Hallo,
was ich schon eine Weile vermute, wird langsam immer klarer.
Wir hatten diese Woche ein Gespräch mit dem Kindergarten, indem uns gesagt wurde, dass sie nicht denken, dass unser Sohn dieses Jahr eingeschult werden kann (wird im August 7 Jahre alt).
Grund: starke verträumtheit, scheint nie anwesend zu sein.
Probleme still sitzen zu bleiben, und an Vorschulaufgaben zu arbeiten. Man bekommt ihn kaum dazu, etwas zu machen, worauf er keine Lust hat.
Ist oft laut und stört die anderen.
Auch wird betont, dass er die Sachen ja eigentlich kann, wenn er sie dann Mal macht…
Klingt für den ein oder anderen hier sicher irgendwie vertraut.
Auch Zuhause zeigt sich das sehr stark.
Im Vordergrund steht wirklich die Verträumtheit. Er ist oft so tief in Gedanken dass er oft auch erstmal nicht mit bekommt, wenn man ihn anspricht.
Dadurch, dass er mit dem Kopf immer wo anders ist, passieren ihm auch sehr sehr viele Missgeschicke, oder Stürze (teilweise auf gerader Strecke, ohne Hindernisse).
Dann das Ausführen von alltäglichen Tätigkeiten.
Bestes Beispiel dafür ist sicher das Anziehen und raus zu gehen. Wenn man ihn sagt, er soll schonmal Schuhe und Jacke anziehen, dann schafft er das einfach nicht! Er rennt los, dreht Pirouetten, lautiert, aber auch anziehen? Fehlanzeigen!
Es muss einer von uns mit gehen, ohne den Impuls von außen, klappt es nicht, obwohl er es natürlich selber kann, er macht es ja dann auch wenn wir dabei sind (Stichwort: Exekutive Dysfunktion).
Ich habe den Eindruck, dass er einfach nicht Recht weiß, wie anfangen, oder das vor allem der Start einer Aktion schwierig für ihn ist.
Aber auch wenn er es dann macht, braucht er sehr lange, weil er einfach viel “Quatsch” macht nebenher.
Impulsivität/ Hyperfokus: wenn ihn was interessiert, kann er sich damit extrem ausgiebig und über mehrere Tage beschäftigen.
Ansonsten ist er schon oft auch sehr sprunghaft zwischen seinen Handlungen.
Aufgaben die geistige Konzentration erfordern (aber uninteressant sind) sind der absolute Horror.
Wir haben wirklich massive Probleme, ihn zu irgendwas in der Richtung zu bewegen.
Wir waren z.B. schon bei der Ergotherapie (die auch nicht Recht klappte, da auslfmerksamkeit und Konzentration sehr schwierig waren) und er musst dort immer wieder Aufgaben Zuhause machen, was jedes Mal ein kampf war.
U-Unterauchungen beim Kinderarzt: da hatte ich das erste Mal den Verdacht, dass was nicht stimmt. Beim Hörtest (er musste einen Knopf drücken sobald er was hört) hat es die ersten 1-2 Minuten super geklappt, dann hab ich schon gesehen, dass die Konzentration nachlässt. Er hat sich auf dem Stuhl hin und her gedreht, Beine geschaukelt, in der Gegend umher gedrückt und so natürlich vergessen auf den Ton zu achten und den Knopf zu drücken.
Sekbes bei einem Testy wo er Bilder zusenden musste, die ersten klappten, dann ließ spürbar die Konzentration nach und er machte viele Fehler
Soweit jedenfalls mal die wichtigsten Punkte zum Verdacht.
Nach dem Gespräch mit der KiTa habe ich auch mit meiner Frau ein längeres Gespräch geführt, und wollte/will dass wir das bei unserem Kinderarzt ansprechen.
Meine Frau ist aber dagegen. Sie ist der Meinung, dass man ja auch nicht alles auf die ADHS schieben kann, dass Kinder oft nicht Therapiert werden, sondern nur mit Medikamenten “abgeschossen” werden und/oder dass er halt dann “abgestempelt” wird.
Leider hat sie sich, trotz meiner eigenen Diagnose letztes Jahr, absolut nicht Kit dem Thema auseinandergesetzt.
Ich hab ihr versucht, aus meiner eigenen Erfahrung heraus, wie es sich anfühlt und wie unglaublich schwer es ist, wenn man solche Sachen einfach nicht machen KANN.
Ich kann mich aus meiner Schulzeit noch sehr genau erinnern, wie unglaublich quälend das oft war. Wie viel Streit ich mit meiner eigenen Mutter hatte beim Hausaufgaben machen, etc etc
Das “sich immer anders” fühlen.
Dass wir die Möglichkeit haben ihm frühzeitig zu helfen/ Hilfe zu besorgen.
Die unerkannte ADHS hat mich selber in eine sehr starke Depression gebracht (bis heute habe ich damit auch Koch regelmäßig zu kämpfen) und ich mache mir so große Sorgen, dass er das auch alles durch macht.
Aber die Argumente ihrerseits bleiben.
Er ist nicht DU! Ist auch eine weitere Kernaussage.
Aber er ist nunmal doch sehr stark wie ich, und das schon in mindestens Dritter Generation (meine Mutter hat kein diagnostiziertes ADHS aber auch genau den gleichen “Kopf” wie ich und mein kleiner, aber auch sie will sich nicht testen lassen).
Auch hab ich ihr erklärt, dass es insbesondere bei Kindern nicht einfach und nicht leichtfertig zu einer Diagnose kommt..
Schon bei meiner Diagnose letztes Jahr war die Reaktion sehr komisch, sehr verhalten. Und ich merke, dass sie das auch bei mir nicht ernst nimmt, obwohl sie sich seit 10 Jahren über Verhalten beschwert, dass zum Großteil auf meine ADHS zurück zu führen ist (Unaufmerksamkeit, Vergesslichkeit, dass ich nie still sitze, mich immer bewege oder mit den Fingern Trommler etc.).
Ich weiß jetzt nicht was machen… eigentlich möchte ich trotzdem zum Kinderarzt, dann eben alleine, um eine evtl. Diagnostik in die Wege zu leiten.
Ich habe den Weg damals völlig alleine machen müssen. Und er hat mich wortwörtlich fast umgebracht (Depression sei dank…)
Ich möchte dass er weiß was mir ihm los ist, dass er nicht alleine ist, sich verstanden fühlt, dass er lernt, dass er gut ist wie er ist…
Habt ihr Kinder mit ADHS? Kennt ihr das, wenn ein Elternteil da irgendwie “dagegen” ist.