ich schreibe vor lauter Verzweiflung, da mal wieder der Haussegen schiefhängt.
Auslöser war mein Freund heute morgen der mir was erzählen wollte und mit folgenden Worten anfing: Dicker Junge mit Brille auf Fahrrad. Ich sofort eingeworfen: Warum betonst du das Wort dick so. Ich muss dazusagen dass ich selber stark übergewichtig bin und seit der Schulzeit deswegen gehänselt worden bin. Mein Freund natürlich gleich angepisst und hat dann die ganze Zeit kein Wort mehr mit mir geredet.
Ich finde, das dass Kind dick ist hat bestimmt mit der Story nichts zu tun gehabt.
So jetzt suche ich natürlich den Fehler wieder bei mir..
Kennt ihr dass auch, obwohl der andere Schuld hat oder zumindest eine Mitschuld trägt fühlt ihr euch alleine für die Situation verantwortlich.
Die Erfahrung ist vielleicht sogar bisschen fieser als ein bloßes Triggerwort, oder?
Ich dachte jedenfalls beim Lesen des Titels erst, dass Du so seltsame Störgefühle mit bestimmten Wörtern meinst. Ich mag zum Beispiel „der Radiergummi“ nicht, obwohl das „der“ laut Duden hier sogar der richtige(re) Artikel ist. Klingt für mich sehr unangenehm. Die Verwendung würde ich daher sehr gern bundesweit verbieten, aber weiß, dass es an mir liegt.
Aber hier macht ja die Story mit dem Jungen auf dem Fahrrad ein ganzes Themenfeld auf. Und ob das objektiv veranlasst ist oder nicht: Ja, meine Rejection Sensitivity kann mich auch direkt aus der Gegenwart zu den wundesten Punkten auf meiner Landkarte transportieren. Ist eher ein Kontinent als Punkte, eigentlich. Kaum zu verfehlen.
Und wenn mich so etwas unvorbereitet trifft, könnte ich dann auch schnell den (vielleicht manchmal voreiligen) Schluss ziehen: „Du, mein Freund, bist also auch einer von denen? Ich dachte, Du spielst in meinem Team.“
Vermutlich wollen wir uns damit vor weiteren schlechten Erfahrungen schützen? Obwohl es da vermutlich inzwischen viel effektivere Strategien für gibt? Und obwohl die Geschichte mit dem Jungen auf dem Fahrrad sogar gut ausgehen könnte?
Liebe @artep123 ich verstehe absolut gut das Du Dich durch das Wort dick schnell getriggert fühlst, da Du ja selbst übergewichtig bist, und deshalb ja vermutlich auch schon die sehr leidvolle Erfahrung des „gehänselt werden“ machen musstest, und das ganz ohne Zweifel eine furchtbare Erfahrung ist.
Trotzdem wirst Du jetzt im Moment weiterhin nicht wissen können, und zwar solange nicht, bis Du Deinen Freund, (vielleicht noch heute Abend?), darauf an sprichst, dass er doch bitte noch mal von vorne damit beginnen soll, um Dir die Geschichte mit einem dicken Jungen,mit Brille, auf dem Fahrrad, in aller Ruhe von vorne zu erzählen, damit Du erfährst um was es in der Geschichte vielleicht wirklich ging.
Und natürlich kenne ich Deinen Freund nicht, aber ich persönlich glaube eigentlich nicht das Dir Dein Freund bewusst weh tun wollte in dem er Dein Trigger-Wort verwendete, sondern halt vermutlich einfach nicht daran gedacht hatte, dass er mit der Verwendung des Wortes dick in Deiner Gegenwart, hätte vorsichtiger umgehen sollen, und das z.B. in dem er Dich vorher „vorgewarnt“ hätte, heisst bevor er mit der Geschichte begonnen hätte.
Jedenfalls wünsche ich euch beiden das ihr euch möglichst bald wieder findet, respektive möglichst bald wieder gut miteinander sprechen könnt, und dann der Haussegen wieder in Ordnung kommt.
Ich könnte mir vorstellen, bzw. verstehe es so, dass die Bedeutung des Ausdrucks „dick“ für euch unterschiedlich ist.
