Unfähigkeit eigenständig hilfe zu "sehen"?

Hallo meine Freunde,

Ich bin 20 und wohne noch daheim. Vor einigen Wochen habe ich nach jahrelangen schweren Leidensdruck meine ADHS Diagnostik erhalten . Ich habe eine Frage zu einer bestimmten Thematik innerhalb der Beziehung zu meinen Eltern, speziell zu meiner Mutter. Ich habe natürlich kein Problem damit meinen Eltern im Haushalt oder bei jeglichen anderen Dingen zu helfen , auch wenn manche Sachen einfach viel von mir abverlangen und ich mich wirklich überwinden muss nicht „schlecht gelaunt“ zu sein. Immer wenn ich gefragt werde, helfe ich (Hund, saugen, Garten, Möbel , Haushalt etc). Speziell meine Mutter wirft mir aber unfassbar oft vor, dass ich faul wäre weil ich nicht selber darauf komme diese ganzen Sachen zu machen. Ich würde nicht selber fragen ob ich helfen kann.

Wenn ich aktiv sehe, dass jemand hilfe braucht, dann helfe ich natürlich auch wenn ich nicht gefragt werde. Ihr geht es aber darum, dass ich nicht einfach so ohne Zusammenhang fragen würde ob zb die Wäsche sortiert werden muss. Ich verstehe diesen Gedankengang einfach nicht und habe das auch oft genug schon so gesagt und darum gebeten, mir einfach zu sagen wenn ich irgendwo helfen soll. Sie ist so vernarrt auf diesen Standpunkt das es wirklich oft Konflikte diesbezüglich gibt. Als ich es vorhin nochmal erwähnt habe, dass ich ja damit offensichtlich probleme habe und sie mir bitte einfach sagen soll wenn meine Hilfe gebraucht wird meinte sie : „ist das jetzt auch schon deine Krankheit oder was“ und ist vorher ausgerastet weil ich ja so unfassbar faul bin und das seit jahren durchziehe(ich studiere Jura und arbeite nebenbei in einem Werksstudentenjob) .

Gibt es etwas, was ich diesbezüglich verbessern kann? Ich unterstütze meine Eltern gerne, aber verstehe einfach nicht, wo hinter dieser Aussage der Sinn stecken soll.

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Heyho,

Vermutlich nicht ganz die Hinweise, die du erhoffst, aber mal aus der Sichtweise von jemanden, der in einer ähnlichen Situation wie deine Mutter ist.

Mein Partner hilft auch nur auf Aufforderung. Das sorgt leider dafür, dass ich den gesamten Haushalt (und vieles mehr) im Blick behalten muss, immer wissen muss, was gerade wo wie wichtig ist.

Ist n hoher workload, entsprechend anstrengend. Und für mich ist es halt keine Entlastung, wenn mich andauernd (ob nun 1x die Woche oder 100x am Tag) jemand fragt, was noch zu tun ist.

Mein Wunsch an meinen Partner wäre da halt, dass er selbst guckt und nachdenkt.

Wäschekorb ist voll? Einfach Wäsche anschmeißen (hier vielleicht vorsichtig erkundigen, ob es noch wichtigeres zu waschen gibt) und dann abarbeiten

Küche steht komplett voll mit Geschirr? (Also wenn man einen Teller abstellen möchte und überlegt, wie man ihn am besten stapeln kann ist es wirklich so weit) Geschirrspüler ein/ausräumen, Dinge für den Abwasch entsprechend hinstellen (oder machen, wenn es zu deiner Zuständigkeit gehört)

Du magst nicht mehr Barfuß laufen, weil es zu sandig ist? Staubsaugen ist ne gute Idee.

waschbecken grau und behaart? Sauber machen.

Also wirklich mal bewusst in die Wohnung gehen, eine sache angucken, nachdenken wie es sein soll und wie weit weg es davon ist.

Vielleicht hilft das? Und hoffentlich klingt es nicht zu pampig, ist nur das, wie ich es mir wünsche, dass es wäre. Und zumindest aus meiner Sicht würde es ja reichen, wenn es 2-5 Dinge die Woche wären (Partner hat auch n Amazon-Versandzentrum voller Päckchen zu tragen, deswegen ist mir jede Hilfe recht)

(Und hoffe auch, dass ich deinen Punkt richtig verstanden habe)

Edit: vielleicht, falls bei dir zusätzlich das Problem besteht, dass dir manche Abweichungen von Sollzuständen nicht aufgefallen, könntest du mit deiner Mutter drüber reden, wie bestimmte Sollzustände sind. Und auch, was du machen darfst, was lieber nur auf Nachfrage und so. Allgemein sind Zuständigkeiten klären immer wichtig.

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Stimme Mottenkind voll und ganz zu.

Ich bin auch in der Rolle deiner Mutter, quasi.

