Niedriger anfangen und langsam steigern hat sich vielfach bewährt. Allerdings wissen viele Ärzte das nicht und dann ist es doof.

Und nimmst du sonst noch was ein?

Hallo Nono
Ich habe jeden Morgen eine Elontril 150mg und eine Elvanse 30mg genommen bzw auch so verschrieben bekommen. Elontril habe ich schon ein paar Tage vor Elvanse eingenommen. Die starke Depression stellte sich wirklich sehr zügig ein, ich war teilweise wie gelähmt.
Ansonsten nehme ich nichts ein, habe aber früher regelmäßig Alkohol getrunken, vielleicht liegt es auch daran das die Medikamente bei mir anders als vorausgesagt wirken.
Zu dem Elontril gab er mir nämlich auch noch eine Packung Quetiapin da er meinte das die Elontril einen Ruhelos machen. Ich sollte die dann bei Bedarf nehmen. Aber bei mir war es ja eher so, das mich das Elontril völlig lahmlegte…

Moin @Nitro

Spaßeshalber:
Koffein komplett meiden.
Weiß jetzt nicht ob du Kaffeetrinker bist.
Daher möchte ich das einfach mal so anmerken.

Koffein ist, genau wie BTM, ein stimulanz und verstärkt sich gegenseitig.

Jaa, das habe ich dann auch hier gelesen- da war es aber schon zu spät. Ich trinke viel Kaffee…

Dann möchte ich dich bitten, diesen zu reduzieren und dann komplett weg zu lassen.

Sry wenn ich jetzt einfach mal sehr direkt und schonungslos meine Einschätzung widergebe:

Theoretisch kannst du deine Eindosierung nach dem Koffeinentzug von beinahe 0 neu starten.

Verstehe nur nicht warum das seitens der Ärzte nach wie vor nicht groß bekannt ist.
Ist doch eigentlich logisch…

Ich nehme die Medikamente überhaupt nicht mehr und keine zehn Pferde werden mich dazu bringen. Das hat mir wirklich gelangt.

Mir dem Koffein das habe ich erst hier gelesen, da war es schon zu spät. Ich bin da echt sauer! Ein Meterlanger Beipackzettel und kein Sterbenswörtchen von Koffein!

Wenigstens noch jemand der Beipackzettel liest :wink:

Ne aber mal ernsthaft:
Ich verstehe einfach nicht (und werde / will vermutlich auch niemals verstehen) warum das so unbekannt ist.
Obwohl das doch so signifikante Auswirkungen hat…

Aber gut, das wichtigste ist, dass du es JETZT weißt.

Was willst / wirst du nun machen?


@Justine Kann / sollte man bzgl. Koffein nicht eigentlich mal die Hersteller anschreiben / informieren damit die das aufnehmen? Ist ja eigentlich absolut überfällig…

Hallo @Nitro eine interessante Frage die Du hier stellst, also wenn Du Dich fragst ob Deine Adhs Diagnose überhaupt stimmt.

Mittlerweile scheint sich ja immer mehr die Denkweise das eine Adhs Diagnose garnicht so wichtig ist immer stärker durchzusetzen.

Mir z. B. hat man das hier im Forum so erklärt, also mit der Begründung das eine ICD -10 Auflistung von Symtomen Adhs eh nicht richtig erklären könnte, jedenfalls wurde mir das z.B. in einem anderen Thema anhand der Ansicht wie sie anscheinend Dr. Lachenmeier so vertritt versucht näher zu bringen.

Ich selbst bin ja eigentlich bis jetzt immer der Meinung gewesen das eine ICD - 10 Liste von der Who nicht einfach nur eine stumpfsinnige Liste ist die nur Symtome aufzählt, sondern Adhs als „psychische Störung“ beschreibt.

Aber das Problem scheint zu sein das sich viele Adhs’ler* nicht als krank ansehen wollen, und das obwohl Adhs in der ICD - 10 Liste als „psychische Störung“ aufgeführt ist, wie wir dann gemeinsam in einem anderen Thema gemeinsam heraus gefunden hatten, das Thema hiess glaube ich „ist Adhs eine Krankheit“, oder so ähnlich.

Jedenfalls wollen sich viele Adhs’ler* nicht gerne als psychisch krank oder als Mensch mit einer psychischen Störung bezeichnen lassen, und auf garkeinen Fall als Mensch mit Behinderung.