Für dich hat es eine abfällige, abwertende oder beleidigende Bedeutung, für ihn möglicherweise (das weiß ich aber nicht) eine neutralere, beschreibende Bedeutung mit der er seine Geschichte bildlich darstellen wollte.
Da es in unser Gesellschaft aber nunmal leider so ist, dass Menschen aufgrund ihres Gewichts Diskriminierung, Abwertung oder Beleidigungen erleben, finde ich, es könnte eine Diskussion mit ihm über die Bedeutung wert sein. Im Sinne der Sensibilisierung.
Ich würde sie aber wahrscheinlich nur führen, wenn ich denke, dass die andere Person offen dafür ist und bereit, den eigenen Horizont zu erweitern…
In dem Sinne reagierst du vielleicht aufgrund deiner eigenen Erfahrungen bereits sensibilisiert auf das Wort, ich empfinde es aber dennoch auch im gesellschaftlichen Kontext als passend und eben nicht nur auf deine ganz persönlichen, individuellen Erfahrungen zurückführen. Ich würde es daher nicht (nur) als „Trigger-Reaktion“ einordnen…
An einem Trigger hat eigentlich nur dann der andere Schuld wenn er ihn gezielt setzt um den anderen zu triggern .
Wenn jemand nicht dran denkt hat er ungewollt einen Trigger ausgelöst,
Wenn jemand getriggert wird trägt er keine Verantwortung, weil es innerhalb von Bruchteil an Sekunden geht .
Wir wissen nicht in welchem Kontext er das Wort „Dick“ eingesetzt hat vielleicht wollte er was sagen was nicht anders zu sagen war.
Aber unabhängig zu deinem Trigger gehört dieses Wort grundsätzlich mehr als sensibel genutzt .
Andersrum ist es aber auch wirklich schwer wenn es um Übergewicht geht und man muss oder möchte dazu was beschreiben wie man welche Wörter nutzt .
Ich glaub, das bei dir neben dem Trigger , der dich verwundbarer macht weil es nicht nur um früher geht sondern auch aktuell deine Situation dich dafür empfindsamer macht.
Aus meiner Sicht liegt die Verantwortlichkeit von beiden Seiten ehr darin , wie man gemeinsam anschließend damit umgeht und Lösungen für die Zunft findet .
Leider ist es bei Triggerwörten so, dass eine Vermeidung von anderen nicht die hilfreichste Lösung ist , sondern dass man es bestenfalls schafft , dass diese Wörter enttriggert werden.
Es ist für Außenstehende leider auch nicht einfach immer an Triggerwörter zu denken.
Ist jetzt doof gelaufen , seht zu, dass ihr das Beste daraus macht und es geht da nicht um die Schuldfrage sondern um Lösungen .
Ich möchte dazu sagen, dass ich das Wort „dick“ okay finde (ich bin auch dick), weil es halt den Zustand beschreibt und es schwierig ist, ihn anders zu beschreiben. Anders sehe ich es nur, wenn es im Kontext abwertend genutzt wird. Also wenn z.B. manche Leute über bestimmte Politiker schimpfen, die sie nicht leiden können, und in ihrer Lästerei auch noch das Wort „dick“ verwenden, dann wird klar, dass es negativ gemeint ist und sie die Eigenschaft „dick“ generell als minderwertig ansehen. Es ist in dem Zusammenhang wirklich irrelevant, ob der Politiker dick ist oder schlank, denn das wird nicht seine Politik beeinflussen. Meistens sagen die Leute dann aber sowieso gleich „fett“, wenn sie jemanden abwerten wollen.
Das Wort „fett“ ist für mich immer beleidigend.
Viele haben kein Problembewusstsein bei diesem Thema.
Er hat dann ja auch ein bisschen überreagiert. Kann man mit ihm vernünftig über sowas reden oder ist er dann sauer bis zum Sanktnimmerleinstag? Nutzt er das Eingeschnapptsein, um auf dich Druck auszuüben, dich klein zu machen? Oder ist es einfach seine ehrliche Reaktion, verletzt zu sein?
