Verzweifelte Mama (Ausheulpost, Tipps dennoch willkommen)

Hallo an alle,

ich bin zur Zeit echt am verzweifeln und könnte nur noch heulen. Falls jemand gute Ratschläge geben kann, freue ich mich darüber, ansonsten nutze ich das hier auch, um mir einfach mal alles von der Seele zu schreiben.

Mein Sohn (10J) hat seit der 2. Klasse ADHS diagnostiziert und nach einigem rumprobieren (was einem ja wirklich selbst weh tut) sind wir nun bei Elvanse 50mg gelandet. Medikinet und Ritalin haben ihn depressiv gemacht und Atomoxetin hochaggressiv.

In der Grundschule ist es nach der Einstellung auf Elvanse super gelaufen. Er hat ohne lernen durchgehend sehr gute Noten bekommen und auch seine Impulsivität wurde auf ein gutes Level reduziert. Wir mussten Mitte der 3. Klasse einmal die Dosis anpassen, weil die Wirkung deutlich früher und die Konzentration im Allgemeinen stark nachgelassen hat, wahrscheinlich aufgrund von Wachstum und Entwicklung. Danach lief es wieder super.

Nach den Sommerferien ist er aufs Gymnasium gewechselt. Leider ohne ehemalige Klassenkameraden oder Freunde. Das hat ihn die ersten beiden Woche sehr belastet. Danach hat er Anschluss gefunden. Er hat im Allgemeinen sehr wenige Freunde, vielleicht zwei oder drei, was ihn sehr stört. Da er auf Elvanse schon seit längerem mit Tics (Kopf rollen, Finger knacken, Mund aufreißen) reagiert, haben wir mit Beginn der Herbstferien versucht auf Atomoxetin umzustellen (8 Wochen reine Hölle für alle Beteiligten –> es gab keinen Moment am Tag, an dem er nicht völlig eskaliert ist, außer er durfte zocken). Da das auch in der Schule zu Problemen geführt hat, sowohl im sozialen Verhalten, wie auch im kognitiven, nimmt er nun wieder Elvanse und wir leben mit den Tics. Er selbst sagt, dass er lieber diese Tics hat, als sich wieder so zu fühlen, wie mit der Atomoxetin-Einnahme.

Der Grund meiner aktuellen Verzweiflung liegt unter anderem daran, dass er absolut nicht lernen möchte. Er ist eigentlich ein kluger Kerl und versteht auch den Unterrichtsstoff. Um ihn in den Arbeiten richtig und unter Zeitdruck wiedergeben zu können, müsste er dennoch etwas lernen. Dazu bekomme ich ihn mit allem Bitten, Betteln, Erklären, Reden und Drohen (ja ich weiß, dass das nicht gut ist) einfach nicht. Er schreibt aktuell ausschließlich 4er und mittlerweile auch einige 5er. Ihn selbst stört das ebenfalls wahnsinnig, trotzdem sieht er nicht ein, dass er lernen muss. Laut seiner Aussage, hat er in den Arbeiten eine solche Angst zu versagen, dass er einen Blackout bekommt. Teils glaube ich es ihm, teils sehe ich an den Arbeiten auch, dass er es einfach nicht konnte. Wenn ich ihn zu Hause abfrage, kann er mir zumindest den Großteil richtig wiedergeben, sodass ich eigentlich 2er oder zumindest 3er erwarten würde. Die Stimmung bezüglich der Schule ist absolut im Keller. Nächste Woche habe ich ein Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin (gestern hat er schon mit ihr gesprochen) und danach werden wir dann entscheiden, ob ihm Nachhilfe vielleicht gut tun würde. So müsste er sich zumindest auch außerhalb des Schulgebäudes und der Hausaufgaben mal mit seinem Schulstoff beschäftigen.

Seine Art ist gerade auch einfach katastrophal. Oft habe ich das Gefühl, dass seine Laune stark mit der nachlassenden Wirkung von Elvanse zusammenhängt. An manchen Tagen eskaliert es aber auch einfach so. Er schreit rum, verdreht alles was ich sage und hört nur das, was er hören möchte. Seiner Ansicht nach ist er dann an allem Schuld, macht nie was richtig und ist ja sowieso dumm. Es mag durchaus sein, dass ich ihm vielleicht zu oft sage, wenn etwas falsch läuft oder er seinen beiden kleinen Schwestern Dinge vormacht, die nicht gut sind. Allerdings hat er von uns noch nie gesagt bekommen, dass er dumm ist oder etwas nicht kann. Wir achten sehr darauf ihn zu bestärken, da ich an meinem Bruder sehe, was es mit Menschen macht, wenn sie das im Kindesalter immer wieder gesagt bekommen (auch wenn es nur von einem Elternteil ausgeht). Er gibt permanent Widerworte und diskutiert wirklich alles aus. Ich kann gefühlt keinen Satz zu ihm sagen, den er nicht mit: Nein, stimmt nicht; Nein, hast du nicht; Doch, das ist so; etc. kommentiert.