Sondern lieber als Menschen die „anders“ sind, die zwar irgendwie „aus dem Rahmen fallen“, dass das aber eben Quasi nur eine „spezielle Art des menschlichen Seins“ sei, also im Grunde nichts „schlimmes“, und das man halt nur schauen sollte das man Adhs Medikamente bekommt die einem dann das Leben erleichtern könnten, und dann müsste man halt nur noch an sich „arbeiten“, und dann kommt irgendwann schon alles irgendwie wieder in Ordnung, und eigentlich ist ein bisschen Chaos im Leben ja eigentlich sowieso normal.

Von daher?, ob Adhs eine Krankheit ist hätte ich persönlich bis jetzt ja eigentlich immer sofort mit einem Ja beantwortet, oder auf jeden Fall das es eine psychische Störung ist, eine Beeinträchtigung die einem das Leben erschwert, bedingt durch eine Fehlentwicklung im Gehirn die eine Stoffwechselstörung bewirkt, denn wäre es nicht so, dann würde man ja nicht unter Adhs leiden, spräche man nicht von einem „Leidensdruck“ bei Adhs der Behandlungsbedürftig macht.

Aber was weiss ich?, vielleicht findest Du Deine eigene Antwort auf Deine Fragen, und wer weiss, vielleicht sind wir eh bald irgendwann soweit das sich jeder selbst seine eigene Diagnose erstellt und vielleicht auch gleich noch die Medikamente verschreibt die er* gerne hätte. :person_shrugging:t3::wink::joy::rofl:

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Man könnte mal nachfragen.

Man muss wissen das Koffein und Stimulanzien keine echten Wechselwirkungen/ Kreuzwirkungen machen. Zumindest entspricht das nicht der pharmakologischen Definition.

Es sind zwei Stimulanzien die sich gegenseitig addieren.

Es ist auch individuell wie das zusammen vertragen wird.

Es gibt bestimmt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Koffein und Stimulanzien gefährliche oder schwerwiegende Wechselwirkungen haben, die eine Kontraindikation rechtfertigen würden - und ich vermute das das nötig wäre, damit es überhaupt in die Fachinformation oder den Beipackzettel aufgenommen werden muss.

Trotzdem ist es natürlich so das Koffein die Eindosierung behindern kann und bei manchen sogar dazu führt das es abgesetzt wird.

Allerdings gefällt mir auch die Empfehlung nicht, das man während der Eindosierung wirklich „gar kein“ Koffein trinken soll.

Man muss wissen das es einen Unterschied machen kann.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker oder lesen vorher in einem Selbsthilfeforum nach. :wink:

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34 Beiträge wurden in ein neues Thema verschoben: Exkurs: Ist ADHS eine objektive Störung oder Gibt es eine perfekte Umgebung

Hallöchen. Ich komm mal wieder auf dein Ursprungsthema zurück.

Also ich sehe hier zwei Probleme, die sich hier auftun.

  1. Eindosierung und Koffein. Böser Fehler bei den Meisten, die anfangen. Leider selten von Ärzten kommuniziert. Das wurde aber hier auch schon angebracht, wie ich lese. :wink:

  2. Elvanse UND Elontril GLEICHZEITIG starten. → gaaaaanz böser Fehler, der auch nicht auf dich zurück zu führen ist, sondern von ärztlicher Sicht aus.
    Elvanse und Elontril haben mitunter nicht gerade wenige Wechselwirkungen. Elontril sorgt für einen verminderten Abbau von Elvanse, sprich: Du hast zu viel Elvanse im Blut → Überdosierung, was auch für deine Symptome sprechen könnte.
    Das ist nicht dein Fehler, sondern die deines Arztes. Er sollte und muss wissen, welche Wechselwirkungen da vorhanden sind. Und wenn er es nicht auf dem Schirm hat, ist er dafür verantwortlich das auch gegen zu checken. Insbesondere bei Psychopharma, Psychostimulanzien muss da ein geschärfter Blick drauf gelegt werden.

Es sind beides keine schlechten Medikamente an sich. Die Kombi jedoch gleichzeitig zu starten ist nen Garant fürn Fehlschlag.

Als Tipp möchte ich dir gerne noch auf den Weg geben: Versuch es ruhig nochmal. Dir hat die Erfahrung jetzt gezeigt, wie böse das ist, wenn man son Cocktail zu sich nimmt.
Erfahrene Ärzte zu finden ist sehr schwer. Leider.
Als Rat kann ich dir geben, es ist das Beste einzeln mit den Medikamenten zu starten. Er hat dir gleich 3! verschrieben, die alle jeweils unterschiedliche Wirkungen haben und sich gegenseitig beeinflussen können.
Vielleicht findest du nochmal den Mut zusammen und kannst darum bitten sowohl Elontril, als auch Quetiapin raus zu lassen und nur mit Elvanse zu starten. Vielleicht bringt es dann was. :wink:

Egal was du tust, ich wünsche dir viel Erfolg.

