Strategiensammlung, Fragen zu den Strategien, Ideen und Anregungen

Hallo :slight_smile:

ich bin seit meiner kürzlichen Diagnose fleißig am recherchieren und vor allem auch Strategien suchen und identifizieren um irgendwie klar zu kommen. Teilweise bin ich mir aber unsicher, ob etwas a) Sinn ergibt oder b) habe Verständnisprobleme oder c) habe zwar das Problem identifiziert, aber noch keine Lösung/Strategie gefunden.

Da ich hier im AuDHS-Subforum keinen Thread zu dem Thema gefunden habe (vll habe ich aber auch falsch gesucht - wenn ja, sorry!), dachte ich mir, ich mache einen auf. Es ist ja unwahrscheinlich, dass ich die einzige in einer solchen Situation bin, oder?

Um Missverständnisse zu reduzieren: Es ist meinerseits explizit erwünscht, dass hier auch andere ihre Strategien, Probleme, Fragen dazu, etc. posten, ich möchte das eigentlich nicht zu „meinem“ Thema machen. Wenn hier Strategien landen, mit denen ich nichts anfangen kann oder Probleme, die ich nicht habe, die es zu lösen gilt, dann ist das völlig in Ordnung!

Nun zu dem Grund, weshalb ich den Impuls bekam dieses Thema zu eröffnen:

Hier (Stuck at the Starting Line: AuDHD Task Freeze Is Not Laziness) in der zweiten Hälfte des Textes kommt der Unterpunkt

When you are frozen, do not ask:

“What is wrong with me?”

Ask:

“What is making this hard to start?”"

Und eine der Antworten auf „What is making this hard to start?“ ist

I need to stop trying to do the entire task in my head before I begin.

Ja. Ok, gut, prima. Ich mache das ständig, es wäre wohl sehr sinnvoll damit aufzuhören. Und jetzt? Wie höre ich damit auf? Das ist doch gerade so substantiell wie „du musst dich weniger stressen“ wenn man grade gestresst ist.

Oder stelle ich mich grad blöd an?

(Oder ist dieser Blogeintrag von einer nicht sonderlich guten Quelle? Ich bin einem Link auf Reddit gefolgt und habe dort angefangen zu lesen und mich in vielem wiedergefunden, aber auf Social Media findet man ja auch viel Mist und ich weiß noch(?) nicht genug, um schlechte Quellen halbwegs zuverlässig zu identifizieren und bin dazu möglicherweise aktuell auch weniger in der Lage als normal, da ich zur Zeit quasi nach allem was nach Rettungsring aussieht hechte, weil ich aktuell nur so semi den Kopf über Wasser halten kann und immer wieder untergehe.)

Also im Grunde ist dann das Thema Prokrastination nicht weit…

Dazu gibt es dann wieder ganz ganz viel…

Ich verlinke nochmal ein paar andere

Und der hier gehört dazu

https://adhs-forum.adxs.org/t/werkzeugkoffertalkrunde/805

Da hatte ich dann wohl die falschen Stichworte. Danke.

Das macht ja nichts.

Deine Idee war doch sehr gut, das mal anzuregen.

Ich wollte Deine Inititative eigentlich gar nicht konplett beenden und hoffe, dass andere sich trotzdem noch beteiligen.

Vielleicht kommt jetzt, einige Jahre später, noch mal wieder eine andere Sammlung zusammen :grinning_face:

Danke, dass du das nochmal so explizit schreibst!

Mir geht es auch explizit um Tipps und Strategien für AuDHS, ich finde gerade bei meinen Recherchen sehr viele Tipps für AHDS bei denen ich mir denke „soll das eine Hilfe oder eine Drohung sein? Das mache ich nicht freiwillig! Und wenn doch, dann brauche ich danach eine Woche Pause.“ und sehr viele Tipps für Autismus bei denen ich mir denke „klingt super. Aber wenn ich mal einen Schritt zurück mache und versuche das objektiv einzuordnen, dann ist das mäßig realistisch, was längere Umsetzung angeht, das fällt nach einer Woche hinten über und dann kriege ich deswegen eine mittlere Krise“.