Das morgendliche Aufstehen ist ebenfalls schwierig. Wir brauchen mindestens eine halbe Stunde bis er annähernd wach ist. Währenddessen schreit er rum und tritt um sich. Im Nachhinein weiß er nichts davon. Auch das Anziehen, Frühstücken und Fertigmachen um loszufahren dauert ewig. Wenn ich Dinge mehrmals sage, motzt er rum, dass man es nicht dauernd wiederholen muss und sagt man es nur einmal, bekommt er es nicht mit und man darf sich anhören, dass man es nie gesagt hat. Zur Zeit geben wir ihm eine halbe Stunde vor dem Wecken 5mg Medikinet unretardiert, damit läuft es etwas besser und eskaliert nicht schon morgens.

Nachmittags haben wir schon versucht ihm 5mg Medikinet oder 10mg Medikinet retard nachzugeben. Haben aber nicht das Gefühl, dass es einen nennenswerten positiven Effekt hat. Vielleicht braucht er davon auch einfach mehr, aber das muss ich erst mit seiner Ärztin besprechen. Mir kam auch schon der Gedanke, ob es vielleicht helfen würde, wenn er nachmittags eine zweite Dosis Elvanse nehmen würde, natürlich in einer geringeren Dosierung. ABer auch das kann ich erst Ende Januar mit seiner Ärztin besprechen.

Ich weiß, dass die richtige Medikation ihm hilft und damit auch ein harmonischeres Familienleben bringt, trotzdem fühle ich mich schrecklich, wenn ich darüber nachdenke ihm höhere Dosen oder mehr Tabletten zu geben.

In der letzten Mail hat seine KJP angesprochen, ob vielleicht eine teilstationäre Behandlung sinnvoll wäre. Wir sind da sehr skeptisch, weil unser Sohn wahnsinnig sensibel ist, trotz seiner Ausraster. Er ist im Nachhinein immer wahnsinnig traurig, dass wir uns gestritten haben und er sich so benommen hat. Wenn er jetzt aus der Schule genommen wird und auch noch aus der Familie, fühlt er sich wahrscheinlich abgeschoben und das wollen wir auf keinen Fall. Außerdem haben wir erst vor knapp 2 Wochen eine kleine Katze (nach jahrelangem Überlegen) geholt, die er sehr liebt und sicherlich nicht alleine lassen möchte.

Entschuldigt den langen Text und das Gejammer, aber außer meinem Mann hat bei uns leider niemand Verständnis für unsere Situation. Entweder man bekommt als Antwort: Ja, das kenne ich, ich muss auch alles 2x sagen (als ob das dasselbe wäre) oder wir bekommen den guten Ratschlag, dass es noch nie geschadet hat mal “ein Paar hinter die Löffel zu bekommen” (ältere Generation mit der Überzeugung ADHS existiert nicht und liegt entweder am Medienkonsum oder an fehlender Erziehung).

Ganz liebe Grüße und eine hoffentlich schöne Vorweihnachtszeit

13 „Gefällt mir“

Eine wissende, digitale Umarmung einer Mama der es ähnlich geht, wenn du magst: :people_hugging:

Hab wenig Zeit und will nicht in Sprechdurchfall verfallen, aber….

  • Immer weiter lieb haben und vergeben und für ihn da sein, Quality Time verbringen, Beziehung stärken (Pubertät platzt bald ins Haus).
  • Hat er Hobbies? Etwas was ihm außerhalb von Schule und Zuhause soziale Kontakte und Erfolgserfahrungen gibt? Sport? Selbstverteidigung? Kinderuni? THW? Feuerwehr? Theatergruppen? Musikschule? Schwimmverein? Programmier-Kurse?…….
  • Wie wäre es mit Verhaltenstherapie?
  • Nachhilfe hört sich doch gut an, wenn er das annimmt?
  • Würde Hausaufgabenbetreuung vielleicht auch helfen, gibt’s sowas?
  • Ich lese nicht dass ihr Concerta ausprobiert habt, vielleicht auch eine Alternative?
  • Was heißt “depressiv” wegen Medikinet und Ritalin? Wurde er langsam hochdosiert, am besten mit einem nicht retard Präparat?
  • Teilstationär richtet sich eher an Familien, die es nicht schaffen im Alltag die ambulanten Hilfen einzurichten, so unsere Erfahrung. Uns hat man da weggeschickt. Aber mag sein, dass es für andere trotzdem hilfreich ist, vielleicht schreibt jemand noch was dazu.