Mein Partner und ich haben ADHS, ich noch Autismus, ich liebe also Ordnung und Struktur. Er hat sein ADHS Chaos, in dem er sich zurecht findet. Wir wohnen zusammen, und er „sieht“ Dinge auch oft nicht. Ja, er macht alles sobald man es ihm sagt, aber das ich schon anstrengend. Ich will nicht ständig alles sagen!

Mich nervt es total, dass er nie eigenständig sieht was getan werden muss, oder von sich aus mal was anfängt. Weil am Ende des Tages muss ich ja doch alles im Blick haben.

Also ja, vielleicht gehst du mal bewusst durchs Haus, mit Stift und Papier, und schreibst alles auf, was dir auffällt. Und dann fragst du deine Mutter und ihr vergleicht, was sie sieht und was du. Vielleicht fällt dir dann ja was auf…

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vielen lieben Dank für die Antwort und ja , an sich verstehe ich das auf jeden Fall. Aber solche Dinge tue ich ja. Wenn es offensichtlich ist, räume ich die Spülmaschine natürlich aus und oder ein. Wenn der Wäschekorb voll ist trage ich ihn selbstverständlich auch runter in die Waschküche oder trage volle Wäschekörbe in die Zimmer etc.. Deswegen verstehe ich ja nicht wirklich was sie damit bezwecken will. Ich komme einfach nicht auf die Idee um z.B. 13:23 zu fragen ob sie irgendwo bei irgendwas Hilfe braucht und frage mich ob es halt mein Problem ist oder ob sie eine komische Ansicht hat. Wieso sollte ich , wenn ich von der Arbeit heimkommen fragen ob irgendwo irgendwas getan werden muss. Wenn sie es doch konkret weiß kann sie es mir doch einfach sagen. Woher soll ich denn wenn ich im Wohnzimmer stehe wissen, dass im Keller ein voller Wäschekorb steht. Ich wusste ja nichtmal das sie gewaschen hat

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Das ist ja schon der Fehler.

Du siehst es nicht. Du musst fragen.

Und das ist so anstrengend…wenn man ständig gefragt wird wo braucht man Hilfe. Ich will es dir nicht erklären ich will dass du es SIEHST :unamused_face: da flipp ich gelegentlich mal aus Zuhause

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Bei sowas hilft dann glaube nur ein klärendes Gespräch, wie viel Hilfe sie wann erwartet und wie viel Hilfe du wann geben kannst.

Beispiel mein Partner (klar, weit abseits von dir auf der Skala, aber besseres Bsp. hab ich gerade nicht)

Der sitzt halt den Ganzen Tag auf Klo, am Schreibtisch oder im Bett. Entsprechend merkt er nicht, was falsch/abseits der norm ist.

Da hilft es dann nur, wirklich ab und an durch die Wohnung/ durchs Haus zu gehen und aktiv zu schauen. Und bezüglich der Kapazitäten hilft nur Kommunizieren. Leider, müssen alle durch

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Entschuldigung aber das verstehe ich nicht wirklich. Wenn z.B. Spülmaschine voll ist räume ich sie aus und ein, wenn Sachen im Haus stehen die offensichtlich erledigt werden müssen tue ich das auch ohne gefragt zu werden , was ja auch selbstverständlich ist. Es geht aber darum, dass sie irgendwie verlangt das ich ALLES im Blick habe. Konkrete Fall mit der Wäsche heute : Sie hat heute Morgen gewaschen während ich arbeiten war und hat von mir dann verlangt das ich nachfrage ob sie Hilfe bei der Wäsche braucht. Aber wie soll ich da denn einfach so drauf kommen? Ich wusste ja nichtmal das sie gewaschen hat, ich gehe ja nicht durch den Tag und denke dann okay vielleicht hat meine Mama gewaschen ich frage zuhause ob ich den Wäschekorb hochtragen soll

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Ich hätte gerne eine konkrete Lösung, aber die kann ich dir nicht geben. Wenn ich sie hätte, würden mein Partner und ich uns auch nicht ständig wegen dem Haushalt an die Gurgel gehen :melting_face: :laughing:

Aber was wir gerade versuchen, und was bisher ganz ok Hilft - Sonntag ist sein putz Tag. Wir haben uns geeinigt, sein Zimmer (wir haben getrennte Schlafzimmer, da er nen Fernsehen drüben hat, bin ich aber auch abends öfters mal da) bleibt die Woche über so wie es ist, aber Sonntags ist dann großputz. Staubsaugen, staub wischen, ggf Boden, Wäsche einräumen, Teppiche ausschütteln, etc pp. Ich bemängel sowas immer direkt, und das hat ihn genervt. Kompromiss ist jetzt momentan, unter der Woche verkneife ich mir jeglichen Kommentar zum staub und so, und ein Tag die Woche gibt s eben General Reinigung.

Was den Rest der Wohnung angeht, da ist es momentan so, abends macht er den kompletten Abwasch alleine, ich Staubsauge die restlichen Zimmer. Bad putzen wir im wöchentlichen Wechsel 1x durch. Wäsche macht jeder für sich.

