Tochter, 9, und Unklarheiten bzgl. Diagnose

Hallo zusammen,

Neben meinen eigenen ADHS-Baustellen beschäftigen mich die meiner Tochter sehr. Vielleicht kann mir jemand ein bißchen Input geben und mir helfen, meine Gedanken zu sortieren.

Meine Tochter hat mit 6 eine umfassende Diagnostik durchlaufen. Dabei wurden ihr eine Angst und eine Zwangsstörung attestiert. Ich hatte schon damals den Verdacht, sie könne auch ADHS haben, das hat sich aber in der Diagnostik nicht bestätigt.

Problematisch dabei war, dass meine Tochter schon immer sehr, sehr schüchtern war und sich in unbekanntem Umfeld vollkommen anders verhält als in vertrauten Situationen. Bzw. war und ist das bei ihr sehr vom Gegenüber abhängig, vor der Psychologin, die die erste Diagnostik gemacht hat, hatte sie Angst und hat sich verhalten wie ein Mäuschen. Ich habe das natürlich auch angesprochen, mir wurde aber gesagt, dass es kein ADHS sein könne, wenn sie in der Lage ist, sich z. B. einen ganzen Kindergarten-/Schultag anzupassen und nur daheim anders sei.

Letztendlich hat sie die Diagnose aber doch noch erhalten, weil die Psychiaterin, zu der wir dann gegangen sind, das aufgrund der Fremdbeobachtung dort für induziert hielt und der Psychologe, an den sie uns weiterführend überwiesen hat (in Ö findet die Diagnostik durch klinische Psychologen statt) diese Diagnose dann gestellt hat. Allerdings quasi nur aufgrund seiner Beobachtung ihres Verhaltens vor Ort.

Jedenfalls gab es dann Versuche mit Medikation, die aber alle ihre Zwänge verstärkt haben. Darum hab ich das irgendwann vorerst auf Eis gelegt.

Sie geht in Therapie, aber vorrangig wegen der Zwänge und Ängste.

Sie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, es geht ihr immer besser, trotzdem gibt es viel, was mich immer wieder an ADHS denken lässt, es ist nur nicht „klischeehaft“ ausgeprägt.

Mittlerweile sind wir umgezogen und die neue Psychiaterin zweifelt die ADHS-Diagnose stark an. Hat mir nun diverse Fragebogen mitgegeben (für mich und die Schule) und wenn es nach denen ginge, ist sie ja auch komplett unauffällig. Mal nur als Beispiel, wenn da die Konzentration abgefragt wird, sie KANN sich wunderbar konzentrieren, WENN ihr das Thema zusagt. Sie hat Freunde, trotzdem sind Sozialkontakte für sie ein schwieriges Thema, das mit vielen Selbstzweifeln behaftet ist, aber diese Kämpfe finden in ihrem Inneren statt. Usw. usf.

Ich habe momentan Angst, ihr Chancen zu verbauen, wenn ich da nicht dranbleiben und das mal endgültig GUT abklären lasse. Vielleicht würde es ihr mit der passenden Medikation ja noch viel besser gehen. Aber andererseits bin ich froh, dass sie sich so toll stabilisiert hat und immer weiter Fortschritte macht und möchte sie nicht durch eine erneute umfassende Diagnostik stressen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Gedanken dazu mit mir teilt :heart:

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Das klingt nicht einfach! Es ist doch gut, wenn nochmal eine Diagnostik gemacht wird. Hat schon mal Jemand an Autismus gedacht? Geht auch häufig mit Zwängen und Ängsten einher und hat viele Überlappungen mit ADHS.
Ich würde Dir auch empfehlen, offen zu sein für die evtl andere Einschätzung von Experten, ich habe bei meinen Kindern immer irgendwie falsch gelegen, wenn es um Diagnosen etc. ging. Wir sind als Eltern viel zu nah dran, um die Dinge wirklich objektiv zu sehen.

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Vorweg: Ich habe keine Kinder, kann das also nur bedingt beurteilen. Aber wenn es deiner Tochter jetzt so viel besser geht und sie eigentlich gut zurecht kommt, würde ich das Thema erst mal ruhen lassen. Medikamente hast du versucht, die haben ja eher nicht geholfen, sondern ihre Probleme verstärkt. Hätte es dann irgendwelche Vorteile, wenn jetzt ADS noch einmal bestätigt würde? Ich würde sie jetzt erst mal in Ruhe ihre anderen Baustellen bearbeiten lassen.

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Danke euch beiden für eure Antworten!

Das stimmt, wir haben Medikamente versucht, allerdings wenn ich hier im Forum so lese immer mit einer sehr hohen Startdosis. Also vielleicht war die Dosierung einfach nicht die Richtige.

Dass nochmal eine Diagnostik gemacht wird, finde ich prinzipiell auch gut. Allerdings habe ich eben den Eindruck, dass da viele ihrer Symptome gar nicht erfasst werden.