Liebe Grüße!

5 „Gefällt mir“

Mein neuronormaler großer Sohn (12 - ein Jahr weiter als deiner in der Schule) ist auch ähnlich schwierig. Ihm droht in Englisch aktuell eine Gefährdung. Ich versuche seither jeden Tag ihn zum Lernen zu bewegen. Es ist echt die meiste Zeit zum Haareraufen. Er liegt am liebsten nur in seinem Bett oder zockt…

Wegen Lernen werde ich oft nur hingehalten… ehrlich, ich glaube ich habe mehr Sorgen, dass er das Fach nicht schafft als er selbst. Ich will wieder entspannen! Ich lasse ihn aber in allen Fächern, wo keine Gefährdung droht, quasi machen (in Neenfächern bringt er teils Noten heim, wo ich echt schlucken muss - ich war halt nie sooo dermaßen faul, aber egal Hauptsache positiv :roll_eyes: ). Ich kann meine Kraft nur auf das notwendigste setzen und finde mehr auch unsinnig.

Daneben habe ich noch meinen ADS Sohn (9; 3.Klasse VS), der sich erst gar nicht für’s Lernen aufraffen kann und wo ich froh sein muss, wenn er die Hausaufgaben mit viel Stress in der ganzen Familie macht. Lernen verweigert er die meiste Zeit gänzlich. Ansonsten darf ich viel in die Schule pilgern und mir die Probleme anhören…

Ich weiß es ist gemein, aber ich wünsche mir oft so sehr zumindest ein schulisch problemloses Kind. So eines, das von sich aus auch mal selbstständig lernt (schön immer die Geschichten anderer - weiß man darf nicht vergleichen, aber momentan bin ich sooooo frustriert). Stattdessen sind mein Mann und ich am Dauerlimit und es gibt nur Stress.

4 „Gefällt mir“

Achso: Nachhilfe würde ich ihn jedem Fall empfehlen.

Ich kann mich leider auch nur einreihen, Sohn ist 12, Realschule. Bis jetzt ist er mit wenig Aufwand gut durchgekommen. Nun steigen die Anforderungen und er macht noch weniger bis gar nichts :pensive_face:

Mir wurde es irgendwann zu viel Text. Was mir nicht klar ist, war er denn auch unter Methylfinidat genauso?
Ritalin ist ja Methylfinidat und das überdosiert wurde ich depressiv und co stück für Stück.

Vielleicht passte das besser zumal du ja was von 5 Mg unretardiert schreibst => 10 mg retard.

Vielleicht ist ggf. man der falschen Annahme erlegen das mehr auch mehr hilft und ist dann einfach zu hoch gegangen.

Ich merke das Methylfinidat auf lange Zeit schon ganz anders als kurzfristig und hab dann auch mal nicht so gute Tage gehabt und habe sie kann dann aber anders und besser damit umgehen.

Er ist ja noch klein und wenn man schaut das Kinder eher sprunghafter etc sind könnte ja vielleich normales Bocken etc. Entwicklungsphase mit Adhs Symptomen verwechselt sein weil er „dann ja nicht gut funktionierte“ und man ggf. Zeit braucht damit ihr euch alle ein wenig damit einfindet, kennenlernt und ggf. auch auseinanderhalten lernen müsdt - denn so geht es mir ja gerade irgendwie selbst wo ich lange dachte ne dann muß eben doch nochmal alles glatt und gleichmäßig läaufen, doch so war ich ja nie in meinem Leben und auch sowas hat mich ja geprägt und ausgemacht und ich das dann wohl erst mal bei mir auch selbst erkennen.

In Selbsthilfegruppen sehe ich auch das schnell gerne mit Steigerungen und WWechsel gearbeitet wird von den Ärzten, doch im Kopf braucht das gehirn auch meist ne ganze Zeit Ruhe um entsprechend die Ressourcen frei zu haben mehr neuronal Verbindungen auszuprägen und das dann ja mein Verhalten auf längere Sicht zu verändern was mir gut tut aber eben Zeit braucht und leider nicht schon so schnell funktioniert wie ich mir das wünsche.