Mal schauen ob das langfristig klappt.

Der Plan ist also - jeder hat feste Aufgaben. Und diese müssen zu festen Zeitpunkten gemacht werden.

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Vielleicht hätte sie erwartet, dass du in den Keller runter gehst und nachguckst. Wobei ich das persönlich wohl auch nicht gemacht hätte an deiner Stelle, da verstehe ich dich schon.

Also generell sollte man als erwachsener, gerade auch in einer eigenen Wohnung, alles irgendwie im Blick haben. Für seine eigene Wohnung hat man dann ja auch ein Gefühl, wann was gemacht werden muss. Wenn man noch mit der Familie wohnt, oder auch mit Partner, helfen glaube ich nur feste aufgaben. Weil es können auch nicht alle alles im Blick haben. Also irgendwas geht dann unter, oder wird doppelt gemacht. Würden euch vielleicht feste Aufgaben helfen? Sie macht komplett alleine die Wäsche, du bist alleine für die Küche zuständig sowas?

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Hey,

wäre Ausziehen eine Option? Ich finde, es ist grundsätzlich häufig sehr schwierig, wenn erwachsene Kinder mit den Eltern zusammen leben. Da sind so viele alte Rollen und Erwartungen im Spiel… und für beide Seiten kann das irgendwann einfach nur noch frustrierend sein.

Ist jetzt wahrscheinlich eine sehr andere Lösung des Problems, als du suchst, aber das war mein erster Gedanke dazu :wink:

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Werde das mal ansprechen, danke für den Tipp. Habe sowas schonmal versucht anzustoßen auch nach meiner Diagnostik, sie nimmt die Beeinträchtigung leider nicht wirklich ernst und findet sowas unnötig. Ich versuche es aber nochmal :slight_smile:

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War auch mein erster Gedanke.

Ich bin mit 19 genau deswegen ausgezogen - zusammenleben mit meinen Eltern v a Mutter hat gar nicht mehr geklappt, wir hätten uns wohl irgendwann umgebracht gegenseitig kein Witz… es ist dermaßen eskaliert. Natürlich ist mir klar, meine Familiensituation war/ist besonders (negativ hust) und das ist definitiv nicht die Norm, wie man so miteinander umgeht.

Aber abgesehen davon, war ausziehen trotzdem das beste, was mir hätte passieren können.

Yep, bei mir genauso, gleich nach dem Abi raus, ähnliches Problem mit meiner Mutter :rofl:

Finde aber auch, dass es gut tut, auf eigenen Beinen zu stehen und für deinen eigenen Kram zuhause verantwortlich zu sein.

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Meine Schwester (25) ist bereits mit 20 ausgezogen in eine WG. Sie hatte aber zusätzlich zum Werkstudentenjob noch ein sehr gut bezahltes Stipendium. Bei mir wird das momentan nicht möglich sein. Ich habe grade noch keine Kollegen die bereit sind für eine WG , eine Wohnung alleine kann ich mir alleine nicht finanzieren und wäre auf finanzielle Hilfen angewiesen von meinen Eltern. das würde aber auf erheblichen Widerstand bei meinem Vater stoßen. So stark eskaliert es zwar zwischen uns nicht, aber es ist sehr toxisch und angespannt dauerhaft, aus diesem Grund ist meine Schwester auch ausgezogen.

Ist mit Abstand auch für mich die beste Option , mal gucken wie ich es realisiert bekomme

Bafög kommt nicht in Frage bei euch?

Kriege kein Bafög leider, Einkommen zu hoch

Ja, dachte ich mir fast. Schade, dann bist du tatsächlich darauf angewiesen, dass deine Eltern „mitziehen“, wenn es um das Ausziehen geht. Oder du arbeitest noch mehr, aber das ist echt nicht ohne. Ich hab das zum Ende meines Studiums hin gemacht, aber darunter leidet natürlich dann auch das Studium…

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Nicht möglich , mehr arbeiten würde , wie du schon sagst, mein Studium ruinieren. Ich muss einfach warten bis 2 Kollegen fertig sind mit ihrer Ausbildung Ende des Jahres, die Bereitschaft für eine WG ist auf jeden Fall da. Sonst fällt mir leider auch nichts weiter ein

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Aber wieso sucht du keine andere WG? Also ich meine, es gibt ja wg-gesucht und so Seiten, da findet man immer was. Es muss ja nicht von denen abhängig sein?

Arbeiten muss nicht das Studium ruinieren, ich mache einen B. Eng. und bin nebenher Teilzeit Selbständig (aka 90% Selbständigkeit und 10% Uni :rofl: )und dennoch mache ich gerade meine Bachelorarbeit in Regelstudienzeit fertig mit (sehr) guten Noten. Alles ist möglich, es braucht halt Disziplin und Selbstorganisation.

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