Weiss dein Freund, wie sehr dich das triggert? Weiss er, wie sich das anfühlt? Weiss er überhauopt, was ein Trigger ist?
Vielleicht kannst du es ihm in einem friedlichen Moment aus der reinen Ich-Perspektive erzählen?
Auch daher geht m.E. hier Selbstfürsorge vor Tone Policing und Fortbildung des Freundes zum Thema Trigger.
Aber vielleicht sehe ich es auch befangen, aus ähnlicher Betroffenheit. Viel Fortschritt sehe ich bei dem Thema jedenfalls nicht, eher Rollbacks.
Hoffentlich bereust Du den Thread nicht, @artep123. Danke jedenfalls, dass Du ihn aufgemacht hast. Ich habe aus Halbdistanz überlegt, wie die Fahrradgeschichte weitergehen könnte. Vielleicht findest Du ja noch ein gutes Ende raus.
danke für eure Eindrücke und den Input. Klar reagiere ich bei dem Thema auch sehr sensibel und wahrscheinlich auch über. Mich regt z. B. auch tierisch auf wenn schlanke Leute rumjammern wie „dick“ sie geworden sind und ich danebensitze mit meinem Fett, das finde ich immer als sehr unangenehm und fühle mich schlecht. Mir ist bewusst dass das mein persönliches Problem ist und ein schlanker Mensch dass jetzt nicht macht um mir eine reinzudrücken und 1-2 Kilo mehr stören können.
Mein Freund weiss von meiner Vergangenheit und hat es nicht gemacht um mir eine reinzuwürgen. Auch bin ich durch die falsche Dosierung von Medikinet (zu hoch wahrscheinlich) und dadurch bedingtem Schlafmangel wegen Übertraining und zu wenig essem durch vermindertem Appetit total dünnhäutig.
So er kam vorhin normal nach Hause, will über das Thema aber nicht reden. Ich muss ein bischen Zeit verstreichen lassen und dann nochmal ansprechen.
Thema Übergewicht finde ich auch wir sind so eine Art Freiwild und mit uns kann man es ja machen und da wird auch hemmungslos draufgedroschen. Andere Lebensweisen oder körperliche sowie geistige Veränderungen werden eher hinter vorgehaltener Hand kommentiert.
Kleines Beispiel, letztens bin ich auf meiner Trainingsrunde an einem Hundebesitzer vorbeigelaufen. Schreit der hinter mir her: Ja lauf, mein Hund kann Fette nicht leiden. Ich habe dann nur leise gemurmelt dass der Hund wahrscheinlich nicht das Problem ist. Der Tag war natürlich versaut.
Also Deine Geschichte mit dem Hundbesitzer, die hat mich aber jetzt wirklich geschockt, und zwar weil das was Dir dieser Hundebesitzer gesagt hatte, 1. einfach nur dumm ist, und 2. voller Hass.
Und da fragt man sich halt als friedliebender Mensch, was eigentlich mit so jemand anscheinend in seinem tiefsten Innerennicht stimmt.
Und dann, und vor allen Dingen, woher all dieser tiefsitzende Hass bei so jemand, gegenüber ihm total wildfremder Menschen, eigentlich kommt.
Und was Deinen Freund betrifft, so erscheint es zumindest mir persönlich, ist anscheinend auch er, heisst wie Du, anscheinend ziemlich "dünnhäutig unterwegs", und insofern ist das vielleicht „eine Gemeinsamkeit“ die ihr beide teilt, kann das sein?.
Wegen Deinen Medikamenten möchte ich nichts dazu sagen, weil ich persönlich normalerweise jegliche Tipps dazu vermeide, und das halt, weil ich nicht über die nötige Expertise dazu verfüge.
Ich glaube, genau dieses Beispiel illustriert aber richtig schön, wie sehr wir alle doch meist in unserer eigenen Welt unterwegs und mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind.
Die schlanken Leute jammern ja nicht unbedingt ohne echten Anlass, sondern leiden möglicherweise unter einer manifesten Körperbildstörung. Sicherlich sind auch sie mit Botschaften und Bildern groß geworden, so dass ihr Selbstwert sehr starr an ihr Erscheinungsbild geknüpft ist und diese paar Kilo Gewichtszunahme sich für sie wirklich bedrohlich anfühlen.
