Was sind Eure Orte der Ruhe?

Moin, liebe Kämpferinnen und Kämpfer!

Ich fänd’s mal spannend zu wissen, ob ihr Orte habt, die Euch helfen das System zu entschleunigen? Bin ja nun seit einigen Jahren zweifacher Vater und da ging es ganz klassisch an die Nordsee, St Peter Ording und ich dachte vorher, „Ach, Du Sch…, Du wirst bekloppt in dieser öden, flachen Weite.“ Im Jahr zuvor hatten wir einen Monat Elternzeit auf Sizilien und es war so wunderschön. Die locals wurden dem Klischee des kinderfreundlichen Südländers so dermaßen gerecht und über die Küche, Dörfchen etc. will ich garnicht erst reden. Wie auch immer, im nächsten Jahr wartete die Nordsee und ich hatte echt keinen Bock, aber die Kinder, na ja, eben wegen Bauernhof, Ponys, Sandburgen und dem ganzen Gedöns. Bin am ersten Abend erst mal die Gegend abgefahren und meine Befürchtung bestätigte sich. "Fu…, Deiche, Schafe, Matjesbrötchen, anstatt italienische Küche und ne braungraue Suppe, die sie Meer nennen. Am zweiten Abend zog ich meine Laufschuhe an, fuhr Richtung Westerhever um dort Richtung Leuchtturm zu joggen, war irgendwie schön. Als ich das wiederholte, merkte ich zusehends, wie die Weite, die Unaufgeregtheit der friesischen Landschaft mich begann zu entschleunigen. Wie imposant die Wolkenberge sich über den Himmel schoben und welch ein Lichterspektakel, wenn die Sonne durchbrach und Teile des Watts in unwirkliches Licht tauchte, und weit weg, die Halligen, wie Walbuckel aus dem Wasser erschienen. Da passierte etwas mit mir und das war echt schön. Jo, und jetzt freu ich mich auf die Nordsee, weil ich da mal einfach sein kann, zwischen den von Schafskötteln überzogenen Deichen und allgegenwärtigen Fischbuden. Weil mich im Gegensatz zu vielen anderen Zielen wo ich war, nichts treibt, weil ich unbedingt, DAS, DAS, und DAS abhaken, sehen, machen muss.
Wie ist das bei Euch denn so?

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Also bei mir sind es die Berge und die müssen noch nicht einmal besonders hoch sein.
Die badischen Weinberge reichen mir auch schon. Am liebsten gehe ich dort in der Dämmerung spazieren. Den Weinberg hinter mir und die Rheinebene mit all den Lichtern unter mir. Dann löst sich sich all der Stress mit dem schwindenden Abendrot auf…

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Hallo Achtungbaby.

Man macht sich - so scheint es mir - als Adhsler tendenziell zu viele Sorgen. Die Realiät die nun halt mal ein Chaos ist wird vom Adhsler analysiert, auseinandergenommen, neu sortiert und wieder eingeordnet. Und am Ende kommt dabei etwas heraus was aussieht wie Wahrheit - nur ist diese halt subejktiv.

Bei mir ist das mit der Entschleunigung eigentlich recht einfach. Je Mehr „Lärm“ um mich herum ist - und dass kann auch nur Informationslärm sein - desto weniger ist es mir möglich zu entschleunigen. Es meinte jemand er kriege im Restaurant jedes Gespräch mit und könne sich daher nicht aufs eigene konzentrieren. Das geht mir fast in jeder Situation so -. es sei denn ich bin auf einem Weg aus der Stadt heraus -so komisch das klingen mag.

Mein Gehirn, ich wüsst nicht wie ich das anders beschreiben soll - verlangt Ruhe. Die Entschleunigung ist für mich - und ich spreche da aussschliesslich für mich selbst - die Entschleunigung ist Lärmreduktion. Dedshalb hab ich auch aufgehört öffentliche Einrichtungen wie Kino, Bars, Theater etc zu besuchen. In einem Publikum zu sitzen z:B in einem Theatersaal - garantiert dass ich die Hälfte des Stück gar nicht mitbekomme weil meine Sinne damit beschäftigt sind die Umgebung zu „katalogisieren“. EIn blödes, unzureichendes Wort. Aber so ist es.

Für mich war es immer problematisch mich an Orten aufzuhalten die eine Menge Information beinhalten. Das geht so weit dass ich der Profilangabe „Adhsler und Stadtmensch“ sofort denke „Wie hält der das aus ?“ Wie hält überhaupt irgendjemand eine Situation aus in der viele Menschen anwesend sind und einem eventuell sogar Forgesetzte noch Aufgaben erteilen. Es kann von einem Glücksfall geredet werden - jedenfalls bei mir - wenn ich die komplette Aufgabe mitbekäme - fähig wäre dieses später so durchzuführen wie dazu beauftragt.

