Umstellung Ritalin LA -> Concerta | Dosisfindung

Hallo alle, ich wollte mal fragen, wie so eure Erfahrungen sind mit der Umstellung von Ritalin LA oder Medikinet retard auf Concerta / kinecteen oder andersherum. Passt eure Einschätzung der Wirkung zu der Äquivalenztabelle? Also z.b., dass 10mg Ritalin LA dann 18 mg Concerta entspricht von der Wirkung her? Oder brauchtet ihr eher mehr oder weniger, als das in der Tabelle angegebene? Und wie war es bei euch mit der Verträglichkeit im Vergleich zwischen den beiden Medikamenten?

Wir wollen bei meinem Kind jetzt umstellen von einem retardierten Ritalin LA Generikum auf Concerta, um eine ausreichend lange Wirkdauer zu erreichen. Die Ärztin meinte, lieber nochmal mit der geringsten Dosis anfangen, um zu sehen wie es wirkt, anstatt nach der Tabelle zu gehen. Ich bin gespannt.

Um wie viele Gaben in welcher Dosis von Ritalin LA gehts?

Da es hier um Verlängerung der Wirkdauer geht, nehme ich an, dass bisher nur 1 x Ritalin LA in einer Dosisstärke X gegeben wurde.

Die Umrechnungstabelle dient nur als Orientierungshilfe.

Wie es letztendlich nach Umstellung funktioniert ist individuell unterschiedlich. Das findet man durch ausprobieren und wöchentliches Steigern heraus.

Irgendwo muss man beginnen.
Wenn 18mg Concerta also annähernd an der ursprünglichen Ritalin LA Dosis läge, dann würde ich auch mit der niedrigsten verfügbaren Dosis beginnen.

Die Formulierungen der beiden Präparate sind schließlich unterschiedlich.


*Hab den Titel bissl angepasst.

Ihr seit doch zufrieden mit der Wirkung, richtig?

Es ist nur, das Ritalin zu kurz wirkt oder ?

Wieso verlängert ihr nicht wie bei uns Erwachsenen mit einer zweiten Einnahme von Ritalin LA die Wirkung? Die meisten, vielleicht sogar alle Erwachsenen erreichen eine Tagesabdeckung nur mit min 1 weiteren Einnahme bei Methylfinidat teils auch eine dritte Einnahme ob dann auch wieder retardiert oder unretardiert weil es sonst zu lange wird z.B. nach der zweiten mit der dritten Einnahme

Weil nes Medikament kann auch wieder Probleme bereiten und die Dosis muß gefunden werden

  1. Weil Patienten / Eltern nicht immer gleich zum Expert Level mutieren und das alles wissen können.

  2. Weil bei Ritalin LA / Adult in der Packungsbeilage leider nunmal steht, dass es nur einmal täglich eingenommen wird, woran sich Ärzte möglicherweise orientieren.

  3. Weil eine zweite Gabe Ritalin LA z.B. während der Schulzeit möglicherweise keine Option ist.

  4. Um es einfach mal auszuprobieren, ob eine länger wirkende Formulierung mit sanfterem Verlauf ohne zu dolle Wirkspitzen besser zum Alltag passt.

Es gibt eigentlich nur diese 4 Optionen.

Der Wirkstoff heißt Methylphenidat.

Wirkstoffe und Präparate sollten korrekt geschrieben werden. Das hilft auch anderen, z.B. wenn sie per Suchmaske nach bestimmten Themen / Wörtern suchen.

Ok, zur Erklärung: Wir haben bisher ein Mal täglich morgens 10 mg Ritalin LA Generikum gegeben, da ist die Wirkung leicht vorhanden, aber nicht gut. 20 mg sind zu viel, da hat er starke Nebenwirkungen. Wir haben testweise zwei Wochen lang 15 mg gegeben, indem wir den Inhalt einer Kapsel halbiert haben (15 oder 5 mg Kapseln gibt es leider nicht). Da fanden wir die Wirkung richtig gut, allerdings findet unsere Ärztin das mit dem Aufteilen nicht ok / nicht genau genug :neutral_face: . Sie schlug dann vor, 5 mg Medikinet plus 10 mg ritalin (beides retardiert) zu geben. Allerdings ist die Wirkdauer nicht lang genug und selbständig zur richtigen Zeit die zweite Dosis nehmen würde er mit 6 Jahren noch nicht schaffen. Haben wir also erstmal nicht gemacht. Stattdessen kamen wir auf 27 mg Concerta, da das laut Tabelle den 15 mg retardiertem Ritalin / Medikinet entsprechen würde und es länger wirken soll.

Naja, bei 18 mg merken wir bisher keinerlei Wirkung, weder positiv noch negativ. Ich bin skeptisch und habe eigentlich keine Lust mehr auf Experimente. Aber 5 mg Medikinet zu den 10 mg Ritalin wäre ja auch wieder ein neues Medikament und erst nächstes Wochenende wieder möglich :roll_eyes: .

