Ich hab zwar keine Kinder, aber kann vielleicht selbst ein bisschen was dazu beitragen. Ich war auch nie ein Lerner. Es ist schwer plötzlich damit anzufangen, wenn man das vorher nie brauchte. Man sitzt davor und hat keine Ahnung, wie man die Dinge angehen soll, vor allem wenn man keinen Sinn darin sieht, weil man den Stoff eigentlich versteht. Du sagst ja, dass dein Sohn den Großteil des Stoffs zuhause beim Abfragen richtig wiedergeben kann. Das spricht absolut für Stress und Druck bei den Arbeiten. Habt ihr einen Nachteilsausgleich für ihn? (Sorry falls du das schon irgendwo beantwortet hast, ich hab jetzt nicht komplett alles gelesen)
Ich würde auf jeden Fall empfehlen das lernen mit etwas interessantem zu verknüpfen. Dabei einfach kreativ werden. Für mich während der Uni war es immer hilfreich, dass ich meine Unterlagen durchgegangen bin und hab danach eine Folge von einer Serie geschaut. Und das gleiche Spiel wieder von vorn. Stumpfes hinsetzen und lernen hat nie funktioniert, außer das Thema hat mich wirklich richtig krass interessiert.
Und vielleicht sollte man einfach weg von dem Leistungsgedanken. Er ist jetzt erst am Anfang der Schulzeit auf dem Gymnasium. Wenn ihr ihm jetzt schon so Druck macht was das lernen angeht, wird das wahrscheinlich nur noch schlimmer. Versucht einfach bessere Rahmenbedingungen und ein stressfreies Umfeld zu schaffen. Das ist meiner persönlichen Erfahrung nach das beste. Weil mit Stress und Druck lernt es sich nicht. Vor allem nicht nachhaltig.
Ihr könntet auch mal nach Pomodoro gucken. Das ist ein lerninterwall von 25 Minuten mit anschließender Pause. Das hat mir auch ganz gut geholfen am Ball zu bleiben. Es gibt aber auch noch andere lernkonzepte, die man mal ausprobieren kann.
Ja so ziemlich Also die wesentliche Entwicklung in Selbstregulation und Selbstorganisation läuft bis 25 ungefähr. Da gibt es dann hin und wieder Erwachsene mit einem Fahrverhalten von 16Jährigen. Also eher fürs begleitende Fahren geeignet. Eventuell so genauso einsichtsfähig wie mit 16. Der einzige Unterschied ist das es juristisch einwandfrei ist. Das gleiche beim Umgang mit Geld, Beziehungen, Freundschaften, eigene Wohnung, Ausbildung/Studium…
Das macht ja es nur umso wichtiger in der Kindheit angemessen zu unterstützen und zu behandeln.
Mir kommt es so vor, als ob da nur Kampf besteht. Er fühlt sich bedrängt. Lass es einfach sein. Offenbar hat er einen Weg für sich. Lass ihn ihn gehen. Ich würde auch ausrasten, wenn ich ständig zu „angemessenem“ Verhalten getriezt würde. Vielleicht liegt das Problem mehr in deinem Anspruch, als in seinem „Versagen“.
Du berichtest von Erfahrungen mit einem Arzt / Therapeuten, die wir allen Betroffenen gerne ersparen würden.
Wenn du sicher bist, dass das nicht auf einem Missverständnis beruht, hilf bitte anderen Betroffenen, indem du unter dem folgenden Link deine Erfahrungen mit dem verantwortlichen Arzt / Therapeuten und der KLlnik einträgst. Das kann anderen Schaden ersparen.
Herzlichen Dank!
Und natürlich freuen wir uns immer über jede Information zu ADHS-kompetenten Ärzten und Therapeuten.
Genau das sehe ich bei einer Bekannten. Die Kinder sind echt nicht dumm, werden aber seit 5. Klasse “gehengelassen”. Das Resultat ist, dass sie auf dem Hauptschulzweig mit 4ern sind und überall anecken, weil die Erziehung fehlt. Um ihn einfach machen zu lassen , was er will, ist er mir mit 10 Jahren eindeutig zu jung. Auch wenn es anstrengend ist, ist es unsere Aufgaben als Eltern zu erziehen und ihm einen Weg zu zeigen. Natürlich darf er mitbestimmen, aber er entscheidet nicht alleine und es gibt klare Regeln.