Prinzipiell hätte ich gar kein Thema damit, wenn sie kein adhs hätte oder keine Medikamente braucht etc., mir geht es eigentlich nur darum, ihr nicht die Chance zu verbauen, es vielleicht einen Hauch leichter haben zu können (wenn sie halt doch evtl. eine Medikation bräuchte und diese ihr auch tatsächlich helfen könnten). Denn all die Fortschritte, die sie gemacht hat, sind halt schon mit einem Ausmaß an an-sich-arbeiten, Refkektion usw. verbunden, das ich für eine 9jährige als sehr hoch empfinde. Manchmal würde ich ihr eben wünschen, sie könnte noch ein kleines bißchen mehr Kind sein und unbeschwerter.

Und ich bin mir eben nicht bei allem sicher, ob das jetzt von den Zwängen oder Ängsten herrührt und ob man/sie daran überhaupt arbeiten KANN.

Ich kann es leider nicht besser in Worte fassen…

Hallo Gimufi,

das kann so ganz schwierig zu identifizierendes „Mädchen-ADHS“ sein. Ich finde mich in ganz vielen Beschreibungen deiner Tochter wieder, weil ich als Kind so ähnlich war. Ich bin in der Grundschule sehr gut zurechtgekommen, da auch gern hingegangen. Bei mir fingen die Probleme erst in der weiterführenden Schule an, weil mir Schulform und Mitschüler.innen nicht gut gelegen haben. Vielleicht kristallisiert sich in einigen Jahren, wenn die „Null-Bock-Phase“ anfängt, nochmal mehr bei deiner Tochter raus.

So lang sie gut zurecht kommt, könnt ihr die Diagnostik ja auch vielleicht erstmal so (und sie möglichst unbeschwert Kind sein) lassen, und wenn mal schlechtere Zeiten anbrechen, habt ihr noch die Option in der Hinterhand.

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Danke dir!

Ja, vielleicht ist das am besten, ich weiß es einfach nicht. Denn unbeschwert Kind ist sie halt so oder so nicht, es geht ihr viel, viel besser, aber eigentlich nur, weil sie jeden Tag härter an sich arbeitet, als es viele Erwachsene tun :see_no_evil: manchmal habe ich einfach Angst davor, dass sie es mit einer passenden Medikation leichter haben könnte und nicht so sehr für jeden Fortschritt kämpfen müsste und ich ihr das quasi verwehre, wenn ich da jetzt nicht dranbleibe.

Aber ich schätze, ich hab es eh nur bedingt in der Hand, denn die neue Psychiaterin ist ziemlich überzeugt und die Fragebögen werden sie nicht davon abbringen, im Gegenteil :roll_eyes:

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Das kann ich total gut verstehen!

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Danke, das tut gut :hugs:

Ich bin ja selber erst mit Mitte 30 diagnostiziert worden, weil ich zum einen so ein „braves“ Kind war und zum anderen genug andere Erkrankungen habe, auf die man die Symptome schieben konnte - das wünsche ich ihr halt nicht :see_no_evil:

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Habt ihr mal überlegt ob es vielleicht auch ADHS+ASS (AuDHS) sein könnte. Von Erwachsenen Menschen weiß ich, das die ADHS Medikamente bei Menschen mit AuDHS machmal zur Folge haben können das die Autistischen Symptome mehr „rauskommen“. Oft gleichen sich ADHS und ASS Syptome gegenseitig aus, und wenn die ADHS Seite durch die Medikamente ruhiger ist, der Autismus mehr Raum hat.

Ich kam mit Ähnlicher Fragestellung grade ins Forum. Meine Tochter (9) hat unter anderem sehr starke Trennungsängste und geht zu einer sehr netten Therapeutin die sich aber nicht Explizit mit ADHS auskennt. Ich glaube das viele ihrer Ängste mit ADHS oder AuDHS zu tun haben könnten und ich sehe bei Ihr auch viele Symptome, aber viele davon eben nicht die „klassischen“. Die Therapeutin hat uns einen Fragebogen mitgegeben in dem viele der Symptome gar nicht abgefragt werden. Daher hab ich die Befürchtung das meine Tochter mit den Fragebögen einfach durchs Raster fällt

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Hallo,

ich finde das zu resignierend von dir. Ich würde an deiner Stelle argumentieren, dass viel für ADHS spricht (also für wie hier schon jemand sagte „Mädchen-ADHS“) und dass du einen neuen Medikationsversuch für sie möchtest.

Was hättet ihr denn zu verlieren oder was genau spräche dagegen? Dass es nicht wirkt - na gut, dann isses eben so, aber ihr habt es versucht. Wenn die Dosis damals zu hoch war und die Zwänge verstärkte, sollte man es mit ganz geringer Dosis versuchen. Kleinere Kinder brauchen auch nicht viel, ich würde mit nicht mehr als 2,5 mg unretardiert bzw. 5 mg Retardkapsel beginnen. Und hattet ihr auch Amfetamin (Attentin) versucht, das bekommt mein Sohn, weil Methylphenidat bei ihm nicht passte?

Ein wichtiges Indiz, was die Psychiaterin nicht wegreden kann: Du bist selbst ADHS-lerin, also was soll sie denn sonst haben, wenn sie nicht ganz unauffällig ist?

Und das

trifft auf jede ADHS-lerin zu, natürlich können wir uns alle bei interessanten Themen konzentrieren.