Edit: vor allem weiß ich auch nicht, was ich ihm dann morgen früh geben soll (Ferien sind leider schon vorbei). Das wirkungslose Concerta 18 mg? Unsere bisher gut wirksamen, aber ärztlich nicht befürworteten 15 mg Ritalin LA? 10 mg Ritalin LA? Ich finde alles davon blöd :woozy_face: Ich will ja auch nicht, dass er gleich in der zweiten Woche Ärger macht durch die schlechte Dosierung. Es lief so gut mit 15 mg!

Und könnte man wohl die Woche über nochmal 10 oder 15 mg Ritalin geben und am nächsten Wochenende dann den Versuch mit 27 mg Concerta starten? Puh, ich bin echt überfragt und gestresst mit dem Ganzen gerade.

Nebenwirkungen zu Beginn sind nicht unüblich und sagen nicht direkt aus, dass es zu viel ist. Die könnten sich in 1-2 Wochen auch wieder legen, sobald sich der Körper daran gewöhnt hat.

Aufteilen ist keine gute Idee, weil sich in der Kapsel zu 50/50 Anteilen verschiedene Pellets befinden. Zusätzlich natürlich auch noch unwirksame Füllstoffe. Das macht das Aufteilen des Kapselinhalts ungenau.

50% lösen sich schon im Magen auf und setzen den Wirkstoff sofort frei, während die anderen 50% speziell überzogen sind und sich erst verzögert nach 3-4h ab Dünndarm auflösen sollen.

Medikinet Retard + Ritalin LA zu mischen, nur um auf 15mg zu kommen könnte auch eher ungünstig sein. Beide Präparate haben zwar eine 50/50 Freisetzung, verwenden da aber unterschiedliche Mechanismen und haben unterschiedliche Plasmaverläufe, wie man oben in der Grafik sehen kann.

Concerta hat wieder einen ganz anderen Mechanismus und Wirkverlauf, wie man in der Grafik oben sieht.

22% sofort freisetzender Wirkstoff befinden sich auf dem Äußeren der Kapsel in Form eines Überzugs. Der wird im Magen gelöst und sorgt für den initialen Anstieg im Blut.

Die restlichen 78% sind speziell formuliert und werden verzögert und dann auch kontinuierlich in kleinen Mengen und über mehrere Stunden hinweg von innen heraus aus der Kapsel gespült.

Wenn 15mg Ritalin LA optimal war, wäre Concerta 18mg wahrscheinlich zu wenig.

  1. weil der initiale Anstieg wesentlich niedriger ausfällt
  2. weil die Kurve später erst langsam ansteigt → dafür dann aber eben über einen längeren Zeitraum wirkt

Die Peaks und Plasmakonzentrationen der beiden Formulierungen sind zeitlich also völlig unterschiedlich.

Würde das beim nächsten Arztgespräch ansprechen und dann würde man wahrscheinlich zunächst mit 27mg und anschließend 36mg weiterprobieren.

Ja, aber er war wirklich phasenweise aggressiv und fast psychotisch mit den 20 mg, zwischendurch wie abwesend, starke Übelkeit. Das können wir nicht 1-2 Wochen machen.

Vermute ich auch. Aber was gebe ich jetzt akut ab morgen früh? Auf jeden Fall die 18 mg Concerta, weil man immer erstmal eine Woche jede Dosis geben soll, um zu testen, bevor die Dosis erhöht wird? (Bisher haben wir das erst 2x gegeben, heute und gestern.)

Wenn es geht, beibehalten.

Eigenmächtige Aufdosierung kann zwar klappen, aber ohne Absprache mit dem Arzt würde ich das nicht empfehlen.
Zumal man dann auch die Dosis 27mg überspringen würde.

Nein, das ist klar, 36 mg Concerta würde ich auf keinen Fall geben. Ich dachte eher an das bewährte Ritalin LA 15 oder 10 mg zur Überbrückung bis zum nächsten Wochenende.

Wenn die 18mg so gar nicht funktionieren, oder es schlechter machen, wäre auch das eine Option.

Wie ein Arzt darauf reagiert, kann ich nicht sagen, aber man könnte es dann zumindest plausibel erklären.

Ich würde auch grundsätzlich bei einem neuen Präparat erst niedriger anfangen auch wenn eine Tabelle höheres vorschlägt. Wenn man empfindsam reagiert weis man nicht wie die Spitze und der Rebound sich auswirkt.
Bin auch auf ein Längerwirkendens umgestiegen (Concert) und das hat wegen nicht Verfügbarkeit und verschiedene Generika einige Zeit gedauert bis ich es raus hatte und von 18mg Concerta über 27mg auf 36mg/18mg gekommen bin.
Grade bei Kindern sind diese Eindosierungsphasen echt doof. Aber wenn einmal das passende gefunden , dann lohnt sich die Geduld .

Ich würde als nächsten Concerta 27mg testen , weil es eigentlich der logischste Schritt ist. Bitte bleibt wenn möglich zunächst bei Concerta und weicht nicht auf ein Generikum aus um sicherzustellen ob Wirkung/Nichtwirkung von der Dosis kommt . Später wenn es eindosiert ist , kann man die Generika vielleicht testen .