Ich habe mit Sicherheit gewisse Ansprüche, allerdings werde ich von denen auch nicht abrücken. Seine Schwester zu schlagen oder verbal absolut zu entgleisen geht einfach gar nicht. Das muss er lernen. Ausrasten darf er, so wie alle anderen auch, allerdings in einem Rahmen, der niemanden verletzt weder physisch noch psychisch. Was meinen schulischen Anspruch angeht, denke ich eigentlich, dass dieser nicht übertrieben ist. Ich möchte, dass er die Klasse schafft, das bedeutet keine 5er. Da er selbst auf keinen Fall die Schule wechseln möchte, decken sich unsere Wünsche dahingehend.
Zu Hause haben wir einige seiner Aufgaben schon gestrichen (u.a. Spülmaschine abwechselnd mit seiner Schwester ausräumen und samstags den Bürgersteig kehren). Allerdings denke ich, dass er auch da lernen muss, dass ihm nicht immer alles abgenommen werden kann. Ranzen ausräumen, Geschirr aus seinem Zimmer runterbringen und seine dreckige Wäsche in den Wäschekorb packen und in den Keller bringen muss er weiterhin selbst (mit Erinnerung durch uns) machen.
Irgendwann soll er schließlich ein selbständiger Erwachsener werden, der mit Freude durch´s Leben kommt.
Der Junior ist 10, grad in der 5. Klasse und irgendwie heillos überfordert. Bis zum Erwachsen sein ist noch viel Zeit, da macht es nichts, wenn er mal nicht regelmäßig die Spülmaschine ausräumt. Ich bin mir sicher, dass er es eigentlich kann.
Meine jüngere Tochter ist jetzt Klasse 8, hammermäßiger Stundenplan. Als ich gesehen habe, was sie leisten muss, habe ich freiwillig den Spülmaschinendienst gestrichen. Ich wünsche uns, dass sie ohne psychische Bruchlandung Erwachsen wird. Dazu gehört es mE auch, in schwierigen Zeiten Last abzunehmen.
Schulwechsel ist eine Herausforderung für viele Kinder.
Deswegen haben wir ja die meisten Aufgaben gestrichen, aber ich bin einfach dagegen ihm alles abzunehmen. Ich werde nicht seine, im Zimmer verteilte, Wäsche aufsammeln oder seine Trinkflasche aus dem Ranzen räumen. Wir nehmen viel Rücksicht auf ihn und seine Bedürfnisse, aber wir haben auch noch 2 weitere Kinder. Zwar versuche ich ihnen zu erklären, dass es einen Unterschied gibt, zwischen ihnen, aber es sind Kinder, dementsprechend verstehen sie noch nicht alles. Ich kann nicht ihm alles abnehmen und hinterhertragen und von der 7-jährigen erwarten, dass sie hilft. Zumal ich von ihm nichts unmögliches oder überforderndes erwarte.
Auch von mir als allererstes: Ich sehe wie anstrengend das ist. Wir hatten immer wieder lange Phasen mit totaler Verweigerung, was Schule angeht und wir zusehen mussten wie es unseren Kindern immer schlechter geht und der Alltag zusammenbricht. Es geht auf die Knochen, und wir Eltern merken jetzt, wo es deutlich besser ist, wie verdammt schwer die Zeit war. So doof es klingt, bei manchen Situationen hat es geholfen zuzugeben, dass einfach nichts mehr geht, anstatt sich ewig durchzubeißen. Wir können nicht ewig über unsere Grenzen gehen. Tipps von außen sind semi hilfreich: manche Tipps inspirieren und helfen und andere können echten Schaden anrichten, wenn es einfach nicht der eigenen Situation entspricht.
Den eigenen Weg zu finden ist Balanceakt. Es ist schwer. Punkt. Von außen ist nicht sichtbar, wie man alles gibt und doch weiter untergeht. Hilfe und Unterstützung holen wo es nur geht (Haushaltshilfe, Wochenenden oder auch Urlaub mal ohne Familie, Sport etc)- gut gemeinte, aber unpassende Tipps ignorieren (ich sehe die Ironie Tipps zu geben und im gleichen Atemzug zu schreiben sie zu ignorieren).
