Unsicherheit über Wirkung von ADS-Medikamenten – Erfahrungen gesucht

Hallo zusammen,
ich (18, männlich) nehme seit ein paar Monaten Medikamente gegen mein ADS, weil Konzentration, Selbstzweifel, Stimmung und Nervosität schlechter wurden. Erst bekam ich Medikinet (10–30 mg), inzwischen Elvanse/Lisdexamfetamin (50 mg morgens), weil Medikinet starke Stimmungsschwankungen ausgelöst hat.

Ich bin mir unsicher, ob eines der Medikamente überhaupt etwas bewirkt hat. Ich habe keine deutliche Veränderung gespürt – vielleicht bin ich aber auch zu kritisch.

In letzter Zeit habe ich außerdem das Gefühl, eine Art Sozialphobie entwickelt zu haben. Ich war zwar immer introvertiert, aber nie so extrem.

Heute habe ich die Einnahme einmal ausgelassen und mich direkt ganz anders gefühlt – irgendwie klarer, wacher und angetriebener. Vielleicht bilde ich mir das ein, vielleicht nicht. Ich weiß nicht, ob das normal ist oder ob ich etwas falsch einschätze.

Mich würden eure Erfahrungen dazu sehr interessieren.
Danke!

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Was nimmst du denn aktuell?
Verzichtest du auf Koffeein und achtest du auf ausreichend Trinken und Nahrungsaufnahme?
Und wie verhält es sich mit dem Schlaf ?

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Ich nehme aktuell 50 mg Elvanse jeden Morgen. Ich nehme tatsächlich nie Koffein zu mir und trinke fast schon zu viel Wasser (ca. 5-7 Liter am Tag). Ich habe schon immer viel Wasser getrunken, aber seit der Medikamenteneinnahme eben noch mehr, ist ja eine bekannte Nebenwirkung. Seitdem esse ich auch weniger, als zuvor - mein Heißhunger hat sich in Appetitlosigkeit verwandelt, stört mich aber tatsächlich nicht so, ist für mich nur Nebensache. Ich hatte manchmal Schlafprobleme, in letzter Zeit läuft es aber gut.

Vielleicht isst du zu wenig ?

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Hm, meinst du dass ich mich deshalb heute klarer, wacher und angetriebener gefühlt habe, oder ist das eher darauf bezogen, dass ich mir unsicher bin, ob eines der beiden Medikamente überhaupt etwas bewirkt hat?

Ich esse zwar nicht mehr viel, aber ich denke es ist noch im Normbereich.

Ich beziehe das auf die Wirkung unter der du dich nicht wohl fühlst .

Mit welcher Dosis bist du denn angefangen?

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Okay, verstehe👍

Ich habe vor ein paar Monaten mit 10 mg Medikinet gestartet und wurde in den Folgewochen auf 20 und anschließend auf 30 mg pro Tag hochdosiert.

Dann hat mein Arzt einen Wechsel zu Elvase vorgeschlagen, seitdem nehme ich 50mg Elvanse.

Bist du direkt mit 50mg Elvanse gestartet ?

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Ja, genau. Ich habe nach dem Medikinet direkt mit 50 mg Elvanse gestartet.

Wenn du es täglich genommen hast, warst du seit ein paar Tagen im “steady state”, d.h. du hattest ständig mindestens 50 mg im Blut.

Heute hast du Elvanse weggelassen. Die Blutkonzentration also weiter runter. Und du hast dich damit besser gefühlt, habe ich das richtig verstanden?
Wenn ja, deutet das für mich darauf hin, dass 50 mg Dosierung zuviel ist.

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Man muss jeden Wirkstoff neu eindosieren.
Eine wirksame MPH-Dosis ist ein Indiz, aber kein Beleg für eine bestimmte passende AMP-Dosis.

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Ja, das hast du richtig verstanden. Ich habe mich auf jeden Fall ganz anders und etwas besser gefühlt. Meine Wahrnehmung war irgendwie bewusster.

Nur hatte ich heute keine konzentrationsintensiven Aufgaben, daher fällt es mir schwer zu sagen, ob ich auch Leistung hätte bringen können.

Interessante Anmerkung mit der Dosis, ich werde mir mal Gedanken machen und evtl. mit meinem Arzt sprechen.

Ja, das habe ich mir auch gedacht. Aber mein Arzt sagte, diese 50 mg Elvanse würden etwa 30 mg Medikinet entsprechen. Seit ca. einem Monat nehme ich das unverändert in dieser Dosis ein.

Mir fehlt im allgemeinen irgendwie noch eine Art “Beweis” dafür, dass es bei mir überhaupt etwas bringt. Da bin ich irgendwie sehr kritisch und zweifle das an. Einen aussagekräftigen Vergleich habe ich nämlich nicht.

Was sagen denn Menschen, die dich kennen? Am besten solche, die nicht wissen, dass du Medis einnimmst?
Ich erinnere mich an einen Klassiker im Freundeskreis.
Frau (Mama von 3 Kids, einige deutliches ADHS), testete Medikinet.
Sie: Das hat mir gar nichts gebracht.
Ehemann: Oh, doch, du warst viel entspannter, hast weniger kaputtgemacht und warst sehr viel organisierter, das hast du nicht gemerkt?
Sie: Oh, so hast du das wahrgenommen? Dann teste ich das nochmals.
(Nochmaliger Test war genauso erfolgreich, und dann auch von ihr wahrgenommen)

Gag am Rande: Beide Mitarbeiter eines Pharmakonzerns, HBs, und sensationell charmant verpeilt :slight_smile:

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Da simma wieder bei Thema Selbstwahrnehmung.