Danke! Leider haben wir ein generikum von Ratiopharm verschrieben bekommen (und auch erhalten). Bei dem „Ritalin“ auch schon zwei verschiedene.

Das ihr ein Generikum zu concerta direkt bekommen habt ist nicht schlimm , dann versucht nur zunächst dabei zu bleiben .
!!!aber letztendlich entscheidet der Arzt!!!

Ja, beim Ritalin hatte ich den Eindruck, dass er das eine besser verträgt als das andere, aber die Ärztin meinte, das könne nicht sein, die wären gleich, nur eine andere Firma…

Generika sind zwar gleich aber wirken trotzdem vereinzelt bei empfindsamen Menschen nicht gleich und das wird leider nicht von jedem Arzt oder Apotheker ernst genommen.
Ich wäre froh wenn mein System so wäre, dass alles gleich wirkt , das würde vieles einfacher machen .
Ich zahle dann leider mehr und verzichte auf günstige Rabattverträge.
Hab mitlerweile etliche Präperate durch und keines hat gleich gewirkt .
Ich freu mich aber für jeden bei dem es so ist.

Dann sag doch du bleibst bei 20 mg, holst ne Feinwaage mit 3 Kommastellen und wiegst ab. Hatte ich ne Zeit lang auch gemacht letztes Jahr und sagst nicht, daß er nur 15 mg nimmt.

Er wächst ja noch und entsprechend werdet ihr eh nochmal nachlegen müssen. Meine Schwerpunktpraxis hatte nie ein Problem auf die Rezepte zu schreiben 1/2 - 0 - 1/2 bei einem 19 mg Präperat, da wurde dann immer der Apotheker wegen fehlender Zulassung der Aufteilung nervös und bad mehrfach dann nach schriftlicher anweisung als die Einnahme drunter zu vermerken.

Das wird dann eure Ärztin auch wegen der Haftung haben.

Auf drm Papier, sollte was mit einem Medikament passieren wäre sie haftbar. Deshalb nimmt sie alles andere in Kauf. Selbst Nebenwirkungen

Meine Erfahrung ist beim Aufteilen nix sagen einfach machen, wenn der Arzt nicht offen ist und dann sind alle beruhigt.

Das stimmt so nicht ganz mit den Generika, wril sie teils andere Trägersubstanzen verwenden und durch die Metabolisierung verwinzelt Körper unterschiedlich reagieren können und feinfühlige Menschen diesen Unterschied sehr deutlich spüren können.

Zudem meinte mein Apotheker, daß von der Galenik her die Originalpräperate oft eine Galenik verwenden, die wesentlich sanfter und deutlich angenehmer wirken, weshalb sie ja auch teurer sind als Generika, die eine günstige und im Pharmaunternehmen gebräuchliche Galenik für die meistmöglichen ihrer Medikamente verwenden. Sowas söart auch Kosten, als wenn man für jedes Medikament eine eigene Galenik verwendet bzw. entwickelt. Gerade sowas macht ja im Patentschutz beim Originalmedikament teils auch einen hihen Preis aus, denn da wird immer auf bestmögliche Verträglichkeit für alle Verwender geachtet, das Generikum soll das gleiche können → können sie auch nur kann es bei feinfühligen Menschen sehr, sehr viel länger dauern bis dann alle Nebenwirkungen weg sind. Hatte ich letzes Jahr mit Ritalin und MPH von Aluid. Finanziell kosten Generika von Ritalin im Schnitt ca. 1/3 weniger, da kann man Kassen, aber auch teils Ärzte verstehen. Ihr seit nicht in einer Adhs Schwerpunktpraxis oder? Da ist sowas dann kein Thema und sie setzen zügig Aut Idem Kreuz zumindest bei mir und denen die ich kenne und diese Praxis auch aufsuchen

Vielen Dank, das war nochmal sehr hilfreich bei der Einordnung verschiedener Sachen. Ich kenne mich noch gar nicht aus und vertraue natürlich erstmal auf die Aussagen der Fachärztin (keine Schwerpunktpraxis, normale KJP, soweit ich weiß). Ich glaube nicht, dass es hier eine Schwerpunktpraxis für Kinder gibt. Ist das üblich?

Da kann man nachhelfen, indem man zusätzlich zu Concerta ein unretardiertes, niedrig dosiertes Präparat gibt. Also wenn euer Kind @LotteLise Ritalin bisher gut vertragen hat (habt ihr mit unretardiertem eindosiert zw getestet?),könnte man das “zu wenig” des Concerta mit vielleicht 2,5 / 5 mg Ritalin pushen. Ich glaube @moya macht das so. :hugs:

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Ja, das geht natürlich auch.

Vielleicht hilft das Video in diesem Beitrag, es visuell deutlich zu machen, wofür die Booster-Dosis gedacht ist.

https://adhs-forum.adxs.org/t/eindosierung-8-jahre-schule-gut-privates-umfeld-problematisch/28401/4