Ich sehe mehrere Dinge (aus meiner begrenzten Außensicht-nicht zu ernst nehmen, ihr kennt euch selbst am besten)
Themenkomplex Depressionen, Angst, Druck,Überforderung, Überreizung: Ich kenne es von meiner Tochter und mir - ADHD Shutdowns. Bin ich, oder meine Tochter, darin, geht nichts mehr. Ein paar Tage Ruhe und eigenen Interessen folgen und einen Tagesrhythmus aus genügend Schlaf, Essen, Bedürfnisse erkunden, und Interessen nachgehen bewirken Wunder. War die schlechte Phase länger, dann dauert es entsprechend länger. In diesen Pausen kann man herausfinden, was evtl noch im Alltag stört, und u.U. kleine Stellschrauben finden, die den Alltag leichter machen: Bei uns z.b. hat die Busfahrt unsere Kleine mega gestresst, inzwischen fährt sie mit dem Rad zur Schule und es ist einfach so viel besser. Solche Stellschrauben zu finden, braucht Zeit, können aber echte Game Changer sein. Einzelne Lehrkräfte, die so viel Druck ausüben und einfach nicht mit ADHS Kindern arbeiten können- da kann ein einfacher Klassenwechsel helfen. Das Problem aber zu identifizieren braucht Ruhe.
Es scheint gerade alles zu viel zu sein, da ist lernen fast unmöglich. Der Übergang zur 5. Klasse ist sehr schwer. Manchmal werden auch LRS und Dyskalkulie erst beim ÜBergang zur weiterführenden Schule entdeckt. Bei Überforderung und Überreizung funktionieren viele Kompensationsmechanismen einfach schlechter und Probleme zeigen sich dann mehr. Gang runter schalten, Nachteilsausgleich einfordern. Wiederholen ist in der 5. Klasse steht in keiner Verbindung mit späteren Leistungen.
Vielleicht wäre auch eine Eltern-Kind-Kur noch eine Möglichkeit: Gemeinsam raus aus dem Alltag. Aber auch hier: unpassende Hilfe kann mehr schaden als helfen; das Verständnis von dem was bei ADHS hilft ist leider oft nicht wissenschaftsbasiert ist und hält an alten Denkmustern fest.
Wenn es finanziell drin ist auch ein Urlaub um richtig abzuschalten und eigenen Interessen zu folgen und fühlen zu können, was im Alltag nützlich sein könnte: und dem Kind zeigen- ich sehe dich und deine SChwierigkeiten und wir werden unseren Weg finden, auch wenn er nicht einfach ist.
Elvanse vs Methylphenidat: Ich selbst nehme die Wirkung der beiden Medikamente sehr unterschiedlich wahr - Elvanse ist bei mir als Erwachsene sehr gut, ich kann mir aber gut vorstellen, dass Methyphenidat evtl besser geeignet wäre um zu fokussieren und Hausaufgaben zu erledigen. Die richtige Dosis und Wirkstoffverteilung zu finden kann sehr schwer sein- zu hohe Dosis und zu wenig Regeneration im Alltag führen leicht zu Überreizeung etc, Rebounds sind schwer zu managen. Es gibt noch viel mehr möglichkeiten als Medikinet und Ritalin- z.b. Equasym, das wirkt bei uns tatsächlich bis zum späten Nachmittag recht gleichbleibend- wir merken aber auch, dass es ZEitpunkte gibt am Tag, da gehen Hausaufgaben einfach nicht, entweder weil Methyphenidat gerade nicht wirkt, ein Rebound ist, oder eine Wirkspitze mit ÜBerreizung. In diesen Momenten auf Hausaufgaben bestehen bringt einfach null. Wir gehen dann ne Runde Fußball spielen, dannach gehts wieder. Wir haben auch akzeptiert, dass HAusaufgaben alleine erledigen nicht funktioniert, es geht tatsächlich besser, wenn jemand daneben sitzt, selbst an etwas anderem arbeitet, aber ansprechbar ist und immer wieder daran erinnert weiter zu machen. Nur daneben sitzen und beobachten geht dagegen GAR nicht. Sowas herauszufinden und umsetzten zu können erfordert Ressourcen, die man nicht unbedingt hat. Und das ist traurig und schwer. Es kann aber sein, dass solche kleinen Änderungen den Alltag so viel leichter machen, dass es im Endeffekt leichter wird.
Das verstehe ich so gut, und doch verstehe ich auch deinen Sohn. Ich kann solche Sachen manchmal einfach nicht: Ich weiß ich muss es tun , aber es geht einfach nicht. Absolut nicht . Und je mehr ich es machen muss, desto weniger geht es und desto weniger funktionieren andere Dinge, ich verliere Stück für Stück meine Alltagstauglichkeit/Exekutivfunktionen. Aber ich weiß es und lerne damit umzugehen und feiere kleine Fortschritte. Es geht nicht darum, dass mir jemand solche Sachen abnehmen soll -ganz und gar nicht, sondern dass ich manchmal und viel zu oft Unterstützung darin brauche zu lernen, warum ich etwas nicht schaffe und Möglichkeiten finde es selbst zu schaffen. Das Buch “Organizing Solutions for People with ADHD” hat mir sehr geholfen.
sorry nochmal, ich wollte damit nicht dein Tun kritisieren und bin ziemlich offtopic abgerutscht. Gerade für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und auf gewisse Dinge zu bestehen, ist so wichtig. Und es kann gleichzeitig so schwer sein für beide Seiten.