Die scheint mir bei vielen Betroffenen richtig kaputt zu sein.

Nicht selten verbunden mit Alexithymie, bzw. einerseits sehr emphatisch sein können und feinste Antennen für die Aussenwelt haben, aber mit dem eigenen Inneren hakts.

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Das gleiche habe ich auch festgestellt. Ich bin ein sehr offener Mensch und komme leicht ins Gespräch. Aber sobald die Dosis etwas höher ist, Schicht im Schacht. Gerade bei Elvanse finde ich es um ein vielfaches schlechter und überlege es wieder abzusetzen. Bei Medikent hatte ich das auch hin und wieder, aber nicht so extrem.

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Danke, das ist ein guter Tipp.
Ich habe aus der Familie sowohl positives, als auch negatives/neutrales Feedback bekommen - aber die wissen, dass ich inzwischen Medikamente nehme.

Daher wäre es natürlich schon sinnvoller, wie du ja bereits sagtest, unvoreingenommenere Bekannte zu fragen. Ich muss mal überlegen, bei wem das aussagekräftig wäre.

So eine ähnliche Rückmeldung bzgl. Selbstwahrnehmung habe ich auch schon bekommen. Man sagt über mich, ich würde meine Erfolge nicht wahrnehmen und immer alles negativ sehen. Das stimmt wahrscheinlich - aber ich selbst merke es gar nicht, das ist meine “Realität”.

Ich finde du hast das hier mit den Antennen auch ziemlich gut beschrieben. Kommt mir etwas bekannt vor.

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Gut, dass du das teilst. Ich frage mich nämlich, wieso ich mir bzgl. der Veränderungen durch die Medikamente so unsicher bin. Du sagst ja, dass du einen sehr deutlichen Unterschied bei einer höheren Dosis bemerkst - wie viel Elvanse nimmst du täglich?

Wenn ich das schon lese das gesagt wurde das du deine Erfolge selbst nicht wahr nimmst und ein negativer Mensch bist…

Da kreuselln mir die Haar zu Berge.

Du wirst vielleicht als so etwas wahrgenommen, aber das wird ja auch seinen Grund haben. Gut du bist jetzt etwas jünger noch aber Menschen mit ADHS die immer damit zu kämpfen haben, nie genug sind, immer in selbstzweifel gesteckt werden weil man sie nicht so akzeptiert wie sie sind, da ist doch der logische Beweis schon drin das du schon viele Situationen im Leben hattest wo du dich vielleicht Wohlgefühlt hast aber wieder von anderen dein Erfolg zerstört wurde.

Das man da mit der Zeit den Glauben an sich selbst verliert und auch teilweise Erfolge nicht mehr wahr nicht ist doch logisch und das ganze macht dich nicht negativ sonder traurig und depressiv je öfter man in so Situation geschoben wird.

Ich hab beim lesen deines Beitrags viel Ähnlichkeit zu mir gesehen und ich bin auch seit 6 Wochen in Medikamentöser Einstellung. Erst mit 40mg Medikinet angefangen, dann 20mg Elvanse, dann 30,40, und nun bei 50mg angekommen und mein Psychiater glaubt mir nicht das ich nichts merke.

Er ist der Meinung bei 40 hätte ich längst was merken müssen. Jetzt bei den 50mg Elvanse merke ich nur das ich einen gewissen Zeitraum wie eine Rakete angetrieben bin die richtig Gas geben muss bevor sie explodiert. Aber konzentrieren funktioniert immer noch überhaupt nicht.

Ich gehe auch davon aus das ich wie du garnicht erst die Änderung merke weil ich 1. schon seit über 40 Jahren damit kämpfe anders zu sein und nicht in die allgemeine Gesellschaft passe, 2. Sich mit den Jahren mehrere psychische Probleme immer mehr und mehr aufbauen konnten weil egal wie oft egal wieviel und egal welche Ärzte ich war mein ganzes Leben lang immer nur gesagt wurde „sie haben nichts, sie sind gesund und wir können ihnen nicht weiterhelfen“. Draus entstanden mit den Jahren eine schwere Depression, Angststörung, Sozial Phobie und andere Körperliche Krankheiten.

Zu dem ganzen habe ich bis vor ein paar Monate über 3 Jahre gekämpft für eine ADHS Diagnostik und musste ein weiteres Jahr warten und kämpfen einen Psychiater zu bekommen der mich Medikamentös einstellt und erhielt jetzt nebenbei noch eine Überweisung für Verdacht auf ASS wo ich schon seit ein paar Wochen darauf kämpfe überhaupt auf die 3 Jahre plus Warteliste zu kommen.

Wie sollen Menschen wie wir dabei gesund und positiv bleiben? Logisch das dies nicht machbar ist.

Ich glaub ich hör jetzt lieber auf zu schreiben denn es ist schon fast ein Buch bald :see_no_evil_monkey:

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