Du hast Kinder ? Deine Kindr in Ehren und alles - aber wie hälst du das aus ? Ich merke schon wies mir die Energie ausm Körper zieht wenn ich nur schon an einer Gruppe heranwachsender vorbeigehen muss. Und das sind maximal 30 Sekunden.

Ich kann auch sagen dass die Entschleunigung für mich als Adhsler von elementarer Bedeutung ist weil ich gar sonst überhaupt nicht mehr funktionieren könnte. Ich habe mich zu lange nicht darauf eingelassen - und als ergebnis davon hab ich soziale Angststörung entwickelt. Weil ich geglaubt hab mich im Dienst anderer
zurückstellen zu müssen - und zwar immer.

Die Entschleunigung beginnt für mich damit dass man sich Freiräume nehmen muss. Mindestens eine Stunde am Tag wo man mit sich allein ist - und zwar wirklich allein. Um den Kopf freizukriegen. Man wird in dieser Welt mit Infos zugeballert.

Mich würde mal interessieren wie die Theorie zur ursprünglichen Entstehung - also sozusagen der „Geburtsstunde“ von ADHS lautet. Denn mir scheint die Antwort auf viele der Probleme viel zu einfach. Die Welt ist zu laut, zu nervös, zu sehr mit Werbung überstellt etc. Adhs ist - das kann ich nur vermuten - chronische Reizüberflutung.

Eine kluge Person hier im Forum hat Dr. Hallowell zitiert der meinte Adhs sei eine starke Quelle unnötigen Leidens im Leben vieler Menschen. Aber wenn die Krankheit gemeistert werde könne das zu Talenten führen die nicht gekauft werden könnnen… oder so ähnlich

Ich behaupte der Wunsch nach Entschleunigung hat oft damit zu tun dass einem keiner beigebracht richtig mit der senosrischen Feinheit von Adhs umzugehen. Leute die im Restaurant jedes Gespräch mitkriegen und das als unangenehm empfinden könnten sich auch fragen was diese fähigkeit bedeuten würde wenn man sich ihr nicht hilflos ausgeliefert fühlen würde - sondern fähig wäre diesen sensorischen Wildwuchs in nützliche Bahnen zu lenken. Und ich bin absolut überzeugt dass das möglich ist - auch wenn oft behauptet - meist von mangelhaft ausgebildeten Fachpersonen - dass es sich bei Adhs vor allem um ein Problem handelt.
Ja es handelt sich um das Problem dass hier etwas im menschlichen Fähigkeitsspektrum aufgetaucht ist was von der Medizin nicht wirklich verstanden wird. Aber das ist nur ein Gefühl. Und ob es einem gelingen wir Adhs zu „meistern“ bleibt ergebnisoffen.

Ich z.b dachte ich hätte mein Leben im Griff und sah mich heute morgen dazu veranlasst einen Psychiater zu kontaktieren weil ich durch den ständigen Leidensdruck wieder depressiv geworden bin. Was das mit einem Menschen machen kann kann in meinen Beiträge hier im Forum erkennen. Ich habe alles nur noch schwarz gesehen - und wurde von den Forumsmitgliedern darin unterstütz meinen eigenen Zustand richhtig einzuordnen. Ich gehe morgen früh zu einem Psychiater und bitte um Hilfe. Weil das ADHs … ist zu stark.

Ich hoffe das macht Sinn.

Ja, das kann ich mir vorstellen, ein Sinnbild der Romantik da zwischen den Weinbergen in der Dämmerung zu sitzen. Schöne Vorstellung

Hey,
danke für Deine sehr tiefgehende Reaktion auf den post. Es tut mir leid, dass es Dir gerade so schlecht geht. Ich glaube nicht wenige hier, mich selbst eingeschlossen, fühlen mit Dir und können die Qualen einer Depression nachvollziehen. In irgend einer anderen Diskussion im Forum, wurde Matt Haig genannt, dessen Buch „Gute Gründe am Leben zu bleiben“ mir mehr als einmal durch stürmische See geholfen hat. Weiß nicht, ob Du schon „Unruhe im Kopf“ von Gabor Maté kennst. Ich mag seinen ganzheitlichen Ansatz, weil er ADHS auch unter der Berücksichtigung zwischenmenschlicher Beziehungen und Traumata angeht.
Ganz lieben Gruß

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Ja, das kann ich mir vorstellen, ein Sinnbild der Romantik da zwischen den Weinbergen in der Dämmerung zu sitzen. Schöne Vorstellun

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Ich habe von Gabor Mate erfahren als ich mir die Zeitgeist-Dokus reingezogen habe. Der Typ macht mir einen guten Eindruck. Ich werd mich mal nach mehr Material umschauen. Danke auch für den Tipp mit Matt Haig.