Alles gut. Ich kann auch nachvollziehen, dass es ihm teils schwerfällt, Dinge zu erledigen. Manchmal vergesse ich es schlichtweg aber auch. Seit dieser Woche versuche ich, dass er die Dinge an bestimmten Tagen und nicht genau jetzt erledigen muss. Das klappt schon deutlich besser.
Icv habe nicht alles gelesen, ihr macht schon sehr viel und es gab sehr gute Tipps.
Aus meiner Erfahrung mit meinem Sohn kann ich sagen, dass eine optimierte Ernährung, Kampfsport mit einem spirituell orientierten Überbau (mit einem Meister/in, der/die den Kids Halt und Orientierung geben kann) und, am wichtigsten, Neurofeedback, am meisten geholfen haben.
Wichtig ist, sich klar zu machen, dass das nur eine Phase ist. Sobald sich das Nervensystem wieder etwas beruhigt, kann er systematisches Lernen lernen. Jetzt gerade nicht.
Dabei hilft es, das Lernszenario zu verändern: Vater läuft mit ihm durch den Wald und übt dabei Englischvokabeln oder man lässt ihn englischsprachige Dokus oder Serien schauen usw. Das sind natürlich nur Beispiele.
Übrigens habe ich bei Überdosierung von Elvanse auch leichte Ticks, die gehen Abend etwas mehr werden.
Ich finde, dass diese Beraterin sehr gute Ansätze hat:
Mir hat das sehr geholfen und ich spoilere hier mal, dass mein Sohn, inzwischen 8. Klasse Gymnasium, inzwischen wieder gute bis sehr gute Noten hat und gerne zur Schule geht. Allerdings mit einer aufwändigen, immer wieder angepassten Therapie.
Ich mein rausgelesen zu haben, dass Dein Sohn eigentlich ehrgeizig ist oder recht hohe Ansprüche an sich hat. Ich finde, da kann man ihn tatsächlich nicht sich selbst überlassen , sondern muss ein passendes Hilfekonzept finden. Sonst kriegt er noch den Eindruck, er wird fallen gelassen. Ich sehe trotzdem auch so, dass Druck nichts hilft. Gerade bei hochsensiblen Kindern., die stehen sowieso schon permanent unter Druck.
Ja, die hat er wirklich. Woher weiß ich nicht. Wir haben noch nie erwartet, dass er nur 1er oder 2er haben soll. Unser Mantra ist eigentlich: Gib dein Bestes und hab Spaß dabei. (Soweit man das bei Schuldingen sagen kann)
Daran haben wir ehrlich gesagt noch nie gedacht und wurden auch von der KJP nicht darauf angesprochen. Werde es beim nächsten Termin mal ansprechen.
Er hat diese Ticks eigentlich den ganzen Tag, aktuell vor allem Mund weit öffnen und die Zunge seltsam nach vorne strecken. Mehr werden sie vor allem dann, wenn er im Stress ist oder sich über irgendetwas ärgert/aufregt/es nicht nach seinen Vorstellungen läuft/stresst.
Hmm, also Posting von angeblich zu hoher Erwartung finde ich auch nicht hilfreich.
Klar, kann man sein Kind einfach aufgeben und nichts mehr verlangen. Aber wer will echt, dass das Kind dann evt. nicht mal Pflichtschulabschluss schafft? Ernsthaft? Vor allem bei einem intelligenten Kind.
Erziehung ist auch unangenehmes in die Hand nehmen und dazu gehört schulisch nach Begabung und Möglichkeiten zu fordern und zu fördern.
Mich triggert das auch ein wenig, weil ich ehrlich gesagt meinen ADS-ler manchmal auch innerlich am liebsten “schulisch aufgeben” würde. Weil es mir manchmal echt zu anstrengend ist… Ich weiß, dass Sitzenbleiben für ihn eine emotionale Katastrophe wäre, die ich ihm wirklich erspären möchte. Und ich möchte, dass er doch noch schulisch alles schafft.
Ich schwanke auch immer zwischen liebevoll anschieben/ motivieren und ab und zu temporär aufgeben, wenn ich zB zu viel angemotzt werde beim Vokabeln abfragen. Komplett aufgeben kann und will ich nicht und selber machen lassen funktioniert leider nicht so recht.
Schule ist anstrengend. Als Mutter viel mehr als früher als Kind.