Dieser blöde Schnittmengenbereich zwischen den beiden ist irgendwie ein bisschen ein Minenfeld - oder ich habe schlicht noch nicht die richtige Karte.

Den Link zu „Stuck at the Starting Line“ finde ich auch aus ADHS-Sicht interessant. Danke dafür.

Ich kann nicht beurteilen, was hier die spezifischen Hürden von AuDHS sind. Es ist sicher richtig, eigene oder zusätzliche Widerstände zu beachten. Vielleicht kann man das vergleichen mit Pacing bei ME/CFS, um sich nicht durch Standard-Reha-Vorschläge weiter auszubrennen.

Nur sind die bisherigen Sammlungen ja ohnehin keine „Standard-Reha-Vorschläge“ in diesem Sinne. Vielleicht ist die Herausforderung auch individuell, entsprechend „Kennst Du eine Person mit AuDHS, kennst Du eine Person mit AuDHS“. Zumal ADHHBS oder AuDHHBS dann jeweils noch weitere Variablen in das Akronym werfen.

Wenn das Problem der Startparalyse für „ADHS ohne u“ einfach zu lösen wäre, hätte es vermutlich keinen so großen Werkzeugkoffer-Thread gebraucht. Und Anti-Prokrastination-Threads würden dann nicht selbst so schnell zu einer neuen Prokrastinationsquelle.

Ich habe heute den Eindruck, es sind individuelle Stolpersteine, die durch Scham und Selbstvorwürfe zu einer Mauer verdichtet werden. Interessant dazu fand ich auch: #MensaGoesScience (4) | Frauke Niehues zu Prokrastination und ihren emotionalen Grundlagen - YouTube

Die einzelnen Tool-Vorschläge sind dann eher wie ein Abtasten dieser Mauer zu sehen, ob vielleicht ein Stein leichter zu lösen ist als ein anderer. Wie Prokrastinations-Jenga. Einen Durchbruch schaffen und dadurch dann Momentum, kurzes Aushaltenkönnen des Widerwillens, um den nächsten lockeren Stein zu suchen, usw.

Wie Carmenauthenticallyadhd ja auch vorschlägt: „One nervous-system-respecting spark.“ Nicht immer der gleiche. Nicht mal für die gleiche Person immer der gleiche. So mein Eindruck.

Den Durchbruch in der Mauer suchen führt vielleicht - an guten Tagen - weiter auf unserem individuellen Weg als eine neue Mauer zwischen ADHS und AuDHS-Ansätzen. Ich würde sonst auch das Risiko sehen, dass man sich immer weiter einmauert, wenn ggf. Tools aus dem AuDHS-Werkzeugkoffer nicht gleich oder nicht immer funktionieren. Und dann sucht man vielleicht - in allerbester Absicht - den AuDHS-Koffer für Hochbegabte und die Mauer wird unterdessen vielleicht noch höher, mit dem Stein der Weisen als Baumaterial - außer Reichweite.

Gerne :slight_smile:

Ja, das ist ein guter Punkt. Irgendwie bin ich gerade auf der Suche nach einer „Reparaturanleitung“ oder „Betriebsanleitung“ und tue mir schwer damit, dass es das vermutlich so nicht gibt.

Das ist ein extrem guter Punkt. Danke dafür! Ich habe eine ausgeprägte Tendenz nach „der optimalen/perfekten Lösung/Herangehensweise“ zu suchen und investiere da oft sehr viel mehr Zeit hinein, als die gegebene Problemstellung rechtfertigt. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht in genau die von dir beschriebene Richtung abdrifte, das wird sonst unschön.

Da stimme ich dir zu. Ich habe diesen Ausschnitt den du gezeigt hast aber tatsächlich eher so gelesen dass er auf Problemerkennung und Selbstreflexion abzielt, um eben nicht in die Selbstbewertung zu geraten („what is wrong with me?“).

Deshalb wurde das vermutlich auch nicht genauer erklärt.

Damit aufzuhören ist Übungssache würde ich sagen. Und hat auch mit Regulation zu tun. Zumindest bei mir.

Im Idealfall geht man dann eben noch mal einen Schritt weiter, und fragt sich „warum muss ich alles in meinem Kopf machen?“.