Ist er zufällig hochbegabt? Falls ja könnte das zumindest das Thema lernen erklären weil man es oft nicht braucht und man für sich dann lernen und erkennen muß das die „Ps unter der Haube“ nur gut sind, wenn ich sie auf die Straße bekomme und das auch ein wenig selbst Probieren bedarf und man an sich verzweifelt weil man sich und seine Mechanismen nicht kennt und kennenlern und entdecken muß? ? ?

Er ist ja noch klein und muß sich ja in einer Form selbst kennenlernen mit den Besonderheiten ggf. - ich würde das für mich so aus der Retrospektive für mich so bewerten

1 „Gefällt mir“

Eine zweite, etwas geringere Dosis von Elvanse würd ich absolut in Erwägung ziehen.

Es ist auch nichts, wofür man sichvschlecht fühlen müsste:

Dein Sohn leidet unter einem Neurotransmitter-Mangel. Das heißt, mit dem Medikament deckelst du nicht seinen anstrengenden Normalzustand, sondern du levelst ihn erst in seinen Normalzustand hoch!!!

Da darfst du dir m.E. erlauben etwas umzudenken.

Analogie: Einem Querschnittgelähmten wird nachmittags der Rollstuhl verwehrt, weil es ja seiner Natur viel mehr entspricht, nicht vorwärts zu kommen.

Alles Gute!! :four_leaf_clover::hugs:

8 „Gefällt mir“

Fühl dich gut gedrückt!

Es klingt wie Pubertät in extra-doof aber dafür finde ich ihn zu jung!

Ein bisschen klingt es auch wie total frustriert. Es bringt eh nix zu lernen, weil die Note am Ende nie zu seinem eigentlichen Können passt. Warum also was dafür tun?

Vielleicht stimmt das auch mit der Blackout-Panik? Ängste ist auch klassisch bei ADHSlern. Vielleicht ausgelöst durch die neue Schule? Kann er seine Gefühle/Zustände/Wünsche in Worte fassen? Nimm ihn auf jedenfall ernst! Vielleicht übt er nicht, weil er bei den Arbeiten eh in Panik verfällt?

Meine sind immer sehr schnell sozial überfordert. Zwei Freunde finde ich super. Davon träume ich hier. Aber zurück zu dir und deinem Spezialisten. Vielleicht hat er zu viel Input? Zuviel Schule, Sport, Hobbys wasweißich und kann nicht entspannen?

Bildung ist übrigens zweitrangig und kann noch später nachgeholt werden. Viel wichtiger ist Persönlichkeitsentwicklung. Das kann nur sehr mühsam nachgeholt werden. Und rund um Bildung/Schule sind die klassischen ADHS-Themen: Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Ängste, Depressionen, Gemeinschaftsgefühl, usw.

8 „Gefällt mir“

Hier gibt es schon einige gute Antworten, insbesondere @Alleinseinkeit hat einige gute Vorschläge gegeben.

Eine Zeit teilstationär unter Leuten mit ähnlichen Problemen kann auch als Chance gesehen werden. Er sieht, dass es Menschen gibt, die ihm etwas ähnlicher sind, als in der Regelschule. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit einer Kur, das ist etwas kürzer, aber damit kennen sich hier andere bestimmt besser aus. Weiß er denn um seine Besonderheiten? Ich meine, so richtig? Intensive Psychoedukation kann helfen, sich selbst besser zu verstehen. Ein erster Schritt zu anderen Verhaltensoptionen.

Medienkonsum löst kein ADHS aus, verstärkt aber die Symptome. Kann man in den Tiefen von adxs.org lesen. Man kann es zwar nicht wegzaubern, aber es gibt Mittel und Wege, die den Weg erleichtern. Ich habe unwissend, dass ich ADHS hatte, sehr viel Zeit draußen gehabt. Ich war erst Turnen, dann im Schwimmverein, später beim Volleyball. Ich hatte gesundheitliche Episoden, da durfte ich keinen Sport machen. Ab ca. Klasse 4 kein Schwimmen mehr, in ca. Klasse 8 kein Volleyball. Das hat sich massiv auf meine Psyche und meine Schulnoten ausgewirkt.