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Hallo, hier kurz meine Erfahrung (wobei ich annehme, dass die Diagnose bei mir zutrifft), vielleicht hilft es dir :

Wenn du starke Probleme mit Depression hast (Mittel bis schwere Diagnose) kannst du vielleicht erstmal dich auf die Behandlung dieser konzentrieren.
Also Psychotherapie + antidepressivum. Dann erstmal nur das richtige antidepressivum finden und mit einer Substanz probieren, dann sind die Initialen Nebenwirkungen wahrscheinlich auch nicht additiv (falls das so war bei dir).

Wenn die Depression eher leicht ist, kannst du dich auch direkt auf das adhs konzentrieren:

  • ebenfalls Psychotherapie
  • sanfte aufdosierung adhs Medikament

Kann verstehen, dass du keinen Bock hast gerade auf die medis. Können eine Hilfe sein, aber vielleicht schaffst du’s auch so. Sei ehrlich zu dir selbst wie (schlecht) es dir geht. Es gibt immer Alternativen, also könntest du dir auch andere medis verschreiben lassen!

Bei mir war Variante 1 ganz gut, also erst depression reduzieren (sertralin) und jetzt adhs medis aufdosieren.
Wünsche dir alles gute!

(Verhaltens-) Therapie - Platz aber unbedingt suchen, falls gerade nicht vorhanden!
Und nochmal zu ner anderen psychiatrischen Fachkraft das diskutieren (du entscheidest, ob du was nimmst oder nicht!)!

Ps keine ärztliche Meinung. Eigene Erfahrung + beruflich background im Sozialen Bereich

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Hey Nitro,
Ich habe die anderen Antworten nicht gelesen…

Ich würde dem Arzt noch eine Chance geben und nochmal hingehen (da Du ja keine Alternative hast). Dann würde ich ihm sagen, warum Du die Medikamente abgesetzt hast und dass Du von der Diagnose nicht überzeugt bist.
Ich habe schon öfter Medikamente selbständig abgesetzt, die Ärztinnen waren zwar nicht begeistert davon, aber dann gab es eigentlich immer neue Therapievorschläge. Bringt doch nichts, wenn Du jetzt ganz ohne Therapie zu Hause sitzt, denn es wird niemand an Deiner Tür klingeln und Dir Lösungen präsentieren. Habe keine schlechte Erfahrung gemacht, wenn ich sachlich meine Gründe nenne, warum ich dieses Medikament nicht mehr nehmen kann. (Also, schon ein paar Bemerkungen, dass ich das nicht selbstständig entscheiden soll/ ausschleichen hätte sollen etc., aber das habe ich einfach „überhört“ )

Würde dem Beipflichten.

Der Arzt ist recht jung und unerfahren. Er scheint aber willens zu sein, zu helfen. An sich ist die Idee bei ADHS mit Depris Elontril zu verschreiben keine dumme.
Ansich mit Elvanse bei ADHS anzufangen ist auch keine Dumme Idee. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es ohnehin das Medikament der ersten Wahl bei Erwachsenen.

Aber er scheint sich nicht ganz bewusst zu sein, was da schief gehen kann.

Insofern, am besten alles absetzen, mit dem Arzt reden und Vorschläge machen. Du weißt nun, dass Elontril und Elvanse Wechselwirkungen haben und das ist keine Bauernweisheit, sondern nen Fakt, der schnell zu finden ist mit einem Wechselwirkungscheck.
Bei leichten Depressionen ist es ohnehin ratsam direkt mit Stimulanzien zu arbeiten und dann Psychotherapie dazu.

Er wird auch das Feedback der Patienten brauchen, damit er mit neuen Erfahrungswerten bei anderen Patienten arbeiten kann. Darauf sind ärzte immer Angewiesen.

Medizin ist irgendwo auch immer „try and error“

@WaffleWithin
Sry aber das ADHS zu ignorieren und nur auf die Depressionen zu konzentrieren wird nicht der Schlüssel sein.

Ist so ne Sache die ich sowohl im stationären Aufenthalt als auch hier als Mod gelernt habe:
Mitpatienten die jahrelang erfolglos auf Depressionen behandelt wurden, erzielten plötzlich Erfolge sobald mit dem passenden Medikament auf ADHS behandelt wurde.

Selbstverständlich kann, sobald das ADHS Medikament passt, ein AD dazugenommen werden.

Aber erst das eine, dann das andere.
Niemals gleichzeitig!
Sonst kannst du nicht zuverlässig einschätzen welche Besserung wovon ausgelöst wurde und du drehst dich ewig im Kreis.

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