Und auch das

zeigt doch, dass man sich nicht zufrieden geben sollte. Dein Bauchgefühl ist nach meinem Eindruck sehr berechtigt.

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Danke euch beiden!

ASS wurde damals bei der Diagnostik komplett ausgeschlossen. Ich kenne mich damit leider zu wenig aus, um beurteilen zu können, ob man es doch in Betracht ziehen sollte. Ich werde versuchen, mich da noch mehr einzulesen.

Wir hatten Versuche mit Medikinet unretardiert (das ging noch am besten, war aber insofern schwierig, weil sie es selbstständig in der Schule hätte nachnehmen müssen), Medikinet retardiert, Concerta und Elvanse. Attentin gibt es in Österreich nicht, aber Elvanse hat nicht gut funktioniert, wobei ich mittlerweile eben weiß, dass die Anfangsdosis viel zu hoch war.

Ich frage mich, ob auch Guanfacin einen Versuch wert wäre, denn am meisten Bedarf sehe ich bei ihr im Bezug auf Emotionsregulierung.

Ich werde versuchen, nochmal mit der Psychiaterin zu reden. Leider gibt es hier nicht viele Alternativen.

Ich habe jetzt mal den Fremdbewertungstest von adxs.org gemacht und nach dem gibt es Hinweise auf 34 von 43 möglichen Symptomen…

Ich werde das also auch ausdrucken und der Psychiaterin mitbringen. Hoffentlich hilfts :pray:

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Was haltet ihr von diesem Fragebogen?

Da hat meine Tochter auch viele Treffer und ich könnte mir vorstellen, dass die Psychiaterin damit besser zu überzeugen wäre, da quasi „ärztlich abgesegnet“ :see_no_evil:

Huhu, den Fragebogen finde ich schon viel besser. Lustigerweise ist die erste Seite genau die von unserem Fragebogen aber die weiteren Fragen grade zur Emotionalität gehen voll in die richtige Richtung.

Ich merk das ich mich bei den ganzen Fragebögen immer sehr über die Formulierung ärgere die in vielen Stellen so tendentiös ist. Eine offenere Beschreibung wäre da viel besser ist aber nicht für jeder*m Diagnostiker machbar.

Ich hatte den young DIVA Fragen runtergeladen (bezahlt), an dem fand ich positiv das er Felder für eigene Formulierungen in den Antworten gelassen hat. Wenn du mir ne PN schickst, kann ich ihn dir auch schicken

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Oh das ist lieb von dir, danke! Ich schreib dir gleich.

Akutes Problem: seit etwas mehr als einer Woche ist meine Tochter emotional noch instabiler als vorher, jede kleine Gefühlsregung, sowohl positiv als auch negativ, beschert ihr verzweifelte Weinkrämpfe.

Ich werde natürlich versuchen, den Termin bei der Psychiaterin vorzuverlegen, aber um auch argumentativ gerüstet zu sein: könnte auch diese Problematik aus der unbehandelten adhs heraus entstanden sein?

Der Termin lief gut, Diagnose wird nicht mehr angezweifelt. Wir versuchen es jetzt mit Atomoxetin, unsicher bin ich mir nur bzgl. Eindosierung. Sollen 1 Woche 10mg geben, dann gleich auf 25 für 1 Woche, dann 40. Meine Tochter wiegt 42kg,also von der Enddosis her verstehe ich den Gedanken, aber bin mir unsicher, ob so große Sprünge bei einem Spiegelmedikament gut sind? Da kann ich dann ja noch weniger als bei einem Stimulanz beurteilen, bei welcher Dosierung eine überdosierung vorliegt, weil wenn sie nach 4 Wochen zb dann Symptome hat, die darauf hindeuten, kann ich nicht mehr nachvollziehen, ob die jetzt mit Verspätung (wegen Spiegel) von den 25 mg von vor 2 Wochen kommen oder von den aktuellen 40 mg… Oder sehe ich das falsch? Kann/darf man die Tabletten teilen?

Es gibt doch noch 18 dazwischen.

Mein Sohn bekommt Atomoxetin. Als wir mit 18 mg angefangen haben, war er die erste Woche sehr emotional, hier ist die Welt zusammengebrochen. Ich wollte schon abbrechen, nach einer Woche wurde es dann besser und es kamen die ersten positiven Veränderungen. Bei der Erhöhung auf 25 mg dieselbe Geschichte.
Nach unserer Erfahrung würde ich min. 2 Wochen abwarten, am besten 3.
wenn du genug 10-er hast, könntest du dann erstmal auf 20 erhöhen.

Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass es sanfter zu erhöhen ist, wenn man statt 20 mg auf einmal 10 morgens und abends gibt. Und @Brotbox23 glaube ich auch.

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Wir haben Kapseln, die man eigentlich nicht aufmachen soll.

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:see_no_evil:oh wenn ich das lese…. Ich wünsch Ärzten manchmal nur einen Tag diese Nebenwirkungen, dann würden sie vorsichtiger Eindosieren. Immer so kleinschrittig wie möglich. Alles andere ist Müll.

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