Ich würd von dem her auch nicht sagen dass es mir jetzt dermassen schlecht geht. Gestern gings mir noch viel schlechter. Aber dank dem Forum hab ich den Mut gefunden mit bei einem Fachmann zu melden anstatt mein Zukunft in einer geschwärzten Höhle zu verbringen.

Es ist das Konzept der Hoffnung, des LIchtblicks, der Einsicht dass „jetzt nicht immer“ ist - wie es jemand Kluges hier formuliert hat - die den Menschen am Leben hält. Die Erfahrung zeigt es wird besser wenn man bereit ist sich selber als das zu sehen was man ist - und nicht als das worauf man programmiert wurde.

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Bei mir ebenso, leider zu weit weg und zu wenig Zeit. Dank Verhaltenstherapie (bei „Fehldiagnose“ Depression) habe ich wieder zum Wandern gefunden. Ansonsten bin ich gerne mit dem Rad unterwegs oder in den Wäldern der Umgebung. Mit Behandlung/Medis ist es etwas schwierig geworden, da ich nicht mehr so „egonaßig“ dahinter bin. Eine positive Nebenwirkung - im Sinne der Familie :slight_smile: Ich weiß, Sport ist wichtig bei ADxS - aber mit drei Kindern und Beruf bleibt wenig Zeit. Verstehen die Ärzte wohl nicht :smile:

Ja, so ist es auch. Die Depression ist ne miese bitch und redet Dir ein, „Hey, ich bleib jetzt, mich wirst Du nicht los“ und manchmal ist man versucht ihr zu glauben, aber das is en Trick, lass Dich nicht verar…, der Mist hat ein Ende. Geduld und Glaube

Ja der Mist hat tatsächlich ein Ende. Und zwar weil es der Respekt vor sich selbst so voraussieht. Ich verstehe sehr gut was du meinst.

Mir fällt beim Thema Depression ein wie ich das erste mal versucht habe vom Rauchen loszukommen. Ich dachte es handle sich bei der Sucht um eine ärt Dämonisches Überwesen dass ich nie würde bezwingen können.
Stellt sich heraus die Sucht ist ein kleines Wichtelmännchen - das ähnlich einem unzufriedenen Kind in der ZImmerecke sitzt und versucht mit seinen beschränkten Mitteln seinen Willen zu erzwingen.

Ich habe z.b gestern das Weed-Rauchen eingestellt. Ich kann sagen erst die magnitude meiner momentanen Krise hat mir das ermöglicht. Mein Gehirn hat wenn man so will begriffen dass jetzt die Zeit fürs klare denken gekommen ist. Ich habe vor allem gekifft weil ich geglaubt hab meine koginitiven Fähigkeiten seien de facto (gesellschaftlich) nutzlos und hätten es daher verdient betäubt zu werden. No Joke.

Ich kenn die Lösung um Depressionen loszuwerden nicht. Aber sicher ist dass dieses Gefühl gegen gesteigerten Aktionismus so gut wie gar nichts unternehmen kann - ausser einem ständig Sinnlosigkeit vorzugaukeln. Wenn alles so sinnlos ist - wieso sitzen wir dann hier und tauschen unsere Erfahrungen aus. Und du kannst mir glauben - noch vor ein paar Tagen -. also eigentlich bis gestern (und da hatte ich den ganzen tag nicht gekifft) hätte ich jede Form der Hilfe nur mit Ablehnung reagieren können.

Depression ist eine Illusion. Sie entwertet alles was du erreicht hast, negiert deine Erfolge und versucht dir einzureden du wärst tot besser dran - ultimativ sozusagen. Nö du lebst. Und was du und jeder andere als Depression erlebst ist in wirklichkeit eine Form der Selbstsabotage / Lebenspessimimus.

Mich hat die vorgetäuschte Sinnlosigkeit - die ich durch die Kifferei noch weiter unterstützt und gepflegt habe - dazu bewogen mich zu fragen wie zur Hölle es möglich ist dass ich die Kontrolle über meine geistigen Fakultäten verliere und dabei nicht mal ein Mitspracherecht zu haben scheine.

Stellt sich raus das Gehirn hat eine eine eigene, von der vom Menschen gebildeten Meinung unabhängig ansicht dazu was richtig oder falsch ist. Nur ist diese Meinnung nicht auf Lebenserfahrung aufgebaut, sondern auf dem Schnellfeuer irrationaler Synapsen.