Mein Teenie (16) tendiert wie ich damals zum unaufmerksamen Typ, maskiert aber meist so gut, dass es nicht auffällt. Manche seiner “Eigenarten” kann ich erst einordnen, seit ich meine Diagnose habe und meine Mitmenschen ganz anders betrachte. Überraschenderweise kommt er jetzt in Klasse 11 plötzlich mit zweistelligen Punkten in den Klausuren nach Hause. Die letzten Jahre waren es eher 3er und 4er. Ich freue mich einfach mal, auch wenn ich gerne wüsste, was für ihn anders ist, als vorher.

Ein anderer Gedanke ist die Montessori-Pädagogik. Ich bin neben einem Studium gerade noch in einer Langzeitweiterbildung (2 Jahre) zur Montessori-Pädagogin. Das Problem ist nur, dass es wenig Einrichtungen gibt, noch weniger Schulen - und dass nicht überall, wo Montessori dran steht, auch Montessori drin ist :face_with_peeking_eye:

Unser Schulsystem ist für alle Schüler, aber insbesondere für eurodivergente, extrem Banane. Ich konnte immer nur lernen, wenn die Lehrer gut waren und mich der Stoff gefesselt hat. Alles andere war Qual. Differenzierter Unterricht ist bei den meisten Lehrern utopisch, dabei brauchen manche Leute einfach andere Wege, um sich den Stoff zu erschließen (vgl. Gardners multiple (8) Intelligenzen).

Im Monte-Kurs lernen wir unter anderem, dass wir ein darstellerisches Feuerwerk abfackeln müssen, wenn wir die Kids in Themen einführen. Das was ich bisher von den Cracks gesehen habe… da möchte ich auch noch mal Schüler sein.

Hat er schon mal Ergo gemacht?
Was macht ihm, außer Zocken, richtig Spaß?
Was passiert, wenn er eskaliert? Wie reagierst Du/seine Umgebung?
Kann er seine Gefühle verbal äußern?
Ist die Situation zu Hause harmonisch?

Es gibt so viele äußere Faktoren, die uns beeinflussen und wie gut unsere Pillen wirken.

1000 Gedanken. Ich wünsche Dir Kraft und Ausdauer.

Liebe Grüße, Jux

1 „Gefällt mir“

Hi @MamaX4
das liest sich wahnsinnig anstrengend. :people_hugging:
Ich hoffe, das Auskotzen hat Dir ein bisschen geholfen.

Ich denke, für Deinen Sohn ist das alles zu viel im Moment. Neue Schule, weg von seinen Freunden, andere Lehrer… Gymnasium ist ne andere Hausnummer als Grundschule. Am Gymnasium wird auch viel Selbständigkeit von den Schülern gefordert. Die werden nicht mehr am Händchen genommen und alles X mal vor- und durchgekaut. Einen ADHSler kann das druchaus an seine Grenzen bringen.

Es ist auch gar nicht unüblich, dass die Noten (im Vergleich zur Grundschule) erst Mal in den Keller rutschen. Das ist durchaus auch bei Nicht-ADHSlern so.

Ihr müsst jetzt schauen, wie ihr Euren Sohn wieder „einfangen“ könnt.

Tatsächlich sehe ich auch Widersprüche in Deiner Schilderung:

vs.

Du sagst, er muss mehr lernen, um bessere Noten zu bekommen.
er sagt:

und

Ich kann Deinem Sohn da nur zustimmen. Warum soll er mehr lernen, wenn er den Stoff doch eigentlich kann? Sein Problem sind die Blackouts. Und die Angst davor macht es noch schlimmer. Das bekommt er aber nicht mit Lernen in den Griff. Da würde ich eher über eine ambulante Therapie nachdenken.

Könnte vor Allem Euch und dem Familienfrieden helfen :adxs_zwinker:- wenn er bereit dazu wäre.

Meine Tochter hatte quasi ab Kl. 1 ein „Mathe-Problem“. Die Hausaufgaben waren ein K(r)ampf und es endete jedes Mal mit Geheule, Geschrei, Wutanfällen… 2 x die Woche waren die Nachmittage und Abende komplett im Eimer - wegen der Mathe-Hausaufgaben. Dabei war sie nicht zu blöd für Mathe (wie sie selbst glaubte). Sie hatte einfach blöde Lehrer, die es im Unterricht nicht so erklären konnten, dass sie es sofort versteht - und sie hat sich nicht getraut, nachzufragen.

Wir haben sie dann zur Nachhilfe geschickt. Das war die beste Entscheidung ever. Sie hat ihre Hausaufgaben in der Nachhilfe gemacht, dort wurde ihr alles nochmal erklärt und zu Hause lief alles viel entspannter, weil es von uns keinen Druck mehr wegen der Mathe-Hausaufgaben gab. Der Teufelskreis Druck-Widerstand-noch mehr Druck-Streit bis zur Eskalation war durchbrochen, indem wir das Problem outgesourced haben.