Sie machen sich in diesem Moment vermutlich keinerlei Gedanken darüber, dass dich ihre Selbstabwertung verletzen könnte. Du machst dir in dem Moment vermutlich umgekehrt erst einmal auch nicht sofort Gedanken darüber, was da möglicherweise alles hinterstecken könnte, weil du emotional zu sehr betroffen bist. Alles extrem menschlich.
Ich glaube, man macht sich selbst auf Dauer das Leben deutlich leichter, wenn man (wie hier von dir schon so schön initiiert) immer mal wieder aktiv den Perspektivwechsel übt und nicht zu flott eine bestimmte Motivation annimmt, wenn ein wunder Punkt getroffen wurde.
Und sich daran erinnert, dass die meisten Menschen einem garantiert nichts Böses wollen, sondern einfach etwas betriebsblind in ihrem eigenen Film unterwegs sind. Memo auch an mich selbst, btw
@Moloko , irgendwie gibt es natürlich immer 2 Seiten, das ist absolut korrekt, doch nicht destrotz, geht es ja jetzt hier, zumindest „glaube ich das“, aber kann mich natürlich auch total „irren“, in diesem von @artep123 gestarteten Thema , nicht „um eine grundsätzliche Diskussion“ zum Thema: "Wie gehen wir alle mit der Bewertung zum Thema „gutes Aussehen und Erfolg“ in unserer Gesellschaft um, oder respektive in Wahrheit mit der „negativen Bewertung“ von Menschen um, die nicht in das allgemein gültige Raster rein passen.
Sondern geht es hier, (zumindest habe ich es so verstanden), vordergründig um die Verständigungsprobleme zwischen @artep123
und ihrem Freund, und dann eventuell, oder möglicherweise, oder vielleicht nebensächlich?, darum was in unserer Gesellschaft eigentlich generellnicht stimmt.
Denn entweder ist man für manche „zu dick“, oder für andere „zu dünn“, nur das jeder „einfach so akzeptiert wird wie er oder sie eben einfach ist“, DASS geht in unserer Welt anscheinendnicht.
Es gibt auch Wörter oder Themen die mich triggern. Richtig.
Und wegen ADHS reagiere ich dann auch öfters mal besonders sensibel.
Wobei ich - im Gegensatz zu früher - gelernt habe, relativ schnell aus der Situation zu gehen und mich zu schützen. Wenn das Adrenalin abgeflaut ist, kann ich das Thema ja nochmal in Ruhe auf’s Tapet bringen.
Hallo Liebe @artep123 wie sieht es bei euch aus?, hängt der Haussegen wieder im Lot?, konntet ihr noch mal miteinander sprechen?, und wie ging die Geschichte mit dem dicken Jungen weiter?.
Wobei, wenn man es genau nimmt eigentlich das Wort „Trigger“ mitlerweile viel zu inflationär genutzt wird. Es bezeichnet in der Psychologie eigentlich , wenn etwas PTBS Symptome auslöst und nicht weil es einen nervt und weil man davon mehr als einen Hals bekommt .
Ja natürlich wenn es den Bereich antriggert. Geht mir bei dem Wort auch um uns Betroffenen , und ich hätte es medial besser gefunden wenn das Wort nicht für jeden Scheiß genutzt wird. Einfach um den bedrohlichen Krankheitseffekt vom „genervt „ sein abzugrenzen.
Wenn einer sagt, „das triggert mich“ weil ich das nicht haben kann, oder „das triggert mich „ und löst Flashbacks mit Folgesymptomen aus, liegt da ein großer Unterschied.
Mein Traumärztin war da ziemlich genau , wann was als Trigger zu bezeichnen war oder unangenehmes Reizwort, was mir sehr in der Verarbeitung geholfen hat.
Ich kann Dich beruhigen. Situationen oder Worte/Sätze die mich triggern, triggern mich wirklich. Weshalb ich ja dann meist auch ziemlich überreagiere - zumindest für den äußeren Betrachter.