Es kann bei vielen Dingen hilfreich sein zu fragen warum. Irgendwann kommt man dann an den Kern, mit dem man auch tatsächlich arbeiten kann anstatt allgemeingültige Tipps.

Ich hoffe du verstehst was ich meine. :slightly_smiling_face:

Ja, danke.

Diese Frage konnte ich auch direkt spontan für mich beantworten (weil ich es richtig/optimal/gleich gscheid machen will - „do or do not, there is no try“ sozusagen und da ist der erste Schritt nunmal der perfekte Plan), das war sehr hilfreich.

Da gibt’s dann eben unterschiedliche Wege um damit umzugehen. (Ich kenne das übrigens auch von mir)

Du könntest weiter rein gehen mit „Warum“ - Fragen, um das aufzubrechen, oder versuchen einen Weg zu finden wie du mit dieser „no try“ Einstellung zurecht kommst.

Genau darüber denke ich gerade nach.

Teil der Einstellung kommt daher, dass ich sehr lange sehr wenig Geld hatte (Studium hat sich gezogen, ich hatte oft weniger als jemand der Harz IV bekommt) und da war es tatsächlich sehr, sehr wichtig, dass Dinge beim ersten Mal möglichst gut klappen, weil Geld für einen zweiten Versuch, der war schlicht nicht da. Das versuche ich gerade abzulegen.

Abgesehen davon weiß ich eigentlich, dass die erste Iteration von etwas normalerweise ein Prototyp ist und man beim machen die Sache erst perfektionieren kann, da Erfahrungswerte nicht komplett durch theoretische Überlegungen und Recherchen ersetzt werden können.

Mein Plan ist also, mich auf das Prototypen erstellen zu trainieren. Beim nächsten Nähprojekt also z.B. „das ist nicht die finale Version, du hast noch einiges an Stoff, das ist die erste Iteration, die machst du, dann nutzt du sie, dann weißt du mehr darüber, wie perfekt überhaupt aussieht in diesem Fall“. Und auch „das ist ein Hobby, es ist ok, wenn du eine Garnrolle mehr brauchst, weil du was aufgetrennt hast. Du kannst dir die Garnrolle leisten“

Sozusagen "diese theoretische Überlegung muss experimentell überprüft werden " statt „do or do not, there is no try“.

Die Idee ist also quasi, den Perfektionismus auszutricksen - du willst dass es perfekt wird? Dann musst du iterieren!

Mal schauen wie das klappt.

Das klingt absolut sinnvoll! :relieved_face:

Ich bin lustigerweise gerade auch bei meinem ersten Näheprojekt, also zumindest was man wirklich Projekt nennen könnte. Ist alles schon zugeschnitten, aber hab bisher noch nicht geschafft mit dem Nähen anzufangen, es war einfach viel zu heiß. :sweat_smile:

Das kenne ich auch. Muss auch immer noch aufs Geld schauen.

Hast du das dann nur wenn es mit Geld zu tun hat, dass du das Gefühl hast du müsstest alles im Vorhinein komplett durch planen?

Hauptsächlich bei Geld, aber auch bei Dingen, bei denen ich den Eindruck habe, dass ich nur einen Versuch bekomme oder dass ich auf den nächsten Versuch sehr lange warten muss.

Bei meinem abgebrochenen Master war es an der Uni so, dass man Prüfungen nur einmal im Jahr schreiben konnte. Ist man wegen Krankheit ausgefallen (und das bin ich oft), musste man ein Jahr warten, bis man es erneut versuchen konnte. Das hat auch dazu beigetragen, dass ich den irgendwann abgebrochen habe. An der Uni, an der ich meinen Bachelor gemacht habe, war das ganz anders, da haben die Profs auch schon mal gesagt „ok, dann machen wir das mündlich und wenn du am Tag X Migräne hast, ruf einfach an, dann machen wir das halt am Tag danach, ich bin ja eh an der Uni“. Das war richtig genial, das hat total viel Stress rausgenommen, wodurch ich es auch fast nie gebraucht habe, das rechne ich den Leuten dort wirklich hoch an.

Ohje, ja das ist absolut verständlich.

Ein Hoch auf die Menschen die den Stress rausnehmen! So ein Druck sollte auf niemanden aufgebaut werden.