Von Euch Eltern braucht Euer Sohn in erster Linie Sicherheit und Verständnis. Druck bekommt er genug in der Schule. Wenn ihr jetzt auch noch auf den Zug aufspringt und Druck wegen Schulsachen macht, dann hat er keine sichere und „schulfreie“ Zone mehr. Die braucht er aber, um sich zu regenerieren. Also ich bin dafür, es mit Nachhilfe zu versuchen. Selbst wenn er da nur die Hausaufgaben macht, habt ihr schon einiges gewonnen - weil das eben kein „Familien-Streitthema“ mehr ist.

6 „Gefällt mir“

“Matheschwäche”, auch so ein neurodivergentes Ding.
Dabei habe die Kinder ein großes Problem mit der Abstraktion. Die Kinder, die größere Probleme haben, brauchen einen anderen Lernweg.
Grundsätzlich sollten lange vor der Schule mathematische Vorläuferkompetenzen oder neudeutsch Numeracy vermittelt werden. Die Kinder entwickeln ein Interesse für Zahlen mit etwa 4 Jahren, dann wird ihnen gesagt, das Rechnen kommt in der Schule. Ein Fehler.
Und vor dem Rechnen müssen Kinder lernen, ihre Sinne zu nutzen.
In den letzten Jahrzehnten ist die Freizeit und das Spiel obendrein zunehmend “verhäuslicht” und 2D vor digitalen Endgeräten und TV. Ich würde es nicht ganz verteufeln, aber je später, desto besser. Und das gilt vor allem für neurodivergente Personen, da wir doch ein Problem mit Süchten haben.

Der Witz ist ja, vor der Schule konnte sie problemlos bis 20 im Kopf addieren und subtrahieren - ohne Finger. Das Mengenverständnis war auch da. Und in der Schule malen sie dann fast ein Jahr lang Kreise bunt an um rauszufinden, ob 3 mehr oder weniger als 5 ist und fangen das „Rechnen“ mit Fingern an. Bis 10. :adxs_rolleyes:

Und immer wenn sie mal gefragt hat, ob sie das auch anders rechnen könne, kam als Antwort: „Wir machen das SO“. Punkt. Ist doch kein Wunder, dass die Kinder dann total unsicher werden und denken, sie sind zu blöd dafür und machen alles falsch. Dabei war es gar nicht falsch - es war nur anders. Halt ADHS-mäßig alles analysiert, um die Ecke gedacht und eine kreative Lösung gefunden. :adxs_daumen: Leider ist das in unserem Einheitsbrei-Schulsystem nicht gewünscht. Da haben gefälligst alle das Gleiche zu machen und zwar genau so wie der Lehrer es sagt. :adxs_wut:

1 „Gefällt mir“

Ich konnte jetzt nicht alles lesen, aber der Medikamententermin ende Januar ist zu spät wenn er jetzt gerade sein ganzes Leben (und eures) versaut. Ich würde sehr freundlich aber auch sehr hartnäckig bei der Praxis die Situation zum absoluten Notfall machen. Das was du erlebst kennt ihr vielleicht und deswegen hälst du das aus, aber es IST ein Notfall!

Fühl dich gedrückt! Ganz viel Kraft!