Weisste was ? Ich freue mich dass ich jetzt Hoffnung habe. Und auch wenns „nur“ ein Termin ist. Ich habe das Telefon in die Hand genommen und Hilfe gesucht. Ein Akt menschlicher Grösse den mir keine Depression wegnehmen kann. Und darum gehts. Aktionen zu machen die so gut für einem selber sind - dass es der Depression unmöglich ist diese zu negieren oder kleinzureden.

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Das Meer :heartpulse:
Bei mir gerne die Ostsee.

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Hallo @AchtungBaby71
Wasser oder Wälder …
Ich brauche mindestens eins von beiden - idealerweise fließt ein Bach durch einen Herbstwald :pinched_fingers:t2:

Ich weiß gar nicht genau was mich da so gut fühlen lässt.
Ich schaue gerne ins Wasser und merke, wie auch alle anderen Menschen am Wasser einfach anders sind…

vielleicht ist es einfach die Stimmung um mich herrum, die ruhiger ist, irgendwie romantischer…Ich muss nicht mehr auf der Hut sein, weil alle anderen entspannter sind :v:t2:

Das absolute Gegenteil sind natürlich Großveranstaltungen mit einer unberechenbaren Menge… Ich gehe gerne auf Konzerte etc. aber da lässt mich halt auch die Annahme unter Gleichgesinnten* zu sein entspannen

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Ja, es ist so ne abgedroschene Phrase, aber die Natur heilt. Ich glaube eh, dass viele von uns alte Seelen sind.

Für mich ist es eigentlich immer beruhigend, wenn ich im Freien sein und mich bewegen kann.

Allerdings fühle ich mich schon auch seit frühester Kindheit im Wasser / Schwimmbecken sehr wohl! Das hat dazu geführt, dass ich vor knapp 4 Jahren im Alter von 33 Jahren in einen Verein eingetreten bin und jetzt 4x die Woche schwimme.

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Einen Ort der Ruhe habe ich eigentlich schon lange nicht mehr, warum?, weil es solche Orte der Ruhe schon lange nicht mehr gibt, weil da Leute hinkommen um ein Selfie von sich zu machen, was auch immer, oder einen Film den sie hochladen können, und weil es fast keinen Ort mehr gibt auf dieser Welt, wo Hinz und Kunz nicht hin reissen wollen, sei es zum K 2 oder zu den Tempelanlagen in Mexiko, nichts ist zu teuer, nichts scheint unmöglich, um dort seine eigenen Fussspuren hinterlassen zu wollen, oder weiss der Geier wohin, warum, weshalb sonst auf dieser Welt, einfach weil man es kann, Hauptsache der Hintergrund ist beeindruckend, für eine Foto Session, getreu dem Motto: 100 Dinge die du vor deinem Tod gesehen haben solltest, nur um sich selbst in Scene zu setzen, ziemlich narzisstisch eigentlich, am besten noch bei Sonnenuntergang, Hauptsache perfekt gestylt und geschminkt, den Filter natürlich nicht zu vergessen. Hauptsache man generiert Likes, verdient damit sein Geld oder bekommt dadurch seine Aufmerksamkeit die einem sonst im Leben anscheinend fehlt.
Schon verrückt, wenn ich daran zurück denke wie für mich damals Ferien in der Toskana unerschwinglich waren, aber Leute heute durch die Weltgeschichte reissen, als gäbe es kein Morgen.

Meine 1. Tasse Kaffee morgens vor der Arbeit dick eingemummelt auf der Terasse und dabei die glitzernden Sterne sehen und die beginnede Morgendämmerung…und dabei die Ruhe genießen bevor der Trubel des Tages beginnt …herrlich :heartpulse:

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@Lea
Das ist wunderschön. Es gibt nicht schöneres als den erwachenden Tag in aller Ruhe zu erleben.

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Mein Ort der Kraft ist vor allem in meinen eigenen vier Wänden, also zuhause, wo nur ich mit meinen lieben bin, was gibt es schöneres als nach Hause zu kommen, sich in seinen eigenen Wänden zu entspannen, die Füsse hochlegen, einen Kaffee zu trinken, oder eine Tasse Tee oder Ovomaltine, je nach Jahreszeit, dabei ein Buch zu lesen, Musik zu hören, vielleicht auch TV zu gucken, und einfach seine Ruhe zu haben vor der Welt da draussen.
Ansonsten natürlich draussen in der Natur, sei es in Wäldern, in den Bergen, an Bächen, Flüssen oder Seen, und dann liebe ich natürlich das Meer, aber auch Moore oder Heiden sind sehr schön, und natürlich Blumenwiesen, Bauernhöfe und Kuh Weiden, überhaupt liebe ich natürlich generell Tiere, die auch sehr beruhigend auf mich wirken.
:smiley_cat::dog::cow:

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