2 „Gefällt mir“

Hey Alleinseinkeit,

  • Quality Time ist echt schwierig, wenn die Stimmung so angespannt und aufgeladen ist. Aber wir versuchen es immer wieder (Spiele spielen, backen, Film schauen, Mario Kart spielen, mit Papa was bauen oder auf den Rampenplatz fahren). Leider verweigert er es auch oft, weil er lieber mit seinen Freunden zocken will und ist im Nachhinein dann traurig, weil wir mit den beiden Mädels dann alleine ein Spiel gespielt oder einen Film geschaut haben. Verbiete ich ihm das zocken, naja, das kann sich wahrscheinlich jeder hier vorstellen. Quality Time ist das dann auch nicht.
  • Die Hobbies wechseln gefühlt im 6 Monatsrhythmus: Kickboxen, verschiedene Selbstverteidigungskurse, Tennis, Feuerwehr, Schwimmen. Schwimmen macht er auch sehr gerne, geht nur seit 3 Wochen nicht mehr hin, weil es ihm zu viel Aktivitäten auf zwei Tagen sind (donnerstags Schulsport und abends DLRG, freitags Schulschwimmen und Parkour AG).
  • Verhaltenstherapie werde ich beim nächsten Termin mal ansprechen. Er hatte bisher Ergotherapie und Attentionertraining in der Gruppe.
  • Lust auf Nachhilfe hat er keine, aber er muss es trotzdem zumindest versuchen.
  • Die Hausaufgabenbetreuung geht recht lange, habe Sorge, dass er dann noch mehr bockt, weil der Nachmittag und die Zeit zum Spielen und Freunde treffen noch kürzer wird. Aber vielleicht versuchen wir es zumindest ein paar Mal die Woche.
  • Concerta hatten wir noch nicht. Habe nach dem Versuch mit Atomoxetin echt Angst ein neues Medikament zu versuchen.
  • Es wurde mit Medikinet retard 10mg gestartet und auch nicht gesteigert. Es ist fast 8 Wochen dabei geblieben und er war wahnsinnig ruhig und traurig, Hat nur noch auf dem Bett gelegen und bei fast allem angefangen zu weinen. Ritalin waren dann 20mg (das wurde vom Kinderarzt umgestellt, da unsere KJP 3 Wochen im Urlaub war und mein Mann zufällig beim Kinderarzt erzählt hatte, wie es läuft) mit demselben Effekt.

Liebe Grüße

Hey,

dass es eventuell eine ganz “normale” Phase ist, habe ich auch schon oft überlegt. Was mich daran zweifeln lässt ist seine Aussage, dass er sich abends anfängt schlecht zu fühlen und selbst sagt, dass er sich nicht mehr kontrollieren bzw. regulieren kann. Er sagt auch, dass er einfach keine Tabletten nehmen will. Warum, weiß er selbst nicht. Versuche immer wieder ihm die Tabletten als Hilfsmittel zu erklären, so wie ihm auch seine Brille hilft.

Liebe Grüße

Hey,

vielen Dank für deine lieben Worte. Wenn ich logisch denke, weiß ich das auch, aber meine Gefühle spielen manchmal einfach dagegen. Unser Kinderarzt hat es damals auch mit Insulin beim Diabetiker verglichen, da wir am Anfang sehr gegen Medikamente waren, wahrscheinlich, weil man das irgendwie so beigebracht bekommt.

Liebe Grüße

1 „Gefällt mir“

Liebe @MamaX4

Hab deinen Text nochmal gelesen und verdaut. Erstmal möchte ich dir sagen, dass man deine Verzweiflung spürt. Auch dass du ihn liebst und wirklich nur das Beste willst.

Und ich fühle so mit dir! Unser Sohn (11) ist letztes Jahr aufs Gym gewechselt, auch ohne Freunde dort zu haben, und dieser Wechsel hat ihn gecrasht. Wir sind einem stationären Aufenthalt knapp entkommen. Inzwischen hat er die ADHS Diagnose - er hat sich ganze 11 Jahre damit durchgequält und keiner hat es gemerkt! Wir haben die ganzen Jahre verzweifelt nach einem Namen für seine Andersartigkeit gesucht. Du bist nicht allein da draußen als verzweifelte Mama! :people_hugging: Inzwischen ist er an der Schule angekommen. Das hat gedauert und hat uns alle viel gekostet.

Das hat mich stutzig gemacht. Du darfst dich nicht schrecklich fühlen wegen der Medikamente! Bitte nicht, du darfst sie dankbar annehmen! Dein Kind hat neurophysiologische Mängel und diese Medikamente helfen ihm und euch allen. Überleg mal was das kleinere Übel ist, welchen Preis ihr alle zahlt wenn du ihm aus schlechtem Gewissen keine oder “zu wenig” Medikamente geben willst? Das ist es nicht wert. Bitte überdenke das und - ganz wichtig!! - vermittel es auch ihm, dass es eine Hilfe ist, wie eine Krücke. Es soll eine Chance für euch alle sein. Er ist nicht falsch, sondern hat es damit einfach leichter, also warum nicht?

Und was die Blackouts betrifft, die könnten auch stressbedingt sein. Seine Schlussfolgerung ist dann “richtig”: warum soll ich lernen, wenn ich es eh nicht abrufen kann? Ich weiß nicht in welchem Bundesland ihr seid, bei uns in NRW sind die Kinder für zwei Jahre in der Erprobungsstufe. Erst danach wird entschieden ob sie auf dem Gym bleiben. Er hat also noch Zeit sich zu fangen, noch ist der Zug nicht abgefahren.

Ich hab oben schon einiges vorgeschlagen. Ergänzen will ich nur, ob ihr Hochbegabung in Betracht gezogen habt? Seine Reaktion konnte auch zum Underachievement passen. Wenn er medikamentös auch nicht richtig eingestellt ist, ist das eine blöde Kombi.

Alles Gute (und sorry für den langen Text…) :four_leaf_clover:

EDIT. Upps. Unsere Nachrichten haben sich überschnitten…

4 „Gefällt mir“

Schule ist für uns ADHSler halt scheiße. Kenne ich von mir. Zu Hause wusste ich einen großen Teil. In der Schule war alles weg. Prüfungsangst. Damals wusste ich aber noch nicht das ich ADHS hatte ..

Ich habe auch am Gymi angefangen und bin dann auf Realschule gegangen. Da waren die Noten ein klein bisschen besser aber auch hier Mobbing ohne Ende

2 „Gefällt mir“

Hey,

mit dem Schulsystem gebe ich dir völlig recht, wie wahrscheinlich ganz viele andere auch. Aber ich habe sehr wenig bis gar keine Hoffnung, dass sich daran was ändern wird.

Ergo hatten wir in Einzel-, Partner- und Gruppenvariante. Es hat ihm Spaß gemacht, ob es was verändert hat im Alltag kann ich nicht sagen. Als einzig sinnvolle Variante empfand ich die Gruppe, dort ging es um soziales Miteinander (ausreden lassen, abwarten, zusammenarbeiten) und eigene Organisation (an seine Mappe denken).

Er würde gerne zum Bogenschießen. Das haben wir zum Glück auch im Nachbarort, startet aber erst wieder im Frühjahr.

Ich versuche ruhig zu bleiben, was mir nicht immer gelingt. Je ruhiger ich mit ihm rede, umso mehr schreit er rum und wirft Sachen durch die Gegend. Man sieht ihm seine innere Anspannung dann auch körperlich an. Er verkrampft sich richtig und spannt alle Muskeln an. Wir schwanken oft zwischen, ihn aus der Situation rausgehen und sich in seinem Zimmer abreagieren zu lassen und ihn zu zwingen sich in unserer Nähe zu beruhigen. Wir wissen einfach nicht genau, was besser ist. Mein Mann (wahrscheinlich noch undiagnostiziert, aber ich sehe wahnsinnig viele Parallelen, Diagnostik ist Ende März) und er können sich gegenseitig richtig hochpushen, wenn ich dazwischengehe, ist mein Mann sauer auf mich.

Gefühle äußern fällt ihm nicht immer leicht. Oft traut er sich nicht uns zu erzählen, wenn es ihm nicht gut geht, weil er uns nicht traurig machen möchte. Daran arbeiten wir gerade und versuchen immer wieder über unser aller Gefühle (auch seine Schwestern) zu sprechen.

Aktuell ist die Situation ziemlich aufgeladen. Vor allem abends, wenn gefühlt jeder schon darauf wartet, dass es eskaliert.

Den Medienkonsum versuche ich auf 1-1,5 Stunden am Tag zu regulieren. Allerdings müssen sie ja auch für die Schule da ran, was das ganze schwierig macht. Ich kann ihm schlecht die schulische Medienzeit von seiner Medienzeit abziehen, dann macht er die schulischen Aufgaben garantiert nicht mehr.

Liebe Grüße

2 „Gefällt mir“

@MamaX4 Keine Ahnung ob es schon jemand erwähnt hatte?, aber weil ich im Moment ehrlich gesagt die letzten Beiträge nur überflogen habe, weil leider habe ich gerade nicht viel Zeit und schreibe deshalb nur kurz darüber was eventuell möglich sein könnte wegen des Verhalten Deines Sohnes, nämlich das Dein Sohn eventuell unter Depressionen leiden könnte, was übrigens glaube ich von Eltern leider vielleicht sehr oft übersehen wird, was vielleicht daran liegt weil vielen Eltern nicht bewusst ist, oder vielleicht auch nicht bekannt ist das Depressionen im Kindheits und Jugendalter absolut möglich sind, und meines Wissens nach Menschen im Teenie Alter sogar die Altergruppe mit der höchsten Suizidrate ist.
Jedenfalls möchte ich persönlich eigentlich allen Eltern raten bei schulischen Problemen ihrer Kinder nie ausser Acht zu lassen das es sich um Depressionen handeln könnte.

2 „Gefällt mir“